Korallen für große Riffaquarien
Ein großes Riffaquarium bietet Möglichkeiten, die in kleineren Becken kaum umsetzbar sind. Korallen können sich zu großen Kolonien entwickeln, verschiedene Riffzonen lassen sich gezielt gestalten und zwischen den Tieren kann deutlich mehr Abstand eingeplant werden. Gerade ab etwa 500 Litern kannst Du bei der Korallenauswahl deshalb langfristiger denken.
Der zusätzliche Platz sollte aber nicht dazu verleiten, das Aquarium sofort mit möglichst vielen kleinen Ablegern zu füllen. Ein großes Riff wirkt besonders beeindruckend, wenn einzelne Korallen genügend Raum bekommen, ihre natürliche Wuchsform zu entwickeln. Aus einem kleinen Ableger kann schließlich eine Kolonie werden, die nach einigen Jahren einen erheblichen Teil des Riffs einnimmt.
Warum große Riffaquarien andere Möglichkeiten bieten
Der größte Vorteil ist nicht allein die Wassermenge, sondern der verfügbare Raum. Du kannst unterschiedliche Bereiche für Korallen mit verschiedenen Ansprüchen schaffen und gleichzeitig großzügiger planen.
Ein großes Aquarium ermöglicht beispielsweise:
Große verzweigte SPS-Kolonien
Ausladende LPS-Korallen
Große Leder- und Weichkorallen
Freie Sandflächen für bodenbewohnende Korallen
Unterschiedliche Lichtzonen
Unterschiedliche Strömungsbereiche
Mehr Abstand zwischen stark wachsenden oder wehrhaften Korallen
Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt. Ein Aquarium kann beim Erstbesatz fast leer aussehen und zwei Jahre später bereits sehr dicht bewachsen sein.
SPS-Korallen kommen in großen Aquarien besonders zur Geltung
Für große Riffaquarien sind schnell und groß wachsende SPS-Korallen besonders interessant. Kleine Ableger wirken zunächst unscheinbar, können sich bei guten Bedingungen aber zu beeindruckenden Kolonien entwickeln.
Interessant sind beispielsweise:
Acropora
Montipora
Seriatopora
Stylophora
Pocillopora
Turbinaria
Gerade Acropora kann in einem großen Aquarium ihre verzweigten Wuchsformen eindrucksvoll entwickeln. Bei der Platzierung solltest Du deshalb nicht danach planen, wie groß der Ableger heute ist, sondern wie viel Raum eine ausgewachsene Kolonie später benötigt.
Auch Montipora benötigt langfristig Platz. Besonders plattenförmig wachsende Tiere können weit über den Riffaufbau hinauswachsen und darunterliegende Korallen zunehmend beschatten.
SPS-Korallen – Haltung & Arten
Hier erfährst Du mehr über Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte, Standort und Wachstum von SPS-Korallen.
Große LPS-Korallen als Blickfang
Ein großes Riffaquarium muss keineswegs von SPS-Korallen dominiert werden. Gerade großpolypige LPS-Korallen können in einem großzügigen Aquarium beeindruckende Blickpunkte bilden.
Besonders interessant sind:
Euphyllia
Catalaphyllia
Lobophyllia
Trachyphyllia
Cynarina
Duncanopsammia
Symphyllia
Acanthophyllia
Eine größere Euphyllia kann beispielsweise zu einem dominanten Element im mittleren Riffbereich werden. Ihre beweglichen Polypen bringen zusätzlich Dynamik in ein Aquarium, das ansonsten von festen SPS-Strukturen geprägt wird.
Acanthophyllia, Trachyphyllia und Cynarina können dagegen auf großzügigen freien Sandflächen besonders gut zur Geltung kommen.
LPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Auf unserer großen LPS-Seite findest Du weitere Informationen zu Haltung, Beleuchtung, Strömung, Wasserwerten und Standort unterschiedlicher LPS-Korallen.
Große Euphyllia-Kolonien brauchen Platz
Euphyllia gehört für mich zu den Korallen, die von einem großen Aquarium besonders profitieren. Aus einem kleinen Tier kann sich über die Zeit eine stattliche Kolonie entwickeln.
Plane deshalb von Anfang an großzügig. Der sichtbare Durchmesser einer frisch eingesetzten Koralle ist nicht der Platz, den sie langfristig benötigt. Hinzu kommt, dass verschiedene LPS-Korallen ihre Umgebung mit Kampftentakeln verteidigen können.
Kampftentakel erklärt
Hier erfährst Du, warum der Abstand zwischen Korallen nachts plötzlich zu klein sein kann und welche Rolle Kampftentakel dabei spielen.
Freie Sandflächen bewusst nutzen
Ein großes Aquarium bietet die Möglichkeit, nicht jeden Quadratmeter mit Riffgestein zuzustellen. Freie Sandflächen sorgen für eine natürliche Tiefenwirkung und bieten gleichzeitig hervorragende Plätze für bestimmte LPS-Korallen.
Dafür kommen beispielsweise infrage:
Trachyphyllia
Acanthophyllia
Cynarina
Fungia
Scolymia
Gerade großpolypige Korallen mit empfindlichem Gewebe profitieren davon, wenn sie nicht zwischen scharfkantigem Riffgestein eingeklemmt werden.
Weichkorallen können richtig groß werden
Weichkorallen werden bei der Planung großer Riffaquarien manchmal unterschätzt. Dabei können gerade große Lederkorallen eine enorme Wirkung entfalten und dem Aquarium durch ihre Bewegung einen natürlicheren Charakter geben.
Interessante Arten beziehungsweise Gruppen sind:
Sarcophyton
Sinularia
Lobophytum
Briareum
Xenia
Eine Sarcophyton kann mit der Zeit eine beachtliche Größe erreichen. Deshalb solltest Du auch bei Weichkorallen nicht davon ausgehen, dass der kleine Ableger dauerhaft wenig Platz beansprucht.
Bei schnell flächig wachsenden Arten wie Briareum kann eine separate Riffinsel sinnvoll sein. Dadurch lässt sich das spätere Wachstum besser kontrollieren.
Weichkorallen – Haltung, Arten & Pflege
Hier erfährst Du mehr über Standort, Wachstum, Beleuchtung, Strömung und Pflege unterschiedlicher Weichkorallen.
Große Korallen statt möglichst vieler Ableger
Gerade in einem großen Aquarium ist die Versuchung groß: Es gibt viel Platz, also werden viele kleine Korallen gekauft.
Langfristig kann genau das zum Problem werden.
Stell Dir einen kleinen Acropora-Ableger nicht als drei Zentimeter große Koralle vor, sondern als mögliche große verzweigte Kolonie. Plane eine Euphyllia nicht nach ihrer heutigen Größe, sondern nach dem Platz, den eine spätere Kolonie benötigt.
Ein zunächst etwas luftigeres Aquarium entwickelt sich langfristig häufig wesentlich harmonischer als ein Riff, das bereits beim Start vollständig mit Ablegern besetzt wurde.
Korallenabstand – Warum ausreichend Platz wichtig ist
Hier erklären wir ausführlich, warum Du den späteren Platzbedarf Deiner Korallen bereits beim Einsetzen berücksichtigen solltest.
Den Riffaufbau passend zu den Korallen planen
Bei einem großen Riffaquarium würde ich nicht einfach eine massive Steinwand von links nach rechts bauen. Mehrere Riffinseln, unterschiedliche Höhen und freie Bereiche wirken natürlicher und erleichtern gleichzeitig die Korallenhaltung.
Sinnvoll sind beispielsweise:
Höhere Plateaus für lichthungrige SPS-Korallen
Mittlere Bereiche für unterschiedliche LPS-Korallen
Freie Sandflächen für bodenbewohnende LPS-Korallen
Separate Inseln für stark wachsende Arten
Offene Schwimmräume
Ausreichend Platz hinter dem Riff für Wasserbewegung
So kannst Du unterschiedliche Licht- und Strömungszonen schaffen und gleichzeitig verhindern, dass das Aquarium trotz seiner Größe wie eine einzige massive Steinwand wirkt.
Beleuchtung bei großen Riffaquarien
Bei einem großen Aquarium reicht es nicht, nur auf die Gesamtleistung der Beleuchtung zu schauen. Entscheidend ist eine möglichst passende Ausleuchtung der tatsächlich vorgesehenen Korallenstandorte.
Ein SPS-Bereich mit Acropora stellt andere Anforderungen an die Beleuchtung als eine Sandzone mit Trachyphyllia oder Acanthophyllia.
Gerade bei langen und breiten Aquarien können Abschattungen entstehen. Große SPS-Kolonien verstärken diesen Effekt später zusätzlich.
Deshalb solltest Du die Beleuchtung nicht nur für das frisch eingerichtete Aquarium planen, sondern auch für das spätere bewachsene Riff.
PAR-Werte statt nach Augenmaß
Bei einem großen Aquarium können die Lichtverhältnisse zwischen verschiedenen Bereichen erheblich variieren. Was für unser Auge überall hell aussieht, kann bei einer PAR-Messung sehr unterschiedliche Werte ergeben.
Eine Messung hilft Dir deshalb besonders bei der Planung verschiedener Korallenzonen.
PAR-Werte einfach erklärt
Hier erfährst Du, wie PAR-Werte einzuordnen sind und warum die tatsächliche Lichtintensität am Korallenstandort wichtiger ist als die optische Helligkeit des Aquariums.
Strömung bei großen Aquarien frühzeitig planen
Mit zunehmender Beckengröße wird die Strömungsplanung anspruchsvoller. Eine einzelne starke Pumpe löst das Problem normalerweise nicht.
Besser sind mehrere Strömungsquellen, die gemeinsam eine breite und wechselnde Wasserbewegung erzeugen. Dabei sollten auch Bereiche hinter und zwischen den Riffaufbauten berücksichtigt werden.
Besonders SPS-Korallen wie Acropora, Montipora, Stylophora und Seriatopora profitieren häufig von einer kräftigeren, wechselnden Wasserbewegung.
Großpolypige Korallen wie Acanthophyllia, Trachyphyllia oder Cynarina sollten dagegen nicht permanent von einem harten direkten Pumpenstrahl getroffen werden.
Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Unser Ratgeber zeigt Dir, wie Du mehrere Pumpen nutzen, tote Ecken vermeiden und unterschiedliche Strömungsbereiche schaffen kannst.
Stabile Wasserwerte werden bei großem Korallenbestand entscheidend
Ein großes Wasservolumen kann Schwankungen teilweise abpuffern. Gleichzeitig kann ein großer Bestand wachsender Steinkorallen erhebliche Mengen an Karbonathärte, Calcium und weiteren Elementen verbrauchen.
Gerade ein großes SPS-Riff sollte deshalb nicht nur hinsichtlich Beleuchtung und Strömung geplant werden. Auch die langfristige Versorgung muss mit dem Korallenwachstum mithalten können.
Wasserwerte im Meerwasseraquarium
Hier findest Du die wichtigsten Zusammenhänge rund um KH, Calcium, Magnesium, Nitrat, Phosphat, Salinität und pH-Wert.
Mischriff oder Spezialisierung?
Ein großes Aquarium bietet genügend Raum, um unterschiedliche Korallen-Gruppen miteinander zu kombinieren. Du kannst beispielsweise einen stark durchströmten SPS-Bereich, einen ruhigeren LPS-Bereich und eine separate Zone für Weichkorallen gestalten.
Alternativ kann ein großes Aquarium bewusst auf eine bestimmte Korallen-Gruppe ausgerichtet werden. Ein Riff mit großen Acropora-Kolonien wirkt völlig anders als ein Aquarium, das von großen Euphyllia, Sarcophyton und anderen bewegungsreichen Korallen geprägt wird.
Es gibt deshalb nicht den einen richtigen Besatz für ein großes Riffaquarium. Entscheidend ist, dass die ausgewählten Korallen langfristig zusammenpassen.
Welche Korallen für ein Mischriff?
Diese Kaufberatung hilft Dir, unterschiedliche Korallen-Gruppen sinnvoll miteinander zu kombinieren.
Welche Korallen würde ich für ein großes Riffaquarium auswählen?
Für die oberen und stärker durchströmten Bereiche:
Acropora
Montipora
Stylophora
Seriatopora
Pocillopora
Für großzügige LPS-Bereiche:
Euphyllia
Catalaphyllia
Lobophyllia
Duncanopsammia
Für freie Sandflächen:
Trachyphyllia
Acanthophyllia
Cynarina
Fungia
Für Bewegung und große Weichkorallen-Bereiche:
Sarcophyton
Sinularia
Lobophytum
Welche Kombination am besten passt, hängt von Deiner Beleuchtung, Strömung, Wasserwerten und natürlich davon ab, welche Art von Riff Du langfristig gestalten möchtest.
Unser Tipp
Nutze die Größe Deines Aquariums nicht dazu, möglichst viele Korallen unterzubringen. Nutze sie, um einzelnen Korallen endlich den Platz zu geben, den sie in kleineren Aquarien häufig nicht bekommen.
Große Acropora-Kolonien, weit ausladende Euphyllia, eine stattliche Sarcophyton oder eine große Acanthophyllia auf einer freien Sandfläche können wesentlich beeindruckender wirken als eine Ansammlung aus sehr vielen kleinen Ablegern.
Plane Dein Aquarium deshalb nicht für die nächsten drei Monate, sondern für die nächsten Jahre. Licht, Strömung, Korallenabstand und Wachstum sollten von Anfang an zusammenspielen.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
