Welche Korallen eignen sich für wenig Licht?
Nicht jeder Bereich im Meerwasseraquarium bekommt gleich viel Licht. Am Bodengrund, seitlich am Riffaufbau, unter Überhängen oder unter größeren Korallen entstehen Bereiche mit deutlich geringerer Lichtintensität. Das bedeutet aber nicht, dass diese Stellen leer bleiben müssen. Es gibt viele attraktive Korallen, die mit weniger Licht gut zurechtkommen oder eine moderate Beleuchtung sogar bevorzugen.
Besonders unter den Weichkorallen, Scheibenanemonen und LPS-Korallen findest Du interessante Kandidaten. Wichtig ist trotzdem: Wenig Licht bedeutet nicht kein Licht. Wie viel Licht tatsächlich an einem bestimmten Standort ankommt, lässt sich mit dem Auge außerdem nur schwer beurteilen.
Was bedeutet wenig Licht bei Korallen?
Im Meerwasseraquarium bietet der PAR-Wert eine wesentlich bessere Orientierung als die subjektiv wahrgenommene Helligkeit. Als grobe Orientierung kann ein Bereich von etwa 50 bis 100 PAR als eher geringe Lichtintensität betrachtet werden. Das sind jedoch keine festen Grenzwerte. Der tatsächliche Lichtbedarf hängt von der jeweiligen Koralle, ihrer bisherigen Haltung und den übrigen Bedingungen in Deinem Aquarium ab.
Gerade am Bodengrund und unter Riffvorsprüngen kann die Lichtintensität erheblich niedriger sein, als Du vermutest. Deshalb ist eine Messung wesentlich zuverlässiger als eine Einschätzung nach Augenmaß.
ITC PARwise Pro – PAR-Messgerät bei Korallenland mieten
Du musst Dir für eine gelegentliche Messung nicht gleich ein eigenes PAR-Messgerät kaufen. Bei Korallenland kannst Du das ITC PARwise Pro mieten und damit verschiedene Bereiche Deines Aquariums überprüfen. So erkennst Du, welche Plätze tatsächlich wenig Licht bekommen und kannst Deine Korallen anschließend gezielter auswählen.
PAR-Werte einfach erklärt
In unserem ausführlichen Ratgeber erfährst Du, was PAR bedeutet, wie Du die gemessenen Werte einordnen kannst und warum eine PAR-Messung bei der Standortwahl sinnvoller ist als eine Beurteilung nach Augenmaß.
Scheibenanemonen für weniger Licht
Scheibenanemonen gehören zu den interessantesten Möglichkeiten für weniger stark beleuchtete Bereiche. Viele Arten kommen mit schwacher bis moderater Beleuchtung gut zurecht und können trotzdem intensive Farben entwickeln.
Besonders interessant sind:
Rhodactis
Discosoma
Ricordea yuma
Gerade Rhodactis lässt sich häufig gut im unteren oder seitlichen Riffbereich platzieren. Plane trotzdem ausreichend Platz ein, denn unter guten Bedingungen können sich Scheibenanemonen vermehren und größere Bereiche des Riffaufbaus besiedeln.
LPS-Korallen für weniger stark beleuchtete Bereiche
Auch zahlreiche LPS-Korallen benötigen keine extrem starke Beleuchtung. Einige großpolypige Arten fühlen sich gerade im unteren Bereich des Aquariums ausgesprochen wohl.
Interessante Kandidaten sind:
Blastomussa
Caulastrea
Duncanopsammia
Cynarina
Trachyphyllia
Lobophyllia
Scolymia
Acanthophyllia
Fungia
Welche davon für Dein Aquarium am besten geeignet ist, hängt nicht nur von der Beleuchtung ab. Auch Strömung, Wasserwerte, Platzangebot und der übrige Korallenbesatz spielen eine wichtige Rolle.
LPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Auf unserer großen LPS-Pillar-Seite erfährst Du mehr über Haltung, Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte, Standort und Pflege von LPS-Korallen.
Blastomussa – attraktiv bei moderater Beleuchtung
Blastomussa ist eine interessante LPS-Koralle für den unteren Riffbereich. Ihre fleischigen Polypen benötigen keine extreme Beleuchtung und können je nach Farbvariante einen kräftigen Farbakzent setzen.
Bei der Platzierung solltest Du neben dem Licht auf eine passende Strömung achten. Eine sehr starke und dauerhaft direkt auf die Polypen gerichtete Strömung ist nicht ideal.
Trachyphyllia – ideal für den Bodengrund
Trachyphyllia gehört zu den besonders interessanten LPS-Korallen, wenn Du einen weniger intensiv beleuchteten Bereich auf dem Bodengrund besetzen möchtest. Sie benötigt keine extreme Lichtintensität und sollte aufgrund ihres großen, empfindlichen Gewebes vorzugsweise auf einem geeigneten Bodengrund stehen.
Plane ausreichend Abstand zu benachbarten Korallen ein und achte darauf, dass das weiche Gewebe nicht an scharfkantigem Riffgestein scheuern kann.
Lobophyllia – farbenfroh im unteren Riffbereich
Auch Lobophyllia kommt mit moderater Beleuchtung gut zurecht. Die großen fleischigen Polypen und unterschiedlichen Farbvarianten machen sie zu einer interessanten Koralle für Bereiche, in denen eine lichthungrige SPS-Koralle nicht die erste Wahl wäre.
Auch hier solltest Du ausreichend Abstand zu anderen Korallen einplanen und die tatsächliche Lichtintensität am vorgesehenen Standort berücksichtigen.
Fungia – auffällige Koralle für den Bodengrund
Fungia kann ebenfalls eine interessante Wahl für den unteren Riffbereich sein. Sie wird normalerweise frei auf dem Bodengrund platziert und sollte genügend Platz bekommen.
Gerade farbintensive Tiere zeigen, dass ein weniger stark beleuchteter Bereich keineswegs langweilig aussehen muss. Entscheidend ist auch hier, dass Licht, Strömung und Standort zur jeweiligen Koralle passen.
Weichkorallen für moderate Beleuchtung
Viele Weichkorallen kommen mit moderateren Lichtverhältnissen zurecht als typische lichthungrige SPS-Korallen.
Dazu gehören beispielsweise:
Sarcophyton
Sinularia
Zoanthus
Rhodactis
Discosoma
Ricordea yuma
Gerade für ein Aquarium, in dem nicht überall hohe PAR-Werte erreicht werden, können diese Korallen interessante Möglichkeiten bieten.
Weichkorallen – Haltung, Arten und Pflege
Auf unserer großen Weichkorallen-Seite erfährst Du mehr über Haltung, Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte und die unterschiedlichen Arten.
Korallen für indirekt beleuchtete Bereiche
Auch Cyphastrea und Leptoseris können für weniger intensiv beleuchtete Bereiche interessant sein. Besonders seitlich am Riffaufbau oder auf Flächen mit indirekter Beleuchtung eröffnen sie zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten.
Trotzdem gilt auch hier: Mit wenig Licht zurechtzukommen bedeutet nicht, dass die Koralle ohne ausreichend photosynthetisch nutzbares Licht gepflegt werden kann.
Wenig Licht ist nicht dasselbe wie Dunkelheit
Eine Koralle, die mit wenig Licht zurechtkommt, ist nicht automatisch für eine dunkle Höhle geeignet. Photosynthetische Korallen benötigen weiterhin ausreichend Licht für ihre Zooxanthellen.
Ein Standort mit beispielsweise 60 oder 80 PAR ist deshalb etwas vollkommen anderes als ein stark abgeschatteter Bereich, in dem praktisch kein nutzbares Licht mehr ankommt.
Wenn Du unsicher bist, kannst Du mit dem ITC PARwise Pro direkt am gewünschten Korallenplatz messen. Damit weißt Du, wie viel Licht dort tatsächlich vorhanden ist, anstatt die Lichtintensität nur zu schätzen.
Welche Korallen würde ich bei wenig Licht eher nicht wählen?
Viele klassische SPS-Korallen bevorzugen höhere Lichtintensitäten. Dazu gehören insbesondere zahlreiche Acropora sowie verschiedene Montipora, Stylophora, Seriatopora und Pocillopora.
Das bedeutet nicht, dass jede SPS-Koralle möglichst viel Licht benötigt. Für einen ausgesprochen lichtarmen Standort sind diese Korallen-Gruppen aber normalerweise nicht die erste Wahl.
Wenn Du einen sehr hellen Bereich besetzen möchtest, hilft Dir unsere Kaufberatung Welche Korallen für viel Licht? bei der Auswahl.
Der richtige Standort hängt nicht nur vom Licht ab
Der PAR-Wert ist wichtig, aber niemals das einzige Kriterium für die Platzierung einer Koralle. Strömung, stabile Wasserwerte, Abstand zu benachbarten Korallen, zukünftiges Wachstum und die Empfindlichkeit des Gewebes spielen ebenfalls eine Rolle.
Eine Trachyphyllia kann beispielsweise am gewünschten Standort genau die richtige Lichtintensität bekommen und trotzdem falsch platziert sein, wenn ihr weiches Gewebe ständig an scharfkantigem Gestein scheuert.
Korallen richtig platzieren
Hier erfährst Du, wie Beleuchtung, Strömung, Abstand und die individuellen Ansprüche einer Koralle gemeinsam bei der Standortwahl berücksichtigt werden sollten.
Neue Korallen langsam an die Beleuchtung gewöhnen
Auch eine Koralle, die grundsätzlich höhere Lichtintensitäten verträgt, kann auf einen plötzlichen Wechsel empfindlich reagieren. Du weißt außerdem nicht immer genau, unter welchen Lichtbedingungen das Tier zuvor gehalten wurde.
Neue Korallen solltest Du deshalb nicht automatisch sofort an einen deutlich helleren Standort setzen. Eine langsame Anpassung an die neuen Lichtverhältnisse reduziert das Risiko von Lichtstress.
Wasserwerte und Strömung bleiben genauso wichtig
Die richtige Beleuchtung allein macht noch keinen guten Korallenstandort aus. Stabile Wasserwerte, eine geeignete Nährstoffversorgung und die passende Strömung bleiben entscheidend.
Eine Blastomussa oder Rhodactis kann perfekt zum vorhandenen Licht passen und sich trotzdem schlecht entwickeln, wenn Wasserwerte stark schwanken oder die Strömung ungeeignet ist.
Korallen im Meerwasseraquarium – Arten, Haltung und Pflege
Unser großer Korallen-Ratgeber verbindet die wichtigsten Grundlagen zu Korallen-Arten, Wasserwerten, Beleuchtung, Strömung, Platzierung und Pflege.
Welche Korallen würde ich für wenig Licht zuerst auswählen?
Wenn Du einen weniger hellen Bereich unkompliziert und gleichzeitig farbenfroh besetzen möchtest, würde ich zuerst bei Scheibenanemonen und geeigneten LPS-Korallen suchen.
Besonders interessant sind:
Rhodactis
Discosoma
Ricordea yuma
Blastomussa
Caulastrea
Duncanopsammia
Trachyphyllia
Lobophyllia
Acanthophyllia
Fungia
Welche davon die beste Wahl ist, hängt neben der Beleuchtung auch von Strömung, Wasserwerten, Platz und Deinem übrigen Besatz ab.
Unser Tipp: Erst messen, dann Korallen auswählen
Verlasse Dich bei der Beurteilung Deiner Beleuchtung nicht allein auf Dein Auge. Besonders am Bodengrund, unter Riffvorsprüngen und zwischen größeren Korallen können sich die PAR-Werte innerhalb kurzer Abstände deutlich verändern.
Mit dem ITC PARwise Pro – PAR-Messgerät zur Miete kannst Du verschiedene Bereiche Deines Aquariums messen und Dir praktisch eine kleine Lichtkarte Deines Riffs erstellen.
So kennst Du zuerst die vorhandenen Bedingungen und kannst anschließend gezielt eine passende Koralle auswählen – statt zuerst ein Tier zu kaufen und danach nach einem geeigneten Standort suchen zu müssen.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
