Phosphat im Meerwasseraquarium

Phosphat (PO₄) gehört zu den wichtigsten Nährstoffen im Meerwasseraquarium. Trotzdem wird es häufig noch immer ausschließlich als unerwünschter Wasserwert betrachtet, der möglichst niedrig sein sollte. Das ist zu einfach: Korallen, ihre Zooxanthellen, Bakterien und viele andere Organismen benötigen Phosphor für grundlegende biologische Prozesse.

Problematisch können deshalb beide Extreme werden – dauerhaft deutlich erhöhte Phosphatwerte ebenso wie eine sehr geringe Phosphatverfügbarkeit. Das Ziel ist nicht 0,00 mg/l, sondern ein stabiler und zum Aquarium passender Nährstoffhaushalt.

Wie Phosphat mit den anderen Wasserwerten im Meerwasseraquarium zusammenhängt, erklären wir Dir ausführlich in unserem großen Wasserwerte-Ratgeber.

Was ist Phosphat?
Phosphat ist eine anorganische Form von Phosphor. Phosphor gelangt unter anderem über Futter, Ausscheidungen und organisches Material in Dein Aquarium und wird durch biologische Prozesse ständig aufgenommen, umgewandelt und wieder freigesetzt.

Ein Teil wird von Korallen, Algen, Bakterien und anderen Organismen aufgenommen. Andere Anteile können an Oberflächen oder Materialien gebunden werden.

Der mit einem Wassertest gemessene Phosphatwert ist deshalb eine wichtige Momentaufnahme, bildet aber nicht den gesamten Phosphorhaushalt Deines Aquariums ab.

Warum benötigen Korallen Phosphat?
Phosphor wird für zahlreiche biologische Prozesse benötigt. Dazu gehören unter anderem der Energiestoffwechsel, der Aufbau von Zellbestandteilen und das Wachstum.

Auch die symbiotischen Zooxanthellen vieler Korallen benötigen Nährstoffe. Ein möglichst nährstofffreies Aquarium ist deshalb nicht automatisch ein gesundes Aquarium.

Gerade in stark beleuchteten und sehr nährstoffarmen Riffaquarien kann eine dauerhaft geringe Phosphatverfügbarkeit problematisch werden.

Welcher Phosphatwert ist sinnvoll?
Einen universellen perfekten Phosphatwert für jedes Meerwasseraquarium gibt es nicht. Korallenbesatz, Fischbesatz, Fütterung, Beleuchtung, Filterung und biologischer Verbrauch unterscheiden sich von Aquarium zu Aquarium.

Für viele gemischte Riffaquarien kann ein messbarer Bereich von ungefähr 0,03 bis 0,10 mg/l PO₄ eine sinnvolle Orientierung darstellen.

Das bedeutet nicht, dass ein Aquarium außerhalb dieses Bereichs automatisch schlecht läuft. Ein stabiles Aquarium mit beispielsweise 0,08 oder 0,12 mg/l kann besser funktionieren als ein Aquarium, dessen Phosphatwert durch ständige Eingriffe zwischen nicht nachweisbar und deutlich erhöht schwankt.

Warum ist 0,00 mg/l Phosphat nicht das Ziel?
Phosphat ist ein Nährstoff und kein Stoff, den Du grundsätzlich vollständig aus Deinem Aquarium entfernen solltest.

Zeigt Dein Test 0,00 mg/l an, bedeutet das außerdem nicht zwangsläufig, dass überhaupt kein Phosphor mehr im gesamten System vorhanden ist. Organismen können Phosphor aufnehmen und speichern, während gleichzeitig nur sehr wenig gelöstes Phosphat im Wasser messbar ist.

Ein dauerhaft nicht nachweisbarer Wert sollte trotzdem beobachtet werden – insbesondere dann, wenn gleichzeitig auch Nitrat sehr niedrig ist oder sich Deine Korallen sichtbar verändern.

Was kann bei zu wenig Phosphat passieren?
Eine dauerhaft sehr geringe Phosphatverfügbarkeit kann Korallen und ihre Zooxanthellen beeinträchtigen.

Mögliche Beobachtungen sind:
Korallen werden ungewöhnlich hell oder blass
Das Wachstum lässt nach
Das Polypenbild verändert sich
Korallen wirken trotz ausreichender Beleuchtung geschwächt
Nitrat ist deutlich messbar, während Phosphat kaum nachweisbar ist

Keine dieser Beobachtungen beweist allein einen Phosphatmangel. Farbverlust, schlechtes Wachstum oder eingezogene Polypen können zahlreiche andere Ursachen haben.

Dosiere deshalb niemals Phosphat ausschließlich aufgrund des Aussehens Deiner Korallen.

Was passiert bei zu viel Phosphat?
Auch dauerhaft deutlich erhöhte Phosphatwerte können ungünstig sein. Sie können unter anderem auf einen hohen Nährstoffeintrag oder einen zu geringen Nährstoffexport hinweisen.

Mögliche Ursachen sind:
Sehr starke Fütterung
Hoher Fischbesatz
Futterreste
Abgestorbene organische Stoffe
Mulmablagerungen
Verschmutzte Filterbereiche
Unzureichender Nährstoffexport

Höhere Phosphatkonzentrationen können außerdem das Wachstum bestimmter Algen begünstigen und bei Steinkorallen die Kalkbildung beeinflussen.

Ein einzelner erhöhter Messwert ist jedoch kein Grund für hektische Maßnahmen. Wiederhole zunächst die Messung und beobachte die Entwicklung. Warum Konstanz so wichtig ist, erklären wir Dir unter Warum stabile Wasserwerte entscheidend sind.

Phosphat und Nitrat gehören zusammen
Phosphat solltest Du niemals völlig isoliert betrachten. Mindestens genauso wichtig ist Nitrat im Meerwasseraquarium.

Beide stehen für unterschiedliche Nährstoffkomponenten und erfüllen wichtige biologische Funktionen. Problematisch können starke Ungleichgewichte werden – beispielsweise wenn Nitrat deutlich messbar ist, Phosphat aber dauerhaft an der Nachweisgrenze liegt oder umgekehrt.

Versuche trotzdem nicht, Nitrat und Phosphat zwanghaft auf ein bestimmtes mathematisches Verhältnis einzustellen. Ein Riffaquarium ist ein komplexes biologisches System und kein Rechenmodell.

Beobachte stattdessen beide Werte gemeinsam. Entwickeln sie sich dauerhaft stark auseinander, findest Du weitere Informationen unter Nährstoffungleichgewicht erkennen.

Woher kommt Phosphat im Meerwasseraquarium?
Phosphor gelangt auf verschiedenen Wegen in Dein Aquarium:
Fischfutter und Korallenfutter
Ausscheidungen der Tiere
Futterreste
Abgestorbene Organismen und Gewebereste
Mulm und andere organische Ablagerungen
Abbau organischer Substanzen
Bestimmte Ausgangsmaterialien oder belastetes Wasser

Futter ist dabei zunächst nichts Negatives. Deine Fische und Korallen müssen ausreichend ernährt werden. Reduziere deshalb nicht reflexartig die Fütterung, nur um einen möglichst niedrigen Phosphatwert zu erreichen.

Warum kann Phosphat trotz wenig Fütterung steigen?
Nicht nur die aktuelle Futtermenge entscheidet über den Phosphatwert.

In einem länger laufenden Aquarium können sich organische Stoffe in schlecht zugänglichen Bereichen ansammeln. Mulm im Technikbecken, verschmutzte Filtermedien, Futterreste oder abgestorbene Organismen können ebenfalls zum Nährstoffeintrag beitragen.

Zusätzlich kann zuvor gebundener Phosphor unter bestimmten Bedingungen wieder verfügbar werden.

Steigt Phosphat unerwartet an, solltest Du deshalb nach der Ursache suchen und nicht automatisch nur weniger füttern.

Warum kann Phosphat trotz Algen niedrig sein?
Sichtbares Algenwachstum bedeutet nicht automatisch, dass Dein Wassertest einen hohen Phosphatwert anzeigen muss.

Algen nehmen Nährstoffe auf und bauen diese in ihre Biomasse ein. Dadurch kann im freien Wasser nur wenig Phosphat messbar sein, obwohl gleichzeitig deutliches Algenwachstum vorhanden ist.

Auch Beleuchtung, Strömung, verfügbare Oberflächen, Nitrat und weitere Faktoren spielen eine Rolle.

Bei langen grünen Algen findest Du weitere Informationen unter Fadenalgen im Meerwasseraquarium bekämpfen.

Wie oft solltest Du Phosphat messen?
Bei einem neuen Aquarium, nach größeren Veränderungen oder bei auffälligen Korallen solltest Du Phosphat zunächst häufiger kontrollieren.

Auch nach Veränderungen bei Fütterung, Fischbesatz, Filterung oder dem Einsatz eines Phosphatadsorbers sind zusätzliche Messungen sinnvoll.

Bei einem stabil laufenden Aquarium können die Abstände später entsprechend vergrößert werden.

Noch wichtiger als eine einzelne Messung ist der langfristige Verlauf. Notiere Dir deshalb Deine Ergebnisse und miss möglichst unter vergleichbaren Bedingungen.

Welche Tests für Dein Aquarium wirklich sinnvoll sind, erklären wir Dir in der Kaufberatung Welche Wassertests brauchst Du wirklich?.

Warum ist Phosphat vergleichsweise schwierig zu messen?
Die für Riffaquarien interessanten Phosphatkonzentrationen sind sehr niedrig. Deshalb muss ein Test in diesem Bereich ausreichend fein auflösen können.

Zusätzlich können kleine Fehler bei der Durchführung das Ergebnis stärker beeinflussen. Achte deshalb auf saubere Küvetten beziehungsweise Testgefäße, korrekte Probenmengen, geeignete Reagenzien und die vorgeschriebenen Reaktionszeiten.

Erscheint ein Ergebnis ungewöhnlich, wiederhole die Messung, bevor Du größere Veränderungen an Deinem Aquarium vornimmst.

Wie kannst Du einen hohen Phosphatwert senken?
Bevor Du Phosphat senkst, solltest Du möglichst herausfinden, warum der Wert gestiegen ist.

Kontrolliere insbesondere:
Fütterungsmenge
Fischbesatz
Futterreste
Abgestorbene organische Stoffe
Mulmablagerungen
Filterbereiche und Filtermedien
Nährstoffexport
Entwicklung des Nitratwertes

Regelmäßige Wasserwechsel können vorhandenes Phosphat verdünnen.

Ein richtig arbeitender Abschäumer entfernt Phosphat nicht einfach direkt aus dem Wasser. Er kann jedoch organische Stoffe aus dem System entfernen, bevor diese vollständig mineralisiert und darin enthaltene Nährstoffe freigesetzt werden.

Bei dauerhaft erhöhten Werten kann zusätzlich ein Phosphatadsorber sinnvoll sein.

Phosphatadsorber richtig einsetzen
Phosphatadsorber können gelöstes Phosphat binden und dadurch den messbaren PO₄-Wert reduzieren.

Mehr Adsorber bedeutet aber nicht automatisch ein besseres Ergebnis. Besonders bei einem deutlich erhöhten Ausgangswert solltest Du Phosphat nicht innerhalb kurzer Zeit massiv absenken.

Beginne kontrolliert, miss regelmäßig und passe die eingesetzte Menge an die Entwicklung Deines Aquariums an.

Wie diese Filtermaterialien funktionieren und worauf Du achten solltest, erklären wir ausführlich unter Wofür braucht man Phosphatadsorber?.

Warum sollte Phosphat nicht zu schnell sinken?
Korallen passen sich an die Bedingungen ihres Aquariums an. Eine schnelle Veränderung der Nährstoffverfügbarkeit kann deshalb ungünstiger sein als ein moderat erhöhter, aber stabiler Wert.

Besonders problematisch kann es werden, wenn ein Aquarium längere Zeit mit höheren Phosphatwerten gelaufen ist und anschließend mit einer großen Menge Adsorber innerhalb kurzer Zeit auf einen sehr niedrigen Wert gebracht wird.

Das Ziel sollte deshalb immer eine kontrollierte Entwicklung sein – keine möglichst schnelle Korrektur.

Wie kannst Du einen zu niedrigen Phosphatwert erhöhen?
Ist Phosphat dauerhaft kaum nachweisbar, solltest Du zunächst herausfinden, warum Dein Aquarium so nährstoffarm läuft.

Mögliche Ursachen sind:
Sehr geringer Nährstoffeintrag
Zu geringe Fütterung
Sehr starke Filterung
Zu viel Phosphatadsorber
Starker biologischer Verbrauch
Ungleichgewicht zwischen Nitrat und Phosphat

Je nach Ursache kann bereits eine vorsichtige Anpassung der Fütterung oder Filterung sinnvoll sein.

Eine gezielte Phosphatdosierung ist ebenfalls möglich. Sie sollte jedoch keine automatische Reaktion auf einen einzelnen niedrigen Messwert sein. Dosiere kontrolliert und überprüfe anschließend regelmäßig die Entwicklung.

Warum steigt Phosphat nach dem Absetzen eines Adsorbers wieder?
Wenn Du einen Phosphatadsorber verwendest, kann sich zwischen dem Wasser und verschiedenen Oberflächen beziehungsweise Ablagerungen ein dynamisches Gleichgewicht entwickeln.

Wird der Adsorber entfernt, kann der gemessene Wert deshalb erneut steigen. Das bedeutet nicht automatisch, dass plötzlich viel neues Phosphat ins Aquarium gelangt ist.

Gerade nach längerer Adsorbernutzung solltest Du deshalb nicht nur einzelne Messungen betrachten, sondern beobachten, wie sich der Wert über mehrere Tage und Wochen entwickelt.

Typische Fehler beim Phosphatwert
Phosphat grundsätzlich auf 0,00 mg/l senken wollen
Nach einer einzelnen Messung sofort gegensteuern
Phosphat unabhängig von Nitrat betrachten
Zu viel Phosphatadsorber auf einmal einsetzen
Einen erhöhten Wert möglichst schnell absenken
Bei niedrigem Phosphat sofort dosieren
Die Fütterung unnötig stark reduzieren
Algen automatisch mit einem hohen Phosphatwert gleichsetzen
Mehrere Maßnahmen gleichzeitig verändern
Messfehler nicht durch eine Kontrollmessung ausschließen

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Fazit
Phosphat ist im Meerwasseraquarium kein Stoff, den Du grundsätzlich möglichst vollständig entfernen solltest. Phosphor wird von Korallen, Zooxanthellen, Bakterien und vielen anderen Organismen für wichtige biologische Prozesse benötigt.

Für viele gemischte Riffaquarien kann ein messbarer Phosphatwert von ungefähr 0,03 bis 0,10 mg/l PO₄ eine sinnvolle Orientierung darstellen. Entscheidend ist jedoch nicht, eine bestimmte Zahl exakt zu treffen.

Beobachte Phosphat immer gemeinsam mit Nitrat und den übrigen Wasserwerten. Stabile Bedingungen und gesunde Korallen sind wichtiger als die Jagd nach einem theoretisch perfekten Messwert.

Unser Tipp
Miss Nitrat und Phosphat möglichst gemeinsam und notiere Dir die Ergebnisse. So erkennst Du langfristige Veränderungen wesentlich besser als anhand einzelner Messungen.

Steigt oder fällt Phosphat deutlich, ändere nicht sofort mehrere Dinge gleichzeitig. Prüfe zuerst Fütterung, Besatz, organische Ablagerungen, Abschäumung, Filterung und gegebenenfalls den eingesetzten Phosphatadsorber.

Und ganz wichtig: Versuche nicht, Phosphat auf 0,00 mg/l zu drücken. Dein Riff braucht Nährstoffe – entscheidend sind eine ausreichende Verfügbarkeit und möglichst stabile Verhältnisse.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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