Was sind Polypen?
Wenn Du eine Koralle anschaust, siehst Du eigentlich ein Tier oder eine ganze Gemeinschaft vieler kleiner Tiere. Diese einzelnen Tiere nennt man Polypen.
Der Polyp ist der lebende Teil einer Koralle. Er besitzt einen weichen Körper, eine Mundöffnung und meist mehrere Tentakel. Mit diesen Tentakeln kann er Nahrung aufnehmen, seine Umgebung wahrnehmen und sich mit Hilfe von Nesselzellen verteidigen.
Bei manchen Korallen kannst Du die einzelnen Polypen sehr deutlich erkennen. Bei anderen sind sie so klein, dass Du erst bei genauerem Hinsehen siehst, dass die vermeintlich feste Koralle aus vielen einzelnen Tieren besteht.
Wenn Du Polypen verstehst, wird auch vieles andere an Korallen im Meerwasseraquarium leichter verständlich.
Was ist ein Polyp ganz einfach erklärt?
Stell Dir einen Polypen vereinfacht wie einen winzigen weichen Körper mit einer Öffnung in der Mitte und Tentakeln außen herum vor.
Die Öffnung dient unter anderem zur Nahrungsaufnahme.
Die Tentakel helfen dem Polypen:
Nahrung zu fangen
Futter zur Mundöffnung zu transportieren
Die Umgebung wahrzunehmen
Sich gegen andere Tiere zu verteidigen
Bei vielen Korallen siehst Du diese Tentakel sehr deutlich, sobald sich die Koralle öffnet.
Korallen sind Tiere
Korallen werden besonders von Einsteigern manchmal für Pflanzen gehalten.
Der Grund ist verständlich: Sie sitzen fest auf einem Stein, wachsen langsam und besitzen teilweise verzweigte oder blütenähnliche Formen.
Trotzdem sind Korallen Tiere.
Sie gehören zu den Nesseltieren.
Zu dieser großen Tiergruppe gehören unter anderem auch Seeanemonen und Quallen.
Der Polyp ist eine typische Körperform vieler festsitzender Nesseltiere.
Besteht jede Koralle aus vielen Polypen?
Nein.
Viele Korallen bilden Kolonien aus zahlreichen miteinander verbundenen Polypen.
Andere Korallen besitzen nur einen oder wenige besonders große Polypen.
Deshalb kann ein Polyp:
Nur wenige Millimeter groß sein
Mehrere Zentimeter groß werden
Allein leben
Teil einer großen Kolonie sein
Das erklärt auch, warum Korallen so unterschiedlich aussehen können.
Was ist eine Korallenkolonie?
Bei einer Korallenkolonie leben viele einzelne Polypen gemeinsam.
Sie sind über Gewebe miteinander verbunden und bilden zusammen das, was Du als gesamte Koralle wahrnimmst.
Eine große verzweigte Acropora besteht beispielsweise aus sehr vielen kleinen Polypen.
Auch eine Montipora besitzt zahlreiche kleine Polypen, die über die Oberfläche der Kolonie verteilt sind.
Die einzelnen Tiere sind klein – gemeinsam können sie aber eine große Korallenkolonie bilden.
Wie entsteht aus einem Polypen eine große Koralle?
Bei vielen Korallen entstehen während des Wachstums neue Polypen.
Die Kolonie vergrößert sich dadurch immer weiter.
Bei Steinkorallen wird gleichzeitig neues Kalkskelett aufgebaut.
So kann aus einem kleinen Ableger im Laufe der Zeit eine große verzweigte, massive oder plattenförmige Kolonie entstehen.
Den gesamten Vorgang erklären wir Dir unter Wie wachsen Korallen?.
Was machen die Tentakel eines Polypen?
Die Tentakel sind nicht nur Dekoration.
Sie übernehmen mehrere Aufgaben.
Dazu gehören:
Nahrung aufnehmen
Nahrung festhalten
Reize wahrnehmen
Kontakt mit der Umgebung
Verteidigung
Konkurrenz mit anderen Korallen
In den Tentakeln vieler Korallen befinden sich Nesselzellen.
Was sind Nesselzellen?
Nesselzellen sind spezialisierte Zellen der Nesseltiere.
Sie können winzige Nesselkapseln enthalten, die bei einem Reiz ausgelöst werden.
Damit können Korallen kleine Beutetiere festhalten oder andere Tiere auf Abstand halten.
Bei kleinen Polypen bemerkst Du davon meist kaum etwas.
Bei stark nesselnden Korallen kann dieser Mechanismus für benachbarte Korallen jedoch sehr wichtig werden.
Warum können Korallen ihre Nachbarn vernesseln?
Korallen können ihren Standort nicht verlassen.
Wenn eine andere Koralle zu nahe heranwächst, entsteht Konkurrenz um Platz und Licht.
Einige Arten besitzen deshalb besonders lange Tentakel, mit denen sie benachbarte Korallen erreichen und deren Gewebe schädigen können.
Solche verlängerten Tentakel erklären wir ausführlich unter Kampftentakel erklärt.
Darum ist ausreichend Abstand zwischen den Korallen wichtig.
Sind alle Tentakel Kampftentakel?
Nein.
Die normalen Tentakel eines Polypen dienen unter anderem der Nahrungsaufnahme und Wahrnehmung.
Kampftentakel beziehungsweise besonders verlängerte Nesseltentakel sind eine spezielle Form, die manche Korallen zur Konkurrenzabwehr einsetzen.
Ein langer Tentakel ist deshalb nicht automatisch ein Kampftentakel.
Für Dich im Aquarium ist vor allem wichtig zu wissen, dass die tatsächliche Reichweite einer Koralle größer sein kann, als sie tagsüber aussieht.
Warum sehen Polypen bei verschiedenen Korallen so unterschiedlich aus?
Die Größe und Form der Polypen unterscheiden sich erheblich.
Bei SPS-Korallen sind sie häufig klein und fein.
Bei LPS-Korallen können sie deutlich größer und fleischiger sein.
Auch Weichkorallen bestehen häufig aus vielen sichtbaren Polypen, bilden aber kein massives Kalkskelett wie Steinkorallen.
Was bedeutet SPS?
SPS steht in der Aquaristik für „Small Polyp Stony“ – also Steinkorallen mit vergleichsweise kleinen Polypen.
Ein gutes Beispiel ist Acropora.
Auch Montipora gehört zu den typischen SPS-Korallen.
Auf ihren festen Kalkskeletten sitzen zahlreiche kleine Polypen.
Mehr zu dieser Korallengruppe findest Du unter SPS-Korallen – Haltung & Arten.
Was bedeutet LPS?
LPS steht für „Large Polyp Stony“ – Steinkorallen mit vergleichsweise großen Polypen.
Bei diesen Korallen ist oft besonders gut erkennbar, dass auf einem festen Kalkskelett lebendes, teilweise sehr fleischiges Gewebe sitzt.
Ein typisches Beispiel ist Euphyllia.
Ihre langen beweglichen Tentakel machen die einzelnen Polypen beziehungsweise Polypenbereiche besonders gut sichtbar.
Mehr über diese Korallengruppe findest Du unter LPS-Korallen – Haltung & Arten.
Was ist bei Weichkorallen anders?
Weichkorallen besitzen ebenfalls Polypen.
Sie bilden jedoch kein massives Kalkskelett wie SPS- und LPS-Korallen.
Bei Xenia kannst Du besonders schön beobachten, dass die gesamte Koralle aus zahlreichen einzelnen Polypen besteht.
Diese können sich öffnen, schließen und bei verschiedenen Xenia-Arten auffällig pulsierende Bewegungen zeigen.
Warum öffnen Korallen ihre Polypen?
Geöffnete Polypen ermöglichen der Koralle unter anderem:
Nahrungsaufnahme
Kontakt mit dem umgebenden Wasser
Gasaustausch
Wahrnehmung von Reizen
Nutzung ihrer Tentakel
Je nach Art können die Polypen tagsüber, nachts oder zu bestimmten Zeiten besonders weit geöffnet sein.
Eine Koralle muss deshalb nicht rund um die Uhr gleich aussehen.
Warum ziehen Korallen ihre Polypen ein?
Das Einziehen ist zunächst ein völlig normales Verhalten.
Ein Polyp kann sich zurückziehen, wenn er:
Berührt wird
Einem starken Wasserstrahl ausgesetzt ist
Gestört wird
Nachts beziehungsweise tagsüber eine andere Aktivitätsphase besitzt
Gefressen oder angegriffen wird
Sich an neue Bedingungen gewöhnt
Auch Veränderungen bei Licht, Strömung, Wasserwerten oder Standort können eine Rolle spielen.
Mehr dazu findest Du unter Warum ziehen Korallen ihre Polypen ein?.
Sind eingezogene Polypen automatisch ein schlechtes Zeichen?
Nein.
Eine Koralle kann ihre Polypen kurzfristig einziehen und vollkommen gesund sein.
Das passiert beispielsweise:
Nach Berührung
Nach dem Einsetzen
Bei Reinigung
Bei einer Strömungsänderung
Während bestimmter Tageszeiten
Interessanter wird es, wenn die Polypen über längere Zeit geschlossen bleiben und gleichzeitig weitere Auffälligkeiten entstehen.
Was bedeutet Polypenbild?
In der Meerwasseraquaristik hörst Du häufig Begriffe wie „gutes Polypenbild“ oder „starke Polypenexpansion“.
Damit ist gemeint, wie deutlich und weit die Polypen einer Koralle sichtbar beziehungsweise geöffnet sind.
Das Polypenbild kann Dir Hinweise geben, sollte aber nie allein zur Beurteilung einer Koralle verwendet werden.
Achte zusätzlich auf:
Gewebe
Farbe
Wachstum
Standort
Strömung
Wasserwerte
Veränderungen über längere Zeit
Ist eine weit geöffnete Koralle automatisch gesund?
Nicht zwingend.
Eine starke Polypenöffnung kann ein positives Zeichen sein, beweist aber nicht, dass alle Bedingungen perfekt sind.
Umgekehrt ist eine kurzfristig geschlossene Koralle nicht automatisch krank.
Beobachte immer das Gesamtbild und vor allem die Entwicklung über mehrere Tage.
Was bedeutet „fleischiger Polyp“?
Bei vielen LPS-Korallen sitzt sehr viel weiches Gewebe über beziehungsweise zwischen den Bereichen des Kalkskeletts.
Dadurch wirkt die Koralle stark aufgeblasen oder fleischig.
Dieses Gewebe ist empfindlich.
Es kann beispielsweise verletzt werden, wenn es:
An scharfem Skelett scheuert
Durch zu starke direkte Strömung gedrückt wird
Beim Umsetzen gequetscht wird
Von einer anderen Koralle vernesselt wird
Deshalb benötigen viele LPS-Korallen eine passende, nicht zu harte direkte Strömung.
Welche Rolle spielt die Strömung für Polypen?
Die richtige Strömung transportiert Wasser an der Koralle vorbei.
Dadurch werden unter anderem:
Nährstoffe transportiert
Sauerstoff ausgetauscht
Stoffwechselprodukte abtransportiert
Futterpartikel bewegt
Ablagerungen reduziert
Zu starke direkte Strömung kann Polypen dagegen dauerhaft zusammendrücken oder fleischiges Gewebe belasten.
Zu wenig Wasserbewegung kann wiederum dazu führen, dass Ablagerungen auf der Koralle liegen bleiben.
Warum bewegen sich manche Polypen so stark?
Bei Korallen mit längeren Tentakeln siehst Du die Strömung besonders deutlich.
Eine Euphyllia bewegt ihre Tentakel nicht wie ein Tier aktiv von einer Stelle zur anderen – die Wasserbewegung trägt das weiche Gewebe hin und her.
Gerade deshalb solltest Du eine solche Koralle nicht direkt in einen harten Pumpenstrahl stellen.
Wie Du Pumpen sinnvoll ausrichtest, erklären wir unter Strömungs-Pumpen richtig platzieren.
Welche Rolle spielt Licht für Polypen?
Viele Korallen leben mit mikroskopisch kleinen Symbiosepartnern in ihrem Gewebe.
Diese werden häufig als Zooxanthellen bezeichnet.
Sie betreiben Photosynthese und stellen der Koralle einen erheblichen Teil der dabei gebildeten energiereichen Verbindungen zur Verfügung.
Deshalb ist Licht für viele Korallen von großer Bedeutung.
Das Licht ernährt aber nicht direkt den Polypen wie Futter – es ermöglicht die Photosynthese seiner Symbiosepartner.
Wo sitzen die Zooxanthellen?
Die Zooxanthellen leben im Gewebe vieler Korallen.
Dadurch profitieren Koralle und Symbiosepartner voneinander.
Vereinfacht gesagt:
Die Koralle bietet einen geschützten Lebensraum und Nährstoffe
Die Zooxanthellen nutzen Licht für Photosynthese
Ein Teil der erzeugten energiereichen Stoffe kommt der Koralle zugute
Diese enge Zusammenarbeit ist eine wichtige Grundlage vieler tropischer Riffe.
Leben alle Korallen mit Zooxanthellen?
Nein.
Es gibt auch Korallen ohne photosynthetische Symbiosepartner.
Diese müssen ihren Energiebedarf stärker beziehungsweise vollständig über Nahrung decken.
Deshalb kann man nicht sagen, dass jede Koralle einfach nur Licht braucht und dadurch ernährt wird.
Die Ernährung hängt von der jeweiligen Art ab.
Können Polypen richtig fressen?
Ja.
Viele Korallen können Nahrung direkt mit ihren Tentakeln aufnehmen.
Je nach Art können das sehr feine oder größere Partikel sein.
Geeignet können beispielsweise sein:
Planktonische Nahrung
Feines Korallenfutter
Kleine Krebstiere
Feines Frostfutter
Andere passende Futterpartikel
Geeignetes Fischfutter und Korallenfutter findest Du im Korallenland-Shop.
Welche Fütterung sinnvoll ist, hängt stark von der jeweiligen Koralle ab.
Müssen alle Korallen gezielt gefüttert werden?
Nein.
Viele photosynthetische Korallen können einen erheblichen Teil ihres Energiebedarfs über ihre Zooxanthellen decken und nehmen zusätzlich Nährstoffe und Nahrung aus dem Wasser auf.
Andere Arten profitieren stärker von einer gezielten Fütterung.
Mehr Futter ist dabei nicht automatisch besser.
Nicht gefressenes Futter kann Nitrat und Phosphat erhöhen beziehungsweise die Nährstoffbelastung verändern.
Warum reagieren Polypen häufig auf Futter?
Viele Korallen erkennen geeignete Partikel beziehungsweise gelöste Stoffe im Wasser.
Darauf können sie ihre Tentakel stärker ausstrecken oder Fangreaktionen zeigen.
Bei einigen LPS ist das besonders gut zu beobachten.
Du kannst dadurch sehr schön erkennen, dass eine Koralle ein aktiv reagierendes Tier ist.
Können Polypen Beute festhalten?
Ja.
Nesselzellen und Schleim helfen bestimmten Korallen dabei, kleine Beutetiere beziehungsweise Futterpartikel festzuhalten.
Die Tentakel transportieren die Nahrung anschließend zur Mundöffnung.
Welche Partikel eine Koralle aufnehmen kann, hängt unter anderem von der Größe ihrer Polypen und ihrer natürlichen Ernährungsweise ab.
Hat jeder Polyp einen Mund?
Korallenpolypen besitzen eine zentrale Mundöffnung.
Darüber wird Nahrung aufgenommen.
Der Verdauungsraum eines Nesseltiers ist einfacher aufgebaut als das Verdauungssystem eines Menschen oder Fisches.
Die Mundöffnung dient dabei sowohl der Aufnahme von Nahrung als auch der Abgabe unverdaulicher Bestandteile.
Hat ein Polyp Augen?
Nein.
Ein Korallenpolyp besitzt keine Augen wie ein Fisch.
Korallen können trotzdem auf ihre Umgebung reagieren.
Sie nehmen unter anderem wahr:
Licht
Berührung
Chemische Reize
Wasserbewegung
Dadurch können sie sich öffnen, schließen und ihr Verhalten an die Umgebung anpassen.
Hat eine Koralle ein Gehirn?
Korallen besitzen kein Gehirn wie ein Wirbeltier.
Nesseltiere verfügen über ein einfacheres Nervensystem, mit dem Reize verarbeitet und Reaktionen koordiniert werden können.
Das reicht beispielsweise dafür aus, dass ein Polyp auf Berührung reagiert und sich zusammenzieht.
Können Polypen miteinander verbunden sein?
Ja.
Bei vielen koloniebildenden Korallen verbindet gemeinsames Gewebe die einzelnen Polypen.
Dadurch bildet die Kolonie funktionell eine zusammenhängende Einheit.
Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Polypen exakt gleichzeitig reagieren müssen.
Du kannst bei manchen Korallen beobachten, dass ein Teil geöffnet ist, während ein anderer Bereich geschlossen bleibt.
Warum ist nur ein Teil einer Koralle geschlossen?
Wenn nur einzelne Polypen beziehungsweise eine Seite der Koralle betroffen sind, solltest Du besonders nach lokalen Ursachen suchen.
Mögliche Gründe sind:
Direkter Pumpenstrahl
Kontakt mit einer anderen Koralle
Beschattung
Ablagerungen
Mechanische Verletzung
Schädlinge
Kampftentakel
Das spricht oft eher für ein lokales Problem als für einen Wasserwert, der das gesamte Aquarium betrifft.
Warum können sich Polypen nachts anders verhalten?
Viele Korallen besitzen einen deutlichen Tagesrhythmus.
Einige öffnen sich besonders stark während der Beleuchtungsphase.
Andere zeigen nachts verstärkt Fangtentakel.
Das hängt mit ihrer jeweiligen Lebensweise zusammen.
Deshalb solltest Du eine Koralle nicht nur zu einer einzigen Tageszeit beurteilen.
Warum sieht eine Koralle nachts manchmal viel größer aus?
Bei verschiedenen LPS können sich Tentakel und Gewebe nachts deutlich weiter ausdehnen.
Das kann für die Nahrungsaufnahme und Konkurrenz wichtig sein.
Deshalb kann der tatsächlich benötigte Abstand größer sein, als Du tagsüber vermutest.
Mehr dazu findest Du unter Kampftentakel erklärt.
Warum brauchen Polypen Abstand zu anderen Korallen?
Weil Korallen miteinander konkurrieren können.
Berühren sich unterschiedliche Tiere, können:
Nesselzellen ausgelöst werden
Gewebe geschädigt werden
Polypen dauerhaft geschlossen bleiben
Korallen überwachsen werden
Beschattung entstehen
Deshalb gehört ausreichender Abstand zur richtigen Platzierung von Korallen.
Was haben Polypen mit dem Wachstum zu tun?
Polypen sind der lebende Teil der Koralle.
Bei Steinkorallen bildet das Gewebe neues Kalkskelett und die Kolonie wächst durch die Bildung neuer Polypen und neues Skelett weiter.
Eine kleine Acropora kann dadurch im Laufe der Zeit stark verzweigen.
Eine Montipora kann je nach Form flächig, krustenförmig oder plattenartig wachsen.
Den gesamten Vorgang findest Du unter Wie wachsen Korallen?.
Kann ein einzelner Polyp eine neue Kolonie bilden?
Das hängt von der Korallenart und ihrer Vermehrungsweise ab.
Viele Korallen können sich durch Teilung, Knospung oder andere Formen der ungeschlechtlichen Vermehrung ausbreiten.
Im Aquarium nutzen wir diese Fähigkeit beispielsweise beim Ablegern.
Aus einem kleinen gesunden Teilstück kann bei geeigneten Bedingungen wieder eine größere Kolonie entstehen.
Warum können Korallen so alt werden?
Bei koloniebildenden Korallen entstehen immer wieder neue Polypen.
Dadurch kann eine Kolonie sehr lange bestehen, obwohl einzelne Bereiche beschädigt werden oder einzelne Polypen nicht ewig leben.
Deshalb ist die Frage nach dem Alter einer Koralle komplizierter als bei einem einzelnen Fisch.
Mehr dazu findest Du unter Wie alt werden Korallen?.
Seit wann gibt es überhaupt Korallenpolypen?
Korallen beziehungsweise ihre frühen Verwandten besitzen eine sehr lange Evolutionsgeschichte.
Fossile Korallengruppen sind seit hunderten Millionen Jahren bekannt.
Wie sich die frühen Korallengruppen von modernen Steinkorallen unterscheiden, erfährst Du unter Seit wann gibt es Korallen?.
Können Polypen verletzt werden?
Ja.
Korallengewebe ist lebendes Gewebe und kann beschädigt werden.
Mögliche Ursachen sind:
Sturz einer Koralle
Quetschen beim Umsetzen
Zu starke direkte Strömung
Kontakt mit scharfem Gestein
Vernesselung
Fraßschäden
Schädlinge
Ungeeignete Haltungsbedingungen
Besonders fleischige LPS solltest Du deshalb vorsichtig anfassen und möglichst am Ablegerstein beziehungsweise Skelett und nicht am weichen Gewebe bewegen.
Warum sollte man Korallen nicht ständig anfassen?
Jede Berührung kann eine Reaktion auslösen.
Polypen ziehen sich zurück, Schleim kann entstehen und empfindliches Gewebe kann verletzt werden.
Deshalb solltest Du Korallen nur dann anfassen oder umsetzen, wenn es einen guten Grund dafür gibt.
Die passende langfristige Position findest Du unter Korallen richtig platzieren.
Was brauchen gesunde Polypen?
Gesunde Korallen benötigen keine einzelne magische Bedingung.
Entscheidend ist das Zusammenspiel aus:
Passender Beleuchtung
Geeigneter Strömung
Stabilen Wasserwerten
Ausreichender Nährstoffversorgung
Geeignetem Standort
Genügend Abstand
Passender Ernährung
Möglichst wenig unnötigem Stress
Diese Faktoren sollten immer gemeinsam betrachtet werden.
Welche Wasserwerte sind für Polypen wichtig?
Zu den grundlegenden Wasserwerten gehören unter anderem:
Salinität
Temperatur
Karbonathärte
Calcium
Magnesium
Nitrat
Phosphat
pH-Wert
Ein einzelner leicht abweichender Wert führt nicht automatisch zu geschlossenen Polypen.
Besonders problematisch können starke und schnelle Veränderungen sein.
Warum sind stabile Wasserwerte wichtiger als perfekte Zahlen?
Korallen leben unter ständigem Kontakt mit dem umgebenden Wasser.
Ändert sich dessen Zusammensetzung stark, betrifft das unmittelbar ihr Gewebe und ihre Polypen.
Deshalb sind stabile Wasserwerte häufig wichtiger als ständige Korrekturen auf eine vermeintlich perfekte Zahl.
Wenn Deine Korallen gut stehen und wachsen, solltest Du nicht wegen jeder kleinen Messabweichung mehrere Dinge gleichzeitig verändern.
Was sagt Dir das Polypenbild über Deine Koralle?
Beobachte:
Öffnen sich die Polypen regelmäßig?
Ist das Gewebe vollständig?
Wächst die Koralle?
Hat sich etwas plötzlich verändert?
Ist nur eine Seite betroffen?
Hat sich Licht oder Strömung verändert?
Steht eine Nachbarkoralle inzwischen näher?
Das Polypenbild ist ein hilfreicher Hinweis – aber keine fertige Diagnose.
Wann solltest Du genauer hinsehen?
Besonders aufmerksam solltest Du werden bei:
Dauerhaft geschlossenen Polypen
Fortschreitendem Gewebeverlust
Sichtbarem Skelett
Ungewöhnlichem Schleim
Starker Farbveränderung
Schädlingen
Mehreren gleichzeitig betroffenen Korallen
Dann solltest Du nicht nur warten, sondern die Ursache systematisch prüfen.
Was tun, wenn die Polypen plötzlich eingezogen sind?
Gehe möglichst ruhig vor.
Prüfe zuerst:
Wurde die Koralle gerade eingesetzt?
Wurde sie berührt?
Hat sich die Strömung verändert?
Hat sich die Beleuchtung verändert?
Ist eine Nachbarkoralle näher gekommen?
Sind die Wasserwerte stabil?
Gibt es sichtbare Schäden?
Die ausführliche Ursachenfindung findest Du unter Warum ziehen Korallen ihre Polypen ein?.
Typische Irrtümer über Polypen
Korallen sind Pflanzen
Ein Polyp ist nur eine Art Blüte
Geöffnete Polypen bedeuten automatisch perfekte Bedingungen
Geschlossene Polypen bedeuten automatisch Krankheit
Alle Korallen bestehen aus gleich großen Polypen
Alle Korallen öffnen ihre Polypen tagsüber
Licht allein ernährt eine Koralle vollständig
Jeder lange Tentakel ist ein Kampftentakel
Mehr Futter führt automatisch zu größeren Polypen
SPS besitzen keine richtigen Polypen
Weichkorallen besitzen keine Polypen
Korallen besser verstehen
Korallen im Meerwasseraquarium – Arten, Haltung und Pflege
Polypen sind die lebenden Tiere hinter den unterschiedlichen Korallenformen. Hier bekommst Du den großen Überblick über Korallengruppen, Haltung und Pflege.
Wie Polypen Korallen wachsen lassen
Wie wachsen Korallen?
Neue Polypen und neues Gewebe sorgen dafür, dass aus einem kleinen Ableger eine große Korallenkolonie werden kann. Bei Steinkorallen kommt zusätzlich der Aufbau des Kalkskeletts hinzu.
Zooxanthellen im Korallengewebe
Was sind Zooxanthellen?
Viele Korallenpolypen leben mit photosynthetischen Symbiosepartnern zusammen. Hier erfährst Du leicht verständlich, wie diese Zusammenarbeit funktioniert und warum Licht für viele Korallen so wichtig ist.
Wenn Polypen geschlossen bleiben
Warum ziehen Korallen ihre Polypen ein?
Eine Koralle muss nicht ständig vollständig geöffnet sein. Bleiben die Polypen jedoch dauerhaft geschlossen, hilft Dir dieser Ratgeber bei der systematischen Ursachenfindung.
Fazit
Ein Polyp ist das eigentliche Korallentier.
Er besitzt einen weichen Körper, eine Mundöffnung und meist Tentakel mit Nesselzellen. Mit diesen Tentakeln kann er Nahrung aufnehmen, seine Umgebung wahrnehmen und sich verteidigen.
Viele Korallen bestehen aus hunderten oder tausenden miteinander verbundenen Polypen. Andere besitzen nur einen oder wenige große Polypen.
Bei SPS-Korallen wie Acropora oder Montipora sind die Polypen meist klein. Bei LPS-Korallen wie Euphyllia sind sie deutlich größer und fleischiger. Auch Weichkorallen wie Xenia bestehen aus Polypen.
Viele dieser Tiere leben außerdem mit Zooxanthellen im Gewebe zusammen und können zusätzlich aktiv Nahrung aufnehmen.
Wenn Du Deine Korallen beobachtest, achte deshalb nicht nur auf ihre Farbe. Das Polypenbild, Gewebe, Wachstum und Verhalten sagen Dir viel darüber, wie die Koralle auf Licht, Strömung, Wasserwerte und ihre Umgebung reagiert.
Kurz gesagt: Das Skelett gibt einer Steinkoralle ihre Form – der Polyp macht sie lebendig.
Unser Tipp
Schau Dir Deine Korallen einmal ganz bewusst aus der Nähe an.
Bei einer Acropora erkennst Du viele winzige Polypen auf den Ästen. Bei einer Euphyllia siehst Du große bewegliche Tentakel, und bei Xenia sind die einzelnen Polypen besonders auffällig.
Wenn Du weißt, wie Deine Koralle normalerweise aussieht, bemerkst Du Veränderungen wesentlich schneller.
Bleiben Polypen plötzlich dauerhaft geschlossen, ändere nicht sofort mehrere Dinge. Prüfe zuerst Strömung, Standort und Wasserwerte und beobachte die weitere Entwicklung.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
