Dosierpumpe oder manuelle Dosierung?

Mit zunehmendem Korallenwachstum steigt in vielen Meerwasseraquarien der Verbrauch von Karbonathärte (KH), Calcium und weiteren Stoffen. Irgendwann reicht der regelmäßige Wasserwechsel nicht mehr aus, um diesen Verbrauch vollständig auszugleichen. Dann stellt sich die Frage: Weiter von Hand dosieren oder eine Dosierpumpe einsetzen?

Beides kann richtig sein. Ein Aquarium mit geringem und langsamem Verbrauch benötigt nicht automatisch eine Dosierpumpe. Bei einem stark wachsenden Riff mit LPS- und SPS-Korallen kann eine automatische Dosierung dagegen für deutlich gleichmäßigere Verhältnisse sorgen und Dir täglich Arbeit abnehmen.

Entscheidend ist deshalb nicht allein die Größe Deines Aquariums, sondern vor allem der tatsächliche Verbrauch.

Was musst Du überhaupt dosieren?
Welche Stoffe regelmäßig ergänzt werden müssen, hängt von Deinem Korallenbesatz und dem verwendeten Versorgungssystem ab. Besonders wichtig sind bei kalkbildenden Korallen:
Karbonathärte (KH)
Calcium
Magnesium

Je nach Versorgungssystem können zusätzlich weitere Lösungen oder Spurenelemente dosiert werden.

Wichtig ist dabei ein einfacher Grundsatz: Dosiert wird nicht, weil eine Flasche vorhanden ist, sondern weil Dein Aquarium einen nachvollziehbaren Verbrauch hat.

Erst den Verbrauch bestimmen
Bevor Du über eine Dosierpumpe nachdenkst, solltest Du wissen, was Dein Aquarium tatsächlich verbraucht.

Besonders die KH eignet sich gut, um Veränderungen über mehrere Tage zu beobachten. Miss möglichst unter vergleichbaren Bedingungen und zu ähnlichen Tageszeiten. Wird beispielsweise regelmäßig KH verbraucht, kannst Du daraus die notwendige tägliche Ergänzung ableiten.

Wichtig: Eine einzelne Messung reicht dafür nicht aus. Beobachte einen Trend über mehrere Messungen.

Was ist die Karbonathärte (KH)?
In unserem KH-Ratgeber erklären wir Dir ausführlich, warum die Karbonathärte besonders bei wachsenden Steinkorallen regelmäßig kontrolliert werden sollte.

Wann reicht die manuelle Dosierung?
Die Dosierung von Hand kann vollkommen ausreichend sein, wenn Dein Aquarium nur wenig verbraucht und Du die benötigte Menge problemlos regelmäßig zugeben kannst.

Manuelle Dosierung ist besonders interessant, wenn:
Das Aquarium noch jung ist
Der Korallenbestand noch klein ist
Der tägliche Verbrauch gering ist
Überwiegend Weichkorallen gepflegt werden
Nur gelegentlich korrigiert werden muss
Du regelmäßig messen und dosieren kannst

Gerade am Anfang würde ich nicht automatisch eine Dosierpumpe installieren, nur weil diese Technik grundsätzlich erhältlich ist.

Wenn Dein Aquarium beispielsweise nur eine geringe Menge KH verbraucht und Du diese problemlos ausgleichen kannst, bringt eine automatische Dosierung möglicherweise noch keinen großen Vorteil.

Vorteile der manuellen Dosierung
Die Handdosierung ist unkompliziert und benötigt kaum zusätzliche Technik.

Die wichtigsten Vorteile:
Geringe Anschaffungskosten
Keine zusätzliche Technik
Direkte Kontrolle über jede Zugabe
Einfach bei geringem Verbrauch
Keine Kalibrierung einer Pumpe notwendig

Gerade bei einem kleinen oder wenig besetzten Aquarium kann das völlig ausreichend sein.

Nachteile der manuellen Dosierung
Mit zunehmendem Verbrauch wird die Handdosierung allerdings aufwendiger.

Typische Nachteile:
Tägliche Dosierung kann vergessen werden
Größere Einzelmengen können stärkere Schwankungen verursachen
Mehrere Lösungen müssen regelmäßig dosiert werden
Urlaub und Abwesenheit werden schwieriger
Steigender Verbrauch muss laufend berücksichtigt werden

Spätestens wenn Du jeden Tag mehrere Lösungen zu bestimmten Zeiten dosierst, wird eine Dosierpumpe interessant.

Wann lohnt sich eine Dosierpumpe?
Eine Dosierpumpe wird vor allem dann sinnvoll, wenn Dein Aquarium einen regelmäßigen und gut messbaren Verbrauch entwickelt hat.

Typische Situationen sind:
Viele wachsende LPS-Korallen
Viele SPS-Korallen
Deutlich messbarer täglicher KH-Verbrauch
Mehrere regelmäßig benötigte Versorgungslösungen
Größere tägliche Dosiermengen
Wunsch nach mehreren kleinen Dosierungen
Regelmäßige Abwesenheit
Manuelle Dosierung wird im Alltag lästig

Besonders in einem stark wachsenden SPS-Riff kann der Verbrauch erheblich steigen. Dann geht es nicht nur um Bequemlichkeit, sondern auch darum, die benötigte Tagesmenge möglichst gleichmäßig bereitzustellen.

SPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Hier erfährst Du mehr darüber, warum stabile KH-, Calcium- und Magnesiumwerte bei einem stark wachsenden SPS-Bestand besonders wichtig werden.

Warum mehrere kleine Dosierungen sinnvoll sein können
Angenommen, Dein Aquarium benötigt täglich eine bestimmte Menge KH-Lösung. Du könntest diese komplette Tagesmenge einmal von Hand dosieren.

Eine Dosierpumpe kann dieselbe Tagesmenge dagegen auf mehrere kleinere Portionen verteilen.

Dadurch entstehen weniger große Konzentrationsspitzen unmittelbar nach einer einzelnen Dosierung und die Versorgung kann gleichmäßiger erfolgen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass möglichst viele winzige Dosierungen automatisch immer besser sind. Entscheidend ist, dass die Gesamtmenge zum tatsächlichen Verbrauch passt und die einzelnen Lösungen entsprechend den Vorgaben des verwendeten Versorgungssystems dosiert werden.

Eine Dosierpumpe macht falsche Dosierungen nicht richtig
Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt.

Eine Dosierpumpe weiß nicht, wie viel Dein Aquarium benötigt. Sie führt lediglich das aus, was Du eingestellt hast.

Hast Du den Verbrauch falsch berechnet und programmierst eine zu hohe Tagesmenge, dosiert die Pumpe diese falsche Menge sehr zuverlässig jeden Tag weiter.

Automatisierung ersetzt deshalb niemals die Kontrolle der Wasserwerte.

Dosierpumpe regelmäßig kalibrieren
Dosierpumpen sollten regelmäßig kontrolliert und entsprechend den Herstellerangaben kalibriert werden.

Wenn eine Pumpe laut Einstellung 10 ml dosieren soll, tatsächlich aber beispielsweise mehr oder weniger fördert, kann sich die Abweichung über viele Tage summieren.

Besonders bei kleinen täglichen Dosiermengen können solche Unterschiede relevant werden.

Kontrolliere deshalb:
Tatsächlich geförderte Menge
Kalibrierung der einzelnen Pumpenköpfe
Schläuche und Verbindungen
Füllstand der Vorratsbehälter
Dosierstellen
Programmierte Tagesmengen

Eine automatische Versorgung funktioniert nur zuverlässig, wenn auch die Technik regelmäßig überprüft wird.

Schläuche und Dosierbehälter kontrollieren
Eine Dosierpumpe besteht nicht nur aus der eigentlichen Pumpe. Auch Schläuche, Verbindungen und Vorratsbehälter gehören zum System.

Prüfe regelmäßig, ob:
Schläuche geknickt sind
Verbindungen undicht werden
Luft in den Leitungen vorhanden ist
Dosierschläuche zugesetzt sind
Genügend Flüssigkeit im Behälter vorhanden ist

Ein leerer Vorratsbehälter lässt sich durch die beste Programmierung nicht ausgleichen.

Dosierlösungen nicht alle an derselben Stelle gleichzeitig zugeben
Je nach verwendetem Versorgungssystem sollten verschiedene Lösungen nicht gleichzeitig unmittelbar an derselben Stelle ins Aquarium gegeben werden.

Bei hoch konzentrierten Calcium- und Carbonatlösungen können lokal sehr hohe Konzentrationen entstehen und unerwünschte Ausfällungen begünstigen.

Halte Dich deshalb an die Vorgaben des jeweiligen Versorgungssystems und plane gegebenenfalls zeitlichen Abstand zwischen den Dosierungen ein.

Die Zugabe sollte außerdem an einer Stelle mit ausreichender Wasserbewegung erfolgen, damit sich die Lösung schnell verteilen kann.

Wie viele Dosierkanäle brauchst Du?
Das hängt vollständig von Deinem Versorgungssystem ab.

Wenn Du mehrere getrennte Lösungen regelmäßig dosierst, benötigst Du entsprechend mehrere Kanäle. Plane dabei nicht nur für den heutigen Bedarf.

Wenn Du bereits weißt, dass später weitere regelmäßig dosierte Lösungen hinzukommen sollen, kann eine Dosierpumpe mit zusätzlichen Kanälen sinnvoller sein als ein Modell, das bereits beim Kauf vollständig ausgelastet ist.

Mehr Kanäle sind aber kein Selbstzweck. Kaufe nicht acht Dosierkanäle, wenn Du dauerhaft nur zwei benötigst.

App und WLAN – sinnvoll oder Spielerei?
Eine App-Steuerung kann praktisch sein, ist aber nicht das wichtigste Kaufkriterium.

Interessanter sind Funktionen wie:
Präzise Kalibrierung
Flexible Dosierzeiten
Mehrere Dosierungen pro Tag
Zuverlässige Speicherung der Einstellungen
Einfache Anpassung der Tagesmenge
Ausreichend Dosierkanäle
Gut verfügbare Ersatzteile und Schläuche

WLAN macht aus einer ungenauen Dosierpumpe keine gute Dosierpumpe. Die zuverlässige und reproduzierbare Förderung sollte immer wichtiger sein als zusätzliche Komfortfunktionen.

Dosierpumpe bei LPS-Korallen
Auch ein stark wachsender LPS-Bestand kann erhebliche Mengen an KH und Calcium verbrauchen.

Bei wenigen LPS-Korallen kann die manuelle Versorgung noch problemlos funktionieren. Entwickeln sich beispielsweise größere Kolonien und steigt der tägliche Verbrauch, wird eine automatische Versorgung zunehmend interessant.

LPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Hier erfährst Du mehr über die Anforderungen von LPS-Korallen an Wasserwerte, Beleuchtung, Strömung und Versorgung.

Dosierpumpe bei SPS-Korallen
Bei einem SPS-dominierten Aquarium würde ich früher über eine Dosierpumpe nachdenken.

Wachsende SPS-Korallen bauen kontinuierlich Kalkskelett auf. Mit zunehmender Korallenmasse kann entsprechend auch der Verbrauch steigen.

Besonders wichtig ist dabei die KH. Starke Schwankungen solltest Du möglichst vermeiden. Eine korrekt eingestellte Dosierpumpe kann die benötigte Tagesmenge auf mehrere kleinere Dosierungen verteilen und damit eine gleichmäßigere Versorgung ermöglichen.

Trotzdem gilt auch hier: messen, Verbrauch bestimmen, dosieren und anschließend kontrollieren.

Braucht ein Weichkorallen-Aquarium eine Dosierpumpe?
Nicht unbedingt.

Weichkorallen bilden kein massives Kalkskelett und der Verbrauch von KH und Calcium ist in einem reinen Weichkorallen-Aquarium häufig geringer als in einem stark mit LPS- oder SPS-Korallen besetzten Riff.

Je nach Aquarium können regelmäßige Wasserwechsel und eine gelegentliche Korrektur deshalb lange ausreichen.

Weichkorallen – Haltung, Arten und Pflege
Hier erfährst Du mehr über Wasserwerte und Versorgung in einem Weichkorallen-Aquarium.

Magnesium muss nicht automatisch täglich dosiert werden
KH, Calcium und Magnesium gehören chemisch zusammen, trotzdem bedeutet das nicht, dass alle drei Werte in jedem Aquarium täglich in derselben Weise ergänzt werden müssen.

Magnesium verändert sich häufig deutlich langsamer als die KH. Deshalb solltest Du auch hier nach dem tatsächlichen Bedarf dosieren.

Magnesium im Meerwasser erklärt
Hier erklären wir Dir, welche Rolle Magnesium im Zusammenspiel mit Calcium und der Karbonatchemie übernimmt.

Was passiert, wenn die Korallen wachsen?
Eine einmal eingestellte Dosiermenge bleibt nicht für immer richtig.

Wenn Deine Korallen wachsen, Ableger zu größeren Kolonien werden oder neue Steinkorallen hinzukommen, kann der Verbrauch steigen.

Deshalb solltest Du auch bei einer automatischen Dosierung regelmäßig kontrollieren:
KH
Calcium
Magnesium
Salinität

Die Dosiermenge wird anschließend an den tatsächlich veränderten Verbrauch angepasst.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Unser großer Wasserwerte-Ratgeber erklärt Dir die wichtigsten Werte und ihre Zusammenhänge.

Manuell oder Dosierpumpe – eine einfache Entscheidungshilfe
Manuelle Dosierung passt eher zu Dir, wenn:
Dein Verbrauch gering ist
Du nur selten korrigieren musst
Du wenige kalkbildende Korallen pflegst
Du regelmäßig selbst dosieren kannst
Du zunächst möglichst wenig zusätzliche Technik möchtest

Eine Dosierpumpe passt eher zu Dir, wenn:
Du täglich dosieren musst
Der Verbrauch deutlich messbar ist
Du mehrere Lösungen regelmäßig verwendest
Du viele LPS- oder SPS-Korallen pflegst
Du die Tagesmenge auf mehrere Dosierungen verteilen möchtest
Du regelmäßig nicht zu Hause bist
Die Handdosierung zunehmend lästig wird

Die Grenze liegt also nicht bei 100, 300 oder 500 Litern. Ein kleines SPS-Aquarium kann eine Dosierpumpe früher sinnvoll machen als ein deutlich größeres Aquarium mit wenigen Weichkorallen.

Typische Fehler bei der automatischen Dosierung
Diese Fehler solltest Du vermeiden:
Dosieren ohne vorher den Verbrauch zu bestimmen
Dosiermenge nach Gefühl einstellen
Nach einer einzelnen Messung große Änderungen vornehmen
Dosierpumpe nicht kalibrieren
Schläuche und Dosierstellen nicht kontrollieren
Mehrere ungeeignete Lösungen gleichzeitig an derselben Stelle dosieren
Leere Vorratsbehälter nicht rechtzeitig bemerken
Dosiermenge trotz zunehmendem Korallenwachstum unverändert lassen
Wasserwerte wegen der Automatisierung seltener kontrollieren

Eine Dosierpumpe nimmt Dir die regelmäßige Zugabe ab. Die Verantwortung für die richtige Dosiermenge nimmt sie Dir nicht ab.

Was würde ich wählen?
Bei einem jungen Aquarium mit wenigen Korallen und geringem Verbrauch würde ich zunächst manuell dosieren. Du lernst dabei gleichzeitig, wie sich KH, Calcium und Magnesium in Deinem Aquarium entwickeln.

Sobald Du einen regelmäßigen täglichen Verbrauch erkennst, häufig dosieren musst oder Dein Bestand an LPS- und SPS-Korallen deutlich wächst, wird eine Dosierpumpe interessant.

Der richtige Zeitpunkt ist für mich erreicht, wenn die Automatisierung ein tatsächlich vorhandenes Problem löst – und nicht einfach deshalb, weil noch Platz für ein weiteres technisches Gerät vorhanden ist.

Unser Tipp
Bevor Du eine Dosierpumpe kaufst, miss zuerst den tatsächlichen Verbrauch Deines Aquariums. Dann weißt Du nicht nur, ob Du überhaupt automatisch dosieren musst, sondern kannst die Pumpe später auch sinnvoll einstellen.

Beginne anschließend vorsichtig und kontrolliere besonders die KH in der ersten Zeit häufiger. Stimmen Soll- und Ist-Verbrauch überein, kannst Du die Dosierung schrittweise optimieren.

So wird die Dosierpumpe zu dem, was sie sein sollte: eine zuverlässige Unterstützung für stabile Wasserwerte – und kein Ersatz für regelmäßiges Messen.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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