Welche Korallen vertragen starke Strömung?
Strömung gehört neben Beleuchtung und stabilen Wasserwerten zu den wichtigsten Faktoren bei der Korallenhaltung. Sie transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zur Koralle, führt Stoffwechselprodukte ab und verhindert, dass sich Ablagerungen auf dem Gewebe oder zwischen dicht stehenden Ästen sammeln.
Aber starke Strömung bedeutet nicht, eine Strömungs-Pumpe direkt auf eine Koralle zu richten. Selbst Korallen aus sehr strömungsreichen Riffbereichen profitieren meistens von einer kräftigen, wechselnden und möglichst breit verteilten Wasserbewegung. Ein harter, dauerhafter Punktstrahl kann dagegen auch strömungsliebende Korallen schädigen.
Wenn Du in Deinem Aquarium besonders stark durchströmte Bereiche hast, sind vor allem viele SPS-Korallen interessante Kandidaten.
Was bedeutet starke Strömung überhaupt?
Die Leistung einer Strömungs-Pumpe allein sagt wenig darüber aus, welche Strömung tatsächlich an einer Koralle ankommt.
Entscheidend sind:
Position der Pumpe
Entfernung zur Koralle
Breite des Wasserstroms
Riffaufbau
Gegenströmungen
Wechselnde Pumpenleistung
Größe und Wuchsform der Koralle
Eine Koralle kann deshalb in einem Aquarium mit sehr leistungsfähigen Pumpen relativ ruhig stehen, während eine andere Koralle direkt vor einer kleineren Pumpe viel zu stark angeströmt wird.
Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Hier erfährst Du, wie Du eine kräftige und trotzdem korallengerechte Wasserbewegung im Riff erzeugst.
SPS-Korallen für starke Strömung
Viele SPS-Korallen gehören zu den besten Kandidaten für stark durchströmte Bereiche. Ihre kleinen Polypen und häufig verzweigten, kompakten oder plattenförmigen Wuchsformen unterscheiden sie deutlich von großpolypigen, fleischigen LPS-Korallen.
Für kräftige, wechselnde Strömung sind besonders interessant:
Acropora
Montipora
Seriatopora
Stylophora
Pocillopora
Porites
Psammocora
Alle genannten Korallen findest Du – sofern aktuell verfügbar – direkt über unsere SPS-Korallen im Shop.
SPS-Korallen – Haltung, Arten, Wasserwerte und Pflege
Unser großer SPS-Ratgeber erklärt Dir ausführlich, welche Ansprüche SPS-Korallen an Strömung, Beleuchtung, Wasserwerte und Versorgung stellen.
Acropora – besonders interessant für stark durchströmte Bereiche
Acropora gehört zu den klassischen Korallen für stark durchströmte Bereiche eines Riffaquariums.
Besonders verzweigte Acropora-Kolonien profitieren von einer kräftigen Wasserbewegung, die möglichst viele Bereiche der Koralle erreicht. Mit zunehmendem Wachstum wird das immer wichtiger.
Eine kleine Acropora lässt sich noch relativ einfach umströmen. Entwickelt sich daraus eine große und dicht verzweigte Kolonie, müssen auch die inneren Bereiche weiterhin ausreichend mit Wasser versorgt werden.
Eine wechselnde Strömung aus unterschiedlichen Richtungen ist deshalb wesentlich sinnvoller als ein dauerhafter harter Pumpenstrahl von einer Seite.
Montipora – kräftige Strömung mit Blick auf die Wuchsform
Montipora gehört ebenfalls zu den SPS-Korallen, die mit einer kräftigen Wasserbewegung sehr gut zurechtkommen können.
Dabei solltest Du allerdings die jeweilige Wuchsform berücksichtigen.
Verzweigte Montipora benötigen eine gute Umströmung zwischen ihren Ästen. Plattenförmig wachsende Montipora sollten dagegen so platziert werden, dass sich auf ihren horizontalen Flächen möglichst wenig Mulm und andere Ablagerungen sammeln.
Gerade bei großen Platten kann eine abwechslungsreiche Strömung deshalb sehr hilfreich sein.
Seriatopora – feine Äste gut durchströmen
Seriatopora entwickelt je nach Art und Wachstumsbedingungen sehr feine und dicht stehende Äste.
Mit zunehmender Größe der Kolonie wird eine gute Wasserbewegung zwischen diesen Ästen besonders wichtig.
Auch hier würde ich kräftig, aber nicht punktuell beströmen. Eine abwechslungsreiche Wasserbewegung soll möglichst die gesamte Kolonie erreichen.
Stylophora – robust und strömungsliebend
Stylophora ist eine weitere interessante SPS-Koralle für gut durchströmte Bereiche.
Stylophora wächst häufig kompakter als sehr fein verzweigte Seriatopora. Auch bei einer größeren Kolonie sollte Wasser jedoch möglichst alle Bereiche erreichen können.
Gerade deshalb sind wechselnde Strömungsrichtungen sinnvoll.
Pocillopora
Auch Pocillopora kommt in vielen Riffaquarien mit einer kräftigen Strömung sehr gut zurecht.
Durch die verzweigte Wuchsform kann sich bei größeren Kolonien zwischen den Ästen Material sammeln, wenn die Wasserbewegung nicht ausreichend ist.
Eine gute Umströmung hilft dabei, Ablagerungen zu reduzieren und die gesamte Kolonie mit Wasser zu versorgen.
Porites und Psammocora
Auch Porites und Psammocora können interessante Kandidaten für stärker durchströmte Riffbereiche sein.
Wie bei allen Korallen solltest Du aber nicht allein nach dem Gattungsnamen entscheiden. Wuchsform, bisheriger Standort und die tatsächliche Strömung im Aquarium spielen ebenfalls eine Rolle.
Starke Strömung heißt nicht maximale Pumpenleistung
Ein häufiger Fehler besteht darin, „starke Strömung“ mit maximaler Pumpenleistung gleichzusetzen.
Das Ziel sollte nicht sein, dass eine Koralle permanent mit voller Kraft angeblasen wird.
Besser ist eine kräftige, wechselnde Wasserbewegung, bei der sich unterschiedliche Strömungsrichtungen ergeben.
Gerade bei größeren SPS-Kolonien verhindert das, dass nur eine Seite der Koralle intensiv durchströmt wird.
Warum SPS von kräftiger Strömung profitieren
Eine gute Wasserbewegung erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig.
Sie transportiert Sauerstoff und gelöste Stoffe zur Koralle, unterstützt den Stoffaustausch und hilft dabei, Schleim sowie Ablagerungen von der Korallenoberfläche abzutransportieren.
Bei dicht verzweigten SPS-Kolonien ist das besonders wichtig, weil auch die inneren Bereiche der Kolonie ausreichend umströmt werden müssen.
Deshalb steigt mit dem Wachstum einer SPS-Kolonie häufig auch die Bedeutung einer gut geplanten Strömung.
Auch Licht und Strömung gemeinsam betrachten
Viele SPS-Korallen bevorzugen nicht nur eine kräftige Strömung, sondern gleichzeitig eine vergleichsweise hohe Lichtintensität.
Deshalb findest Du Acropora, Montipora, Stylophora, Seriatopora oder Pocillopora häufig im oberen beziehungsweise mittleren Riffbereich.
Das bedeutet aber nicht, dass jede SPS automatisch ganz oben stehen muss.
Licht und Strömung müssen gemeinsam zum tatsächlichen Bedarf der jeweiligen Koralle passen.
Welche Korallen für viel Licht?
Hier erfährst Du, welche Korallen für besonders helle Bereiche interessant sind und warum viel Licht ebenfalls nicht automatisch besser ist.
Welche LPS-Korallen vertragen stärkere Strömung?
Bei LPS-Korallen wäre ich mit dem Begriff „starke Strömung“ deutlich vorsichtiger.
Viele LPS besitzen großes und fleischiges Gewebe. Wird dieses dauerhaft von einer starken Strömung gegen scharfe Bereiche des eigenen Kalkskeletts gedrückt, kann es gereizt oder sogar verletzt werden.
Einige LPS beziehungsweise massiv wachsende Steinkorallen können durchaus eine gute Wasserbewegung vertragen. Trotzdem würde ich sie nicht mit Acropora oder anderen typischen SPS gleichsetzen.
Für die meisten LPS-Korallen ist eine moderate, indirekte und abwechslungsreiche Strömung die bessere Ausgangsbasis.
Euphyllia ist keine Koralle für harte Strömung
Eine Euphyllia kann sich in einer guten Wasserbewegung wunderschön bewegen. Das bedeutet aber nicht, dass sie starke direkte Strömung benötigt.
Wird das große fleischige Gewebe permanent hart zur Seite gedrückt, ist die Strömung zu stark oder ungünstig ausgerichtet.
Dasselbe gilt für viele andere großpolypige LPS-Korallen.
Trachyphyllia, Acanthophyllia und Scolymia eher ruhiger platzieren
Besonders fleischige LPS-Korallen würde ich nicht für die stärksten Strömungsbereiche auswählen.
Dazu gehören beispielsweise Trachyphyllia, Acanthophyllia, Scolymia und ähnliche großpolypige Korallen.
Bei ihnen sollte sich das Gewebe sanft bewegen können, ohne dauerhaft stark gedrückt oder gegen das Skelett bewegt zu werden.
Wenn Du einen besonders stark durchströmten Standort besetzen möchtest, sind typische SPS-Korallen meistens die bessere Wahl.
Weichkorallen können gute Strömung vertragen
Auch einige Weichkorallen kommen mit einer guten bis kräftigen Wasserbewegung zurecht.
Besonders ledrige Weichkorallen können davon profitieren, wenn Schleim und Ablagerungen zuverlässig von ihrer Oberfläche abtransportiert werden.
Trotzdem gilt auch hier: kräftige Wasserbewegung ja – harter permanenter Punktstrahl nein.
Woran erkennst Du zu starke Strömung?
Auch eine eigentlich strömungsliebende Koralle kann zu stark angeströmt werden.
Mögliche Hinweise sind:
Dauerhaft ungewöhnlich eingezogene Polypen
Einseitiges Polypenbild
Starke Schleimbildung
Gewebeschäden
Korallengewebe wird dauerhaft in eine Richtung gedrückt
Eine LPS kann sich nicht richtig expandieren
Beurteile dabei nicht nur eine kurze Reaktion. Nach einer Veränderung der Pumpeneinstellung können Korallen zunächst reagieren und sich anschließend anpassen.
Bleiben deutliche Stressanzeichen bestehen, solltest Du die Strömung verändern oder die Koralle umsetzen.
Korallen niemals direkt vor die Pumpe setzen?
„Niemals“ wäre zu pauschal – entscheidend ist die Art der Strömung.
Moderne Strömungs-Pumpen können sehr unterschiedliche Strömungsbilder erzeugen. Ein breiter Wasserstrom unterscheidet sich erheblich von einem konzentrierten Strahl.
Trotzdem würde ich eine Koralle nicht so positionieren, dass sie dauerhaft unmittelbar von einem harten Punktstrahl getroffen wird.
Das gilt auch für Acropora.
Mit zwei oder mehreren Strömungsrichtungen arbeiten
Bei größeren Aquarien kann es sinnvoll sein, die Wasserbewegung aus unterschiedlichen Richtungen aufzubauen.
Dadurch entstehen wechselnde Strömungsmuster und Bereiche hinter Korallen beziehungsweise Riffaufbauten werden besser erreicht.
Gerade wenn SPS-Kolonien größer werden, verändert sich das Strömungsbild im Aquarium erheblich.
Eine Pumpeneinstellung, die bei kleinen Ablegern perfekt funktioniert hat, kann einige Monate später nicht mehr ausreichen.
Wachsende Korallen verändern die Strömung
Dieser Punkt wird häufig unterschätzt.
Eine kleine Acropora beeinflusst die Wasserbewegung kaum. Eine große verzweigte Kolonie kann dagegen einen erheblichen Teil der Strömung abschirmen.
Auch große Montipora-Platten können Bereiche darunter zunehmend abschatten und gleichzeitig die Wasserbewegung verändern.
Kontrolliere deshalb nicht nur die Korallen, sondern auch das Strömungsbild regelmäßig neu.
Korallen richtig platzieren
Hier erfährst Du, wie Du Licht, Strömung, Wachstum und Abstand zu anderen Korallen bereits bei der Platzierung berücksichtigst.
Totzonen vermeiden
Starke Pumpen garantieren noch lange keine gute Strömung.
Hinter Riffaufbauten, unter großen Montipora-Platten oder zwischen dicht gewachsenen Korallen können Bereiche entstehen, in denen sich Mulm sammelt.
Wenn Du beim Wasserwechsel regelmäßig an denselben Stellen Ablagerungen absaugen musst, lohnt sich ein genauer Blick auf die Strömung.
Manchmal bringt eine kleine Veränderung des Pumpenwinkels mehr als eine deutlich höhere Pumpenleistung.
Welche Korallen würde ich für einen stark durchströmten Standort wählen?
Wenn der Bereich kräftig, wechselnd und nicht punktuell durchströmt wird, würde ich zuerst bei SPS-Korallen suchen.
Besonders interessant sind:
Acropora
Montipora
Seriatopora
Stylophora
Pocillopora
Porites
Psammocora
Dabei würde ich die endgültige Auswahl zusätzlich von Beleuchtung, Wasserwerten, Erfahrung und dem vorhandenen Platz abhängig machen.
Typische Fehler bei starker Strömung
Strömungs-Pumpe direkt auf die Koralle richten
Maximale Pumpenleistung mit guter Strömung gleichsetzen
Nur eine Strömungsrichtung verwenden
Alle SPS-Korallen gleich behandeln
Fleischige LPS zu stark anströmen
Wachstum der Korallen nicht berücksichtigen
Totzonen hinter großen Kolonien übersehen
Nur auf die angegebene Pumpenleistung achten
Strömung verändern, ohne die Korallen anschließend zu beobachten
Unser Tipp
Wenn Du einen besonders stark durchströmten Bereich Deines Riffs mit Korallen besetzen möchtest, sind viele SPS-Korallen die erste Wahl.
Besonders Acropora, Montipora, Seriatopora, Stylophora und Pocillopora kommen für solche Standorte infrage.
Entscheidend ist aber nicht maximale Pumpenleistung. Eine kräftige, breit verteilte und wechselnde Wasserbewegung ist wesentlich sinnvoller als ein harter dauerhafter Wasserstrahl.
Beobachte außerdem das Wachstum Deiner Korallen. Aus kleinen Ablegern können große Kolonien werden, die das Strömungsbild erheblich verändern. Eine gute Strömung wird deshalb nicht einmal eingestellt und anschließend vergessen – sie wächst mit Deinem Riff mit.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
