Nitrat im Meerwasseraquarium
Nitrat (NO₃) gehört zu den wichtigsten Nährstoffen im Meerwasseraquarium. Trotzdem wird der Wert häufig noch immer ausschließlich als etwas betrachtet, das möglichst niedrig sein sollte. Das ist zu einfach: Korallen, ihre Zooxanthellen und viele andere Organismen benötigen Stickstoff für grundlegende biologische Prozesse. Gleichzeitig können dauerhaft sehr hohe Nitratwerte ebenfalls problematisch werden.
Das Ziel ist deshalb nicht ein Nitratwert von 0 mg/l, sondern ein zum Aquarium passender und möglichst stabiler Nährstoffhaushalt. Wie Nitrat mit den anderen Wasserwerten im Meerwasseraquarium zusammenhängt, erklären wir Dir ausführlich in unserem großen Wasserwerte-Ratgeber.
Was ist Nitrat?
Nitrat ist eine Stickstoffverbindung und Bestandteil des natürlichen Stickstoffkreislaufs. Über Futter, Ausscheidungen und den Abbau organischer Stoffe gelangen stickstoffhaltige Verbindungen in Dein Aquarium.
Beim biologischen Abbau entsteht unter anderem Ammonium. Bakterien wandeln Ammonium über Nitrit schließlich in Nitrat um. Nitrat ist deshalb nicht automatisch ein Schadstoff, sondern Teil der natürlichen biologischen Prozesse in Deinem Aquarium.
Warum benötigen Korallen Stickstoff?
Korallen und ihre symbiotischen Zooxanthellen benötigen Stickstoff unter anderem für den Aufbau wichtiger organischer Verbindungen.
Ein möglichst nährstofffreies Aquarium ist deshalb nicht automatisch ein besonders gesundes Aquarium. Gerade bei stark beleuchteten Riffaquarien kann eine dauerhaft sehr geringe Nährstoffverfügbarkeit problematisch werden.
Entscheidend ist nicht, Nitrat möglichst vollständig aus dem Wasser zu entfernen, sondern ein stabiles biologisches Gleichgewicht zu erreichen.
Welcher Nitratwert ist sinnvoll?
Einen perfekten Nitratwert, der für jedes Meerwasseraquarium gleichermaßen gilt, gibt es nicht. Besatz, Korallenwachstum, Fütterung, Filterung und Nährstoffverbrauch unterscheiden sich teilweise erheblich.
Für viele gemischte Riffaquarien kann ein messbarer Bereich von ungefähr 2 bis 10 mg/l NO₃ eine sinnvolle Orientierung sein.
Das bedeutet nicht, dass ein Aquarium außerhalb dieses Bereichs automatisch schlecht läuft. Ein Aquarium, das langfristig stabil bei beispielsweise 10 oder 15 mg/l läuft und einen gesunden Korallenbestand zeigt, kann besser funktionieren als ein Aquarium, dessen Nitratwert durch ständige Eingriffe zwischen kaum nachweisbar und deutlich erhöht schwankt.
Warum ist 0 mg/l Nitrat nicht das Ziel?
Ein Riffaquarium soll kein nährstofffreies System sein. Korallen, Zooxanthellen, Bakterien und andere Organismen benötigen Stickstoff.
Ein Messwert von 0 mg/l bedeutet außerdem nicht zwangsläufig, dass im gesamten Aquarium überhaupt kein verfügbarer Stickstoff vorhanden ist. Ein handelsüblicher Nitrat-Test erfasst lediglich die messbare Nitratkonzentration im Wasser.
Trotzdem solltest Du einen dauerhaft nicht nachweisbaren Wert besonders dann beobachten, wenn gleichzeitig auch Phosphat sehr niedrig ist oder sich Deine Korallen sichtbar verändern.
Was kann bei zu wenig Nitrat passieren?
Eine dauerhaft sehr geringe Stickstoffverfügbarkeit kann das Wachstum und Erscheinungsbild von Korallen beeinflussen.
Mögliche Beobachtungen sind:
Korallen werden ungewöhnlich hell oder blass
Das Wachstum lässt nach
Das Polypenbild verändert sich
Korallen wirken trotz ausreichender Beleuchtung geschwächt
Nitrat und Phosphat sind gleichzeitig kaum nachweisbar
Keine dieser Beobachtungen beweist jedoch allein einen Stickstoffmangel. Farbverlust oder schlechtes Wachstum können zahlreiche andere Ursachen haben.
Dosiere deshalb niemals Nitrat ausschließlich aufgrund des Aussehens Deiner Korallen.
Was passiert bei zu viel Nitrat?
Auch dauerhaft deutlich erhöhte Nitratwerte können ungünstig sein. Sie können beispielsweise auf einen hohen Nährstoffeintrag oder einen zu geringen Nährstoffexport hinweisen.
Mögliche Ursachen sind:
Sehr starke Fütterung
Hoher Fischbesatz
Abgestorbene organische Stoffe
Mulmablagerungen
Verschmutzte Filterbereiche
Unzureichender Nährstoffexport
Hohe Nährstoffkonzentrationen können außerdem bestimmte Algen begünstigen und bei empfindlicheren Korallen Wachstum oder Erscheinungsbild beeinflussen.
Ein einzelner erhöhter Messwert ist jedoch kein Grund für hektische Maßnahmen. Wiederhole zunächst die Messung und beobachte die Entwicklung. Warum Konstanz dabei so wichtig ist, erklären wir Dir unter Warum stabile Wasserwerte entscheidend sind.
Nitrat und Phosphat gehören zusammen
Nitrat solltest Du niemals völlig isoliert betrachten. Mindestens genauso wichtig ist Phosphat im Meerwasseraquarium.
Beide Nährstoffe erfüllen unterschiedliche biologische Funktionen und werden von Korallen, Zooxanthellen, Algen, Bakterien und anderen Organismen benötigt.
Problematisch kann beispielsweise eine Situation werden, in der Nitrat deutlich messbar ist, während Phosphat dauerhaft kaum verfügbar ist – oder umgekehrt.
Versuche dabei nicht, Nitrat und Phosphat zwanghaft auf ein bestimmtes mathematisches Verhältnis einzustellen. Ein Riffaquarium ist ein komplexes biologisches System und kein Rechenmodell.
Entwickeln sich beide Nährstoffe dauerhaft stark auseinander, findest Du weitere Informationen unter Nährstoffungleichgewicht erkennen.
Woher kommt Nitrat im Meerwasseraquarium?
Stickstoff gelangt auf verschiedenen Wegen in Dein Aquarium:
Fischfutter und Korallenfutter
Ausscheidungen der Tiere
Abgestorbene Organismen und Gewebereste
Futterreste
Mulm und organische Ablagerungen
Biologischer Abbau stickstoffhaltiger Verbindungen
Belastetes Ausgangswasser
Fütterung ist dabei zunächst nichts Negatives. Deine Tiere müssen ausreichend ernährt werden. Ziel sollte deshalb nicht sein, Fische oder Korallen weniger zu füttern, nur um einen möglichst niedrigen Nitratwert zu erreichen.
Welche Rolle spielen Bakterien?
Bakterien sind für den Stickstoffkreislauf unverzichtbar.
Bei der Nitrifikation wird Ammonium über Nitrit zu Nitrat oxidiert. Unter geeigneten Bedingungen können weitere mikrobielle Prozesse wiederum zum Abbau beziehungsweise zur Umwandlung von Nitrat beitragen.
Biologisch aktive Oberflächen auf Riffgestein, Riffkeramik, Bodengrund und Filtermaterialien sind deshalb ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Meerwasseraquariums.
Wie oft solltest Du Nitrat messen?
In der Einfahrphase, nach größeren Veränderungen oder bei auffälligen Korallen solltest Du Nitrat zunächst häufiger kontrollieren.
Bei einem stabil laufenden Riffaquarium können die Messintervalle später entsprechend vergrößert werden. Zusätzliche Messungen sind beispielsweise nach deutlichen Veränderungen bei Fütterung, Fischbesatz oder Filterung sinnvoll.
Noch wichtiger als eine einzelne Messung ist der langfristige Verlauf. Notiere Dir deshalb Deine Ergebnisse.
Welche Tests für Dein Aquarium wirklich sinnvoll sind, erklären wir Dir in der Kaufberatung Welche Wassertests brauchst Du wirklich?.
Wie kannst Du einen hohen Nitratwert senken?
Bevor Du Nitrat senkst, solltest Du möglichst herausfinden, warum der Wert gestiegen ist. Nur den Messwert zu behandeln, ohne die Ursache zu kennen, führt häufig nicht dauerhaft zum Erfolg.
Kontrolliere insbesondere:
Fütterungsmenge
Fischbesatz
Futterreste
Abgestorbene organische Stoffe
Mulmablagerungen
Filterbereiche und Filtermedien
Nährstoffexport
Entwicklung des Phosphatwertes
Regelmäßige Wasserwechsel können Nitrat verdünnen. Ein richtig arbeitender Abschäumer entfernt zwar nicht einfach das bereits vorhandene Nitrat aus dem Wasser, aber organische Stoffe, bevor diese vollständig mineralisiert werden.
Je nach Aquarium können zusätzliche biologische Filterverfahren oder ein Refugium mit Makroalgen sinnvoll sein.
Wichtig ist vor allem, einen erhöhten Nitratwert nicht unnötig schnell zu senken.
Wie kannst Du einen zu niedrigen Nitratwert erhöhen?
Ist Nitrat dauerhaft kaum nachweisbar, solltest Du zunächst herausfinden, warum Dein Aquarium so nährstoffarm läuft.
Mögliche Ursachen sind:
Sehr geringer Nährstoffeintrag
Zu geringe Fütterung
Sehr starke Filterung
Starker biologischer Verbrauch
Ungleichgewicht zwischen Nitrat und Phosphat
Je nach Ursache kann bereits eine vorsichtige Anpassung von Fütterung oder Filterleistung sinnvoll sein.
Gezielte Stickstoffpräparate können ebenfalls eingesetzt werden. Sie sollten jedoch keine automatische Lösung für jeden niedrigen Nitratwert sein. Dosiere solche Produkte nur kontrolliert und überprüfe anschließend regelmäßig die Entwicklung.
Kann ein Abschäumer Nitrat entfernen?
Ein Abschäumer entfernt Nitrat nicht direkt aus dem Wasser.
Er entfernt vor allem organische Stoffe aus dem Wasserkreislauf. Dadurch kann ein Teil der Stoffe ausgeschleust werden, bevor sie weiter abgebaut und ihre enthaltenen Nährstoffe mineralisiert werden.
Ist Dein Aquarium extrem nährstoffarm, solltest Du deshalb ebenfalls prüfen, ob Filterung und Abschäumung noch sinnvoll zu Besatz und Fütterung passen.
Bedeuten Algen automatisch zu viel Nitrat?
Nein. Sichtbares Algenwachstum ist kein zuverlässiger Nitrat-Test.
Algen benötigen verschiedene Nährstoffe und können diese teilweise so schnell aufnehmen, dass im Wasser trotz deutlichem Wachstum keine außergewöhnlich hohe Nitratkonzentration messbar ist.
Zusätzlich spielen Phosphat, Beleuchtung, Strömung, Konkurrenz und weitere Faktoren eine Rolle.
Bei langen grünen Algen findest Du weitere Informationen unter Fadenalgen im Meerwasseraquarium bekämpfen.
Warum steigt Nitrat plötzlich an?
Ein unerwarteter Anstieg kann verschiedene Ursachen haben. Prüfe zuerst, ob sich in den vergangenen Tagen oder Wochen etwas verändert hat.
Wurde stärker gefüttert?
Sind neue Fische eingezogen?
Ist möglicherweise ein Tier unbemerkt verstorben?
Hat sich Mulm angesammelt?
Wurde die Filterung verändert?
Funktioniert der Abschäumer wie gewohnt?
Auch das verwendete Ausgangswasser solltest Du bei unerklärlichen Veränderungen berücksichtigen. Wie eine Umkehrosmoseanlage arbeitet, erklären wir Dir unter Wie funktioniert eine Osmoseanlage?.
Warum sollte Nitrat nicht zu schnell verändert werden?
Korallen passen sich an die Bedingungen ihres Aquariums an. Eine schnelle Veränderung der Nährstoffverfügbarkeit kann deshalb ungünstiger sein als ein moderat erhöhter, aber stabiler Wert.
Das gilt besonders für Aquarien, die längere Zeit mit höheren Nährstoffwerten gelaufen sind.
Versuche deshalb nicht, einen erhöhten Wert innerhalb weniger Tage auf einen theoretischen Idealwert zu drücken. Suche zuerst die Ursache und verändere das System kontrolliert.
Typische Fehler beim Nitratwert
Nitrat grundsätzlich auf 0 mg/l senken wollen
Nach einer einzelnen Messung sofort gegensteuern
Nitrat unabhängig von Phosphat betrachten
Mehrere Maßnahmen gleichzeitig verändern
Einen hohen Nitratwert möglichst schnell absenken
Bei niedrigem Nitrat sofort Stickstoff dosieren
Algen automatisch mit einem hohen Nitratwert gleichsetzen
Nur den Messwert behandeln, ohne nach der Ursache zu suchen
Die Entwicklung der Werte nicht dokumentieren
Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Wasserwerte im Meerwasseraquarium
Nitrat ist nur ein Teil der Wasserchemie. In unserem großen Wasserwerte-Ratgeber erklären wir Dir KH, Calcium, Magnesium, Nitrat, Phosphat, Salinität, pH-Wert und weitere wichtige Parameter sowie deren Zusammenhänge.
Fazit
Nitrat ist im Meerwasseraquarium weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht. Es gehört zum natürlichen Stickstoffkreislauf und ist gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil des Nährstoffhaushalts.
Für viele gemischte Riffaquarien kann ein messbarer Nitratwert von ungefähr 2 bis 10 mg/l NO₃ eine sinnvolle Orientierung sein. Entscheidend ist jedoch nicht, einen bestimmten Wert exakt zu treffen.
Beobachte Nitrat immer gemeinsam mit Phosphat und den übrigen Wasserwerten. Stabile Bedingungen und gesunde Korallen sind wichtiger als die Jagd nach einer theoretisch perfekten Zahl.
Unser Tipp
Miss Nitrat und Phosphat möglichst gemeinsam und notiere Dir die Ergebnisse. Dadurch erkennst Du Trends wesentlich früher als bei einzelnen Messungen.
Verändert sich Nitrat deutlich, ändere nicht sofort mehrere Dinge gleichzeitig. Prüfe zuerst Fütterung, Besatz, Abschäumung, biologische Filterung und mögliche organische Ablagerungen. So kannst Du besser erkennen, warum sich der Wert verändert und welche Maßnahme tatsächlich hilft.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
