Warum ist Calcium so wichtig?
Calcium gehört zu den wichtigsten Mengenelementen im Meerwasseraquarium. Vor allem Steinkorallen benötigen es, um ihr festes Kalkskelett aufzubauen. Aber auch Kalkrotalgen, Muscheln und andere kalkbildende Organismen verbrauchen Calcium. Je stärker Dein Riff wächst, desto höher kann deshalb auch der tägliche Bedarf werden.
Einen guten Überblick darüber, wie Calcium mit den anderen wichtigen Wasserwerten im Meerwasseraquarium zusammenhängt, findest Du in unserem großen Wasserwerte-Ratgeber.
Warum benötigen Korallen Calcium?
Steinkorallen bauen ihr Skelett überwiegend aus Calciumcarbonat auf. Dafür benötigen sie Calcium und Bestandteile der Carbonatchemie des Meerwassers. Diese steht wiederum in engem Zusammenhang mit der Karbonathärte (KH).
Besonders bei einem gut besetzten Aquarium mit vielen LPS-Korallen oder SPS-Korallen kann der Calciumverbrauch deutlich steigen. Das ist zunächst nichts Negatives. Wachsen Deine Korallen gut und nimmt gleichzeitig der Verbrauch langsam zu, ist das häufig schlicht eine Folge des zunehmenden Kalkaufbaus.
Welcher Calciumwert ist sinnvoll?
Für viele Riffaquarien ist ein Calciumwert von ungefähr 400 bis 450 mg/l eine gute Orientierung. Dabei solltest Du Dich nicht darauf konzentrieren, einen bestimmten Wert möglichst exakt zu treffen. Ob Dein Aquarium beispielsweise stabil bei 415 oder 430 mg/l läuft, ist normalerweise weniger entscheidend als starke und häufige Schwankungen zu vermeiden.
Auch die Salinität spielt bei der Beurteilung eine Rolle. Ist der Salzgehalt deutlich zu niedrig oder zu hoch, verändern sich entsprechend auch die Konzentrationen vieler Mengenelemente. Bei einem ungewöhnlichen Calciumwert solltest Du deshalb nicht sofort Calcium dosieren, sondern zunächst auch die Salinität und die Messung selbst überprüfen.
Was passiert bei zu wenig Calcium?
Ist dauerhaft zu wenig Calcium vorhanden, kann die Kalkbildung begrenzt werden. Steinkorallen können dadurch langsamer wachsen, ebenso können Kalkrotalgen und andere kalkbildende Organismen betroffen sein.
Ein niedriger Calciumwert lässt sich allerdings nicht zuverlässig am Aussehen einer Koralle erkennen. Schlechtes Wachstum, Farbveränderungen oder eingezogene Polypen können zahlreiche Ursachen haben. Deshalb solltest Du Calcium immer messen, bevor Du aufgrund solcher Beobachtungen eine Dosierung veränderst.
Kann Calcium auch zu hoch sein?
Mehr Calcium bedeutet nicht automatisch mehr Korallenwachstum. Ein unnötig hoher Wert bringt normalerweise keinen Vorteil.
Treffen hohe Calciumkonzentrationen mit einer hohen Karbonathärte (KH) und entsprechenden Bedingungen beim pH-Wert zusammen, können Calciumcarbonat-Ausfällungen begünstigt werden. Diese erkennst Du beispielsweise an zunehmenden Kalkablagerungen auf Pumpen, Heizstäben oder anderen technischen Bauteilen.
Das Ziel sollte deshalb nicht „möglichst viel Calcium“, sondern ein sinnvoller und stabiler Wert sein.
Wie oft solltest Du Calcium messen?
Wie häufig eine Messung sinnvoll ist, hängt vom Besatz und vom Verbrauch Deines Aquariums ab. Bei einem neuen Riff oder nachdem Du mehrere Steinkorallen eingesetzt hast, solltest Du zunächst häufiger kontrollieren. So bekommst Du ein Gefühl dafür, wie viel Calcium tatsächlich verbraucht wird.
In einem stark wachsenden SPS-Aquarium kann eine wöchentliche Kontrolle sinnvoll sein. Kennst Du den Verbrauch Deines stabil laufenden Aquariums bereits gut, können später auch größere Abstände ausreichen.
Welche Messungen für Dein Aquarium grundsätzlich sinnvoll sind, erklären wir ausführlicher in der Kaufberatung Welche Wassertests brauchst Du wirklich?.
Warum sinkt der Calciumwert?
Korallen verbrauchen Calcium nicht in einer konstanten Menge. Ein kleiner Ableger benötigt wesentlich weniger als eine große, schnell wachsende Kolonie. Mit zunehmendem Wachstum kann der Verbrauch Deines gesamten Aquariums deshalb über Wochen und Monate deutlich steigen.
Eine Dosierung, die heute genau zum Verbrauch passt, kann einige Monate später bereits zu niedrig sein. Deshalb solltest Du ein Versorgungssystem nicht einmal einstellen und anschließend vergessen. Beobachte regelmäßig die Entwicklung Deiner Messwerte und Deiner Korallen.
Auch Wasserwechsel beeinflussen den Calciumwert. Wie stark, hängt unter anderem vom verwendeten Meersalz, der angesetzten Salinität und der Menge des gewechselten Wassers ab.
Wie kannst Du Calcium erhöhen?
Liegt der Calciumwert tatsächlich dauerhaft zu niedrig, kannst Du Calcium mit einem geeigneten Calcium-Präparat oder über ein Versorgungssystem ergänzen. Je nach Größe und Verbrauch des Aquariums kommen beispielsweise einzelne Calcium-Lösungen, Balling-Systeme, Komplettversorgungssysteme oder bei größeren Riffaquarien auch Kalkreaktoren infrage.
Wichtig ist, zunächst den tatsächlichen Wert und möglichst auch den Verbrauch zu kennen. Eine größere Abweichung solltest Du kontrolliert korrigieren und nicht versuchen, sie mit einer sehr hohen Einzeldosis möglichst schnell auszugleichen.
Calcium, KH und Magnesium gehören zusammen
Calcium solltest Du niemals völlig isoliert betrachten. Besonders wichtig ist das Zusammenspiel mit der Karbonathärte (KH) und Magnesium.
Calcium stellt einen wesentlichen Bestandteil für den Aufbau von Calciumcarbonat bereit. Die Carbonatchemie beziehungsweise Alkalinität liefert die andere Seite der Kalkbildung. Magnesium beeinflusst wiederum das chemische Gleichgewicht und trägt dazu bei, unerwünschte Calciumcarbonat-Ausfällungen im Meerwasser zu hemmen.
Wenn sich Calcium oder KH trotz regelmäßiger Dosierung nur schwer stabil halten lassen, solltest Du deshalb nicht einfach immer mehr dosieren. Kontrolliere zunächst die Messungen, die Salinität und das Zusammenspiel von KH, Calcium und Magnesium.
Warum ist Stabilität wichtiger als der perfekte Wert?
Ein häufiger Fehler besteht darin, jeden Messwert sofort korrigieren zu wollen. Heute werden beispielsweise 405 mg/l Calcium gemessen und sofort nachdosiert, wenige Tage später liegt der Wert höher als gewünscht und die Dosierung wird wieder verändert.
Dadurch kann mehr Unruhe entstehen als durch die ursprüngliche kleine Abweichung.
Ein Aquarium mit einem langfristig stabilen Calciumwert innerhalb eines sinnvollen Bereichs bietet normalerweise bessere Voraussetzungen als ein Aquarium, dessen Werte durch ständige Korrekturen auf und ab schwanken.
Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Wasserwerte im Meerwasseraquarium
Calcium ist nur ein Teil der Wasserchemie. In unserem großen Wasserwerte-Ratgeber erfährst Du, wie KH, Calcium, Magnesium, Salinität, Nitrat, Phosphat und pH-Wert zusammenhängen und warum stabile Verhältnisse wichtiger sind als die Jagd nach einzelnen perfekten Zahlen.
Typische Fehler bei Calcium
Calcium dosieren, ohne vorher zu messen
Einen möglichst hohen Calciumwert anstreben
Eine einzelne ungewöhnliche Messung sofort korrigieren
Zu große Mengen auf einmal dosieren
Calcium unabhängig von KH und Magnesium betrachten
Die Salinität bei ungewöhnlichen Messwerten nicht kontrollieren
Den steigenden Verbrauch wachsender Korallen nicht berücksichtigen
Eine einmal eingestellte Dosierung dauerhaft unverändert lassen
Fazit
Calcium gehört zu den wichtigsten Bestandteilen eines Riffaquariums. Besonders LPS- und SPS-Korallen benötigen es für den Aufbau ihres Kalkskeletts. Für viele Meerwasseraquarien sind ungefähr 400 bis 450 mg/l eine sinnvolle Orientierung.
Entscheidend ist aber nicht, einen bestimmten Wert auf die letzte Nachkommastelle zu treffen. Viel wichtiger sind stabile Bedingungen und das Zusammenspiel von Calcium, KH, Magnesium und Salinität. Je stärker Dein Riff wächst, desto häufiger solltest Du außerdem überprüfen, ob Deine bisherige Versorgung noch zum tatsächlichen Verbrauch passt.
Unser Tipp
Wenn Dein Calciumverbrauch langsam steigt und Deine Korallen gleichzeitig gesund wachsen, muss das kein Warnsignal sein – im Gegenteil. Dein Riff wird größer und benötigt entsprechend mehr Baustoff. Auffällig wird es vor allem dann, wenn sich Calcium plötzlich stark verändert oder trotz angepasster Dosierung nicht stabilisieren lässt. Dann solltest Du zuerst nach der Ursache suchen, bevor Du einfach die Dosiermenge erhöhst.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
