Was ist die Karbonathärte (KH)?

Die Karbonathärte – kurz KH – gehört zu den wichtigsten Wasserwerten im Meerwasseraquarium. Besonders wenn Du LPS- oder SPS-Korallen pflegst, solltest Du diesen Wert regelmäßig kontrollieren. Steinkorallen benötigen Bestandteile der Carbonatchemie für den Aufbau ihres Kalkskeletts und können bei gutem Wachstum täglich messbare Mengen verbrauchen.
Die KH hat aber noch eine zweite wichtige Aufgabe: Sie ist eng mit der Pufferkapazität des Meerwassers verbunden und hilft dabei, starke Veränderungen des pH-Werts abzufangen.
Deshalb ist die KH nicht einfach irgendein Wert auf Deiner Testliste. Sie liefert Dir wichtige Informationen darüber, wie stabil Dein Aquarium läuft und wie stark Dein Korallenbestand bereits wächst.

Was bedeutet Karbonathärte eigentlich?
Der Begriff Karbonathärte stammt ursprünglich aus der Wasserchemie. In der Meerwasseraquaristik wird mit dem KH-Test vereinfacht die Alkalinität beziehungsweise Pufferkapazität des Wassers erfasst.
Dabei spielen vor allem Hydrogencarbonat und Carbonat eine wichtige Rolle.
Für den Aquarienalltag musst Du daraus keine Wissenschaft machen. Entscheidend ist: Die gemessene KH zeigt Dir, wie viel Pufferkapazität beziehungsweise für die Kalkbildung nutzbare Alkalinität Deinem Aquarium zur Verfügung steht.
Die Angabe erfolgt üblicherweise in dKH beziehungsweise °dKH.

Warum ist die KH für Korallen so wichtig?
Steinkorallen bauen ein Kalkskelett aus Calciumcarbonat auf. Dafür benötigen sie unter anderem Calcium und Bestandteile der Carbonatchemie.
Je stärker die Korallen wachsen, desto höher kann der Verbrauch werden.
Besonders ein Aquarium mit vielen Acropora, Montipora, Euphyllia und anderen kalkbildenden Korallen kann täglich deutlich messbare Mengen KH verbrauchen.
Eine stabile Versorgung schafft deshalb eine wichtige Grundlage für kontinuierliches Korallenwachstum.

Welcher KH-Wert ist im Meerwasseraquarium sinnvoll?
Für viele Riffaquarien ist ein Bereich von ungefähr 7 bis 9 dKH eine gute Orientierung.
Dabei ist die vermeintlich perfekte Zahl weniger wichtig als die Stabilität.
Ein Aquarium, das dauerhaft mit 7,5 dKH läuft, kann hervorragend funktionieren. Es wäre wenig sinnvoll, diesen Wert ständig auf beispielsweise 8,0 dKH korrigieren zu wollen und dadurch unnötige Schwankungen zu erzeugen.
Gerade empfindlichere SPS-Korallen reagieren häufig stärker auf schnelle Veränderungen als auf einen geringfügig vom theoretischen Wunschwert abweichenden, aber stabilen KH-Wert.

Warum stabile Wasserwerte entscheidend sind
Hier erfährst Du ausführlich, warum gleichmäßige Bedingungen im Meerwasseraquarium häufig wichtiger sind als vermeintlich perfekte Einzelwerte.

Welche KH für LPS-Korallen?
Auch LPS-Korallen bauen ein Kalkskelett auf und benötigen deshalb eine entsprechende Versorgung.
Für viele LPS-Aquarien ist ungefähr 7 bis 9 dKH eine gute Orientierung.
Große und schnell wachsende LPS-Kolonien können einen deutlich höheren Verbrauch entwickeln, als man anhand ihrer Polypengröße zunächst vermuten würde.
Besonders bei einem wachsenden Bestand aus Euphyllia, Caulastrea, Duncanopsammia und anderen LPS lohnt es sich deshalb, die Entwicklung der KH regelmäßig zu beobachten.

LPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Hier findest Du weitere Informationen zu Wasserwerten, Licht, Strömung und Versorgung von LPS-Korallen.

Welche KH für SPS-Korallen?
Bei SPS-Korallen wird die KH besonders wichtig.
Ein gut wachsender Bestand aus Acropora, Montipora, Stylophora oder Seriatopora kann innerhalb eines Tages bereits eine deutlich messbare Menge verbrauchen.
Auch hier ist ungefähr 7 bis 9 dKH eine sinnvolle Orientierung. Bei SPS würde ich aber noch stärker auf einen möglichst gleichmäßigen Verlauf achten.
Eine hohe KH ist nicht automatisch besser. Besonders in sehr nährstoffarmen Systemen solltest Du nicht versuchen, die KH unnötig hoch einzustellen.

SPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Hier erfährst Du mehr darüber, warum gerade SPS von stabilen Wasserwerten profitieren.

Brauchen Weichkorallen eine bestimmte KH?
Weichkorallen bilden kein massives Kalkskelett wie LPS- und SPS-Korallen. Deshalb ist ihr direkter Verbrauch von KH und Calcium normalerweise wesentlich geringer.
Trotzdem gehört eine stabile KH auch in einem Weichkorallen-Aquarium zu einer ausgeglichenen Wasserchemie.
Die KH beeinflusst schließlich nicht nur das Korallenwachstum, sondern ist auch Teil des Puffersystems des gesamten Aquariums.
Du musst in einem reinen Weichkorallen-Aquarium möglicherweise seltener nachdosieren. Kontrollieren solltest Du den Wert trotzdem.

Wie hängt die KH mit dem pH-Wert zusammen?
KH und pH-Wert werden häufig verwechselt oder unmittelbar miteinander gleichgesetzt.
Beides ist falsch.
Die KH beziehungsweise Alkalinität beschreibt vereinfacht einen wichtigen Teil der Pufferkapazität. Der pH-Wert beschreibt dagegen, wie sauer oder basisch das Wasser aktuell reagiert.
Eine ausreichende KH kann dabei helfen, starke pH-Veränderungen abzufangen.
Das bedeutet aber nicht, dass Du einen niedrigen pH-Wert einfach durch eine möglichst hohe KH korrigieren solltest.
Ein Aquarium kann beispielsweise eine völlig passende KH besitzen und trotzdem einen niedrigeren pH-Wert zeigen, wenn viel CO₂ im Wasser gelöst ist.

Der richtige pH-Wert im Meerwasseraquarium
Hier erfährst Du, wie KH, CO₂, Gasaustausch und pH-Wert zusammenhängen.

Warum fällt die KH im Aquarium?
Eine sinkende KH ist in einem gut besetzten Riffaquarium zunächst vollkommen normal.
Kalkbildende Organismen verbrauchen Alkalinität.
Dazu gehören unter anderem:
LPS-Korallen
SPS-Korallen
Kalkrotalgen
Muscheln
Andere kalkbildende Organismen
Je stärker diese Organismen wachsen, desto höher kann der Verbrauch werden.
Eine sinkende KH bedeutet deshalb nicht automatisch, dass etwas im Aquarium falsch läuft. Im Gegenteil: Ein steigender Verbrauch kann ein Hinweis auf zunehmendes Wachstum kalkbildender Organismen sein.
Du musst den Verbrauch lediglich durch eine passende Versorgung ausgleichen.

Warum steigt der KH-Verbrauch mit der Zeit?
Ein Aquarium entwickelt sich.
Am Anfang stehen vielleicht fünf kleine Korallenableger im Riff. Ein Jahr später sind daraus größere Kolonien geworden.
Entsprechend vergrößert sich auch die Menge an Kalkskelett, die täglich aufgebaut wird.
Eine kleine Acropora verbraucht wesentlich weniger als eine große verzweigte Kolonie. Dasselbe gilt für Montipora oder große LPS-Bestände.
Deshalb solltest Du eine einmal eingestellte Dosiermenge niemals als dauerhaft richtig betrachten.
Mit Deinem Riff wächst auch sein Verbrauch.

Wie misst Du die KH richtig?
Für die regelmäßige Kontrolle benötigst Du einen geeigneten KH-Test.
Aktuell findest Du bei Korallenland den Salifert Profi-Test zur Bestimmung der Karbonathärte (KH) im Meerwasseraquarium.
Versuche möglichst reproduzierbar zu messen.
Achte dabei auf:
Saubere Testgefäße
Exakte Wassermenge
Korrekte Anzahl beziehungsweise Menge der Reagenzien
Gute Beleuchtung beim Ablesen
Ähnliche Messzeitpunkte
Beachtung der Herstelleranleitung
Je gleichmäßiger Du misst, desto besser lassen sich Veränderungen beurteilen.

Nicht jeder Unterschied ist eine echte KH-Schwankung
Auch ein Wassertest besitzt eine gewisse Messunsicherheit.
Wenn Du heute 7,8 dKH und morgen 7,6 dKH misst, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass Du sofort nachdosieren musst.
Wichtiger ist der Verlauf.
Zeigen mehrere Messungen über mehrere Tage kontinuierlich nach unten, ist ein tatsächlicher Verbrauch wesentlich wahrscheinlicher.
Ein einzelner ungewöhnlicher Wert sollte dagegen zuerst erneut gemessen werden.

Welche Wassertests brauchst Du wirklich?
Hier erfährst Du, welche Wasserwerte Du regelmäßig selbst kontrollieren solltest und welche Tests erst in bestimmten Situationen interessant werden.

Wie oft solltest Du die KH messen?
Das hängt stark vom Aquarium ab.
Bei einem neuen beziehungsweise gerade neu eingestellten Versorgungssystem würde ich zunächst häufiger messen.
Auch bei einem stark wachsenden SPS-Riff kann eine engmaschige Kontrolle sinnvoll sein.
Wenn Dein Aquarium bereits lange stabil läuft und Du seinen Verbrauch kennst, können die Abstände größer werden.
Als praktische Orientierung:
Neues beziehungsweise unbekanntes System: zunächst alle ein bis drei Tage
Nach Änderung einer Dosierung: vorübergehend häufiger
Stark wachsendes SPS-Riff: regelmäßig und engmaschig
Stabiles Mischriff: häufig ein- bis zweimal pro Woche ausreichend
Weichkorallen-Becken mit geringem Verbrauch: je nach Entwicklung größere Abstände möglich
Das sind keine starren Regeln. Entscheidend ist, dass Du Veränderungen rechtzeitig erkennst.

Wie bestimmst Du den täglichen KH-Verbrauch?
Um den Verbrauch zu bestimmen, misst Du die KH über mehrere Tage möglichst unter vergleichbaren Bedingungen.
Wichtig ist, während dieses Zeitraums keine unnötigen Änderungen vorzunehmen.
Ein einfaches Beispiel:
Tag 1: 8,2 dKH
Tag 2: 7,9 dKH
Tag 3: 7,6 dKH
In diesem Beispiel deutet der Verlauf auf einen Verbrauch von ungefähr 0,3 dKH pro Tag hin.
Ein einzelner Tageswert reicht für eine zuverlässige Beurteilung nicht aus. Je mehr vergleichbare Messungen Du hast, desto besser erkennst Du den tatsächlichen Trend.

Warum immer ungefähr zur gleichen Zeit messen?
Im Aquarium laufen permanent biologische und chemische Prozesse ab.
Wenn Du Verbrauchswerte miteinander vergleichen möchtest, hilft deshalb eine möglichst einheitliche Messroutine.
Misst Du einmal morgens, das nächste Mal spät abends und anschließend wieder am Nachmittag, können Vergleiche schwieriger werden.
Es muss nicht auf die Minute genau sein. Eine ähnliche Tageszeit verbessert aber die Aussagekraft Deiner Messreihe.

Was passiert bei einer zu niedrigen KH?
Sinkt die KH dauerhaft deutlich unter den gewünschten Bereich, nimmt die Pufferkapazität ab und kalkbildenden Organismen steht weniger Alkalinität für die Kalkbildung zur Verfügung.
Mögliche Folgen können sein:
Langsameres Korallenwachstum
Verändertes Polypenbild
Stress bei empfindlicheren Steinkorallen
Ungünstigere Bedingungen für die Kalkbildung
Stärkere Empfindlichkeit des pH-Werts gegenüber Veränderungen
Diese Symptome sind allerdings nicht spezifisch für eine niedrige KH.
Eine blasse oder eingezogene Koralle beweist deshalb keinen KH-Mangel. Erst messen, dann reagieren.

Was passiert bei einer zu hohen KH?
Auch eine zu hohe KH bringt keinen automatischen Vorteil.
Mehr KH bedeutet nicht automatisch schnelleres oder gesünderes Korallenwachstum.
Besonders bei empfindlichen SPS-Korallen kann eine Kombination aus hoher KH und sehr niedrigen Nährstoffkonzentrationen ungünstig sein.
Außerdem können hohe Konzentrationen von Calcium und Carbonaten die Neigung zu Calciumcarbonat-Ausfällungen erhöhen.
Diese erkennst Du beispielsweise an verstärkten Kalkablagerungen auf Pumpen, Heizstäben oder anderen technischen Komponenten.
Das Ziel sollte deshalb immer eine zum Aquarium passende stabile KH sein – nicht der höchstmögliche Wert.

KH niemals hektisch korrigieren
Wenn Du einen deutlich zu niedrigen Wert misst, ist die Versuchung groß, die komplette Abweichung sofort auszugleichen.
Ich würde zuerst die Messung bestätigen.
Prüfe anschließend Calcium, Magnesium und Salinität und überlege, warum die KH gefallen ist.
Ist der Verbrauch gestiegen?
Ist eine Dosierpumpe ausgefallen?
Ist ein Vorratsbehälter leer?
Wurde die Dosierung verändert?
Gab es einen großen Wasserwechsel?
Stimmt die Salinität?
Erst danach solltest Du kontrolliert korrigieren.
Halte Dich dabei immer an die Dosierempfehlung des verwendeten Versorgungssystems und vermeide unnötig große Sprünge.

KH, Calcium und Magnesium gehören zusammen
Diese drei Werte solltest Du nicht isoliert betrachten.
Calcium und Bestandteile der Carbonatchemie werden für den Aufbau von Calciumcarbonat benötigt. Magnesium beeinflusst das chemische Gleichgewicht des Meerwassers und trägt unter anderem dazu bei, spontane Calciumcarbonat-Ausfällungen zu hemmen.
Wenn Du Probleme mit der Stabilität Deiner KH hast, lohnt deshalb immer auch ein Blick auf Calcium und Magnesium.

Warum ist Calcium so wichtig?
Hier erfährst Du, welche Rolle Calcium für Steinkorallen, Kalkrotalgen und andere kalkbildende Organismen spielt.

Magnesium im Meerwasser erklärt
Hier erklären wir Dir, warum Magnesium für die Stabilität von Calcium und Carbonatchemie wichtig ist.

Auch die Salinität überprüfen
Wenn mehrere Wasserwerte gleichzeitig ungewöhnlich erscheinen, solltest Du immer auch die Salinität kontrollieren.
Ist die Salinität deutlich verändert, verändern sich dadurch auch die Konzentrationen zahlreicher gelöster Stoffe.
Deshalb wäre es falsch, bei ungewöhnlichen Calcium-, Magnesium- oder anderen Werten sofort einzelne Stoffe nachzudosieren, ohne vorher zu prüfen, ob der Salzgehalt stimmt.

Warum fällt die KH schneller sichtbar als Calcium?
Viele Aquarianer beobachten täglich einen deutlichen KH-Verbrauch, während sich der Calciumwert scheinbar kaum verändert.
Das ist kein Widerspruch.
Bei der Kalkbildung werden Calcium und Alkalinität gemeinsam verbraucht. Die Veränderungen erscheinen auf den üblichen Messskalen aber unterschiedlich deutlich.
Ein täglicher KH-Verbrauch lässt sich deshalb häufig früher beziehungsweise einfacher erkennen als eine kleine Calciumveränderung.
Betrachte beide Werte trotzdem gemeinsam.

Wie kannst Du die KH stabil halten?
Welche Methode sinnvoll ist, hängt vom Verbrauch Deines Aquariums ab.
Bei einem Aquarium mit wenigen kalkbildenden Korallen können regelmäßige Wasserwechsel und gelegentliche Korrekturen lange ausreichen.
Steigt der Verbrauch, kommen beispielsweise infrage:
Manuelle KH-Dosierung
Balling- beziehungsweise Mehrkomponenten-Versorgung
Dosierpumpe
Komplettes Versorgungssystem
Kalkreaktor bei entsprechendem Bedarf
Welche Methode sinnvoll ist, hängt nicht allein von der Literzahl ab.
Ein kleines, dicht mit SPS besetztes Aquarium kann mehr regelmäßige Versorgung benötigen als ein deutlich größeres Weichkorallen-Becken.

Manuell dosieren oder Dosierpumpe?
Bei geringem und langsamem Verbrauch kannst Du die KH problemlos manuell ergänzen.
Wenn täglich dosiert werden muss und der Verbrauch größer wird, kann eine Dosierpumpe deutlich komfortabler sein.
Ein weiterer Vorteil ist, dass eine größere Tagesmenge auf mehrere kleinere Dosierungen verteilt werden kann.
Eine Dosierpumpe ersetzt aber niemals die Messung.
Sie weiß nicht, wie viel Dein Aquarium benötigt. Sie führt lediglich die Menge zu, die Du eingestellt hast.

Dosierpumpe oder manuelle Dosierung?
Hier erfährst Du, wann sich die automatische Dosierung lohnt und wann eine manuelle Versorgung völlig ausreicht.

Warum eine Dosierpumpe die KH trotzdem nicht automatisch stabil hält
Eine Dosierpumpe kann nur dann passend dosieren, wenn ihre Einstellung zum tatsächlichen Verbrauch passt.
Wächst Dein Korallenbestand und steigt der Bedarf, fällt die KH trotz laufender Dosierpumpe langsam ab.
Wird eine große Korallenkolonie entfernt, kann der Verbrauch dagegen plötzlich sinken und die KH ansteigen.
Deshalb solltest Du Deine Messwerte auch bei vollständig automatisierter Versorgung weiter beobachten.

Dosierpumpe regelmäßig kontrollieren
Wenn Du die KH automatisch dosierst, solltest Du nicht nur die Wasserwerte, sondern auch die Technik überprüfen.
Achte auf:
Füllstand des Vorratsbehälters
Knickfreie Schläuche
Luft in den Leitungen
Saubere Dosierstellen
Korrekte Kalibrierung
Tatsächlich geförderte Menge
Eine perfekt berechnete Dosierung hilft Dir wenig, wenn die Pumpe aufgrund einer verstopften Leitung keine Flüssigkeit fördert.

Warum steigt die KH plötzlich an?
Ein steigender KH-Wert bedeutet meist, dass momentan mehr Alkalinität zugeführt als verbraucht wird.
Mögliche Ursachen sind:
Dosierung zu hoch
Korallenwachstum hat sich verlangsamt
Korallen wurden entfernt
Dosiermenge wurde verändert
Messfehler
Veränderung der Salinität
Auch hier gilt: Nicht sofort drastisch reagieren.
Bestätige die Messung und beobachte die Entwicklung.

Warum fällt die KH plötzlich stark ab?
Ein schnellerer Abfall kann unterschiedliche Ursachen haben.
Dazu gehören:
Stark gestiegener Verbrauch
Ausfall oder falsche Einstellung der Dosierung
Veränderte Korallenmasse
Kalkausfällungen
Veränderte Salinität
Fehler bei der Messung
Wenn der Wert ungewöhnlich stark vom normalen Verlauf abweicht, solltest Du deshalb nicht nur mehr KH-Lösung hinzufügen, sondern zuerst herausfinden, warum sich das Verhalten verändert hat.

Kalkausfällungen erkennen
Calciumcarbonat kann sich unerwünscht aus dem Wasser ablagern.
Typische Stellen sind:
Heizstäbe
Pumpen
Schläuche
Technikbereiche
Andere warme oder stark bewegte Oberflächen
Wenn KH und Calcium trotz hoher Dosierung ungewöhnlich schnell verschwinden und gleichzeitig starke Kalkablagerungen entstehen, solltest Du die gesamte Versorgung überprüfen.
Eine zu konzentrierte Dosierung verschiedener Komponenten unmittelbar an derselben Stelle kann solche Probleme ebenfalls begünstigen.

KH und Wasserwechsel
Ein Wasserwechsel bringt Wasser mit der KH des neu angesetzten Meerwassers ins Aquarium.
Deshalb kann ein größerer Wasserwechsel den KH-Wert verändern.
Wenn Dein Aquarium beispielsweise bei 7,5 dKH läuft und das frisch angesetzte Wasser deutlich höher liegt, kann ein großer Wasserwechsel einen messbaren Sprung verursachen.
Kontrolliere deshalb bei größeren Wasserwechseln nicht nur Salinität und Temperatur, sondern kenne möglichst auch die wichtigsten Werte Deines verwendeten Meersalzes.

KH bei einem neuen Meerwasseraquarium
In einem frisch gestarteten Aquarium mit wenigen kalkbildenden Organismen kann der KH-Verbrauch zunächst sehr gering sein.
Mit zunehmendem Korallenbesatz verändert sich das.
Deshalb solltest Du nicht vorsorglich große Mengen KH dosieren, nur weil Du später Steinkorallen pflegen möchtest.
Dosiert wird nach tatsächlichem Bedarf – nicht nach zukünftiger Vermutung.

KH bei einem stark wachsenden Riff
Ein etabliertes Riff kann vollkommen anders aussehen.
Große Acropora-Kolonien, schnell wachsende Montipora und zahlreiche LPS können einen erheblichen Tagesverbrauch verursachen.
In einem solchen Aquarium gehört die regelmäßige KH-Kontrolle zu den wichtigsten Routinen überhaupt.
Je besser Du Deinen Verbrauch kennst, desto einfacher kannst Du Veränderungen frühzeitig erkennen.

Messwerte dokumentieren
Ich würde Dir empfehlen, die KH nicht nur zu messen, sondern auch aufzuschreiben.
Notiere beispielsweise:
Datum
Uhrzeit
KH
Dosiermenge
Änderungen am Besatz
Besondere Beobachtungen
Schon nach einigen Wochen kannst Du daraus sehr gut erkennen, ob Dein Verbrauch steigt, fällt oder weitgehend stabil bleibt.
Gerade nach dem Einsetzen neuer Korallen oder bei starkem Wachstum ist diese Entwicklung besonders interessant.

Nicht nach einer einzigen Zahl dosieren
Angenommen, Deine KH lag mehrere Wochen bei 7,8 dKH und eine Messung zeigt plötzlich 7,2 dKH.
Dann würde ich nicht sofort die Dosierung massiv erhöhen.
Wiederhole zunächst den Test.
Ist das zweite Ergebnis ähnlich, prüfe die mögliche Ursache.
Zeigen auch die nächsten Messungen einen fallenden Trend, kannst Du die Versorgung kontrolliert anpassen.
So verhinderst Du, dass ein Messfehler eine echte KH-Schwankung verursacht.

Wasserwerte immer gemeinsam betrachten
Die KH ist wichtig, aber sie erzählt nicht die ganze Geschichte.
Für ein gesundes Riffaquarium solltest Du zusätzlich unter anderem auf folgende Werte achten:
Salinität
Calcium
Magnesium
Nitrat
Phosphat
pH-Wert
Temperatur
Besonders bei einer ungewöhnlichen Korallenreaktion ist es sinnvoller, das Gesamtbild zu betrachten, als ausschließlich die KH zu verändern.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Auf unserer großen Wasserwerte-Seite erklären wir Dir die wichtigsten Parameter und ihre Zusammenhänge.

Typische Fehler bei der KH
Zu selten messen
Nach einem einzelnen ungewöhnlichen Messwert sofort korrigieren
KH möglichst hoch einstellen
Große Änderungen innerhalb kurzer Zeit durchführen
Calcium und Magnesium ignorieren
Salinität nicht kontrollieren
Niedrigen pH-Wert ausschließlich mit höherer KH behandeln
Dosierung trotz zunehmendem Korallenwachstum nicht anpassen
Dosierpumpe nicht kalibrieren
Verbrauch nicht dokumentieren
Mehrere Versorgungsprodukte unkontrolliert kombinieren

Welche KH ist die richtige für Dein Aquarium?
Es gibt keinen Wert, der für jedes Aquarium exakt derselbe sein muss.
Für viele Riffaquarien ist ungefähr 7 bis 9 dKH ein sehr guter Orientierungsbereich.
Wichtiger ist die Frage:
Ist der Wert stabil?
Passt er zu Deinem Versorgungssystem?
Wie stark ist der tägliche Verbrauch?
Sind Calcium und Magnesium ebenfalls sinnvoll eingestellt?
Sind die Nährstoffe vorhanden?
Wie entwickeln sich Deine Korallen?
Wenn diese Punkte passen, musst Du Deine KH nicht wegen kleiner Unterschiede zu einer Tabelle ständig verändern.

Unser Tipp
Die KH gehört zu den Wasserwerten, die ich lieber regelmäßig kontrollieren würde, statt später große Korrekturen vornehmen zu müssen.
Mit dem Salifert Profi-Test zur Bestimmung der Karbonathärte (KH) im Meerwasseraquarium kannst Du die Entwicklung regelmäßig überprüfen.
Beobachte dabei nicht nur den einzelnen Messwert, sondern vor allem den Verlauf. Wenn Deine KH über mehrere Tage langsam fällt, steigt der Verbrauch beziehungsweise die aktuelle Versorgung reicht nicht vollständig aus. Steigt sie kontinuierlich, wird wahrscheinlich mehr zugeführt als verbraucht.
Kontrolliere gleichzeitig Calcium, Magnesium und Salinität und behalte den pH-Wert im Zusammenhang mit CO₂ und Gasaustausch im Blick.
So wird die KH nicht zu einer Zahl, der Du ständig hinterherlaufen musst, sondern zu einem sehr nützlichen Werkzeug, mit dem Du die Entwicklung Deines Riffs beurteilen kannst.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Raabe Aquaristik
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Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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