Welche Korallen für viel Licht?

Ein heller Bereich direkt unter der Riffbeleuchtung ist nicht automatisch für jede Koralle der beste Platz. Während viele SPS-Korallen eine kräftige Beleuchtung bevorzugen und dort ihre typische Wuchsform und Färbung entwickeln können, reagieren andere Korallen auf zu hohe Lichtintensitäten mit Stress.

Wenn Du sehr helle Bereiche in Deinem Riff gezielt besetzen möchtest, sind vor allem verschiedene SPS-Korallen interessant. Entscheidend ist aber nicht nur, welche Koralle grundsätzlich viel Licht verträgt. Ihre bisherige Haltung, Strömung, Wasserwerte und Nährstoffversorgung müssen ebenfalls passen.

Was bedeutet eigentlich viel Licht?
Die Helligkeit eines Aquariums lässt sich mit dem Auge nur schlecht beurteilen. Besonders das blaulastige Licht moderner Riffbeleuchtungen kann sehr hell aussehen, ohne dass Du daraus zuverlässig auf die tatsächliche Lichtintensität am Standort einer Koralle schließen kannst.

Eine bessere Orientierung bietet der PAR-Wert. Als grobe Einteilung können folgende Bereiche hilfreich sein:
Wenig Licht: etwa 50–100 PAR
Mittlere Lichtintensität: etwa 100–200 PAR
Stärkere Beleuchtung: etwa 200–300 PAR
Sehr hohe Lichtintensität: ab etwa 300 PAR

Diese Werte sind ausdrücklich keine festen Grenzen. Eine Koralle kann sich auch außerhalb dieser Bereiche hervorragend entwickeln. Entscheidend ist immer das einzelne Tier und nicht allein eine Zahl.

PAR-Werte einfach erklärt
Hier erfährst Du ausführlich, wie PAR-Werte einzuordnen sind und warum mehr Licht nicht automatisch besseres Korallenwachstum bedeutet.

PAR messen statt Licht schätzen
Gerade wenn Du lichtliebende SPS-Korallen pflegen möchtest, ist eine PAR-Messung besonders interessant. Innerhalb eines Riffaufbaus können sich die Werte erheblich unterscheiden. Selbst zwei Stellen auf gleicher Höhe müssen nicht dieselbe Lichtintensität bekommen.

ITC PARwise Pro – PAR-Messgerät bei Korallenland mieten
Du musst Dir für eine gelegentliche Messung kein eigenes PAR-Messgerät kaufen. Mit dem ITC PARwise Pro kannst Du die tatsächliche Lichtintensität an verschiedenen Stellen Deines Aquariums messen und Dir praktisch eine PAR-Karte Deines Riffs erstellen.

So erkennst Du, wo tatsächlich 100, 200, 300 oder mehr PAR ankommen und kannst Deine Korallen entsprechend platzieren.

Acropora – der Klassiker für helle Riffbereiche
Viele Acropora gehören zu den Korallen, die von einer kräftigen Beleuchtung profitieren können. Für zahlreiche Arten und Varianten sind etwa 200 bis 350 PAR oder teilweise höhere Werte möglich.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Acropora automatisch möglichst nah unter die Lampe gehört. Herkunft, bisherige Haltung und die jeweilige Art spielen eine große Rolle.

Zusätzlich zur Beleuchtung benötigen Acropora eine gute Wasserbewegung und besonders stabile Bedingungen. Ein hoher PAR-Wert allein macht deshalb noch keinen guten Standort.

Montipora – lichtliebend, aber nicht alle gleich
Auch Montipora ist für gut beleuchtete Bereiche interessant. Dabei gibt es innerhalb dieser Gruppe unterschiedliche Wuchsformen und Ansprüche.

Eine Montipora digitata kann andere optimale Bedingungen haben als eine Montipora capricornis.

Gerade plattenförmig wachsende Montipora solltest Du außerdem mit ausreichend Platz einsetzen. Mit zunehmendem Wachstum können sie darunterliegende Korallen erheblich abschatten.

Weitere SPS-Korallen für helle Bereiche
Neben Acropora und Montipora kommen weitere SPS-Korallen für stärker beleuchtete Riffbereiche infrage:

Seriatopora
Stylophora
Pocillopora
Turbinaria

Auch hier solltest Du nicht pauschal davon ausgehen, dass jede dieser Korallen möglichst hohe PAR-Werte benötigt. Die optimale Beleuchtung hängt von der jeweiligen Art und ihrer bisherigen Gewöhnung ab.

SPS-Korallen – Haltung & Arten
Auf unserer großen SPS-Seite erfährst Du mehr über Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte, Versorgung, Wachstum und Pflege von SPS-Korallen.

Welche LPS-Korallen vertragen kräftigere Beleuchtung?
Viel Licht bedeutet nicht automatisch, dass dort ausschließlich SPS-Korallen stehen können. Auch einige LPS-Korallen können bei entsprechender Eingewöhnung mit kräftigerer Beleuchtung zurechtkommen.

Dazu können beispielsweise gehören:
Duncanopsammia
Caulastrea
Favia
Goniastrea
Bernardpora

Das bedeutet aber nicht, dass diese Korallen dieselben Lichtintensitäten benötigen wie eine lichthungrige Acropora. Gerade bei LPS-Korallen solltest Du die Reaktion des Tieres genau beobachten und eine neue Koralle langsam an einen helleren Standort gewöhnen.

LPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Hier findest Du ausführliche Informationen zu Beleuchtung, Strömung, Wasserwerten und Standort unterschiedlicher LPS-Korallen.

Sind Weichkorallen für viel Licht geeignet?
Viele Weichkorallen benötigen keine extrem hohe Lichtintensität. Trotzdem wäre die Aussage „Weichkorallen vertragen kein starkes Licht“ ebenfalls falsch.

Beispielsweise kann Sinularia brassica durchaus mit kräftiger Beleuchtung zurechtkommen. Andere Arten wie Discosoma oder Rhodactis bevorzugen dagegen häufig schwächere bis mittlere Lichtbereiche.

Deshalb sollte auch bei Weichkorallen immer die jeweilige Art betrachtet werden.

Weichkorallen – Haltung, Arten & Pflege
Hier erfährst Du mehr über die unterschiedlichen Ansprüche von Weichkorallen an Licht, Strömung, Wasserwerte und Standort.

Wo solltest Du lichtliebende Korallen platzieren?
In vielen Aquarien befinden sich die stärksten Lichtbereiche im oberen Teil des Riffaufbaus und direkt unter den Leuchten. Deshalb werden lichtliebende SPS-Korallen häufig dort platziert.

Geeignete Bereiche können sein:
Obere Riffplateaus
Freistehende hohe Riffbereiche
Direkt beleuchtete Bereiche ohne Abschattung
Gut durchströmte obere Riffzonen

Die Höhe allein sagt allerdings noch nicht, wie viel Licht tatsächlich ankommt. Lampenabstand, Optik, Aquariumtiefe, Riffaufbau und Abschattungen beeinflussen die Lichtverteilung erheblich.

Deshalb gilt auch hier: messen ist besser als raten.

Neue Korallen niemals einfach unter maximale Beleuchtung setzen
Einer der häufigsten Fehler bei lichtliebenden Korallen ist die Annahme, dass ein hoher Lichtbedarf bedeutet, dass eine neue Koralle sofort an den hellsten Standort gehört.

Angenommen, eine Acropora wurde bisher bei ungefähr 150 PAR gehalten und bekommt in Deinem Aquarium plötzlich 350 PAR. Selbst wenn sie langfristig mit 350 PAR zurechtkommen könnte, ist die abrupte Veränderung erheblich.

Neue Korallen solltest Du deshalb langsam an höhere Lichtintensitäten gewöhnen. Du kannst sie zunächst in einem moderater beleuchteten Bereich platzieren und anschließend schrittweise an den endgültigen Standort gewöhnen.

Korallen richtig eingewöhnen
Hier erfährst Du, wie Du neue Korallen nach dem Transport möglichst schonend an Dein Aquarium gewöhnst.

Woran erkennst Du zu viel Licht?
Mehr Licht bedeutet nicht automatisch bessere Farben. Eine zu hohe Lichtintensität oder eine zu schnelle Veränderung kann Korallen erheblich stressen.

Mögliche Warnzeichen sind:
Koralle wird auffällig heller
Farben verblassen
Polypen bleiben stärker eingezogen
Wachstum verändert sich
Gewebe zeigt Veränderungen
Im Extremfall kommt es zum Bleaching

Erhöhe deshalb die Beleuchtungsleistung nicht automatisch, wenn eine Koralle heller wird. Zu viel Licht kann genauso problematisch sein wie zu wenig.

Licht und Nährstoffe gehören zusammen
Besonders bei stark beleuchteten SPS-Korallen solltest Du nicht nur auf PAR-Werte achten. Licht beeinflusst den Stoffwechsel, gleichzeitig benötigt die Koralle passende Nährstoff- und Wasserbedingungen.

Ein Aquarium mit sehr hoher Lichtleistung und extrem niedrigen beziehungsweise nicht nachweisbaren Nährstoffen kann problematisch werden.

Deshalb solltest Du bei Acropora, Montipora, Stylophora und anderen stark beleuchteten SPS-Korallen immer das gesamte System betrachten.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium
Hier findest Du die wichtigsten Zusammenhänge rund um KH, Calcium, Magnesium, Nitrat, Phosphat, Salinität und pH-Wert.

Starke Beleuchtung braucht die passende Strömung
Viele Korallen, die kräftige Beleuchtung bevorzugen, benötigen gleichzeitig eine gute Wasserbewegung. Besonders SPS-Kolonien profitieren häufig von einer kräftigen, wechselnden und möglichst breit verteilten Strömung.

Bei Acropora, Montipora, Seriatopora, Stylophora und Pocillopora solltest Du Licht und Strömung deshalb gemeinsam planen.

Eine einzelne harte Strömung direkt auf die Koralle ist dabei nicht automatisch optimal. Eine abwechslungsreiche Wasserbewegung erreicht die Kolonie meist wesentlich gleichmäßiger.

Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Hier erfährst Du, wie Du Strömungs-Pumpen sinnvoll positionierst und unterschiedliche Bereiche Deines Riffs versorgst.

Abschattungen durch wachsende Korallen berücksichtigen
Die Lichtverhältnisse in Deinem Aquarium bleiben nicht dauerhaft gleich. Eine kleine Acropora kann sich zu einer großen verzweigten Kolonie entwickeln. Eine Montipora capricornis kann große Platten bilden.

Dadurch entstehen mit der Zeit neue Schattenbereiche.

Eine Koralle, die heute 250 PAR bekommt, kann deshalb später deutlich weniger Licht erhalten, obwohl Du an Deiner Beleuchtung überhaupt nichts verändert hast.

Gerade bei einem stark bewachsenen Riff lohnt es sich deshalb, die PAR-Verteilung gelegentlich erneut zu überprüfen.

Welche Korallen würde ich für einen sehr hellen Bereich zuerst auswählen?
Wenn Dein Aquarium stabil läuft und Licht, Strömung und Wasserwerte passen, würde ich für stark beleuchtete Bereiche zuerst bei SPS-Korallen suchen.

Besonders interessant sind:
Acropora
Montipora
Seriatopora
Stylophora
Pocillopora

Für kräftig beleuchtete Bereiche mit etwas moderateren Ansprüchen können je nach Tier auch folgende LPS-Korallen interessant sein:
Duncanopsammia
Caulastrea
Favia
Goniastrea
Bernardpora

Welche Koralle tatsächlich die richtige ist, entscheidet aber nicht die Bezeichnung SPS oder LPS allein. Der konkrete Standort und die individuellen Ansprüche des Tieres bleiben entscheidend.

Wenn ein Bereich zu hell ist
Nicht jeder freie Platz unter Deiner Beleuchtung muss mit einer lichtliebenden Koralle besetzt werden. Wenn Du auch deutlich schwächer beleuchtete Bereiche im Riff hast, kannst Du dort ganz andere Korallen pflegen.

Welche Korallen eignen sich für wenig Licht?
Hier findest Du passende Korallen für Bodenzonen, seitliche Riffbereiche und andere Stellen mit geringerer Lichtintensität.

Unser Tipp: Nicht maximale Leistung, sondern passendes Licht
Eine leistungsstarke Riffbeleuchtung muss nicht permanent mit maximaler Leistung betrieben werden. Entscheidend ist, wie viel Licht tatsächlich bei Deinen Korallen ankommt.

Bevor Du eine Acropora, Montipora oder eine andere lichtliebende Koralle an den vermeintlich hellsten Platz setzt, miss den Standort.

Mit dem ITC PARwise Pro – PAR-Messgerät zur Miete kannst Du die Lichtverteilung in Deinem Aquarium bestimmen. Miss verschiedene Höhen und Bereiche und erstelle Dir eine kleine PAR-Karte.

Danach kannst Du gezielt entscheiden, welche Koralle an welchen Standort passt. Das ist wesentlich sinnvoller, als die Beleuchtung einfach immer weiter aufzudrehen und darauf zu hoffen, dass mehr Licht automatisch bessere Farben und schnelleres Wachstum bringt.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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