Gesunde Korallen erkennen

Eine neue Koralle sieht spektakulär aus – aber ist sie auch gesund? Gerade beim Kauf solltest Du Dich nicht ausschließlich von einer außergewöhnlichen Farbe oder einem besonders günstigen Preis leiten lassen. Viel wichtiger sind intaktes Gewebe, ein zur jeweiligen Art passendes Polypenbild und das Fehlen offensichtlicher Schäden oder unerwünschter Begleiter.

Dabei gibt es kein einzelnes Merkmal, an dem Du eine gesunde Koralle zweifelsfrei erkennst. Eine gerade geschlossene Koralle muss nicht krank sein und eine extrem farbige Koralle muss nicht automatisch gesund sein. Entscheidend ist immer das Gesamtbild.

Das Gewebe ist besonders wichtig
Einer der ersten Blicke sollte dem Gewebe gelten. Bei Steinkorallen sollte das lebende Gewebe das Skelett entsprechend der jeweiligen Art gesund überziehen.

Achte besonders auf:
Intaktes Gewebe
Keine ungewöhnlich freiliegenden Skelettbereiche
Keine deutlich fortschreitenden Gewebeverluste
Keine auffälligen Verletzungen
Keine braunen oder ungewöhnlichen schleimigen Stellen

Ein kleiner älterer Gewebeschaden muss nicht automatisch bedeuten, dass die gesamte Koralle krank ist. Frischer oder fortschreitender Gewebeverlust ist dagegen ein Warnsignal.

Besonders bei LPS-Korallen solltest Du auf Übergänge zwischen Gewebe und Skelett achten.

LPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Hier erfährst Du mehr über das typische Erscheinungsbild und die unterschiedlichen Ansprüche von LPS-Korallen.

Geöffnete Polypen sind gut – aber kein alleiniger Gesundheitsbeweis
Ein schönes Polypenbild ist grundsätzlich positiv. Trotzdem solltest Du eine Koralle nicht allein danach beurteilen, wie weit ihre Polypen gerade geöffnet sind.

Auch eine vollkommen gesunde Koralle kann zeitweise eingezogen sein.

Mögliche Gründe sind:
Transport
Berührung
Veränderung der Strömung
Veränderte Beleuchtung
Fütterung
Tageszeit
Umsetzen der Koralle

Bei manchen Korallen verändert sich das Polypenbild im Tagesverlauf sogar erheblich.

Entscheidend ist deshalb weniger eine einzelne Momentaufnahme. Auffälliger wird es, wenn eine Koralle über längere Zeit ungewöhnlich stark eingezogen bleibt und gleichzeitig weitere Veränderungen zeigt.

Bei LPS-Korallen auf die Expansion achten
Viele LPS-Korallen können ihr Gewebe deutlich expandieren.

Eine gut expandierte Koralle kann ein positives Zeichen sein. Trotzdem gilt auch hier: Eine vorübergehend zusammengezogene LPS-Koralle ist nicht automatisch krank.

Interessanter wird die Kombination verschiedener Symptome.

Bleibt eine Koralle dauerhaft stark eingezogen und zeigt gleichzeitig Gewebeverlust, Verfärbungen oder freiliegendes Skelett, solltest Du genauer hinsehen.

SPS-Korallen richtig beurteilen
Bei SPS-Korallen ist die Beurteilung etwas anders. Hier solltest Du besonders auf ein geschlossenes beziehungsweise intaktes Gewebebild achten.

Interessant sind:
Intaktes Gewebe
Artgerechte Färbung
Polypenbild
Keine fortschreitenden weißen Stellen
Keine Gewebeablösung
Erkennbare Entwicklung beziehungsweise Wachstum

Helle Spitzen können bei SPS-Korallen auf Wachstum hinweisen. Weiß ist aber nicht automatisch Wachstum.

Eine gesunde Wachstumsspitze und ein Bereich mit Gewebeverlust können auf den ersten Blick ähnlich wirken. Deshalb solltest Du immer betrachten, ob die Veränderung zur natürlichen Wuchsform der Koralle passt und ob das umliegende Gewebe gesund aussieht.

SPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Unser großer SPS-Ratgeber erklärt Dir die Besonderheiten von SPS-Korallen und ihre Ansprüche an Licht, Strömung und stabile Wasserwerte.

Kräftige Farben bedeuten nicht automatisch Gesundheit
Natürlich wünschen wir uns farbenprächtige Korallen. Farbe allein ist aber kein zuverlässiger Gesundheitsindikator.

Korallen können ihre Färbung unter unterschiedlichen Beleuchtungen deutlich verändern. Besonders die stark blaulastige Beleuchtung moderner Riffaquarien kann fluoreszierende Farben enorm hervorheben.

Deshalb kann dieselbe Koralle unter verschiedenen Lampen vollkommen unterschiedlich aussehen.

Wichtiger als eine möglichst spektakuläre Farbe ist eine für das Tier plausible und gleichmäßige Färbung ohne auffällige Veränderungen.

Sehr helle Korallen genauer betrachten
Eine ungewöhnlich helle Koralle kann attraktiv aussehen, sollte aber genauer betrachtet werden.

Korallen können beispielsweise durch starke Beleuchtung, Veränderungen der Nährstoffsituation oder andere Stressfaktoren heller werden.

Deshalb wäre die Schlussfolgerung „besonders hell = besonders gesund“ genauso falsch wie „besonders dunkel = krank“.

Korallenstress erkennen
Hier erfährst Du, welche Veränderungen auf Stress hinweisen können und warum Du immer mehrere mögliche Ursachen betrachten solltest.

Auf Gewebeverlust achten
Fortschreitender Gewebeverlust gehört zu den Warnsignalen, die Du beim Kauf ernst nehmen solltest.

Besonders bei SPS-Korallen kann Gewebe langsam oder sehr schnell zurückgehen. Solche Veränderungen werden häufig als STN beziehungsweise RTN bezeichnet.

Auch bei LPS-Korallen solltest Du auf zurückweichendes Gewebe und zunehmend freiliegendes Skelett achten.

Wenn Du eine entsprechende Veränderung erkennst, würde ich vor einem Kauf zuerst klären, was passiert ist.

Brauner Schleim ist ein Warnsignal
Eine Koralle kann Schleim produzieren, ohne krank zu sein. Gerade Transport, Berührung oder Ablagerungen können eine vorübergehende Schleimbildung auslösen.

Ungewöhnlicher brauner Schleim in Verbindung mit sich auflösendem Gewebe sollte dagegen ernst genommen werden.

Besonders bei bestimmten LPS-Korallen können solche Veränderungen auf erhebliche Probleme hinweisen.

Eine sichtbar geschädigte Koralle würde ich deshalb nicht einfach kaufen und darauf hoffen, dass sie sich im eigenen Aquarium schon erholt.

Auch den Ablegerstein kontrollieren
Beim Korallenkauf solltest Du nicht nur die Koralle selbst betrachten. Schau Dir auch den Ablegerstein und seine Unterseite an.

Dort können unerwünschte Begleiter sitzen, die auf dem ersten Produktfoto kaum auffallen.

Achte beispielsweise auf:
Glasrosen
Kugelalgen
Bryopsis
Ungewöhnliche Gelege
Strudelwürmer oder andere auffällige Organismen
Vermetiden beziehungsweise Wurmschnecken
Starke problematische Algenbeläge

Nicht jeder kleine Organismus auf einem Ablegerstein ist automatisch ein Schädling. Ein genauer Blick vor dem Einsetzen kann Dir aber später viel Arbeit ersparen.

Korallen vor dem Einsetzen noch einmal kontrollieren
Auch wenn eine Koralle beim Händler gesund aussieht, solltest Du sie nach der Ankunft zu Hause noch einmal sorgfältig untersuchen.

Besonders die Unterseite und schwer sichtbare Bereiche verdienen Aufmerksamkeit.

Je nach Koralle und Situation kann außerdem ein geeignetes Korallenbad sinnvoll sein. Dabei solltest Du Dich immer an die Dosierung und Einwirkzeit des verwendeten Produkts halten.

Korallen richtig eingewöhnen
Hier zeigen wir Dir Schritt für Schritt, wie Du neue Korallen nach Transport und Versand kontrollierst, eingewöhnst und anschließend ins Aquarium einsetzt.

Wachstum ist ein sehr gutes langfristiges Zeichen
Eine einzelne Momentaufnahme sagt immer nur begrenzt etwas über eine Koralle aus. Langfristiges Wachstum ist deshalb ein besonders interessantes Zeichen.

Bei SPS-Korallen können neue Wachstumsspitzen oder eine zunehmende Verzweigung sichtbar werden.

Bei LPS-Korallen können neue Köpfe beziehungsweise Polypen entstehen.

Bei Weichkorallen können neue Triebe, Polypen oder eine zunehmende Gewebeausbreitung auf eine positive Entwicklung hinweisen.

Wie wachsen Korallen?
Hier erklären wir Dir, wie unterschiedliche Korallen wachsen und welche Rolle Licht, Strömung und Wasserwerte dabei spielen.

Eine frisch transportierte Koralle sieht nicht immer perfekt aus
Dieser Punkt ist besonders wichtig.

Eine Koralle kann vor dem Versand hervorragend ausgesehen haben und nach dem Transport zunächst eingezogen wirken.

Transport bedeutet unter anderem:
Dunkelheit
Bewegung
Veränderte Temperatur
Veränderte Wasserbedingungen
Mechanischen Stress

Deshalb solltest Du das Aussehen einer gerade ausgepackten Koralle nicht mit einer Koralle vergleichen, die seit Wochen ungestört an derselben Stelle steht.

Eingezogene Polypen direkt nach dem Transport sind deshalb zunächst kein Beweis für ein gesundheitliches Problem.

WYSIWYG hilft Dir bei der Beurteilung
Beim Online-Kauf ist die Art der Produktdarstellung besonders wichtig.

WYSIWYG bedeutet „What You See Is What You Get“. Du erhältst also genau die Koralle, die auf dem Produktfoto abgebildet ist.

Dadurch kannst Du vor dem Kauf Farbe, Wuchsform, Größe und den sichtbaren Zustand des konkreten Tieres betrachten.

Bei einem Beispielbild siehst Du dagegen nur ein repräsentatives Tier. Die tatsächlich gelieferte Koralle kann sich hinsichtlich Größe, Form und Färbung unterscheiden.

WYSIWYG oder Beispielbild?
In unserer Kaufberatung erklären wir Dir ausführlich, welche Unterschiede es beim Online-Kauf gibt und warum WYSIWYG gerade bei besonderen Einzelstücken interessant ist.

Gesund bedeutet nicht automatisch passend für Dein Aquarium
Eine Koralle kann kerngesund sein und trotzdem die falsche Wahl für Dein Aquarium darstellen.

Vor dem Kauf solltest Du deshalb zusätzlich prüfen:
Passt der Lichtbedarf?
Passt die Strömung?
Sind Deine Wasserwerte geeignet?
Hast Du genügend Platz?
Wie groß wird die Koralle?
Kann sie Nachbarkorallen vernesseln oder überwachsen?
Passt sie zu Deinem vorhandenen Besatz?

Eine gesunde Koralle bleibt langfristig nur dann gesund, wenn auch ihre Haltungsbedingungen passen.

Korallen im Meerwasseraquarium – Arten, Haltung und Pflege
Unser großer Korallen-Ratgeber hilft Dir dabei, Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte, Standort und Pflege gemeinsam zu betrachten.

Die richtige Beleuchtung nach dem Kauf
Auch eine gesunde Koralle kann nach dem Einsetzen Probleme bekommen, wenn sich die Lichtintensität plötzlich stark verändert.

Eine Koralle, die bisher unter moderater Beleuchtung gehalten wurde, sollte nicht automatisch direkt unter die stärkste Stelle Deiner Beleuchtung gesetzt werden.

Das gilt selbst dann, wenn die jeweilige Korallenart grundsätzlich viel Licht verträgt.

PAR-Werte einfach erklärt
Hier erfährst Du, warum die tatsächliche Lichtintensität am Korallenstandort wichtiger ist als die optische Helligkeit des Aquariums.

Auch die Strömung muss passen
Gesundes Gewebe kann durch eine ungeeignete Strömung nach dem Einsetzen unnötig belastet werden.

Eine kräftige Wasserbewegung ist nicht automatisch eine gute Wasserbewegung. Gerade großpolypige Korallen sollten nicht dauerhaft von einem harten direkten Pumpenstrahl getroffen werden.

Andere Korallen benötigen dagegen deutlich mehr Wasserbewegung.

Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Hier erfährst Du, warum eine wechselnde und möglichst indirekte Wasserbewegung für viele Korallen besser geeignet ist als eine harte Punktströmung.

Wasserwerte nach dem Kauf nicht vergessen
Auch die schönste und gesündeste Koralle kann sich langfristig nur entwickeln, wenn die grundlegenden Bedingungen stimmen.

Besonders wichtig sind stabile:
Salinität
KH
Calcium
Magnesium
Nitrat- und Phosphatverhältnisse
Temperatur

Dabei geht es nicht darum, einen theoretischen Idealwert auf die zweite Nachkommastelle zu treffen. Stabile und zur Koralle passende Bedingungen sind wesentlich wichtiger als permanente Korrekturen.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Hier findest Du die wichtigsten Wasserwerte und ihre Zusammenhänge verständlich erklärt.

Woran würde ich eine gesunde Koralle erkennen?
Ich würde niemals nur ein einzelnes Merkmal betrachten.

Ein positives Gesamtbild besteht beispielsweise aus:
Intaktem Gewebe
Einem zur Art passenden Polypenbild
Plausibler und gleichmäßiger Färbung
Keinem fortschreitenden Gewebeverlust
Keinen offensichtlichen Schädlingen
Keinen ungewöhnlichen braunen Schleimbelägen
Einem insgesamt gepflegten Zustand

Wenn Du die Möglichkeit hast, ist zusätzlich interessant, wie lange die Koralle bereits beim Händler steht und wie sie sich dort entwickelt hat.

Welche Korallen kannst Du bei Korallenland auswählen?
Wenn Du nach einer passenden Koralle für Dein Aquarium suchst, findest Du die aktuell verfügbaren Tiere direkt in unseren Shop-Bereichen:

LPS-Korallen
SPS-Korallen
Weichkorallen

Bei WYSIWYG-Angeboten erhältst Du genau das abgebildete Tier. Dadurch kannst Du Dir bereits vor dem Kauf einen wesentlich besseren Eindruck vom konkreten Tier machen.

Typische Fehler beim Korallenkauf
Nur nach einer spektakulären Farbe auswählen
Eine geschlossene Koralle automatisch als krank einstufen
Kräftige Fluoreszenz automatisch mit Gesundheit gleichsetzen
Weiße SPS-Spitzen automatisch als Wachstum betrachten
Gewebeschäden übersehen
Nur die Oberseite des Ablegersteins kontrollieren
Unerwünschte Begleiter nicht beachten
Eine offensichtlich geschädigte Koralle aus Mitleid kaufen
Nicht prüfen, ob die Koralle zum eigenen Aquarium passt
Eine neue Koralle sofort maximal beleuchten

Unser Tipp
Eine gesunde Koralle erkennst Du nicht an einem einzigen Merkmal. Schau Dir das gesamte Tier an.

Intaktes Gewebe ist wichtiger als eine spektakuläre Farbe. Ein zur Art passendes Polypenbild ist aussagekräftiger als die Frage, ob die Koralle genau in diesem Moment vollständig geöffnet ist. Kontrolliere außerdem den Ablegerstein und achte auf offensichtliche unerwünschte Begleiter.

Und denke bereits beim Kauf einen Schritt weiter: Eine gesunde Koralle benötigt auch in Deinem Aquarium die passenden Bedingungen. Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte und Standort entscheiden mit darüber, ob aus einem gesunden Neuzugang langfristig eine wachsende Koralle wird.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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