Welche Tiere helfen gegen Fadenalgen?

Fadenalgen gehören zu den häufigsten Algenproblemen im Meerwasseraquarium. Sie können zunächst als kurze grüne Büschel auftreten und sich unter passenden Bedingungen zu langen, dichten Algenpolstern entwickeln. Spätestens wenn Riffgestein, Technik oder sogar Korallen überwachsen werden, stellt sich die Frage: Welche Tiere fressen Fadenalgen wirklich?

Die gute Nachricht: Anders als bei Cyanobakterien gibt es tatsächlich verschiedene Tiere, die Fadenalgen fressen können. Besonders junge und kurze Fadenalgen werden von geeigneten Schnecken, Einsiedlerkrebsen und Seeigeln abgeweidet.

Trotzdem solltest Du von einer Cleaning-Crew keine Wunder erwarten. Sind die Fadenalgen bereits mehrere Zentimeter lang und bilden dichte Büschel, werden sie von vielen Tieren deutlich schlechter angenommen. Dann solltest Du die Algen zunächst mechanisch reduzieren und die Tiere anschließend dabei unterstützen lassen, den jungen Nachwuchs kurz zu halten.

Warum entstehen Fadenalgen?
Ein gewisser Algenaufwuchs ist besonders in jungen Meerwasseraquarien zunächst nichts Ungewöhnliches. Problematisch wird es, wenn sich Fadenalgen dauerhaft stark ausbreiten.

Dabei gibt es selten nur eine einzige Ursache. Einfluss haben unter anderem:
Nährstoffsituation
Beleuchtung
Strömung
Fütterung
Organische Ablagerungen
Alter und biologische Entwicklung des Aquariums
Konkurrenz durch andere Organismen

Deshalb solltest Du nicht nur fragen: „Welches Tier frisst meine Fadenalgen?“, sondern gleichzeitig überlegen, warum die Algen momentan so gut wachsen.

Fadenalgen im Meerwasseraquarium bekämpfen
In unserem ausführlichen Ratgeber erfährst Du, wie Fadenalgen entstehen, welche Rolle Wasserwerte und Nährstoffe spielen und wie Du einen stärkeren Befall Schritt für Schritt reduzieren kannst.

Turbo-Schnecken – starke Helfer gegen Fadenalgen
Turbo-Schnecken gehören für mich zu den interessantesten Tieren, wenn Du Fadenalgen und andere grüne Algenbeläge im Riff reduzieren möchtest.

Besonders interessant sind:
Turbo Schnecke – Turbo bruneus
Mexikanische Turboschnecke – Turbo fluctuosus

Beide Arten weiden Algenaufwuchs auf festen Oberflächen ab. Besonders Turbo fluctuosus kann kräftigere Algenbeläge bearbeiten und ist deshalb bei Fadenalgen interessant.

Je kürzer und jünger die Fadenalgen sind, desto besser können Schnecken sie häufig bearbeiten.

Lange Fadenalgen zuerst kürzen
Wenn aus einem kurzen Algenrasen bereits mehrere Zentimeter lange Büschel geworden sind, solltest Du nicht einfach zehn zusätzliche Schnecken einsetzen und auf das Beste hoffen.

Entferne lange Fadenalgen zunächst möglichst weit von Hand.

Du kannst sie beispielsweise:
Mit den Fingern herausziehen
Mit einer Pinzette entfernen
Mit einer kleinen Bürste lösen
Beim Wasserwechsel direkt absaugen

Anschließend kommen die Algenfresser ins Spiel. Kurzer neuer Aufwuchs ist für viele Tiere wesentlich besser erreichbar und interessanter als ein dichter Wald aus langen Fadenalgen.

Genau darin liegt die Stärke einer guten Cleaning-Crew: Sie kann dabei helfen, den jungen Algenaufwuchs anschließend dauerhaft kurz zu halten.

Tectus fenestratus gegen kurze Fadenalgen
Auch Tectus fenestratus ist als Bestandteil einer abwechslungsreichen Cleaning-Crew interessant.

Tectus-Schnecken weiden verschiedene grüne Algenbeläge und insbesondere kürzeren Aufwuchs ab. Damit können sie Turbo-Schnecken gut ergänzen.

Bei langen und sehr dichten Fadenalgen gilt allerdings auch hier: Erst mechanisch reduzieren, anschließend die Schnecken den jungen Aufwuchs bearbeiten lassen.

Welche Schnecken gegen Algen?
In dieser Kaufberatung erfährst Du genauer, welche Schnecken sich für unterschiedliche Algenbeläge eignen und welche Arten keine klassischen Algenfresser sind.

Einsiedlerkrebse als Ergänzung
Kleinere Einsiedlerkrebse können ebenfalls an jungen Fadenalgen und anderem Aufwuchs zupfen.

Der Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor ist deshalb eine interessante Ergänzung zu algenfressenden Schnecken.

Einsiedler durchsuchen das Riff kontinuierlich nach verwertbarer Nahrung. Dabei können sie jungen Algenaufwuchs bearbeiten und gleichzeitig andere Futterreste aufnehmen.

Bei einem massiven Fadenalgen-Befall solltest Du aber nicht erwarten, dass einige Einsiedler das Problem allein lösen.

Welche Einsiedlerkrebse passen zusammen?
Hier erfährst Du, worauf Du bei Auswahl, Anzahl und Vergesellschaftung von Einsiedlerkrebsen achten solltest.

Seeigel – sehr effektive Weidegänger
Wenn Aquariengröße, Riffaufbau und Nahrungsangebot passen, können Seeigel hervorragende Algenfresser sein.

Der Kugel-Seeigel – Mespilia globulus kann Riffgestein intensiv nach Algenaufwuchs abweiden und ist deshalb eine interessante Ergänzung bei stärkerem Algenwachstum.

Ein Seeigel sollte aber niemals nur als kurzfristiges Werkzeug gegen Fadenalgen betrachtet werden.

Wenn die Fadenalgen verschwunden sind, benötigt das Tier weiterhin ausreichend Nahrung. Gerade in kleinen oder sehr sauberen Aquarien solltest Du deshalb vorher überlegen, ob langfristig genügend natürlicher Aufwuchs vorhanden ist.

Seeigel können außerdem lose Korallenableger oder kleinere Gegenstände verschieben. Dein Riffaufbau und Deine Korallen sollten entsprechend sicher sein.

Welcher Seeigel ist der richtige?
Hier erfährst Du, welcher Seeigel zu Aquariengröße, Riffaufbau und vorhandenem Nahrungsangebot passt.

Welche Kombination ist gegen Fadenalgen sinnvoll?
Ich würde bei Fadenalgen nicht ausschließlich eine einzige Tierart einsetzen. Unterschiedliche Weidegänger können verschiedene Bereiche des Riffs bearbeiten.

Interessant sind beispielsweise:
Turbo Schnecke – Turbo bruneus
Mexikanische Turboschnecke – Turbo fluctuosus
Tectus fenestratus
Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor
Kugel-Seeigel – Mespilia globulus

Welche Tiere und wie viele davon sinnvoll sind, hängt von Aquariengröße, Stärke des Algenbewuchses und dem langfristig vorhandenen Nahrungsangebot ab.

Nicht jede Schnecke ist ein Fadenalgen-Fresser
Dieser Punkt ist wichtig. Nur weil eine Schnecke zur Cleaning-Crew gehört, bedeutet das nicht automatisch, dass sie Fadenalgen frisst.

Nassarius-Schnecken sind beispielsweise hervorragende Resteverwerter und interessante Bewohner des Bodengrunds, aber keine klassischen Algenfresser.

Wenn Dein Ziel ausdrücklich die Reduzierung von Fadenalgen ist, solltest Du deshalb Tiere auswählen, die tatsächlich Algenaufwuchs abweiden.

Was ist mit Fischen gegen Fadenalgen?
Auch verschiedene Fische können Algenaufwuchs abweiden. Besonders bestimmte Doktorfische und andere herbivore Arten können in geeigneten Aquarien wertvolle Algenfresser sein.

Hier ist aber besondere Vorsicht angebracht: Einen Fisch solltest Du niemals allein deshalb kaufen, weil Du momentan ein Fadenalgen-Problem hast.

Ein Doktorfisch benötigt langfristig ausreichend Schwimmraum, passende Ernährung und eine geeignete Aquariengröße. Das vorübergehende Algenproblem darf niemals wichtiger sein als die dauerhaften Bedürfnisse des Tieres.

Deshalb würde ich bei der gezielten Cleaning-Crew gegen Fadenalgen zunächst mit geeigneten Schnecken, Einsiedlern und – wenn das Aquarium passt – einem Seeigel arbeiten.

Fadenalgen nicht mit Bryopsis verwechseln
Nicht alles, was grün und fadenförmig wächst, sind gewöhnliche Fadenalgen.

Besonders Bryopsis kann auf den ersten Blick mit Fadenalgen verwechselt werden. Die Bekämpfung unterscheidet sich jedoch deutlich.

Bevor Du größere Mengen Tiere kaufst, solltest Du deshalb möglichst sicher bestimmen, welche Alge tatsächlich in Deinem Aquarium wächst.

Bryopsis bekämpfen
Hier erfährst Du, woran Du Bryopsis erkennen kannst und warum diese Alge häufig hartnäckiger ist als gewöhnliche Fadenalgen.

Nitrat und Phosphat nicht einfach auf null drücken
Wenn Fadenalgen wachsen, entsteht schnell der Gedanke: Die Nährstoffe müssen runter.

Ganz so einfach ist es nicht.

Korallen und andere Organismen benötigen ebenfalls Nährstoffe. Extrem niedrige oder nicht nachweisbare Werte sind deshalb nicht automatisch das Ziel.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Ein starker Algenbestand kann Nitrat und Phosphat aufnehmen. Dadurch können gemessene Werte niedrig erscheinen, obwohl gleichzeitig erhebliche Algenmengen vorhanden sind.

Betrachte deshalb nicht nur eine einzelne Messung, sondern die gesamte Entwicklung Deines Aquariums.

Mechanische Entfernung und Algenfresser kombinieren
Bei einem stärkeren Fadenalgen-Befall würde ich immer zweigleisig vorgehen.

Zuerst entfernst Du möglichst viel der langen Algenmasse mechanisch.

Danach können geeignete Algenfresser den kurzen verbliebenen beziehungsweise neu entstehenden Aufwuchs bearbeiten.

Genau diese Kombination ist häufig sinnvoller, als einfach immer mehr Tiere einzusetzen.

Warum zu viele Algenfresser später zum Problem werden können
Angenommen, Du setzt wegen eines starken Fadenalgen-Befalls sehr viele Schnecken und mehrere andere Algenfresser ein.

Einige Wochen später sind die Fadenalgen verschwunden.

Das klingt zunächst perfekt – aber die eingesetzten Tiere sind immer noch da und benötigen weiterhin Nahrung.

Deshalb solltest Du eine Cleaning-Crew niemals ausschließlich nach der momentanen Algenmenge dimensionieren. Überlege bereits vorher, ob die Tiere auch langfristig in Dein Aquarium passen.

Die richtige Cleaning-Crew wählen
Hier zeigen wir Dir, wie Du eine Cleaning-Crew nach Aquariengröße, vorhandenen Aufgaben und tatsächlichem Nahrungsangebot zusammenstellst.

Wann helfen Tiere besonders gut?
Algenfresser sind besonders interessant, wenn Du einen stärkeren Bestand zunächst reduziert hast und verhindern möchtest, dass sich daraus erneut lange Fadenalgen entwickeln.

Das Prinzip ist einfach:

Lange Fadenalgen mechanisch entfernen
Kurzen Restbestand von Algenfressern bearbeiten lassen
Ursachen des starken Wachstums überprüfen
Neue Fadenalgen möglichst früh kurz halten

So nutzt Du die Tiere für das, was sie besonders gut können.

Was solltest Du zusätzlich überprüfen?
Wenn Fadenalgen dauerhaft stark wachsen, solltest Du zusätzlich folgende Bereiche kontrollieren:
Nitrat
Phosphat
Beleuchtungsdauer
Beleuchtungsintensität
Strömung
Fütterungsmenge
Organische Ablagerungen
Qualität des Ausgangswassers
Entwicklung des Aquariums

Verändere aber nicht wahllos alles gleichzeitig. Sonst kannst Du anschließend kaum beurteilen, welche Maßnahme tatsächlich geholfen hat.

Typische Fehler bei Fadenalgen
Nur Tiere einsetzen und die Ursache ignorieren
Sehr lange Fadenalgen nicht vorher entfernen
Zu viele Schnecken gleichzeitig einsetzen
Jede Cleaning-Crew-Schnecke als Algenfresser betrachten
Tiere ausschließlich wegen eines vorübergehenden Problems kaufen
Nitrat und Phosphat möglichst auf null reduzieren
Mehrere Bedingungen gleichzeitig stark verändern
Fadenalgen und Bryopsis miteinander verwechseln
Nach verschwundenen Algen das langfristige Nahrungsangebot der Tiere vergessen

Unser Tipp
Bei Fadenalgen können Tiere tatsächlich eine sehr gute Unterstützung sein. Besonders Turbo bruneus, Turbo fluctuosus, Tectus fenestratus, Clibanarius tricolor und bei passenden Bedingungen Mespilia globulus sind interessante Helfer.

Bei langen und dichten Fadenalgen würde ich aber nicht einfach immer mehr Tiere einsetzen. Entferne den größten Teil zunächst mechanisch und lass Deine Algenfresser anschließend den kurzen Nachwuchs bearbeiten.

So kombinierst Du mechanische Entfernung, passende Cleaning-Crew und Ursachenforschung – und hast wesentlich bessere Chancen, die Fadenalgen langfristig in den Griff zu bekommen.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
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