Was sind Zooxanthellen?

Zooxanthellen gehören zu den wichtigsten Partnern vieler Korallen im Meerwasseraquarium. Die winzigen einzelligen Algen leben im Gewebe ihrer Wirte und versorgen sie über die Photosynthese mit einem erheblichen Teil der benötigten Energie. Im Gegenzug erhalten die Algen von der Koralle einen geschützten Lebensraum und wichtige Nährstoffe.
Diese enge Lebensgemeinschaft erklärt, warum Beleuchtung und Nährstoffversorgung für viele Korallen so wichtig sind – und warum Veränderungen dieser Faktoren direkten Einfluss auf Wachstum, Farbe und Gesundheit einer Koralle haben können.

Was sind Zooxanthellen?
Als Zooxanthellen bezeichnet man photosynthetisch aktive einzellige Dinoflagellaten, die in Symbiose mit Korallen, Anemonen, Muscheln und weiteren Meerestieren leben können.
Der traditionelle Begriff „Zooxanthellen“ wird in der Meerwasseraquaristik weiterhin verwendet. Wissenschaftlich handelt es sich bei den für Korallen besonders wichtigen Symbiosepartnern um verschiedene Vertreter der Familie Symbiodiniaceae.
Sie leben direkt im Gewebe ihres Wirtes und betreiben dort Photosynthese.

Wie funktioniert die Symbiose zwischen Koralle und Zooxanthellen?
Die Zusammenarbeit bringt beiden Partnern Vorteile. Die Koralle stellt den Zooxanthellen einen geschützten Lebensraum zur Verfügung. Gleichzeitig entstehen durch ihren Stoffwechsel unter anderem Kohlendioxid sowie Stickstoff- und Phosphorverbindungen, die von den Algen genutzt werden können.
Die Zooxanthellen betreiben mithilfe von Licht Photosynthese und produzieren dabei energiereiche organische Verbindungen. Einen erheblichen Teil der daraus gewonnenen Energie beziehungsweise Photosyntheseprodukte kann die Koralle nutzen.
Die Koralle bietet:
Geschützten Lebensraum
Kohlendioxid
Stickstoffverbindungen
Phosphorverbindungen
Weitere benötigte Stoffe
Die Zooxanthellen unterstützen:
Energieversorgung durch Photosyntheseprodukte
Bereitstellung organischer Kohlenstoffverbindungen
Stoffwechsel und Wachstum des Wirtes
Bei Steinkorallen indirekt auch die energieaufwendige Kalkbildung
Diese effiziente Partnerschaft trägt wesentlich dazu bei, dass Korallenriffe selbst in vergleichsweise nährstoffarmen tropischen Gewässern eine enorme biologische Produktivität erreichen können.

Bekommen Korallen ihre gesamte Energie von Zooxanthellen?
Nein. Viele photosynthetische Korallen decken einen großen Teil ihres Energiebedarfs über ihre Zooxanthellen. Das bedeutet aber nicht, dass Korallen ausschließlich von Licht leben.
Korallen sind Tiere. Je nach Art können sie zusätzlich Plankton, feine Futterpartikel und andere organische Nahrungsquellen aufnehmen.
Wie stark diese unterschiedlichen Ernährungswege genutzt werden, unterscheidet sich zwischen den Korallenarten erheblich. Die häufig verwendete Aussage „Korallen brauchen nur Licht“ ist deshalb falsch.

Warum ist Licht für Zooxanthellen so wichtig?
Zooxanthellen benötigen Licht für ihre Photosynthese. Deshalb gehört eine passende Beleuchtung zu den wichtigsten Voraussetzungen bei der Haltung photosynthetischer Korallen.
Dabei kommt es nicht darauf an, das Aquarium möglichst hell zu beleuchten. Unterschiedliche Korallen sind an unterschiedliche Lichtverhältnisse angepasst.
Zu wenig Licht kann die Energieversorgung begrenzen. Zu viel Licht oder eine sehr schnelle Erhöhung der Beleuchtungsintensität kann dagegen ebenfalls Stress verursachen.
Wie Du die tatsächlich an Deinen Korallen ankommende Lichtmenge beurteilen kannst, erklären wir Dir unter PAR-Werte einfach erklärt.

Warum sollte die Beleuchtung langsam verändert werden?
Korallen und ihre Symbiosepartner können sich innerhalb bestimmter Grenzen an unterschiedliche Lichtverhältnisse anpassen. Diese Anpassung benötigt jedoch Zeit.
Wird eine Koralle beispielsweise aus einem schwächer beleuchteten Aquarium direkt unter eine sehr intensive LED-Beleuchtung gesetzt, kann das Photosynthesesystem überfordert werden.
Neue Korallen solltest Du deshalb nicht automatisch an den hellsten Platz setzen. Auch beim Wechsel auf eine deutlich leistungsstärkere Beleuchtung ist eine langsame Anpassung sinnvoll.

Welche Rolle spielen Zooxanthellen bei der Farbe einer Koralle?
Zooxanthellen besitzen selbst Pigmente, die unter anderem bräunliche Farbtöne verursachen können. Die spektakulären Farben vieler Korallen entstehen jedoch zusätzlich durch Pigmente und fluoreszierende Proteine im Korallengewebe.
Die sichtbare Farbe einer Koralle wird deshalb von mehreren Faktoren beeinflusst:
Genetische Eigenschaften der Koralle
Zusammensetzung und Dichte der Zooxanthellen
Beleuchtungsintensität
Lichtspektrum
Nährstoffversorgung
Koralleneigene Pigmente und fluoreszierende Proteine
Weitere Umweltbedingungen
Die Farbe einer Koralle lässt sich deshalb niemals ausschließlich anhand der Zooxanthellen erklären.

Warum werden Korallen manchmal brauner?
Eine stärkere Braunfärbung kann unter anderem mit einer höheren Dichte der Zooxanthellen beziehungsweise ihrer Pigmente im Korallengewebe zusammenhängen. Dadurch können kräftige Eigenfarben der Koralle optisch stärker überlagert werden.
Veränderungen von Beleuchtung und Nährstoffversorgung können daran beteiligt sein. Ein Zusammenhang mit Nitrat und Phosphat ist möglich.
Aus einer brauneren Koralle solltest Du jedoch niemals automatisch auf einen bestimmten Wasserwert schließen. Die Farbe ersetzt keine Messung.

Warum werden Korallen manchmal sehr hell?
Auch eine besonders helle Koralle ist nicht automatisch eine besonders gesunde Koralle.
Eine geringere Dichte der Zooxanthellen kann dazu führen, dass koralleneigene Farben stärker sichtbar werden. Gleichzeitig können sehr niedrige Nährstoffwerte, Lichtstress oder andere Belastungen dazu führen, dass Korallen ungewöhnlich blass werden.
Wenn sich eine Koralle deutlich verändert, solltest Du deshalb nicht versuchen, allein anhand ihrer Farbe einen bestimmten Mangel zu diagnostizieren.
Weitere mögliche Ursachen erklären wir Dir unter Farbverlust bei Korallen.

Was ist eine Korallenbleiche?
Bei einer Korallenbleiche wird die Beziehung zwischen Koralle und ihren symbiotischen Algen massiv gestört. Die Koralle kann Zooxanthellen verlieren beziehungsweise ausstoßen oder die Konzentration ihrer photosynthetischen Pigmente kann stark abnehmen.
Da das Korallengewebe häufig weitgehend transparent ist, wird bei Steinkorallen anschließend das darunterliegende weiße Kalkskelett sichtbar. Die Koralle erscheint gebleicht.
Mögliche Auslöser sind:
Zu hohe Temperaturen
Starke Temperaturschwankungen
Plötzliche Veränderungen der Beleuchtung
Extremer Lichtstress
Stark schwankende oder ungeeignete Wasserwerte
Schadstoffe
Weitere starke Stresssituationen
Eine gebleichte Koralle ist nicht automatisch tot. Das Korallengewebe kann weiterhin vorhanden sein. Bleibt die Belastung jedoch bestehen, fehlt der Koralle ein wichtiger Teil ihrer Energieversorgung und ihre Überlebenschancen verschlechtern sich.

Können sich Korallen nach einer Bleiche erholen?
Grundsätzlich ja. Ob sich eine Koralle erholt, hängt von Ursache, Dauer und Stärke der Belastung sowie vom allgemeinen Zustand des Tieres ab.
Wichtig ist zunächst, die Ursache möglichst zuverlässig zu erkennen. Verändere nicht auf Verdacht gleichzeitig Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte und Versorgung.
Starke zusätzliche Veränderungen können die ohnehin gestresste Koralle weiter belasten. Hilfestellung zur systematischen Ursachenfindung findest Du unter Korallenstress erkennen.

Welche Rolle spielen Nitrat und Phosphat?
Zooxanthellen benötigen neben Licht auch Nährstoffe. Besonders Stickstoff und Phosphor sind für grundlegende biologische Prozesse notwendig.
Deshalb ist ein Meerwasseraquarium mit möglichst nicht nachweisbaren Nährstoffen nicht automatisch besonders korallenfreundlich.
Nitrat und Phosphat solltest Du gemeinsam betrachten und möglichst stabil halten.
Zu hohe Konzentrationen können ebenfalls ungünstig sein. Entscheidend ist deshalb ein ausgewogenes Nährstoffangebot und nicht die Jagd nach möglichst niedrigen Messwerten.

Warum können zu niedrige Nährstoffe problematisch werden?
Ein extrem nährstoffarmes Aquarium kann die Versorgung der Zooxanthellen beeinträchtigen.
Besonders ungünstig kann die Kombination aus sehr niedriger Nährstoffverfügbarkeit und intensiver Beleuchtung sein. Photosynthese benötigt nicht nur Licht, sondern auch die notwendigen Nährstoffe für Wachstum und Stoffwechsel.
Deshalb solltest Du Nitrat und Phosphat nicht grundsätzlich auf null reduzieren. Stabile und ausreichend verfügbare Nährstoffe sind für ein Riffaquarium wichtiger als theoretisch perfekte Minimalwerte.

Benötigen alle Korallen Zooxanthellen?
Nein. Es gibt auch Korallen, die ohne photosynthetische Symbiosepartner leben. Sie werden häufig als azooxanthellate beziehungsweise nicht photosynthetische Korallen bezeichnet.
Diese Korallen können ihren Energiebedarf nicht auf dieselbe Weise über die Photosynthese symbiotischer Algen decken und sind entsprechend stärker oder vollständig auf andere Nahrungsquellen angewiesen.
Ihre Haltung kann dadurch deutlich anspruchsvoller sein, insbesondere wenn sie regelmäßig mit geeigneter Nahrung versorgt werden müssen.
Umgekehrt bedeutet das nicht, dass Korallen mit Zooxanthellen grundsätzlich nicht gefüttert werden müssen. Viele photosynthetische Korallen können zusätzlich Nahrung aufnehmen.

Haben Anemonen und Muscheln ebenfalls Zooxanthellen?
Nicht nur Korallen können mit photosynthetischen Symbiosepartnern zusammenleben. Auch viele Anemonen und verschiedene tropische Muscheln besitzen entsprechende Symbiosen.
Das Grundprinzip ist ähnlich: Die Algen betreiben Photosynthese und stellen ihrem Wirt einen Teil der erzeugten organischen Verbindungen zur Verfügung. Dafür erhalten sie einen geschützten Lebensraum und Zugang zu benötigten Stoffen.
Deshalb spielt eine geeignete Beleuchtung beispielsweise auch bei vielen Riffanemonen und Tridacna-Muscheln eine wichtige Rolle.

Welche Bedeutung haben Zooxanthellen für das Korallenwachstum?
Die Photosynthese stellt vielen Korallen große Mengen nutzbarer Energie beziehungsweise energiereicher Verbindungen zur Verfügung. Diese können unter anderem für Stoffwechsel, Gewebeaufbau, Regeneration und bei Steinkorallen für die energieaufwendige Kalkbildung genutzt werden.
Zooxanthellen sind deshalb ein wesentlicher Bestandteil der erfolgreichen Lebensweise vieler riffbildender Korallen.
Wie Korallen neues Gewebe und Kalkskelett bilden, erklären wir Dir ausführlicher unter Wie wachsen Korallen?.

Welche Bedingungen sind für Korallen und Zooxanthellen wichtig?
Nicht ein einzelner perfekter Wasserwert entscheidet darüber, ob die Symbiose langfristig funktioniert. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
Zur Korallenart passende Beleuchtung
Ausreichende, aber nicht überhöhte Nährstoffversorgung
Stabile Temperatur
Stabile Salinität
Passende Karbonathärte
Ausreichende Calcium- und Magnesiumversorgung bei kalkbildenden Korallen
Geeignete Strömung
Möglichst geringe kurzfristige Schwankungen
Gerade schnelle Veränderungen können problematisch sein. Warum Konstanz im Riffaquarium so wichtig ist, erklären wir Dir unter Warum stabile Wasserwerte entscheidend sind.

Typische Fehler im Zusammenhang mit Zooxanthellen
Korallen ausschließlich als von Licht lebende Organismen betrachten
Neue Korallen sofort sehr intensiv beleuchten
Beleuchtungsleistung plötzlich stark erhöhen
Korallen grundsätzlich möglichst viel Licht geben
Nitrat und Phosphat auf null senken wollen
Braune Korallen automatisch als krank ansehen
Sehr helle Korallen automatisch als besonders gesund ansehen
Farbveränderungen sofort einem einzelnen Wasserwert oder Spurenelement zuordnen
Bei Problemen mehrere Parameter gleichzeitig verändern
Eine gebleichte Koralle sofort als tot ansehen

Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die Zusammenhänge verstehen

Wasserwerte im Meerwasseraquarium
Zooxanthellen zeigen sehr gut, warum Wasserchemie, Licht und Korallenbiologie nicht getrennt voneinander betrachtet werden sollten. In unserem großen Wasserwerte-Ratgeber erklären wir Dir die wichtigsten Werte und ihre Zusammenhänge.

Fazit
Zooxanthellen sind mikroskopisch kleine photosynthetische Symbiosepartner, die im Gewebe vieler Korallen und anderer Meerestiere leben. Durch Photosynthese stellen sie ihrem Wirt einen wichtigen Teil der benötigten Energie beziehungsweise energiereiche organische Verbindungen zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Schutz und Nährstoffe.
Diese Partnerschaft erklärt, warum Licht für viele Korallen so wichtig ist. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, warum Licht allein nicht ausreicht. Zooxanthellen benötigen Nährstoffe und die Koralle selbst kann zusätzlich Nahrung aufnehmen.
Entscheidend sind deshalb ein passendes Verhältnis aus Beleuchtung und Nährstoffversorgung sowie möglichst stabile Bedingungen. Maximales Licht und möglichst niedrige Nährstoffwerte führen nicht automatisch zu gesünderen oder farbigeren Korallen.

Unser Tipp
Wenn sich die Farbe einer Koralle verändert, korrigiere nicht sofort Beleuchtung oder Nährstoffwerte. Kontrolliere zuerst Deine Messwerte und überlege, was sich im Aquarium tatsächlich verändert hat.
Beobachte besonders Beleuchtung, Nitrat und Phosphat gemeinsam. Langsame und nachvollziehbare Veränderungen sind meist wesentlich sinnvoller als mehrere schnelle Korrekturen gleichzeitig.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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