Welche Korallen wachsen schnell?
Wenn Du Dein Meerwasseraquarium einrichtest, möchtest Du wahrscheinlich nicht jahrelang auf ein dicht bewachsenes Riff warten. Einige Korallen können unter guten Bedingungen erstaunlich schnell wachsen und aus kleinen Ablegern innerhalb überschaubarer Zeit große Kolonien bilden. Wie schnell eine Koralle tatsächlich wächst, hängt aber nicht nur von der Art ab. Stabile Wasserwerte, passende Beleuchtung, eine geeignete Strömung und ausreichend Platz spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Was bedeutet schnelles Wachstum bei Korallen?
Korallen wachsen sehr unterschiedlich. Manche bilden neue Köpfe, andere wachsen flächig über das Riffgestein und SPS-Korallen können verzweigte oder tellerförmige Kolonien entwickeln. Deshalb lässt sich Wachstum nicht einfach in Zentimetern pro Monat vergleichen. Auch zwei Korallen derselben Art können sich in unterschiedlichen Aquarien völlig anders entwickeln. Eine Koralle, die unter optimalen Bedingungen schnell wächst, kann bei schwankenden Wasserwerten oder einem ungeeigneten Standort nahezu stagnieren.
Wie Korallen überhaupt wachsen und welche biologischen Prozesse dahinterstehen, erklären wir Dir ausführlich unter Wie wachsen Korallen?.
Schnell wachsende SPS-Korallen
Unter guten Bedingungen gehören verschiedene SPS-Korallen zu den schnellsten Steinkorallen im Meerwasseraquarium. Voraussetzung sind vor allem stabile Wasserwerte, eine ausreichende Lichtintensität und eine kräftige, abwechslungsreiche Strömung.
Montipora
Montipora gehört zu den bekanntesten schnell wachsenden SPS-Gattungen. Besonders Montipora digitata kann zügig verzweigte Kolonien bilden, während Montipora capricornis tellerförmig wächst. Gerade bei plattenförmigen Arten solltest Du das spätere Wachstum von Anfang an berücksichtigen, da große Platten darunterliegende Korallen beschatten können.
Seriatopora
Seriatopora bildet feine, stark verzweigte Kolonien und kann sich bei passenden Bedingungen schnell entwickeln. Durch ihre filigrane Wuchsform solltest Du ihr ausreichend freien Raum geben.
Stylophora
Stylophora wächst meist kompakter und kräftiger als Seriatopora. Verschiedene Varianten können bei stabilen Bedingungen ein deutlich sichtbares Wachstum zeigen und sind häufig etwas zugänglicher als besonders empfindliche Acropora.
Pocillopora
Auch Pocillopora kann schnell dichte, verzweigte Kolonien bilden. Plane deshalb bereits beim Einsetzen genügend Platz für die spätere Entwicklung ein.
Acropora
Viele Acropora können unter sehr guten Bedingungen ausgesprochen schnell wachsen. Sie stellen allerdings meist höhere Ansprüche an stabile Wasserwerte, Beleuchtung und Strömung. Wenn Dein Aquarium noch jung oder häufigen Schwankungen ausgesetzt ist, sind robustere SPS häufig die bessere Wahl.
SPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
In unserem großen SPS-Ratgeber erfährst Du mehr über Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte, Versorgung, Wachstum und die unterschiedlichen SPS-Arten.
Schnell wachsende LPS-Korallen
LPS-Korallen wachsen häufig anders als SPS. Bei vielen Arten entstehen neue Köpfe, wodurch aus einem kleinen Ableger nach und nach eine größere Kolonie entsteht. Das Wachstum ist häufig langsamer als bei schnell wachsenden SPS oder Weichkorallen, kann aber trotzdem gut sichtbar sein.
Caulastrea
Caulastrea bildet bei guten Bedingungen regelmäßig neue Köpfe. Sie gilt als vergleichsweise robust und kann deshalb auch interessant sein, wenn Du noch nicht viel Erfahrung mit Steinkorallen hast.
Duncanopsammia
Duncanopsammia kann ebenfalls zuverlässig neue Polypen bilden. Mit zunehmender Größe entsteht eine attraktive Kolonie mit langen Polypen, die viel Bewegung ins Aquarium bringt.
Euphyllia
Viele Euphyllia bilden mit der Zeit zusätzliche Köpfe und können zu beeindruckenden Kolonien heranwachsen. Sie gehören nicht zu den absoluten Wachstumssiegern, sind aber wegen ihrer Farben und der Bewegung ihrer Polypen besonders beliebt. Plane ausreichend Abstand zu anderen Korallen ein.
Wenn Du zwischen beiden Steinkorallen-Gruppen schwankst, hilft Dir unsere Kaufberatung LPS oder SPS bei der Auswahl.
Weichkorallen – häufig die Wachstumssieger
Wenn Du möglichst schnell sichtbares Wachstum möchtest, sind viele Weichkorallen besonders interessant. Einige Arten können sich allerdings so schnell ausbreiten, dass Du ihr Wachstum später kontrollieren musst.
Briareum
Briareum kann bei passenden Bedingungen sehr schnell flächig über Steine wachsen. Die leuchtenden Polypen und ihre Bewegung in der Strömung machen die Koralle ausgesprochen attraktiv. Genau das schnelle Wachstum kann aber später zum Problem werden: Briareum kann andere Bereiche des Riffs überwachsen. Möchtest Du die Ausbreitung kontrollieren, setzt Du die Koralle am besten auf einen separaten Stein mit Abstand zum Hauptriff.
Pachyclavularia
Auch Pachyclavularia kann ausgesprochen schnell wachsen. Sie bildet eine flächige Gewebematte und kann angrenzendes Riffgestein innerhalb relativ kurzer Zeit besiedeln. Ein einzelner, vom Hauptriff getrennter Stein erleichtert die Kontrolle.
Xenia
Pulsierende Xenien faszinieren durch die typische Bewegung ihrer Polypen und können sich unter geeigneten Bedingungen stark vermehren. Ihre Ausbreitung solltest Du deshalb bereits bei der Platzierung berücksichtigen.
Zoanthus
Zoanthus können bei passenden Bedingungen schnell neue Polypen bilden und größere Flächen besiedeln. Durch ihre enorme Farbvielfalt lassen sich damit attraktive Bereiche im Riff gestalten. Beim Umgang mit Zoanthus und Palythoa ist wegen des möglichen Palytoxins besondere Vorsicht erforderlich.
Sarcophyton
Sarcophyton-Lederkorallen können mit der Zeit stattliche Größen erreichen. Sie wachsen nicht flächig über das Riff wie Briareum oder Pachyclavularia, können sich aber aus einem kleinen Tier zu einer beeindruckenden großen Lederkoralle entwickeln.
Sinularia
Auch verschiedene Sinularia können bei passenden Bedingungen kräftig wachsen. Je nach Art entstehen verzweigte oder kompakte Kolonien, die später erheblich mehr Raum benötigen als beim Kauf.
Weichkorallen – Haltung, Arten & Pflege
Hier erfährst Du mehr über Haltung, Beleuchtung, Strömung und Wachstum von Weichkorallen und warum schnell wachsende Arten manchmal besser auf einem getrennten Stein platziert werden.
Schnelles Wachstum ist nicht automatisch besser
Eine Koralle, die schnell wächst, klingt zunächst perfekt. In einem gut laufenden Aquarium kann genau dieses Wachstum später aber zur Herausforderung werden. Eine Montipora-Platte kann andere Korallen beschatten. Briareum und Pachyclavularia können über angrenzende Steine wachsen. Xenia können sich stark vermehren und Zoanthus können Bereiche besiedeln, die eigentlich für andere Korallen vorgesehen waren.
Deshalb solltest Du beim Kauf nicht nur überlegen, wie die Koralle heute aussieht. Überlege auch, wie viel Platz sie später benötigen könnte.
Unser Ratgeber Korallen richtig platzieren hilft Dir dabei, Beleuchtung, Strömung, Abstand und zukünftiges Wachstum gemeinsam zu berücksichtigen. Mehr zum notwendigen Abstand findest Du unter Korallenabstand – Warum ausreichend Platz wichtig ist.
Welche schnell wachsenden Korallen eignen sich für Anfänger?
Wenn Du noch am Anfang stehst, musst Du nicht gleich mit anspruchsvollen Acropora beginnen. Briareum, Caulastrea, Duncanopsammia, Zoanthus, Sarcophyton und Sinularia können je nach Aquarium interessante Alternativen sein. Läuft Dein Aquarium stabil, können auch verschiedene Montipora ein guter Einstieg in die SPS-Haltung sein.
Weitere geeignete Arten findest Du in unserer Kaufberatung Welche Korallen eignen sich für Anfänger?.
Wasserwerte entscheiden über das Wachstum
Auch eine genetisch schnell wachsende Koralle wächst nicht gut, wenn die Bedingungen ständig schwanken. Besonders bei Steinkorallen spielen KH, Calcium und Magnesium eine wichtige Rolle für den Aufbau des Kalkskeletts. Gleichzeitig müssen Salinität sowie Nitrat und Phosphat zum Aquarium passen. Entscheidend ist weniger, ständig einem vermeintlich perfekten Einzelwert hinterherzulaufen. Korallen profitieren vor allem von langfristig stabilen Bedingungen.
Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Hier erfährst Du, wie KH, Calcium, Magnesium, Nitrat, Phosphat, pH-Wert und Salinität zusammenhängen und warum stabile Wasserwerte für gesundes Korallenwachstum so wichtig sind.
Beleuchtung und Strömung müssen passen
Mehr Licht bedeutet nicht automatisch mehr Wachstum. Eine Koralle, die dauerhaft zu stark beleuchtet wird, kann genauso Probleme bekommen wie ein Tier mit zu wenig Licht. Entscheidend ist die passende Lichtintensität für die jeweilige Art und den Standort. Welche Beleuchtung zu Deinem Aquarium passt, erfährst Du unter Welche Beleuchtung passt zu Deinem Aquarium?.
Auch die Strömung beeinflusst das Wachstum. Sie transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zu den Korallen und hilft dabei, Ablagerungen und Stoffwechselprodukte abzutransportieren. Viele SPS bevorzugen eine kräftigere, abwechslungsreiche Strömung, während großpolypige LPS häufig keine harte direkte Anströmung mögen. Wie Du Deine Pumpen sinnvoll positionierst, erklären wir Dir unter Strömungs-Pumpen richtig platzieren.
Nicht auf maximales Wachstum trimmen
Es ist verlockend, Beleuchtung, Fütterung oder Versorgung immer weiter zu erhöhen, damit Korallen möglichst schnell wachsen. Genau das sollte aber nicht das Ziel sein. Gesundes und gleichmäßiges Wachstum ist wichtiger als maximales Wachstum. Eine Koralle, die über längere Zeit stabil wächst, gutes Gewebe zeigt und ihre typische Färbung behält, ist wesentlich wichtiger als ein möglichst hoher monatlicher Zuwachs.
Welche schnell wachsenden Korallen solltest Du kaufen?
Wenn Du möglichst schnell sichtbares Wachstum möchtest und ein eher unkompliziertes Riff bevorzugst, sind Weichkorallen besonders interessant. Briareum, Pachyclavularia, Xenia, Zoanthus, Sarcophyton und Sinularia können bei passenden Bedingungen schnell sichtbare Veränderungen zeigen.
Möchtest Du Steinkorallen mit großen Polypen, schau Dir unsere LPS-Korallen an. Caulastrea und Duncanopsammia können hier besonders interessant sein.
Läuft Dein Aquarium bereits sehr stabil und möchtest Du schnell wachsende verzweigte oder tellerförmige Korallen, findest Du bei unseren SPS-Korallen Montipora, Seriatopora, Stylophora, Pocillopora und – für entsprechend geeignete Aquarien – Acropora.
Wenn Du eine bestimmte Art genauer kennenlernen möchtest, findest Du zusätzliche Informationen in unserem Korallen-Lexikon.
Korallen im Meerwasseraquarium – Arten, Haltung und Pflege
Unser großer Korallen-Ratgeber erklärt Dir die wichtigsten Zusammenhänge rund um LPS-Korallen, SPS-Korallen und Weichkorallen sowie Wasserwerte, Beleuchtung, Strömung, Wachstum, Standort und Pflege.
Fazit
Zu den schnell wachsenden Korallen gehören viele Weichkorallen sowie verschiedene SPS. Montipora, Seriatopora, Stylophora und Pocillopora können bei guten Bedingungen schnell größere Kolonien bilden. Bei den LPS wachsen Caulastrea und Duncanopsammia zuverlässig durch neue Köpfe. Briareum, Pachyclavularia, Xenia und Zoanthus können sich dagegen so stark ausbreiten, dass Du ihr Wachstum von Anfang an einplanen solltest.
Wähle eine Koralle deshalb nicht ausschließlich danach aus, wie schnell sie wächst. Sie muss zu Deiner Beleuchtung, Strömung, Deinen Wasserwerten und zum verfügbaren Platz passen. Wenn diese Bedingungen stimmen, entsteht aus kleinen Ablegern mit der Zeit ganz von selbst ein dicht bewachsenes Riff.
Haftungsausschluss
Die Inhalte dieser Kaufberatung wurden sorgfältig erstellt und dienen als Orientierung. Wachstumsgeschwindigkeit und Entwicklung einzelner Korallen können abhängig von Art, Tier und den individuellen Bedingungen in Deinem Aquarium deutlich variieren.
