15. Juni 2026
Was genau ist eigentlich eine Koralle?
Wer zum ersten Mal ein Korallenriff oder ein Meerwasseraquarium betrachtet, stellt sich oft dieselbe Frage: Was sind Korallen eigentlich? Sind sie Pflanzen, Steine oder Tiere? Die Antwort überrascht viele Menschen, denn Korallen gehören tatsächlich zum Tierreich und zählen zu den faszinierendsten Lebewesen unseres Planeten.
Korallen sind Tiere
Korallen gehören zum Stamm der Nesseltiere (Cnidaria) und sind damit verwandt mit Quallen und Seeanemonen. Eine einzelne Koralle besteht aus vielen kleinen Lebewesen, den sogenannten Polypen. Diese winzigen Tiere besitzen einen röhrenförmigen Körper und einen Kranz aus Tentakeln, mit denen sie Nahrung aus dem Wasser fangen können.
Jeder Polyp lebt in einem selbst gebildeten Kalkskelett. Über viele Jahre und Jahrzehnte wachsen diese Skelette zusammen und bilden die beeindruckenden Korallenstöcke, die wir aus Aquarien und natürlichen Riffen kennen.
Der Aufbau einer Koralle
Betrachtet man eine Steinkoralle genauer, erkennt man, dass sie aus tausenden einzelnen Polypen besteht. Jeder Polyp erfüllt wichtige Aufgaben:
- Aufnahme von Nahrung
- Wachstum des Kalkskeletts
- Fortpflanzung
- Schutz der Kolonie
Alle Polypen einer Korallenkolonie sind miteinander verbunden und tauschen Nährstoffe aus. Dadurch funktioniert die gesamte Kolonie wie ein einziger Organismus.
Die besondere Partnerschaft mit Algen
Eine der größten Besonderheiten vieler Korallen ist ihre Symbiose mit mikroskopisch kleinen Algen, den sogenannten Zooxanthellen.
Diese Algen leben direkt im Gewebe der Korallen und betreiben Photosynthese. Dabei nutzen sie Licht, um Energie zu erzeugen. Ein großer Teil dieser Energie wird an die Koralle abgegeben. Im Gegenzug erhalten die Algen Schutz und wichtige Nährstoffe.
Diese einzigartige Partnerschaft ermöglicht das Wachstum der gewaltigen Korallenriffe in tropischen Meeren. Gleichzeitig erklärt sie, warum viele Korallen im Aquarium eine starke Beleuchtung benötigen.
Warum sind Korallen so bunt?
Die beeindruckenden Farben vieler Korallen entstehen durch verschiedene Faktoren:
- Pigmente der Zooxanthellen
- Schutzpigmente der Koralle selbst
- Fluoreszierende Proteine
- Lichtverhältnisse im Aquarium oder Meer
Unter speziellen Blaulicht- oder UV-Anteilen beginnen viele Korallen sogar zu fluoreszieren und zeigen spektakuläre Farben, die Meerwasseraquarianer auf der ganzen Welt begeistern.
Welche Korallenarten gibt es?
In der Meerwasseraquaristik unterscheidet man hauptsächlich zwischen Weichkorallen, LPS-Korallen und SPS-Korallen.
Weichkorallen
Weichkorallen besitzen kein festes Kalkskelett. Sie bewegen sich oft sanft in der Strömung und gelten als besonders robust.
Bekannte Beispiele sind:
- Sarcophyton (Pilzlederkorallen)
- Sinularia
- Zoanthus
- Scheibenanemonen
LPS-Korallen
LPS steht für „Large Polyp Stony Corals“. Diese Korallen besitzen große, auffällige Polypen und ein Kalkskelett.
Beliebte Vertreter sind:
- Euphyllia
- Caulastrea
- Acanthastrea
- Trachyphyllia
SPS-Korallen
SPS bedeutet „Small Polyp Stony Corals“. Diese Korallen besitzen kleine Polypen und wachsen häufig verzweigt oder tafelartig.
Bekannte Arten sind:
- Acropora
- Montipora
- Seriatopora
- Stylophora
SPS-Korallen gelten als anspruchsvoller, belohnen den Aquarianer jedoch mit außergewöhnlichen Farben und Wuchsformen.
Wie ernähren sich Korallen?
Viele Menschen glauben, Korallen würden ausschließlich von Licht leben. Tatsächlich ist ihre Ernährung deutlich vielseitiger.
Korallen gewinnen Energie durch:
- Photosynthese der Zooxanthellen
- Aufnahme gelöster Nährstoffe
- Fang von Plankton
- Spezielle Korallenfutter
Besonders nachts strecken viele Arten ihre Fangtentakel aus und gehen aktiv auf Nahrungssuche.
Korallen als Architekten der Meere
Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Obwohl sie weniger als ein Prozent der Ozeanfläche bedecken, bieten sie Lebensraum für einen enormen Teil aller marinen Arten.
Zwischen den Korallen leben:
- Fische
- Garnelen
- Krabben
- Seesterne
- Schnecken
- Muscheln
- zahlreiche weitere Wirbellose
Deshalb werden Korallenriffe oft als „Regenwälder der Meere“ bezeichnet.
Bedrohungen für Korallenriffe
Weltweit stehen Korallenriffe unter großem Druck. Zu den größten Gefahren zählen:
- Klimawandel
- Erwärmung der Meere
- Korallenbleiche
- Umweltverschmutzung
- Überfischung
- Zerstörung natürlicher Lebensräume
Umso wichtiger ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Korallen in der Meerwasseraquaristik. Nachzuchten und nachhaltige Herkunft gewinnen dabei immer mehr an Bedeutung.
Korallen im Meerwasseraquarium
Ein Meerwasseraquarium ermöglicht faszinierende Einblicke in die Unterwasserwelt. Korallen wachsen, verändern ihre Form und entwickeln im Laufe der Zeit beeindruckende Farben.
Für eine erfolgreiche Haltung sind besonders wichtig:
- stabile Wasserwerte
- hochwertige Beleuchtung
- ausreichende Strömung
- regelmäßige Pflege
- Geduld
Wer diese Grundlagen beachtet, kann über viele Jahre Freude an gesunden und prächtigen Korallen haben.
Fazit
Korallen sind keine Pflanzen und keine Steine, sondern hochentwickelte Tiere mit faszinierenden Eigenschaften. Durch die Symbiose mit Algen erschaffen sie die größten von Lebewesen gebildeten Strukturen der Erde – die Korallenriffe. Ihre Farben, Formen und ihr Verhalten machen sie zu den beeindruckendsten Bewohnern eines Meerwasseraquariums.
Wer Korallen hält, pflegt nicht nur wunderschöne Tiere, sondern holt sich ein kleines Stück der faszinierenden Unterwasserwelt nach Hause. Mit dem nötigen Wissen, Geduld und einer verantwortungsvollen Haltung können Korallen viele Jahre wachsen und zu einem lebendigen Mittelpunkt jedes Meerwasseraquariums werden.
