Seit wann gibt es Korallen?
Korallen wirken im Meerwasseraquarium manchmal empfindlich und zerbrechlich. Ihre Entwicklungsgeschichte erzählt jedoch eine ganz andere Geschichte: Korallen beziehungsweise ihre frühen Verwandten gehören zu einer Tiergruppe, die seit hunderten Millionen Jahren die Meere besiedelt.
Gut belegte fossile Korallen waren bereits vor rund 450 Millionen Jahren verbreitet – lange bevor es Dinosaurier, Vögel oder Säugetiere gab. Die modernen Steinkorallen, zu denen viele unserer heutigen riffbildenden Korallen gehören, erschienen später und sind seit der Trias im Fossilbericht bekannt.
Wenn Du heute Korallen im Meerwasseraquarium pflegst, siehst Du deshalb Tiere, deren Evolutionsgeschichte weit in die Erdgeschichte zurückreicht.
Korallen sind Tiere
Korallen sehen durch ihre feste Lebensweise und ihre teilweise verzweigten oder blattartigen Wuchsformen manchmal wie Pflanzen aus. Tatsächlich gehören sie zu den Nesseltieren.
Das lebende Tier ist der Korallenpolyp.
Viele Korallen bestehen aus Kolonien mit hunderten, tausenden oder noch mehr miteinander verbundenen Polypen.
Andere Arten bilden einzelne sehr große Polypen.
Korallen sind damit keine Pflanzen und auch keine Steine – selbst bei einer massiven Steinkoralle sitzt auf beziehungsweise im Kalkskelett lebendes tierisches Gewebe.
Wie alt sind die ersten Korallen?
Die genaue Frage ist schwieriger zu beantworten, als sie zunächst klingt.
Sehr alte Fossilien aus dem Präkambrium werden teilweise mit Nesseltieren beziehungsweise korallenähnlichen Organismen in Verbindung gebracht. Ihre genaue Einordnung ist jedoch nicht immer eindeutig.
Deutlich besser belegte Korallengruppen waren spätestens im Ordovizium verbreitet.
Das war vor ungefähr 450 Millionen Jahren.
Damit existierten Korallen bereits sehr lange, bevor die ersten Dinosaurier entstanden.
Gab es vor 450 Millionen Jahren schon Korallenriffe?
Ja – allerdings sahen diese Riffe völlig anders aus als ein heutiges tropisches Korallenriff.
Riffe sind sogar älter als die modernen Korallen.
Im Laufe der Erdgeschichte wurden riffartige Strukturen von unterschiedlichen Organismen aufgebaut.
Dazu gehörten unter anderem:
Mikrobielle Gemeinschaften
Schwämme
Stromatoporen
Kalkbildende Algen
Ausgestorbene Korallengruppen
Später moderne Steinkorallen
Die Geschichte der Riffe ist deshalb nicht identisch mit der Geschichte einer einzigen Korallengruppe.
Die ersten Riffe wurden nicht von heutigen Steinkorallen gebaut
Wenn Du heute an ein Korallenriff denkst, hast Du wahrscheinlich tropische Riffe mit verzweigten und massiven Steinkorallen vor Augen.
Diese Form des Riffs entstand erst wesentlich später.
Viele frühe Riffe wurden überwiegend von anderen Organismen aufgebaut.
Welche Organismengruppe zu einer bestimmten Zeit besonders wichtig für den Riffbau war, änderte sich während der Erdgeschichte mehrfach.
Was waren rugose Korallen?
Rugose Korallen waren eine heute vollständig ausgestorbene Korallengruppe.
Sie werden häufig auch als Hornkorallen bezeichnet, weil viele einzelne Tiere eine hornartige Form bildeten.
Es gab sowohl einzelne als auch koloniebildende Formen.
Rugose Korallen gehörten zu den bedeutenden Korallen des Erdaltertums, waren aber keine SPS-Korallen im heutigen Sinn.
Was waren tabulate Korallen?
Auch tabulate Korallen waren eine wichtige ausgestorbene Korallengruppe.
Sie lebten überwiegend in Kolonien und waren über lange Zeiträume bedeutende Bestandteile früher Riffgemeinschaften.
Ihre Skelette unterscheiden sich von denen heutiger Steinkorallen.
Rugose und tabulate Korallen zeigen deshalb sehr schön, dass „Koralle“ in der Erdgeschichte nicht immer genau dasselbe Tier bedeutete, das wir heute in tropischen Riffen finden.
Was geschah mit diesen frühen Korallen?
Am Ende des Perms kam es vor ungefähr 252 Millionen Jahren zum größten bekannten Massenaussterben der Erdgeschichte.
Ein sehr großer Teil der damaligen Meeresorganismen verschwand.
Auch die rugosen und tabulaten Korallen starben vollständig aus.
Die Korallengeschichte war damit aber nicht beendet.
Das große Massenaussterben am Ende des Perms
Das Perm-Trias-Massenaussterben veränderte die Ökosysteme der Meere grundlegend.
Viele zuvor dominante Organismengruppen verschwanden.
Die Riffsysteme brachen weitgehend zusammen und mussten sich anschließend über sehr lange Zeiträume neu entwickeln.
Erst danach begann eine neue Phase der Korallenevolution.
Wann entstanden die heutigen Steinkorallen?
Die modernen Steinkorallen gehören zur Ordnung Scleractinia.
Im Fossilbericht erscheinen sie in der Trias, also ungefähr vor 240 bis 250 Millionen Jahren.
Damit sind die direkten Vertreter der modernen riffbildenden Steinkorallen deutlich jünger als die frühen Korallengruppen des Paläozoikums.
Trotzdem reicht auch ihre Geschichte weit zurück.
Sind heutige Steinkorallen direkte Nachfahren der rugosen Korallen?
Das lässt sich nicht einfach so darstellen.
Rugose und tabulate Korallen verschwanden am Ende des Perms vollständig.
Moderne Scleractinia erscheinen anschließend in der Trias.
Wie genau die frühen Entwicklungslinien der modernen Steinkorallen verliefen, ist ein komplexes wissenschaftliches Thema.
Deshalb ist die Aussage „die heutigen Korallen stammen einfach von den rugosen Korallen ab“ zu stark vereinfacht.
Gab es moderne Korallen schon vor den Dinosauriern?
Hier lohnt sich eine genaue Unterscheidung.
Frühe fossile Korallengruppen existierten bereits hunderte Millionen Jahre vor den Dinosauriern.
Die modernen Steinkorallen der Scleractinia erschienen dagegen in der Trias – ungefähr in derselben großen erdgeschichtlichen Epoche, in der auch die ersten Dinosaurier entstanden.
Korallen als Tiergruppe sind also wesentlich älter als Dinosaurier.
Die heute dominierenden Steinkorallen entstanden dagegen deutlich später.
Wie lange ist 450 Millionen Jahre eigentlich?
Solche Zeiträume sind schwer vorstellbar.
Zum Vergleich:
Die ersten Dinosaurier erschienen vor ungefähr 230 Millionen Jahren
Das Massenaussterben der Nicht-Vogel-Dinosaurier liegt rund 66 Millionen Jahre zurück
Homo sapiens existiert erst seit einem winzigen Bruchteil dieser Zeit
Frühe Korallengruppen waren also bereits in den Meeren verbreitet, als die Entwicklung des Lebens an Land noch vollkommen anders aussah als heute.
Warum hinterlassen Korallen so gute Fossilien?
Besonders kalkbildende Korallen besitzen einen großen Vorteil für die Fossilüberlieferung: ihr festes Skelett.
Das weiche Gewebe eines Polypen wird nach dem Tod normalerweise schnell zersetzt.
Das Kalkskelett kann dagegen erhalten bleiben, versteinern und noch hunderte Millionen Jahre später untersucht werden.
Dadurch besitzen Wissenschaftler einen umfangreichen Fossilbericht vieler kalkbildender Korallengruppen.
Was verraten fossile Korallen?
Fossile Korallen können weit mehr zeigen als nur die Existenz eines früheren Tieres.
Sie können Hinweise liefern auf:
Frühere Meeresgebiete
Wassertemperaturen
Meeresspiegel
Lage ehemaliger Küsten
Riffentwicklung
Umweltbedingungen
Evolution verschiedener Korallengruppen
Damit sind Korallen wichtige Zeugen der Erdgeschichte.
Gab es Korallen immer an denselben Orten?
Nein.
Die Kontinente bewegen sich durch die Plattentektonik ständig – allerdings über gewaltige Zeiträume.
Gebiete, die heute mitten auf einem Kontinent liegen, können vor hunderten Millionen Jahren von einem warmen Meer bedeckt gewesen sein.
Deshalb findet man fossile Korallen heute auch an Orten, die weit von tropischen Meeren entfernt liegen.
Warum findet man Korallenfossilien in Gebirgen?
Auch das lässt sich mit geologischen Veränderungen erklären.
Ehemalige Meeresablagerungen können durch die Bewegung der Erdplatten angehoben und später Bestandteil von Gebirgen werden.
Ein fossiles Riff hoch über dem heutigen Meeresspiegel bedeutet deshalb nicht, dass Korallen früher auf einem Berg lebten.
Der heutige Berg war damals möglicherweise Meeresboden.
Waren alte Korallen genauso bunt wie heutige Korallen?
Das können wir anhand eines Fossils normalerweise nicht sicher beurteilen.
Farben entstehen durch:
Pigmente
Fluoreszierende Proteine
Symbiosepartner
Gewebeeigenschaften
Diese weichen beziehungsweise molekularen Strukturen bleiben über hunderte Millionen Jahre normalerweise nicht so erhalten, dass wir die ursprünglichen Farben zuverlässig rekonstruieren können.
Fossilien zeigen uns deshalb vor allem Skelett und Wuchsform.
Wann entstand die Symbiose mit Zooxanthellen?
Viele heutige Korallen leben mit mikroskopisch kleinen photosynthetischen Symbiosepartnern zusammen, die umgangssprachlich als Zooxanthellen bezeichnet werden.
Wann genau diese enge Partnerschaft während der Evolution moderner Korallen entstand und wie sie sich entwickelte, ist wesentlich schwieriger aus Fossilien abzulesen als die Entstehung eines Kalkskeletts.
Weiches Gewebe und mikroskopische Symbiosepartner hinterlassen normalerweise keine so eindeutigen Spuren wie ein Korallenskelett.
Warum ist die Symbiose mit Zooxanthellen heute so erfolgreich?
Viele tropische riffbildende Korallen leben in nährstoffarmen Meeresgebieten.
Ihre Zooxanthellen betreiben Photosynthese und stellen ihrem Wirt einen erheblichen Teil der dabei erzeugten organischen Verbindungen zur Verfügung.
Die Koralle bietet im Gegenzug einen geschützten Lebensraum und erhält beziehungsweise recycelt Nährstoffe innerhalb dieser engen Lebensgemeinschaft.
Diese Symbiose gehört zu den wichtigsten Grundlagen vieler heutiger tropischer Korallenriffe.
Leben alle Korallen mit Zooxanthellen?
Nein.
Es gibt auch Korallen ohne diese photosynthetischen Symbiosepartner.
Solche azooxanthellaten Korallen sind stärker beziehungsweise vollständig auf die Aufnahme von Nahrung aus ihrer Umgebung angewiesen.
Ein bekanntes Beispiel ist Tubastraea.
Korallen können deshalb auch in Lebensräumen vorkommen, in denen für Photosynthese nicht genügend Licht vorhanden ist.
Gibt es Korallen nur in tropischen Flachwasserriffen?
Nein.
Korallen leben in deutlich mehr Lebensräumen, als der Begriff Korallenriff zunächst vermuten lässt.
Es gibt:
Tropische Flachwasserkorallen
Tiefseekorallen
Kaltwasserkorallen
Korallen an lichtarmen Standorten
Nicht alle davon bilden große tropische Riffe und nicht alle besitzen Zooxanthellen.
Die Vielfalt der Korallen ist deshalb wesentlich größer als das typische Bild eines tropischen Riffs.
Warum können Korallen überhaupt Riffe aufbauen?
Viele Steinkorallen bilden unter ihrem lebenden Gewebe ein Kalkskelett.
Neue Polypen entstehen und die Kolonie wächst weiter.
Das alte Kalkskelett bleibt bestehen.
Über viele Generationen können dadurch riesige Mengen Kalk entstehen.
Wie dieses Wachstum funktioniert, erklären wir Dir ausführlich unter Wie wachsen Korallen?.
Wie wächst aus einer kleinen Koralle ein Riff?
Eine einzelne Korallenkolonie bildet natürlich noch kein komplettes Riff.
Über sehr lange Zeit wachsen jedoch zahlreiche Kolonien:
Nebeneinander
Übereinander
Auf älteren Kalkskeletten
Zwischen kalkbildenden Algen und anderen Organismen
Abgestorbene Skelette bleiben teilweise als Riffstruktur erhalten und werden weiter überwachsen.
So können über viele Generationen massive Riffkörper entstehen.
Sind Riffe einzelne riesige Lebewesen?
Nein.
Ein Korallenriff ist ein komplexes Ökosystem aus sehr vielen unterschiedlichen Organismen.
Dazu gehören unter anderem:
Korallen
Schwämme
Algen
Bakterien
Fische
Krebse
Garnelen
Schnecken
Muscheln
Seeigel
Seesterne
Würmer
Mikroorganismen
Die Korallen bilden zwar wichtige dreidimensionale Strukturen, das Riff funktioniert aber durch das Zusammenspiel vieler Organismen.
Welche Korallen bauen heutige tropische Riffe?
Eine besonders wichtige Rolle spielen moderne Steinkorallen.
Dazu gehören beispielsweise viele Acropora und Montipora.
Ihre Kalkskelette können über lange Zeiträume einen erheblichen Beitrag zum Aufbau der Riffstruktur leisten.
Auch zahlreiche andere Steinkorallen beteiligen sich am Riffaufbau.
Sind alle Steinkorallen SPS-Korallen?
Die in der Aquaristik verwendete Einteilung in SPS-Korallen und LPS-Korallen ist eine praktische aquaristische Einteilung nach der ungefähren Polypengröße.
Sie ist keine grundlegende evolutionäre Trennung.
Sowohl viele SPS als auch viele LPS gehören zu den modernen Steinkorallen der Scleractinia.
Was bedeutet das für Euphyllia?
Auch Euphyllia gehört zu den modernen Steinkorallen.
Aquaristisch wird sie wegen ihrer großen fleischigen Polypen den LPS-Korallen zugerechnet.
Eine Acropora wird dagegen als SPS-Koralle bezeichnet.
Beide gehören trotzdem zum großen evolutionären Zweig der modernen Steinkorallen.
Sind Weichkorallen evolutionär jünger als Steinkorallen?
So einfach lässt sich die Entwicklung der unterschiedlichen Korallengruppen nicht in eine lineare Reihenfolge bringen.
Weichkorallen und Steinkorallen gehören zu verschiedenen Entwicklungslinien innerhalb der Blumentiere.
Dass eine Weichkoralle kein massives Kalkskelett bildet, bedeutet nicht, dass sie eine „primitivere“ oder grundsätzlich jüngere Koralle wäre.
Evolution ist kein Weg von einfachen zu besseren Korallen, sondern eine Verzweigung unterschiedlicher Entwicklungslinien.
Warum kennen wir die Geschichte von Weichkorallen schlechter?
Ein großes Problem ist die Fossilüberlieferung.
Ein massives Kalkskelett besitzt eine wesentlich größere Chance, über Millionen Jahre erhalten zu bleiben als weiches Gewebe.
Deshalb ist der Fossilbericht von stark verkalkten Korallen wesentlich umfangreicher.
Das bedeutet nicht, dass Organismen ohne massive Skelette erst später entstanden sein müssen.
Haben Korallen mehrere Massenaussterben überlebt?
Die Entwicklungslinien der Nesseltiere und später moderner Korallen haben zahlreiche große Umweltveränderungen überstanden.
Wichtig ist aber die Formulierung:
Nicht jede einzelne historische Korallengruppe hat jedes Massenaussterben überlebt.
Rugose und tabulate Korallen verschwanden beispielsweise vollständig am Ende des Perms.
Andere Entwicklungslinien entstanden beziehungsweise diversifizierten sich später.
Wenn wir sagen, Korallen hätten hunderte Millionen Jahre überlebt, sprechen wir deshalb über ihre lange Evolutionsgeschichte und nicht über unveränderte Arten.
Sind heutige Korallen noch dieselben wie vor 200 Millionen Jahren?
Nein.
Evolution läuft ständig weiter.
Arten entstehen, verändern sich und sterben aus.
Eine heutige Acropora ist nicht dieselbe Art, die vor hunderten Millionen Jahren gelebt hätte.
Die grundlegende Entwicklungslinie moderner Steinkorallen reicht weit zurück, ihre heutigen Arten sind aber Produkte einer sehr langen weiteren Evolution.
Warum verändern sich Korallenarten?
Populationen verändern sich über viele Generationen.
Einfluss nehmen unter anderem:
Umweltbedingungen
Meerestemperatur
Meeresspiegel
Chemie der Ozeane
Konkurrenz
Räuber
Krankheiten
Geografische Isolation
Genetische Veränderungen
Über geologische Zeiträume können daraus neue Arten und ganze neue Entwicklungslinien entstehen.
Wie alt können einzelne Korallen werden?
Die Evolutionsgeschichte einer Tiergruppe darf nicht mit dem Alter eines einzelnen Tieres verwechselt werden.
Eine Korallengruppe kann hunderte Millionen Jahre existieren, während ein einzelner Polyp wesentlich kürzer lebt.
Ganze Kolonien können dagegen sehr alt werden.
Einige Korallen beziehungsweise Korallenkolonien können viele Jahrzehnte, Jahrhunderte oder bei bestimmten Arten sogar Jahrtausende erreichen.
Mehr dazu findest Du unter Wie alt werden Korallen?.
Einzelner Polyp, Kolonie und genetische Linie
Bei Korallen ist die Frage nach dem Alter besonders spannend.
Ein einzelner Polyp ist nur ein Teil einer größeren Kolonie.
Die Kolonie kann durch neue Polypen weiterwachsen.
Wird ein Teil davon abgetrennt und wächst an anderer Stelle weiter, bleibt dieser Ableger genetisch eng mit der ursprünglichen Kolonie verbunden.
Dadurch kann eine genetische Linie sehr viel länger bestehen als ein einzelner Polyp.
Was bedeutet das für Korallenableger im Aquarium?
Wenn Du eine Koralle teilst, entsteht durch diese vegetative Vermehrung ein genetisch weitgehend identischer Ableger der Ausgangskolonie.
Dadurch können erfolgreiche Korallenlinien über viele Jahre von Aquarium zu Aquarium weitergegeben werden.
Ein kleiner Ableger kann deshalb Teil einer Korallenlinie sein, die bereits sehr lange in menschlicher Pflege existiert.
Warum sind Nachzuchten interessant?
Korallen, die über Generationen im Aquarium vermehrt wurden, können eine interessante Alternative zu Wildentnahmen sein.
Durch die Weitergabe von Ablegern lässt sich aus einer einzelnen Ausgangskolonie eine große Zahl neuer Tiere gewinnen.
Gleichzeitig bleibt selbstverständlich wichtig, auch Nachzuchten unter geeigneten Bedingungen zu halten.
Die Millionen Jahre lange Evolutionsgeschichte einer Koralle macht sie nicht unempfindlich gegenüber falscher Pflege.
Warum können uralte Tiergruppen im Aquarium empfindlich sein?
Das wirkt zunächst widersprüchlich.
Korallen haben enorme geologische Veränderungen überstanden, einzelne Korallen reagieren aber möglicherweise bereits auf eine starke Veränderung der Wasserwerte.
Der Unterschied liegt in den Zeiträumen.
Evolutionäre Anpassung erfolgt über Generationen.
Ein einzelnes Tier kann sich nicht innerhalb weniger Stunden evolutionär an eine starke Veränderung von Temperatur, Salinität oder Wasserchemie anpassen.
Deshalb sind stabile Wasserwerte auch bei einer extrem alten Tiergruppe wichtig.
Was können wir aus der Geschichte der Korallen für das Aquarium lernen?
Korallen sind hervorragend an bestimmte Lebensräume angepasst.
Im Aquarium solltest Du deshalb versuchen, geeignete Bedingungen möglichst konstant bereitzustellen.
Wichtige Grundlagen sind:
Stabile Wasserwerte
Passende Beleuchtung
Geeignete Strömung
Ausreichende Nährstoffversorgung
Genügend Platz
Langsame Eingewöhnung
Geduld
Korallen haben viel Zeit in ihrer Entwicklungsgeschichte gehabt – und auch Dein Riffaquarium entwickelt sich am besten nicht unter ständigem Aktionismus.
Warum sind Korallen heute besonders interessant für die Forschung?
Korallen sind nicht nur biologisch faszinierend.
Ihre Skelette können Informationen über vergangene Umweltbedingungen speichern.
Wissenschaftler untersuchen beispielsweise:
Wachstumsschichten
Chemische Zusammensetzung
Isotopenverhältnisse
Fossile Verbreitung
Riffstrukturen
Damit lassen sich Rückschlüsse auf frühere Meere und Umweltbedingungen ziehen.
Korallenriffe verändern sich ständig
Ein natürliches Korallenriff ist keine unveränderliche Struktur.
Korallen wachsen und sterben ab.
Neue Kolonien entstehen.
Stürme brechen Bereiche auseinander.
Fische und andere Organismen verändern die Struktur.
Kalkalgen stabilisieren Oberflächen.
Sedimente lagern sich ab.
Neue Korallen wachsen darüber.
Über lange Zeit entsteht dadurch ein ständig wachsendes und sich veränderndes Ökosystem.
Sind heutige Riffe Millionen Jahre alt?
Hier muss zwischen einem Riffstandort, einer geologischen Riffstruktur und den heute darauf lebenden Korallen unterschieden werden.
Eine einzelne lebende Koralle ist nicht Millionen Jahre alt.
Auch ein heutiger Riffabschnitt besteht aus vielen Generationen von Organismen.
Ein Riff kann aber auf einer geologischen Grundlage wachsen, die sich über sehr lange Zeit entwickelt hat.
Die Geschichte eines Riffs ist deshalb eine Geschichte vieler aufeinanderfolgender Generationen.
Warum sind Korallen keine lebenden Fossilien?
Der Begriff „lebendes Fossil“ würde den Eindruck vermitteln, heutige Korallen seien seit hunderten Millionen Jahren praktisch unverändert.
Das stimmt nicht.
Korallen haben sich kontinuierlich weiterentwickelt und ihre Artenzusammensetzung hat sich mehrfach grundlegend verändert.
Besser ist deshalb die Aussage:
Korallen besitzen eine sehr lange Evolutionsgeschichte.
Korallen damals und heute
Frühe Korallen:
Andere Korallengruppen als viele heutige Arten
Teilweise andere Skelettstrukturen
Andere Riffgemeinschaften
Andere Meereschemie
Moderne Steinkorallen:
Seit der Trias fossil belegt
Scleractinia
Heute wichtige tropische Riffbildner
Sehr unterschiedliche Wuchsformen und Lebensweisen
Dazu gehören heute sowohl aquaristisch bezeichnete SPS-Korallen als auch LPS-Korallen.
Eine kurze Zeitreise
Vor mehr als 500 Millionen Jahren: frühe Nesseltiere beziehungsweise mögliche Vorläufer sind im Fossilbericht vorhanden
Vor rund 450 Millionen Jahren: unterschiedliche fossile Korallengruppen sind weit verbreitet
Vor rund 252 Millionen Jahren: Massenaussterben am Ende des Perms; rugose und tabulate Korallen verschwinden
Vor ungefähr 240 bis 250 Millionen Jahren: moderne Steinkorallen der Scleractinia erscheinen im Fossilbericht
Später: moderne Korallen diversifizieren sich weiter und werden bedeutende Riffbildner
Heute: Steinkorallen, Weichkorallen und zahlreiche andere Nesseltiere besiedeln sehr unterschiedliche Lebensräume der Meere
Was sind Korallen eigentlich genau?
Korallen im Meerwasseraquarium – Arten, Haltung und Pflege
Wenn Du nach der langen Evolutionsgeschichte wissen möchtest, wie heutige Korallen aufgebaut sind und welche Gruppen wir im Meerwasseraquarium pflegen, findest Du hier den umfassenden Einstieg.
Die kleinsten Bausteine der Koralle
Was sind Polypen?
Der sichtbare Korallenstock besteht aus einem oder vielen lebenden Polypen. Hier erfährst Du, wie diese kleinen Tiere aufgebaut sind und welche Aufgaben sie übernehmen.
Wie entsteht aus Polypen eine große Kolonie?
Wie wachsen Korallen?
Steinkorallen können über lange Zeit massive, verzweigte oder plattenförmige Kalkskelette aufbauen. Unser Ratgeber erklärt Dir, wie aus kleinen Ablegern große Kolonien entstehen.
Wie funktioniert die Symbiose vieler moderner Korallen?
Was sind Zooxanthellen?
Viele heutige tropische Korallen leben mit photosynthetischen Mikroalgen in enger Symbiose. Diese Partnerschaft gehört zu den wichtigsten biologischen Grundlagen moderner Flachwasserriffe.
Wie alt kann eine einzelne Koralle werden?
Wie alt werden Korallen?
450 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte bedeuten natürlich nicht, dass eine einzelne Koralle so alt wird. Trotzdem können manche Kolonien erstaunliche Lebensspannen erreichen.
Fazit
Korallen besitzen eine beeindruckende Evolutionsgeschichte.
Gut belegte fossile Korallengruppen waren bereits vor ungefähr 450 Millionen Jahren verbreitet und existierten damit lange vor den Dinosauriern.
Die damaligen Korallen waren allerdings nicht einfach dieselben Tiere, die heute unsere tropischen Riffe aufbauen.
Rugose und tabulate Korallen prägten große Teile des Erdaltertums und verschwanden beim Massenaussterben am Ende des Perms vor etwa 252 Millionen Jahren.
Die modernen Steinkorallen der Scleractinia erschienen anschließend in der Trias und entwickelten sich zu einer der wichtigsten riffbildenden Tiergruppen unserer heutigen Meere.
Heute gehören dazu sehr unterschiedliche Korallen wie Acropora, Montipora oder Euphyllia.
Viele moderne tropische Korallen leben außerdem in enger Symbiose mit Zooxanthellen, die über Photosynthese einen wichtigen Teil ihrer Energieversorgung ermöglichen.
Korallen sind deshalb keine unveränderten „lebenden Fossilien“, sondern das Ergebnis einer sehr langen und bis heute andauernden Evolution.
Wenn Du eine Koralle in Deinem Aquarium pflegst, siehst Du ein modernes Tier – aber eines mit einer Entwicklungsgeschichte, die hunderte Millionen Jahre zurückreicht.
Unser Tipp
Schau Dir Deine Korallen einmal mit diesem Wissen an: Jeder einzelne Polyp gehört zu einer Tiergruppe mit einer außergewöhnlich langen Evolutionsgeschichte.
Trotzdem solltest Du daraus nicht schließen, dass Korallen unverwüstlich sind.
Evolution funktioniert über enorme Zeiträume und viele Generationen. Eine einzelne Koralle in Deinem Aquarium benötigt dagegen heute passende Bedingungen.
Mit stabilen Wasserwerten, ausreichend Platz und möglichst ruhigen Veränderungen gibst Du ihr die besten Voraussetzungen, diese faszinierende Geschichte in Deinem Riff weiterzuführen.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Altersangaben zur Evolution früher Korallengruppen können sich durch neue Fossilfunde und wissenschaftliche Erkenntnisse verändern.
