Kieselalgen im Meerwasseraquarium verstehen

Kieselalgen im Meerwasseraquarium verstehen – Warum sie entstehen und wann Du handeln solltest

Wer ein neues Meerwasseraquarium einrichtet, erlebt sie fast immer: Kieselalgen. Plötzlich überziehen braune Beläge den Bodengrund, das Riffgestein, die Scheiben oder die Technik. Gerade Einsteiger erschrecken häufig und vermuten ein ernstes Problem.

Dabei sind Kieselalgen in den meisten Fällen ein völlig normaler Bestandteil der Einfahrphase. Sie zeigen, dass sich das Aquarium biologisch entwickelt und erste Mikroorganismen den Lebensraum besiedeln.

In diesem Ratgeber erfährst Du, warum Kieselalgen entstehen, wie lange sie bleiben und wann Du tatsächlich eingreifen solltest.

Was sind Kieselalgen?
Kieselalgen gehören nicht zu den klassischen Algen, sondern zu den Kieselalgen (Diatomeen). Es handelt sich um mikroskopisch kleine Einzeller, die ein charakteristisches Gehäuse aus Siliziumdioxid (Kieselsäure) bilden.

Sie kommen weltweit in Süß- und Meerwasser vor und gehören zu den wichtigsten Mikroorganismen unserer Gewässer.

Im Aquarium bilden sie braune bis goldbraune Beläge auf nahezu allen Oberflächen.

Warum entstehen Kieselalgen?
Damit Kieselalgen wachsen können, benötigen sie hauptsächlich:

  • Silikat
  • Licht
  • Nährstoffe
  • Wasser

Gerade in einem neu eingerichteten Aquarium sind diese Voraussetzungen häufig ideal.

Mögliche Silikatquellen sind:

  • frische Riffkeramik
  • neues Totgestein
  • Leitungswasser
  • minderwertiges Osmosewasser
  • neues Filtersubstrat
  • frischer Bodengrund

Je mehr Silikat vorhanden ist, desto stärker können sich Kieselalgen vermehren.

Die Kieselalgenphase gehört zur Einfahrphase
In fast jedem neuen Meerwasseraquarium treten Kieselalgen innerhalb der ersten Wochen auf.
Sie gehören zu den ersten Organismen, die freie Flächen besiedeln.
Mit zunehmender Reife des Aquariums übernehmen andere Mikroorganismen, Kalkrotalgen und Bakterien nach und nach diese Lebensräume.
Deshalb verschwinden Kieselalgen häufig ganz von selbst.

Wie lange bleiben Kieselalgen?
Das ist von Aquarium zu Aquarium unterschiedlich.

Typischerweise treten sie:

  • nach wenigen Tagen bis zwei Wochen auf
  • erreichen nach einigen Wochen ihren Höhepunkt
  • verschwinden anschließend langsam wieder

Je stabiler sich die Biologie entwickelt, desto schneller gehen die braunen Beläge zurück.

Sind Kieselalgen schädlich?
In den meisten Fällen lautet die Antwort: Nein.
Kieselalgen sind zunächst völlig harmlos.
Sie schaden weder Fischen noch Korallen direkt.
Lediglich sehr starker Bewuchs kann empfindliche Korallen oder frisch eingesetzte Ableger teilweise beschatten.
Ein leichter brauner Belag ist dagegen völlig normal.

Cleaning Crew gegen Kieselalgen
Viele Bewohner eines Meerwasseraquariums ernähren sich gerne von Kieselalgen.
Besonders bewährt haben sich:

Sie halten den Bewuchs kurz und unterstützen das biologische Gleichgewicht.

Silikat kontrollieren
Bleiben Kieselalgen über viele Monate bestehen oder treten immer wieder auf, sollte die Ursache genauer untersucht werden.

Häufig lohnt sich ein Blick auf:

  • Osmoseanlage
  • Harzfilter
  • Silikatgehalt des Ausgangswassers
  • Qualität des Nachfüllwassers

Ist das Silikat dauerhaft erhöht, kann ein spezieller Silikatadsorber sinnvoll sein.

Muss ich Kieselalgen entfernen?
Ein leichter Belag muss normalerweise nicht entfernt werden.
Starke Ablagerungen auf den Scheiben können einfach mit einem Scheibenreiniger beseitigt werden.
Beläge auf Steinen verschwinden häufig von allein, sobald andere Organismen die Flächen besiedeln.
Übertriebene Reinigungsaktionen sind meist nicht notwendig.

Häufige Fehler
Viele Aquarianer reagieren auf Kieselalgen zu schnell.

Typische Fehler sind:

  • sofortiger Einsatz chemischer Mittel
  • vollständiges Entfernen aller Beläge
  • zu viele Änderungen gleichzeitig
  • übermäßige Wasserwechsel
  • unnötige Panik während der Einfahrphase

Gerade in den ersten Wochen ist Geduld oft die beste Lösung.

Wie kannst Du Kieselalgen vorbeugen?
Ganz verhindern lassen sie sich meist nicht.
Du kannst ihr Wachstum jedoch begrenzen durch:

  • hochwertiges Osmosewasser
  • frisches Mischbettharz
  • regelmäßige Kontrolle des Silikatgehalts
  • gute Strömung
  • angemessene Beleuchtungsdauer
  • leistungsfähigen Eiweißabschäumer
  • ausgewogene Cleaning Crew

So entwickelt sich das Aquarium meist deutlich stabiler.

Kieselalgen oder Dinoflagellaten?
Braune Beläge werden häufig miteinander verwechselt.
Während Kieselalgen meist leicht abwischbar sind und eher einen samtigen Belag bilden, erzeugen Dinoflagellaten häufig schleimige Beläge mit Luftblasen und können für Korallen deutlich problematischer sein.
Wenn sich die Beläge trotz guter Wasserwerte über Monate halten oder täglich sehr schnell zurückkehren, lohnt sich eine genauere Untersuchung.

Fazit
Kieselalgen gehören zu den ganz normalen Begleiterscheinungen beim Start eines Meerwasseraquariums. Sie zeigen meist keine Fehlentwicklung, sondern sind Teil der natürlichen biologischen Besiedlung.

Mit etwas Geduld, einer gut zusammengestellten Cleaning Crew und hochwertigem Osmosewasser verschwinden sie in den meisten Aquarien ganz von selbst. Wichtig ist, nicht vorschnell einzugreifen, sondern die Entwicklung des Beckens aufmerksam zu beobachten und nur dann Maßnahmen zu ergreifen, wenn die braunen Beläge dauerhaft bestehen bleiben oder ungewöhnlich stark auftreten.

Unser Tipp
Lass Dich von den ersten braunen Belägen nicht verunsichern. Fast jedes erfolgreiche Riffaquarium durchläuft eine Kieselalgenphase. Mit stabilen Wasserwerten, einer leistungsfähigen Cleaning Crew und etwas Geduld entwickelt sich Dein Aquarium Schritt für Schritt zu einem gesunden und stabilen Riff. Bei Korallenland beraten wir Dich gerne, wenn Du unsicher bist oder die Kieselalgen ungewöhnlich lange bestehen bleiben.

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Gerd Raabe
Raabe Aquaristik
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