Cyanobakterien erkennen

Cyanobakterien erkennen – Ursachen, Anzeichen und wirksame Maßnahmen

Kaum ein Thema sorgt in der Meerwasseraquaristik für so viel Frust wie Cyanobakterien. Fast jeder Aquarianer wird früher oder später mit ihnen konfrontiert. Die gute Nachricht: Cyanos sind kein Zeichen dafür, dass Dein Aquarium gescheitert ist. Sie treten häufig während der Einfahrphase oder nach Veränderungen im Aquarium auf und lassen sich mit Geduld und den richtigen Maßnahmen dauerhaft in den Griff bekommen.

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du Cyanobakterien sicher erkennst, warum sie entstehen und was wirklich gegen sie hilft.

Was sind Cyanobakterien?
Obwohl sie häufig als Blaualgen bezeichnet werden, sind Cyanobakterien keine Algen, sondern Bakterien.
Sie gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde und kommen auch in natürlichen Korallenriffen vor. Im Aquarium können sie sich jedoch stark vermehren und andere Organismen überwuchern.

Woran erkennst Du Cyanobakterien?
Cyanobakterien bilden meist schleimige Beläge auf:

  • Bodengrund
  • Lebendgestein
  • Korallen
  • Technik
  • Scheiben

Typische Merkmale sind:

  • dunkelrote bis bordeauxfarbene Beläge
  • violette, braune oder grünliche Varianten
  • schleimige Konsistenz
  • leicht ablösbar
  • bilden häufig Luftblasen
  • breiten sich oft sehr schnell aus

Besonders die eingeschlossenen Sauerstoffblasen sind ein typisches Erkennungsmerkmal.

Warum entstehen Cyanobakterien?
Eine einzelne Ursache gibt es meist nicht.
Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen.

Einfahrphase
In jungen Aquarien ist das biologische Gleichgewicht noch nicht stabil.
Cyanobakterien gehören deshalb zu den häufigsten Begleiterscheinungen der Einfahrphase.

Ungleichgewicht der Nährstoffe
Nicht nur hohe Nährstoffwerte können Cyanos fördern.
Auch extrem niedrige Werte können problematisch sein.
Vor allem folgende Situationen begünstigen ihr Wachstum:

  • Nitrat nicht nachweisbar
  • Phosphat vorhanden
  • Phosphat nicht nachweisbar
  • Nitrat vorhanden
  • stark unausgewogenes Verhältnis von Nitrat und Phosphat

Ein stabiles Nährstoffgleichgewicht ist wichtiger als möglichst niedrige Werte.

Schwache bzw. schlechte Strömung
Bereiche mit wenig Wasserbewegung bieten Cyanobakterien ideale Bedingungen.
Vor allem in ruhigen Ecken sammeln sich organische Ablagerungen, die den Belägen zusätzlich Nahrung liefern.

Organische Belastung
Futterreste, abgestorbene Pflanzenteile oder andere organische Stoffe können das Wachstum fördern.
Auch ein verschmutzter Bodengrund oder selten gereinigte Filter tragen dazu bei.

Altes oder belastetes Ausgangswasser
Leitungswasser mit erhöhtem Silikat- oder Phosphatgehalt kann das Problem zusätzlich verstärken.
Deshalb sollte für Meerwasseraquarien möglichst hochwertiges Osmosewasser verwendet werden.

Sind Cyanobakterien gefährlich?
Ein kleiner Belag ist meist noch kein Problem.
Breiten sich Cyanobakterien jedoch stark aus, können sie:

  • Korallen überwuchern
  • Licht abschatten
  • Sauerstoffschwankungen verursachen
  • empfindliche Tiere belasten
  • das biologische Gleichgewicht stören

Vor allem kleine SPS-Korallen reagieren häufig empfindlich.

Was hilft wirklich gegen Cyanobakterien?
Beläge absaugen
Entferne möglichst viele Cyanobakterien regelmäßig mit einem dünnen Schlauch.
Dadurch reduzierst Du ihre Ausbreitung deutlich.

Strömung optimieren
Kontrolliere, ob sich im Aquarium Bereiche mit wenig Wasserbewegung befinden.
Eine angepasste, wechselnde Strömung verhindert Ablagerungen und erschwert Cyanobakterien das Wachstum.

Wasserwerte überprüfen
Miss regelmäßig:

  • Nitrat
  • Phosphat
  • KH
  • Temperatur
  • Salzgehalt

Nicht möglichst niedrige Werte, sondern ein ausgewogenes Verhältnis ist entscheidend.

Fütterung kontrollieren
Zu viel Futter erhöht die organische Belastung.
Füttere nur so viel, wie Deine Tiere tatsächlich aufnehmen.
Aktivkohle und Abschäumer
Ein leistungsfähiger Abschäumer sowie hochwertige Aktivkohle helfen dabei, organische Belastungen zu reduzieren.

Geduld
Viele Cyanobakterien verschwinden von selbst wieder, sobald das Aquarium biologisch stabiler wird.
Gerade während der Einfahrphase ist Geduld oft die beste Lösung.

Helfen Cyanobakterienmittel?
Im Handel werden zahlreiche Präparate angeboten.
Sie können kurzfristig wirken, beseitigen jedoch häufig nur die Symptome.
Bleibt die eigentliche Ursache bestehen, kehren die Cyanobakterien oft nach kurzer Zeit zurück.
Deshalb sollten chemische Mittel nur als letzte Möglichkeit eingesetzt werden.

Häufige Fehler
Viele Aquarianer verschlimmern das Problem unbeabsichtigt:

  • Beleuchtung stark verändern
  • mehrere Wasserwerte gleichzeitig korrigieren
  • zu große Wasserwechsel durchführen
  • übermäßig viele Zusätze dosieren
  • ausschließlich Cyanomittel verwenden
  • die eigentliche Ursache nicht suchen

Unser Tipp
Cyanobakterien gehören zu den häufigsten Erscheinungen im Meerwasseraquarium und lassen sich in den meisten Fällen ohne Chemie erfolgreich bekämpfen. Beobachte Dein Aquarium genau, kontrolliere regelmäßig die Wasserwerte und optimiere Strömung sowie Nährstoffversorgung. Mit etwas Geduld verschwindet der rote Belag meist dauerhaft und Dein Riff entwickelt wieder sein natürliches Gleichgewicht.

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Gerd Raabe
Raabe Aquaristik
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