Korallen richtig eingewöhnen

Eine neue Koralle ist angekommen – und natürlich möchtest Du sie möglichst schnell in Deinem Riff sehen. Gerade die ersten Stunden solltest Du aber ruhig und kontrolliert angehen. Transport, Temperaturunterschiede, andere Wasserwerte, neue Strömungsverhältnisse und vor allem eine möglicherweise völlig andere Beleuchtung bedeuten für eine Koralle mehrere Veränderungen gleichzeitig.
Bei der Eingewöhnung geht es deshalb nicht darum, möglichst viele komplizierte Schritte durchzuführen. Ziel ist vielmehr, unnötigen Stress zu vermeiden, die Koralle auf unerwünschte Begleiter zu kontrollieren und sie anschließend behutsam an die Bedingungen in Deinem Aquarium zu gewöhnen.
Besonders wichtig sind dabei stabile Wasserwerte, eine langsame Anpassung an die neue Beleuchtung, eine zur Koralle passende Strömung und ein geeigneter Standort.

Warum bedeutet der Umzug Stress für eine Koralle?
Während Transport und Eingewöhnung verändern sich innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Bedingungen.
Dazu gehören:
Temperatur
Salinität
Wasserchemie
Lichtintensität
Lichtspektrum
Strömung
Nährstoffangebot
Umgebung
Die Koralle muss sich anschließend an Dein Aquarium anpassen.
Wie gut sie damit zurechtkommt, hängt unter anderem von der Korallenart, ihrem bisherigen Zustand, der Transportdauer und den Unterschieden zwischen den bisherigen und neuen Bedingungen ab.

Bevor Du die Verpackung öffnest
Bereite die Eingewöhnung möglichst vor, bevor Du die Transportverpackung öffnest.
Sinnvoll sind:
Sauberer separater Behälter
Aquarienwasser
Geeignetes Korallenbad, falls verwendet
Handschuhe
Pinzette oder geeignetes Werkzeug
Ausreichend Licht zur Kontrolle der Koralle
Geplanter vorläufiger Standort
So musst Du eine bereits ausgepackte Koralle nicht unnötig lange warten lassen.

Schritt 1 – Koralle und Verpackung kontrollieren
Prüfe zunächst den Zustand der Lieferung.
Achte auf:
Unbeschädigte Verpackung
Dichten Transportbehälter
Ausreichend Transportwasser
Zustand der Koralle
Lose oder abgebrochene Teile
Auffälligen Gewebeverlust
Ungewöhnliche Beläge
Mögliche unerwünschte Begleiter
Dass eine Koralle unmittelbar nach dem Transport eingezogen ist, bedeutet noch nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt.

Eingezogene Polypen nach dem Versand sind zunächst nichts Ungewöhnliches
Viele Korallen schließen während des Transports ihre Polypen oder ziehen ihr Gewebe teilweise ein.
Dunkelheit, Bewegung und die veränderten Bedingungen können dafür ausreichen.
Erwarte deshalb nicht, dass eine neue Koralle wenige Minuten nach dem Einsetzen genauso geöffnet aussieht wie vorher im Verkaufsbecken.
Entscheidend ist die weitere Entwicklung.
Bleiben die Polypen über längere Zeit geschlossen, hilft Dir unser Ratgeber Korallenstress erkennen bei der Ursachenfindung.

Schritt 2 – Temperatur vorsichtig angleichen
Besonders bei niedrigen oder sehr hohen Außentemperaturen kann sich die Temperatur des Transportwassers von Deinem Aquarium unterscheiden.
Ein deutlicher Temperaturunterschied sollte nicht durch einen abrupten Wechsel ausgeglichen werden.
Der verschlossene Transportbehälter beziehungsweise Beutel kann deshalb zunächst zur Temperaturangleichung genutzt werden.
Wichtig ist dabei, dass kein Transportwasser in Dein Aquarium gelangt.

Warum sollte der Transportbeutel zunächst geschlossen bleiben?
Das Transportwasser hat während des Versands eigene chemische Bedingungen entwickelt.
Wie stark diese verändert sind, hängt unter anderem von Transportdauer, Tier und Wasservolumen ab.
Deshalb solltest Du einen geöffneten Transportbeutel nicht unnötig lange stehen lassen.
Plane die folgenden Schritte vorher und arbeite nach dem Öffnen ruhig, aber ohne unnötige Verzögerungen.

Musst Du Korallen stundenlang mit der Tropfmethode eingewöhnen?
Nein, eine lange Tropf-Eingewöhnung ist bei Korallen nicht grundsätzlich erforderlich und sollte nicht automatisch als Standardverfahren verwendet werden.
Korallen sind keine Fische oder empfindlichen Wirbellosen, bei denen je nach Tier andere Überlegungen gelten können.
Wichtiger ist, starke Unterschiede der Bedingungen möglichst zu vermeiden und die Koralle anschließend kontrolliert in Dein Aquarium zu überführen.
Besonders eine stundenlange Eingewöhnung in altem Transportwasser ist nicht automatisch schonender.

Schritt 3 – Transportwasser nicht ins Aquarium geben
Nach dem Öffnen solltest Du die Koralle aus dem Transportwasser entnehmen und möglichst kein Transportwasser in Dein Aquarium geben.
Das reduziert den Eintrag von:
Transportwasser
Gelösten Stoffen aus dem Transport
Möglichen Verunreinigungen
Unerwünschten Begleitorganismen
Setze die Koralle zur weiteren Kontrolle beziehungsweise für ein Korallenbad in einen separaten Behälter.

Schritt 4 – Koralle genau kontrollieren
Bevor eine neue Koralle in Dein Riff kommt, solltest Du sie möglichst gründlich ansehen.
Kontrolliere insbesondere:
Unterseite des Ablegersteins
Zwischenräume
Korallenskelett
Abgestorbene Bereiche
Eigelege
Schnecken
Krebse
Würmer
Andere ungewöhnliche Organismen
Nicht jeder kleine Organismus ist automatisch ein Schädling. Trotzdem ist die Kontrolle vor dem Einsetzen wesentlich einfacher als die spätere Suche im Riff.

Ist ein Korallenbad sinnvoll?
Ein geeignetes Korallenbad kann helfen, verschiedene unerwünschte mobile Begleiter von einer Koralle zu lösen beziehungsweise sichtbar zu machen.
Es ist deshalb eine sinnvolle zusätzliche Vorsichtsmaßnahme.
Ein Korallenbad ist allerdings keine Garantie dafür, dass die Koralle anschließend vollständig frei von unerwünschten Organismen ist.
Besonders Eier verschiedener Schädlinge können durch manche Bäder nicht zuverlässig erfasst werden.
Die optische Kontrolle bleibt deshalb wichtig.

Herstellerangaben beim Korallenbad genau beachten
Korallenbäder unterscheiden sich in Wirkstoff, Konzentration und Anwendung.
Halte Dich deshalb immer an:
Dosierung
Einwirkzeit
Vorgeschriebene Wassermenge
Anwendungshinweise
Sicherheitshinweise
Eine höhere Konzentration oder längere Einwirkzeit ist nicht automatisch wirksamer und kann die Koralle zusätzlich belasten.

Schritt 5 – Koralle nach dem Bad nicht mit Badewasser einsetzen
Das verwendete Korallenbad gehört nicht in Dein Aquarium.
Nach der Behandlung sollte die Koralle entsprechend den Anwendungshinweisen des verwendeten Präparats behandelt beziehungsweise gespült werden.
Auch dabei ist sauberes Arbeiten wichtig.
Verwende Behälter und Werkzeuge anschließend nicht ungewaschen für andere Zwecke.

Schritt 6 – Den ersten Standort bewusst wählen
Eine neue Koralle muss nicht sofort an ihrem endgültigen Platz sitzen.
Gerade wenn Du nicht genau weißt, welcher Lichtintensität sie zuvor ausgesetzt war, kann ein zunächst moderater Standort sinnvoll sein.
Die ausführliche Standortwahl erklären wir Dir unter Korallen richtig platzieren.
Dabei solltest Du gemeinsam betrachten:
Licht
Strömung
Abstand
Spätere Größe
Wuchsform
Nachbarkorallen

Warum ist die Beleuchtung bei der Eingewöhnung besonders wichtig?
Eine Koralle kann im vorherigen Aquarium unter völlig anderen Lichtbedingungen gestanden haben.
Selbst wenn die Korallenart grundsätzlich viel Licht verträgt, bedeutet das nicht, dass sie ohne Anpassung sofort von einer wesentlich höheren Lichtintensität getroffen werden sollte.
Ein abrupter Wechsel kann Korallenstress verursachen und unter anderem zu Veränderungen der Färbung führen.
Mehr Licht ist bei einer neuen Koralle deshalb nicht automatisch besser.

PAR-Werte helfen Dir bei der Lichtanpassung
Die Helligkeit eines Aquariums lässt sich mit dem Auge nur schlecht beurteilen.
Eine PAR-Messung kann Dir wesentlich besser zeigen, welche Lichtintensität tatsächlich an einem Standort ankommt.
Unser Ratgeber PAR-Werte einfach erklärt erklärt Dir, wie Du diese Werte sinnvoll beurteilst.
Besonders bei lichtbedürftigen SPS-Korallen kann eine PAR-Messung bei der Eingewöhnung und späteren Standortwahl sehr hilfreich sein.

Solltest Du eine neue Koralle immer auf den Boden stellen?
Nein.
„Neue Korallen grundsätzlich auf den Boden“ ist genauso wenig eine allgemeingültige Regel wie „SPS immer nach oben“.
Eine Koralle, die vorher unter hoher Lichtintensität stand, muss nicht zwangsläufig ganz unten beginnen.
Entscheidend ist der Unterschied zwischen den bisherigen Bedingungen und Deinem Aquarium.
Wenn Du die vorherige Lichtintensität nicht kennst, ist ein zunächst moderater Standort häufig die vorsichtigere Lösung.

Akklimatisierungsmodus der Beleuchtung nutzen
Viele moderne LED-Leuchten besitzen einen Akklimatisierungsmodus.
Damit kannst Du die Lichtleistung zunächst reduzieren und anschließend über mehrere Tage oder Wochen schrittweise erhöhen.
Das kann besonders praktisch sein, wenn mehrere neue Korallen gleichzeitig eingesetzt werden.
Alternativ kannst Du die Koralle zunächst an einem weniger intensiv beleuchteten Standort platzieren und später an ihren endgültigen Standort setzen.
Verändere dabei nicht jeden Tag die Position.

Warum solltest Du eine neue Koralle nicht ständig umsetzen?
Nach dem Einsetzen muss sich die Koralle an ihre neue Umgebung anpassen.
Wenn Du sie jeden Tag an einen anderen Platz stellst, verändern sich immer wieder:
Licht
Strömung
Nachbarschaft
Abschattung
Wasserbewegung
Dadurch wird es außerdem schwierig zu beurteilen, ob der vorherige Standort tatsächlich ungeeignet war.
Gib der Koralle deshalb Zeit, solange keine eindeutigen Probleme auftreten.

Schritt 7 – Auf die richtige Strömung achten
Auch die Wasserbewegung kann sich gegenüber dem vorherigen Aquarium erheblich unterscheiden.
Die passende Strömung hängt von der jeweiligen Korallenart ab.
Eine neue Koralle sollte nicht einfach direkt vor den Auslass einer Strömungs-Pumpe gestellt werden.
Besonders großpolypige LPS-Korallen können empfindlich reagieren, wenn ihr fleischiges Gewebe permanent von einem harten Wasserstrahl gegen das Skelett gedrückt wird.
Viele SPS-Korallen bevorzugen dagegen eine kräftigere, abwechslungsreiche Wasserbewegung.
Kräftig bedeutet aber auch hier nicht dauerhafte direkte Punktströmung.

Wie erkennst Du zu starke Strömung?
Mögliche Hinweise sind:
Gewebe wird dauerhaft stark zur Seite gedrückt
LPS-Gewebe schlägt gegen das Skelett
Polypen bleiben eingezogen
Koralle öffnet sich auf der strömungszugewandten Seite schlechter
Die Koralle wirkt permanent mechanisch belastet
Passe in diesem Fall nicht automatisch die gesamte Pumpenleistung des Aquariums an.
Oft reicht eine bessere Platzierung der Strömungs-Pumpen beziehungsweise ein geeigneterer Standort.

Wie erkennst Du zu wenig Strömung?
Auch nahezu stehendes Wasser ist für viele Korallen ungeeignet.
Mögliche Hinweise können sein:
Ablagerungen bleiben auf der Koralle liegen
Schleim wird schlecht abtransportiert
Mulm sammelt sich am Standort
Polypen beziehungsweise Gewebe bewegen sich kaum
Auch hier solltest Du immer die Anforderungen der konkreten Korallenart berücksichtigen.

Schritt 8 – Ausreichend Abstand zu anderen Korallen lassen
Eine kleine neue Koralle benötigt nicht nur Platz für ihre aktuelle Größe.
Sie soll wachsen.
Zusätzlich können verschiedene Korallen ihre Nachbarn vernesseln, beschatten oder überwachsen.
Wie viel Raum sinnvoll ist, erklären wir Dir unter Korallenabstand – Warum ausreichend Platz.
Plane deshalb bereits beim Einsetzen die spätere Entwicklung ein.

Kampftentakel nicht unterschätzen
Besonders verschiedene LPS-Korallen können Tentakel ausbilden, die wesentlich weiter reichen als die tagsüber sichtbare Koralle vermuten lässt.
Dadurch kann ein Standort tagsüber ausreichend Abstand besitzen und nachts trotzdem zu nah an einer anderen Koralle liegen.
Mehr über dieses Konkurrenzverhalten findest Du unter Kampftentakel erklärt.
Beobachte neue Korallen deshalb gelegentlich auch nach dem Ausschalten der Beleuchtung.

Solltest Du eine neue Koralle sofort festkleben?
Nicht unbedingt.
Wenn Du Dir beim endgültigen Standort noch nicht sicher bist, kann es sinnvoll sein, die Koralle zunächst sicher, aber noch nicht dauerhaft zu befestigen.
Sie darf dabei natürlich nicht durch die Strömung oder durch Tiere im Aquarium umgeworfen werden können.
Hast Du einen geeigneten Standort gefunden, solltest Du den Ableger zuverlässig befestigen.
Wie das funktioniert, zeigen wir Dir unter Korallen richtig befestigen.

Warum muss eine lose Koralle trotzdem sicher stehen?
Eine nicht endgültig befestigte Koralle darf nicht unkontrolliert durch das Aquarium fallen.
Schnecken, Einsiedlerkrebse, Seeigel oder die Strömung können einen lockeren Ableger verschieben.
Fällt dieser auf eine andere Koralle, können beide Tiere durch direkten Kontakt oder Vernesselung geschädigt werden.
„Noch nicht festkleben“ bedeutet deshalb nicht „lose irgendwo hinlegen“.

Was ist in den ersten Stunden normal?
Nach dem Einsetzen können verschiedene vorübergehende Reaktionen auftreten.
Dazu gehören:
Eingezogene Polypen
Geringere Expansion
Veränderte Schleimproduktion
Vorübergehend blasseres Erscheinungsbild
Ungewohnte Körperhaltung beziehungsweise Gewebeausdehnung
Solche Reaktionen müssen unmittelbar nach Transport und Umsetzen nicht automatisch auf ein Problem hinweisen.
Beobachte die weitere Entwicklung.

Wie lange braucht eine Koralle zur Eingewöhnung?
Dafür gibt es keine feste Zeit.
Manche Korallen öffnen sich bereits nach kurzer Zeit.
Andere benötigen:
Mehrere Stunden
Einige Tage
Teilweise länger
Entscheidend ist nicht, ob die Koralle nach einer bestimmten Anzahl von Stunden vollständig geöffnet ist.
Wichtiger ist die Entwicklung.
Verbessert sich ihr Zustand allmählich oder verschlechtert er sich?

Wann solltest Du genauer hinschauen?
Aufmerksam solltest Du besonders bei folgenden Veränderungen werden:
Fortschreitender Gewebeverlust
Deutlich weiß werdende Bereiche
Gewebe löst sich vom Skelett
Ungewöhnlicher brauner oder schleimiger Belag
Starker unangenehmer Geruch
Koralle verschlechtert sich innerhalb kurzer Zeit deutlich
Mehrere Korallen zeigen gleichzeitig Probleme
In solchen Fällen solltest Du nicht einfach nur weiter abwarten.

Farbveränderungen nach dem Einsetzen
Eine neue Beleuchtung und andere Aquarienbedingungen können das sichtbare Erscheinungsbild einer Koralle verändern.
Eine Koralle muss deshalb bei Dir nicht dauerhaft exakt dieselbe Farbe zeigen wie zuvor.
Wird sie allerdings deutlich blasser oder bleicht sie stark aus, solltest Du Licht, Nährstoffversorgung und die übrigen Bedingungen kontrollieren.
Unser Ratgeber Farbverlust bei Korallen hilft Dir bei der systematischen Ursachenfindung.

Warum sind stabile Wasserwerte bei neuen Korallen besonders wichtig?
Der Transport war bereits eine Belastung.
Starke Veränderungen der Wasserchemie unmittelbar nach dem Einsetzen erzeugen zusätzlichen Stress.
Deshalb sollten Deine Wasserwerte möglichst bereits vor dem Kauf der Koralle zum geplanten Besatz passen.
Kaufe empfindliche Korallen nicht mit dem Gedanken, die Wasserwerte anschließend passend einzustellen.

Solltest Du vor dem Korallenkauf die Wasserwerte messen?
Ja, besonders bei anspruchsvolleren Korallen ist das sinnvoll.
Kontrolliere zumindest die für Deinen Besatz wichtigen Parameter und deren Entwicklung.
Ein einzelner perfekter Messwert reicht dabei nicht aus.
Ein Aquarium, dessen Werte stark schwanken, kann problematischer sein als ein System mit einer kleinen, aber langfristig stabilen Abweichung.
Deshalb solltest Du neue empfindliche Tiere möglichst erst einsetzen, wenn Dein Aquarium stabil läuft.

Neue LPS-Korallen eingewöhnen
Bei LPS-Korallen solltest Du besonders das oft große fleischige Gewebe berücksichtigen.
Vermeide:
Harte direkte Strömung
Scheuern an scharfkantigem Gestein
Zu geringen Abstand zu Nachbarn
Abrupte starke Lichtsteigerung
Beobachte, ob sich das Gewebe in den folgenden Tagen zunehmend normal ausdehnt.

Neue SPS-Korallen eingewöhnen
Viele SPS-Korallen benötigen langfristig eine vergleichsweise hohe Lichtintensität und kräftige Wasserbewegung.
Trotzdem sollte eine neue SPS nicht automatisch direkt unter die stärkste Beleuchtung gesetzt werden.
Gerade eine plötzliche Veränderung der Lichtintensität kann erheblichen Stress verursachen.
Nutze bei anspruchsvollen SPS deshalb möglichst Deine Kenntnisse über die vorherige Beleuchtung beziehungsweise eine PAR-Messung, um die Anpassung kontrollierter zu gestalten.

Neue Weichkorallen eingewöhnen
Auch Weichkorallen können nach Transport und Umsetzen zunächst geschlossen bleiben.
Einige Arten bilden während der Anpassung beziehungsweise bei Reinigungsprozessen zeitweise einen veränderten Oberflächenfilm und wirken dadurch ungewohnt.
Beobachte deshalb nicht nur, ob die Koralle sofort geöffnet ist, sondern wie sie sich über die nächsten Tage entwickelt.
Achte gleichzeitig auf ausreichend Platz, da verschiedene Weichkorallen später erheblich größer werden können.

Neue Koralle und vorhandener Besatz
Beim Einsetzen solltest Du nicht nur die neue Koralle betrachten.
Auch die bereits vorhandenen Tiere können auf einen neuen Nachbarn reagieren.
Prüfe deshalb:
Reicht der Abstand?
Kann eine Koralle die andere beschatten?
Besitzt eine der Korallen lange Kampftentakel?
Kann eine schnell wachsende Art die andere überwachsen?
Passen Licht- und Strömungsansprüche zusammen?
Mehr zu diesen Zusammenhängen findest Du unter Korallen richtig kombinieren.

Was tun, wenn sich die Koralle nicht öffnet?
Nicht sofort alles verändern.
Kontrolliere zunächst:
Wie lange ist die Koralle bereits im Aquarium?
Ist das Gewebe intakt?
Passt die Strömung?
Ist die Lichtintensität plausibel?
Sind die Wasserwerte stabil?
Wird die Koralle von einem Nachbarn berührt oder vernesselt?
Gibt es sichtbare Schädlinge oder Beläge?
Hat sich ihr Zustand verbessert oder verschlechtert?
Eine frisch eingesetzte Koralle benötigt häufig einfach Zeit.
Bleibt die Veränderung bestehen oder kommen weitere Symptome hinzu, solltest Du systematisch nach der Ursache suchen.

Nicht mehrere Dinge gleichzeitig verändern
Eine neue Koralle öffnet sich nicht sofort – also wird sie umgesetzt.
Am nächsten Tag wird die Beleuchtung verändert.
Danach die Strömung.
Anschließend werden Wasserwerte korrigiert.
So entsteht schnell zusätzlicher Stress und Du kannst kaum noch beurteilen, welche Bedingung tatsächlich problematisch war.
Ändere deshalb nur dann etwas, wenn Du einen plausiblen Grund dafür hast.

Quarantäne ist die sicherste Kontrolle
Ein separates Quarantäne- beziehungsweise Beobachtungssystem bietet Dir die beste Möglichkeit, neue Korallen vor dem Einsetzen in das Hauptaquarium über einen längeren Zeitraum zu kontrollieren.
Ein Korallenbad kann das Risiko unerwünschter Begleiter reduzieren, ersetzt eine Quarantäne aber nicht vollständig.
Ob sich ein separates System für Dich lohnt, hängt unter anderem von Wert, Größe und Empfindlichkeit Deines vorhandenen Korallenbestands ab.

Korallen niemals mit Haushaltsmitteln behandeln
Verwende für Korallenbäder oder andere Behandlungen ausschließlich Produkte und Verfahren, die ausdrücklich für den jeweiligen Zweck geeignet sind.
Experimentiere nicht mit Haushaltsreinigern, Desinfektionsmitteln oder frei zusammengestellten Chemikalien.
Eine Koralle ist bereits durch Transport und Umsetzen belastet. Eine ungeeignete Behandlung kann erheblichen zusätzlichen Schaden verursachen.

Die häufigsten Fehler bei der Eingewöhnung
Koralle direkt unter maximale Beleuchtung setzen
Koralle direkt vor eine Strömungs-Pumpe stellen
Transportwasser ins Aquarium geben
Geöffneten Transportbeutel unnötig lange stehen lassen
Korallenbad deutlich stärker dosieren als angegeben
Einwirkzeit eigenmächtig verlängern
Korallenbad als vollständigen Ersatz für Kontrolle oder Quarantäne betrachten
Ablegersteine nicht auf unerwünschte Begleiter kontrollieren
Koralle sofort endgültig festkleben, obwohl der Standort unsicher ist
Koralle ungesichert lose ins Riff stellen
Koralle jeden Tag an einen anderen Platz setzen
Kampftentakel benachbarter Korallen übersehen
Späteres Wachstum nicht berücksichtigen
Mehrere Aquarienbedingungen gleichzeitig verändern
Eingezogene Polypen unmittelbar als Krankheit interpretieren
Bei eindeutig fortschreitendem Gewebeverlust zu lange warten

Korallen richtig platzieren

Korallen richtig platzieren
Nach der ersten Eingewöhnung geht es um den langfristig passenden Standort. Licht, Strömung, Abstand und späteres Wachstum sollten dabei immer gemeinsam betrachtet werden.

PAR-Werte richtig einschätzen

PAR-Werte einfach erklärt
Gerade bei neuen Korallen ist die tatsächliche Lichtintensität wichtig. Eine PAR-Messung hilft Dir dabei, unterschiedliche Standorte objektiver miteinander zu vergleichen und starke Lichtwechsel zu vermeiden.

Strömung passend einstellen

Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Die richtige Wasserbewegung hängt von Korallenart und Standort ab. Eine breite und wechselnde Strömung ist häufig sinnvoller als ein harter direkter Pumpenstrahl.

Korallen nach der Eingewöhnung sicher befestigen

Korallen richtig befestigen
Wenn Licht, Strömung und Standort passen, sollte die Koralle sicher im Riff befestigt werden. So verhinderst Du, dass Ableger durch Strömung oder Wirbellose umgeworfen werden.

Fazit
Eine gute Eingewöhnung beginnt nicht mit möglichst vielen komplizierten Maßnahmen, sondern mit Ruhe und einem kontrollierten Vorgehen.
Kontrolliere die neue Koralle und ihren Ablegerstein sorgfältig, vermeide den Eintrag von Transportwasser und nutze bei Bedarf ein geeignetes Korallenbad nach Herstellerangabe.
Anschließend sind vor allem die Unterschiede zwischen dem bisherigen Aquarium und Deinem eigenen System entscheidend.
Achte besonders auf Wasserwerte, Beleuchtung und PAR-Werte, die passende Strömung und einen geeigneten Standort.
Erwarte nicht, dass jede Koralle unmittelbar nach dem Einsetzen vollständig geöffnet ist.
Gib ihr Zeit.
Beobachte aber gleichzeitig aufmerksam, ob sich der Zustand verbessert oder ob Gewebeverlust beziehungsweise andere deutliche Warnzeichen auftreten.
Je weniger unnötige Veränderungen Du während dieser ersten Phase erzeugst, desto leichter kann sich die Koralle an Dein Aquarium anpassen.

Unser Tipp
Plane die Eingewöhnung bereits vor der Ankunft Deiner Korallen.
Überlege, wo die Tiere zunächst stehen sollen, bereite einen sauberen Behälter für Kontrolle beziehungsweise Korallenbad vor und prüfe vorher Deine Wasserwerte.
Kennst Du die bisherige Lichtintensität einer Koralle, kannst Du ihren neuen Standort wesentlich gezielter auswählen. Kennst Du sie nicht, beginne lieber mit moderater Beleuchtung und gewöhne die Koralle langsam an höhere Intensitäten.
Und vor allem: Beurteile eine frisch eingesetzte Koralle nicht nach den ersten zehn Minuten. Ein Tier, das gerade Transport, Temperaturwechsel und eine komplett neue Umgebung erlebt hat, darf zunächst eingezogen sein.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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