Welche Korallen für ein Mischriff?

Ein Mischriff gehört für mich zu den schönsten Möglichkeiten, ein Meerwasseraquarium zu gestalten. Große bewegte LPS-Korallen, fein verzweigte SPS, farbenfrohe Zoanthus und weich schwingende Weichkorallen können gemeinsam ein unglaublich abwechslungsreiches Riff ergeben.

Genau diese Mischung macht die Planung aber anspruchsvoller. Denn eine Acropora möchte normalerweise andere Licht- und Strömungsverhältnisse als eine Trachyphyllia oder eine Scheibenanemone.

Die Kunst beim Mischriff besteht deshalb nicht darin, für alle Korallen einen gemeinsamen Mittelwert zu finden. Viel besser ist es, unterschiedliche Bereiche im Aquarium zu schaffen und jede Koralle dort zu platzieren, wo Licht, Strömung und Platz zu ihren Bedürfnissen passen.

Was ist eigentlich ein Mischriff?
Als Mischriff bezeichnet man ein Meerwasseraquarium, in dem unterschiedliche Korallen-Gruppen gemeinsam gepflegt werden.

Typischerweise findest Du darin:
Weichkorallen
Krustenanemonen
Scheibenanemonen
LPS-Korallen
SPS-Korallen

Du musst natürlich nicht aus jeder Gruppe Tiere einsetzen. Ein Mischriff kann beispielsweise überwiegend aus LPS bestehen und nur durch einige SPS und Weichkorallen ergänzt werden.

Gerade diese Freiheit macht ein Mischriff interessant.

Welche Korallen eignen sich besonders gut?
Ich würde für ein Mischriff zunächst Korallen auswählen, deren Ansprüche sich vernünftig miteinander kombinieren lassen.

Besonders interessant sind robuste Arten, die nicht sofort auf kleinere Veränderungen reagieren.

Dabei kannst Du unterschiedliche Bereiche des Riffaufbaus gezielt nutzen.

Weichkorallen bringen Bewegung ins Mischriff
Weichkorallen bilden einen schönen Kontrast zu den festen Strukturen von SPS- und LPS-Korallen. Viele Arten bewegen sich sichtbar in der Strömung und sind vergleichsweise anpassungsfähig.

Interessante Arten sind:
Sarcophyton
Sinularia
Lobophytum
Briareum
Xenia
Clavularia

Gerade bei schnell wachsenden Arten solltest Du allerdings bereits beim Einsetzen vorausdenken.

Briareum oder Xenia können beispielsweise größere Bereiche besiedeln. Solche Korallen würde ich möglichst auf einen separaten Stein oder eine kleine Riffinsel setzen.

So kannst Du ihr Wachstum wesentlich leichter kontrollieren.

Weichkorallen – Haltung, Arten & Pflege
Hier erfährst Du mehr über Haltung, Wachstum, Beleuchtung, Strömung und die Besonderheiten von Weichkorallen im Mischriff.

LPS-Korallen als Blickfang
Für mich gehören LPS fast automatisch in ein Mischriff. Ihre großen Polypen, kräftigen Farben und teilweise deutliche Bewegung sorgen für einen starken Kontrast zu fein verzweigten SPS.

Interessant sind beispielsweise:
Euphyllia
Duncanopsammia
Caulastrea
Favia
Favites
Lobophyllia
Micromussa
Blastomussa
Trachyphyllia

Viele dieser Korallen lassen sich hervorragend im unteren bis mittleren Riffbereich platzieren.

Aber Vorsicht: „LPS“ bedeutet nicht automatisch „friedlich“.

Einige Arten können nachts lange Kampftentakel ausbilden oder Nachbarkorallen durch direkten Kontakt stark vernesseln. Deshalb solltest Du bereits beim Kauf genügend Platz für das spätere Wachstum einplanen.

LPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Unser großer LPS-Ratgeber erklärt Dir ausführlich, worauf Du bei Standort, Beleuchtung, Strömung und Abstand achten solltest.

SPS für den oberen Riffbereich
SPS-Korallen bringen verzweigte, buschige, plattenförmige oder krustenförmige Strukturen ins Mischriff.

Für den Einstieg würde ich nicht unbedingt mit den empfindlichsten SPS beginnen.

Interessanter sind zunächst:
Montipora
Stylophora
Seriatopora
Pocillopora
Pavona
Porites
Cyphastrea
Leptastrea

Wenn Dein Aquarium bereits stabil läuft und Du Erfahrung mit SPS gesammelt hast, kannst Du natürlich auch Acropora integrieren.

Acropora würde ich aber nicht unbedingt als erste SPS eines jungen Mischriffs auswählen.

Viele SPS benötigen stabile Wasserwerte, eine kräftigere Beleuchtung und eine gute wechselnde Strömung. Genau deshalb eignet sich häufig der obere Bereich des Riffaufbaus.

SPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Hier findest Du alle wichtigen Grundlagen zur erfolgreichen Haltung von SPS-Korallen.

Das Mischriff in unterschiedliche Zonen aufteilen
Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte überhaupt.

Versuche nicht, überall im Aquarium dieselben Bedingungen zu erzeugen.

Nutze die Unterschiede bewusst.

Oben im Riff
Hier stehen häufig Korallen, die mehr Licht und kräftigere Strömung vertragen.

Geeignet sind beispielsweise:
Acropora
Montipora
Stylophora
Seriatopora
Pocillopora

Im mittleren Riffbereich
Hier lassen sich viele LPS und weniger lichthungrige Korallen hervorragend integrieren.

Interessant sind:
Euphyllia
Duncanopsammia
Caulastrea
Favia
Favites

Unten beziehungsweise auf dem Bodengrund
Hier können sich fleischige LPS besonders gut machen.

Beispiele sind:
Trachyphyllia
Lobophyllia
Micromussa
Blastomussa

Die Einteilung ist natürlich keine starre Regel. Entscheidend sind immer die tatsächlichen Bedingungen in Deinem Aquarium.

Separate Riffinseln sind Gold wert
Wenn Du Dein Mischriff neu planst, würde ich bewusst ein oder zwei kleine, vom Hauptriff getrennte Steine vorsehen.

Dort kannst Du Korallen platzieren, deren Wachstum Du kontrollieren möchtest.

Besonders interessant ist das beispielsweise für:
Briareum
Xenia
Krustenanemonen
Scheibenanemonen

Wächst eine solche Koralle direkt auf dem Hauptriff, kann sie sich später wesentlich schwieriger kontrollieren lassen.

Beleuchtung im Mischriff
Die perfekte Lichtstärke für ein Mischriff gibt es nicht.

Eine Acropora kann deutlich mehr Licht benötigen als eine Koralle, die im unteren Riffbereich steht.

Genau deshalb solltest Du die unterschiedlichen Lichtzonen Deines Aquariums nutzen.

Lichtstarke Bereiche für entsprechende SPS.
Mittlere Bereiche für viele LPS.
Schwächer beleuchtete Rand- und Bodenbereiche für geeignete LPS, Scheibenanemonen oder andere weniger lichthungrige Korallen.

Das ist wesentlich sinnvoller, als die gesamte Beleuchtung nach der anspruchsvollsten Koralle auszurichten.

PAR-Werte sind hilfreicher als das Auge
Unser Auge kann nur sehr schlecht beurteilen, wie viel photosynthetisch nutzbares Licht tatsächlich an einem bestimmten Standort ankommt.

Zwei Stellen können für Dich ähnlich hell aussehen und trotzdem deutlich unterschiedliche PAR-Werte besitzen.

Gerade in einem Mischriff kann eine PAR-Messung deshalb sehr hilfreich sein.

Du kannst damit gezielt Bereiche für SPS, LPS und weniger lichthungrige Korallen bestimmen, statt die Tiere ausschließlich nach Gefühl zu platzieren.

Strömung im Mischriff
Bei der Strömung gilt im Grunde dasselbe wie bei der Beleuchtung.

Viele SPS wie Acropora, Montipora, Seriatopora, Stylophora oder Pocillopora bevorzugen eine kräftigere und wechselnde Wasserbewegung. Fleischige LPS wie Euphyllia, Trachyphyllia oder Lobophyllia benötigen dagegen meist eine sanftere bis mittlere indirekte Strömung.

Das Ziel ist deshalb nicht eine überall gleich starke Strömung.

Versuche unterschiedliche Bereiche zu schaffen.

Kräftige wechselnde Strömung für SPS.
Moderate indirekte Strömung für viele LPS.
Ruhigere Bereiche für entsprechend empfindliche Korallen.

Vermeide dabei möglichst harte direkte Punktströmung.

Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Hier erfährst Du, wie Du unterschiedliche Strömungszonen erzeugst und Totbereiche im Riff vermeidest.

Wasserwerte im Mischriff
Auch bei den Wasserwerten solltest Du nicht versuchen, extreme Bedingungen für eine einzelne Korallen-Gruppe zu erzeugen.

Ein Mischriff funktioniert meist besonders gut mit stabilen Bedingungen, die sowohl für LPS als auch SPS und Weichkorallen geeignet sind.

Wichtig sind insbesondere:
Salinität
KH
Calcium
Magnesium
Nitrat
Phosphat
Temperatur

Dabei ist Stabilität häufig wichtiger als die Jagd nach einem vermeintlich perfekten Einzelwert.

Gerade starke KH-Schwankungen können empfindlichere Steinkorallen belasten.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium
Hier findest Du die wichtigsten Wasserwerte und ihre Zusammenhänge ausführlich erklärt.

Nährstoffe nicht auf null drücken
Ein Mischriff sollte nicht möglichst nährstoffarm sein.

Korallen benötigen Nährstoffe. Gleichzeitig können dauerhaft sehr hohe Konzentrationen bei empfindlicheren SPS problematisch werden.

Die Kunst besteht deshalb auch hier darin, ein stabiles Gleichgewicht zu finden.

Nitrat und Phosphat sollten nicht einfach möglichst weit abgesenkt werden, nur weil SPS im Aquarium stehen.

Chemische Konkurrenz nicht vergessen
Wenn Du Weichkorallen und Steinkorallen gemeinsam pflegst, gibt es neben der sichtbaren Konkurrenz um Platz noch einen weiteren Punkt: chemische Konkurrenz.

Verschiedene Weichkorallen können Stoffe an das Wasser abgeben, mit denen sie sich gegenüber anderen Korallen behaupten. In einem Mischriff mit empfindlichen SPS und LPS kann das relevant werden.

Ausreichend Abstand, gute Strömung, regelmäßige Wasserwechsel und bei Bedarf sinnvoll eingesetzte Aktivkohle können helfen.

Aktivkohle im Mischriff
Gerade in einem stark gemischten Korallenbestand kann Aktivkohle interessant sein.

Sie sollte allerdings nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ eingesetzt werden.

Aktivkohle richtig einsetzen
Hier erfährst Du, wann Aktivkohle sinnvoll sein kann und worauf Du bei Menge und Einsatz achten solltest.

Korallenabstand ist im Mischriff besonders wichtig
Einer der häufigsten Fehler ist ein zu dichtes Besetzen.

Im Laden oder auf dem Produktfoto sieht ein Ableger klein aus. Wenn Du ihn ins Aquarium setzt, wirken zehn Zentimeter Abstand vielleicht großzügig.

Ein Jahr später kann die Situation völlig anders aussehen.

SPS können Nachbarn beschatten.
LPS können lange Kampftentakel entwickeln.
Weichkorallen können große Bereiche überwachsen.
Krustenanemonen können sich auf dem Riff ausbreiten.

Plane deshalb nicht für die Größe beim Kauf, sondern für die spätere Kolonie.

Euphyllia braucht Platz
Euphyllia ist ein perfektes Beispiel.

Eine kleine Euphyllia kann zunächst problemlos zwischen anderen Korallen stehen. Mit zunehmendem Wachstum wird sie aber wesentlich größer und kann benachbarte Korallen erreichen.

Plane deshalb bereits beim Einsetzen ausreichend Platz ein.

Montipora kann andere Korallen beschatten
Auch Montipora wird gerne unterschätzt.

Besonders plattenförmig wachsende Montipora können mit der Zeit große Flächen bilden. Korallen darunter bekommen dann möglicherweise deutlich weniger Licht.

Denke deshalb beim Standort nicht nur darüber nach, wo die Koralle heute Platz hat, sondern wohin sie wachsen wird.

Acropora braucht Platz für Strömung
Eine kleine Acropora benötigt zunächst kaum Raum.

Eine große verzweigte Kolonie sieht dagegen nicht nur beeindruckend aus, sondern verändert gleichzeitig das Strömungsbild im Aquarium.

Deshalb solltest Du bei SPS auch genügend Platz zwischen den Kolonien einplanen.

Welche Korallen können im Mischriff schwieriger werden?
Einige Korallen sind nicht grundsätzlich ungeeignet, benötigen aber etwas mehr Planung.

Dazu gehören beispielsweise:
Xenia
Briareum
Hydnophora
Galaxea
Euphyllia

Xenia und Briareum können sich stark ausbreiten.

Hydnophora und Galaxea können gegenüber Nachbarkorallen ausgesprochen wehrhaft sein.

Große Euphyllia-Kolonien benötigen ebenfalls ausreichend Abstand.

Das bedeutet nicht, dass Du diese Korallen nicht halten solltest. Du solltest lediglich wissen, was Du kaufst und den Standort entsprechend planen.

Eine gute Kombination für den Einstieg
Wenn Du Dein erstes Mischriff aufbauen möchtest, würde ich nicht sofort zehn verschiedene anspruchsvolle Arten einsetzen.

Eine abwechslungsreiche Kombination könnte beispielsweise sein:
Sarcophyton
Zoanthus
Euphyllia
Duncanopsammia
Caulastrea
Montipora
Stylophora

Damit bekommst Du unterschiedliche Farben, Wuchsformen und Bewegungen ins Aquarium, ohne direkt ausschließlich besonders empfindliche Korallen auszuwählen.

Nicht alle Korallen gleichzeitig einsetzen
Ein Mischriff entwickelt sich.

Genau das würde ich auch nutzen.

Starte mit einigen gut passenden Korallen und beobachte, wie sie sich entwickeln. Wenn Wasserwerte stabil bleiben und die Tiere wachsen, kannst Du den Bestand schrittweise erweitern.

So lernst Du gleichzeitig Dein Aquarium kennen.

Das ist langfristig sinnvoller, als ein junges Riff innerhalb weniger Tage komplett mit Korallen zu füllen.

WYSIWYG ist beim Mischriff besonders praktisch
Wenn Du bereits einen bestimmten Platz im Riff im Kopf hast, ist WYSIWYG besonders interessant.

Du siehst genau das Tier, das Du bekommst, und kannst Farbe, Größe und Wuchsform bereits vor dem Kauf besser einschätzen.

Das erleichtert die Planung erheblich.

WYSIWYG oder Beispielbild?
Hier erklären wir Dir den Unterschied und worauf Du beim Online-Kauf achten solltest.

Welche Korallen passen aktuell in Dein Mischriff?
Wenn Du Dein Mischriff zusammenstellen möchtest, kannst Du direkt nach der gewünschten Korallen-Gruppe auswählen:

LPS-Korallen
SPS-Korallen
Weichkorallen

Wenn Du noch unsicher bist, welche Korallen zu Deinen vorhandenen Tieren, Deiner Beleuchtung oder Deinem Riffaufbau passen, würde ich nicht einfach nach der schönsten Farbe bestellen. Standort und spätere Größe sind mindestens genauso wichtig.

Typische Fehler beim Mischriff
Korallen ausschließlich nach Farbe auswählen
Zu viele Korallen auf einmal einsetzen
Zu wenig Platz zwischen den Ablegern lassen
Schnell wachsende Arten direkt auf das Hauptriff setzen
Alle Korallen derselben Strömung aussetzen
Die Beleuchtung ausschließlich nach SPS ausrichten
Fleischige LPS zu stark anströmen
Spätere Beschattung durch SPS nicht berücksichtigen
Nesselwirkung und Kampftentakel unterschätzen
Chemische Konkurrenz durch Weichkorallen vergessen
Nitrat und Phosphat möglichst auf null drücken
Ständig mehrere Wasserwerte gleichzeitig verändern

Unser Tipp
Ein schönes Mischriff entsteht nicht dadurch, dass Du möglichst viele unterschiedliche Korallen auf engem Raum unterbringst.

Plane stattdessen verschiedene Zonen.

Oben können beispielsweise Montipora, Stylophora und später auch Acropora stehen. Im mittleren Bereich sorgen Euphyllia oder Duncanopsammia für Bewegung und Farbe. Weiter unten können beispielsweise Trachyphyllia, Lobophyllia oder andere geeignete LPS ihren Platz finden.

Setze schnell wachsende Weichkorallen möglichst auf separate Steine und plane von Anfang an genügend Abstand ein.

So entsteht kein Aquarium, in dem jede Koralle irgendwie zurechtkommen muss, sondern ein Riff mit unterschiedlichen Lebensbereichen – und genau das ist für mich der Schlüssel zu einem langfristig funktionierenden Mischriff.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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