Was macht ein Abschäumer?
Der Abschäumer gehört in vielen Meerwasseraquarien zu den wichtigsten technischen Komponenten. Seine Hauptaufgabe besteht darin, bestimmte organische Stoffe aus dem Wasser zu entfernen, bevor diese im Aquarium weiter abgebaut werden. Gleichzeitig sorgt die große eingebrachte Luftmenge für einen intensiven Gasaustausch.
Damit kann ein gut eingestellter Abschäumer gleich mehrere wichtige Aufgaben übernehmen: Er unterstützt den Nährstoffexport, verbessert den Gasaustausch und trägt dazu bei, stabile Bedingungen für Fische, Korallen und andere Bewohner zu schaffen.
Was ist ein Abschäumer?
Ein Abschäumer – auch Protein-Skimmer genannt – ist ein Filtergerät, das Wasser und sehr feine Luftblasen intensiv miteinander vermischt.
Bestimmte gelöste und fein verteilte organische Verbindungen besitzen Eigenschaften, durch die sie sich an der Grenzfläche zwischen Wasser und Luft anreichern können. Genau dieses Prinzip nutzt der Abschäumer.
Die Stoffe lagern sich an den Oberflächen der Luftblasen an. Millionen kleiner Blasen steigen im Reaktionsraum nach oben und bilden einen zunehmend stabilen Schaum. Dieser gelangt schließlich über das Schaumrohr in den Sammelbecher und wird damit aus dem Wasserkreislauf entfernt.
Wie funktioniert ein Abschäumer?
Eine Pumpe zieht Wasser und Luft in den Abschäumer. Je nach Bauart zerkleinert beispielsweise ein Nadelrad die angesaugte Luft in sehr kleine Blasen.
Je kleiner die Blasen sind, desto größer ist bei gleicher Luftmenge ihre gesamte Oberfläche. Dadurch steht eine große Kontaktfläche zwischen Luft und Wasser zur Verfügung.
Im Reaktionsraum treffen Wasser, Luftblasen und organische Verbindungen aufeinander. Der entstehende Schaum steigt nach oben und sammelt sich im Abschäumertopf.
Das dunkelbraune und häufig stark riechende Abschäumprodukt zeigt ziemlich eindrucksvoll, welche Stoffe nicht mehr im Aquarium verbleiben.
Welche Stoffe kann ein Abschäumer entfernen?
Ein Abschäumer kann einen Teil gelöster und fein verteilter organischer Verbindungen aus dem Wasser entfernen. Dazu gehören beispielsweise verschiedene Proteine, Aminosäuren, Lipide und andere oberflächenaktive organische Stoffe.
Wichtig ist die Formulierung „einen Teil“. Ein Abschäumer entfernt nicht sämtliche organischen Stoffe aus dem Aquarium und ersetzt auch keine biologische Filterung oder regelmäßige Aquarienpflege.
Seine besondere Stärke liegt darin, geeignete organische Verbindungen tatsächlich aus dem Wasserkreislauf auszutragen.
Entfernt ein Abschäumer Nitrat und Phosphat?
Nicht direkt.
Bereits gelöstes Nitrat wird durch einen normalen Abschäumer nicht einfach abgeschäumt. Das gilt grundsätzlich auch für gelöstes Phosphat.
Trotzdem kann der Abschäumer die Entwicklung der Nährstoffwerte beeinflussen.
Entfernt er organische Stoffe aus dem Aquarium, bevor diese vollständig mineralisiert werden, werden damit auch darin gebundene Nährstoffe aus dem System ausgetragen. Der Abschäumer setzt also früher in der Abbaukette an.
Deshalb kann ein gut funktionierender Abschäumer langfristig dazu beitragen, den Nährstoffeintrag in die weiteren Abbauprozesse zu reduzieren.
Warum ist der Gasaustausch so wichtig?
Der Abschäumer ist nicht nur ein Gerät zur Entfernung organischer Stoffe. Durch die große Menge fein verteilter Luft findet gleichzeitig ein intensiver Gasaustausch statt.
Dabei kann Sauerstoff aus der Umgebungsluft ins Wasser gelangen und Kohlendioxid aus dem Aquarium an die Umgebung abgegeben werden.
Gerade bei stark besetzten Aquarien kann dieser Gasaustausch einen wichtigen Beitrag zur Sauerstoffversorgung leisten.
Welchen Einfluss hat der Abschäumer auf den pH-Wert?
Der pH-Wert im Meerwasseraquarium hängt unter anderem mit dem Kohlendioxidgehalt des Wassers zusammen.
Durch den intensiven Gasaustausch nähert sich der CO₂-Gehalt des Aquarienwassers stärker dem der Luft an, mit der der Abschäumer versorgt wird.
Das kann insbesondere dann einen niedrigen pH-Wert verbessern, wenn sich im Aquarium überschüssiges CO₂ angesammelt hat und die angesaugte Luft selbst nicht ebenfalls stark mit CO₂ belastet ist.
Ein Abschäumer garantiert deshalb keinen bestimmten pH-Wert. Wird beispielsweise sehr CO₂-reiche Raumluft angesaugt, ist der mögliche Effekt entsprechend begrenzt.
Braucht jedes Meerwasseraquarium einen Abschäumer?
Nein – aber für viele Meerwasseraquarien ist er sehr sinnvoll.
Besonders bei Aquarien mit Fischbesatz und entsprechender Fütterung kann ein Abschäumer einen wichtigen Beitrag zum Nährstoffexport und Gasaustausch leisten.
Es gibt allerdings auch kleinere Aquarien und spezielle Versorgungskonzepte, die erfolgreich ohne Abschäumer betrieben werden. Dann müssen Nährstoffexport und Gasaustausch auf andere Weise ausreichend funktionieren.
Die pauschale Aussage „Jedes Meerwasseraquarium braucht einen Abschäumer“ wäre deshalb zu einfach.
Kann ein Abschäumer zu groß sein?
Ein größerer Abschäumer ist nicht automatisch besser.
Die Herstellerangabe zur Aquariengröße ist lediglich eine Orientierung. Entscheidend sind das tatsächliche Wasservolumen, Fischbesatz, Fütterung, gewünschtes Nährstoffniveau und die übrige Filtertechnik.
Ein sehr schwach dimensionierter Abschäumer kann bei hoher organischer Belastung an seine Grenzen kommen. Ein extrem überdimensioniertes Gerät bringt aber ebenfalls nicht automatisch Vorteile.
Wenn Du ein neues Gerät suchst, hilft Dir unsere Kaufberatung Abschäumer richtig auswählen bei der passenden Dimensionierung.
Nass oder trocken abschäumen – was bedeutet das?
Bei einer eher nassen Einstellung gelangt mehr Wasser mit dem Schaum in den Sammelbecher. Das Abschäumprodukt ist dadurch heller und dünnflüssiger und der Becher füllt sich schneller.
Bei einer trockeneren Einstellung entsteht ein konzentrierteres und meist dunkleres Abschäumprodukt. Der Sammelbecher füllt sich entsprechend langsamer.
Welche Einstellung besser passt, hängt vom Abschäumer und Deinem Aquarium ab. Wichtig ist vor allem ein stabiler Betrieb ohne ständiges Überkochen.
Bei sehr nasser Abschäumung solltest Du außerdem beachten, dass mit dem Abschäumprodukt zusätzlich Salzwasser aus dem Aquarium entfernt wird.
Warum schäumt ein neuer Abschäumer manchmal schlecht?
Ein neuer Abschäumer benötigt häufig etwas Zeit, bis sich ein stabiler Schaum bildet.
Produktionsrückstände und die zunächst noch völlig sauberen Oberflächen können das Verhalten beeinflussen. Nach einigen Tagen Betrieb stabilisiert sich die Abschäumung normalerweise zunehmend.
Deshalb solltest Du einen neuen Abschäumer nicht bereits nach wenigen Stunden ständig neu einstellen.
Warum schäumt der Abschäumer plötzlich über?
Ein plötzliches Überkochen muss nicht bedeuten, dass der Abschäumer defekt ist.
Verschiedene Stoffe können die Oberflächeneigenschaften des Wassers verändern und dadurch die Schaumbildung stark beeinflussen. Dazu können beispielsweise bestimmte Wasserzusätze, Medikamente, Pflegemittel, Klebstoffe oder frisch eingebrachte Materialien gehören.
Auch Veränderungen des Wasserstands im Technikbecken können die Einstellung beeinflussen.
Wenn Dein Abschäumer plötzlich stark überschäumt, überlege deshalb zuerst, was unmittelbar zuvor am Aquarium verändert wurde.
Der richtige Wasserstand im Technikbecken
Viele Innenabschäumer benötigen einen bestimmten Wasserstand, damit sie zuverlässig funktionieren.
Steht das Gerät zu tief oder zu flach, kann sich die Einstellung deutlich verändern. Deshalb solltest Du Dich an der empfohlenen Eintauchtiefe des Herstellers orientieren.
Idealerweise befindet sich der Abschäumer in einer Kammer des Technikbeckens mit möglichst konstantem Wasserstand. Schwankt dort der Pegel ständig, schwankt häufig auch die Abschäumleistung.
Wie oft solltest Du den Abschäumer reinigen?
Der Sammelbecher und besonders der innere Bereich des Schaumrohrs sollten regelmäßig gereinigt werden.
Dort bildet sich mit der Zeit ein dunkler Belag. Wird dieser immer dicker, kann er den Schaumaufstieg beeinträchtigen.
Wie häufig eine Reinigung notwendig ist, hängt stark vom Aquarium und der Einstellung ab. Bei vielen Anlagen ist eine Reinigung des Sammelbechers und Schaumrohrs ein- bis zweimal pro Woche sinnvoll.
Auch Pumpe, Luftansaugung, Venturi-System und Nadelrad sollten regelmäßig kontrolliert und von Kalk oder Ablagerungen befreit werden.
Warum wird die Leistung mit der Zeit schlechter?
Wenn ein Abschäumer nach einigen Monaten deutlich weniger Luft zieht oder kaum noch Schaum produziert, muss nicht sofort die Pumpe defekt sein.
Typische Ursachen sind:
Verschmutztes Schaumrohr
Verkalkte Luftansaugung
Ablagerungen im Venturi-System
Verschmutztes oder verkalktes Nadelrad
Verschmutzte Pumpe
Veränderter Wasserstand
Teilweise blockierter Luftschlauch
Gerade Kalkablagerungen in der Luftzufuhr können die angesaugte Luftmenge deutlich reduzieren.
Kann ein Abschäumer das Aquarium zu nährstoffarm machen?
Ein Abschäumer allein verwandelt ein Aquarium normalerweise nicht einfach in ein nährstofffreies System. Trotzdem ist er Teil des gesamten Nährstoffexports.
Wenn gleichzeitig sehr wenig gefüttert wird und weitere starke Filtermethoden eingesetzt werden, können Nitrat und Phosphat sehr niedrig werden.
Deshalb solltest Du Filtertechnik niemals mit dem Ziel betreiben, möglichst sterile Verhältnisse zu schaffen. Korallen und andere Organismen benötigen Nährstoffe.
Entscheidend ist das Gleichgewicht zwischen Eintrag, Verbrauch und Export.
Was kann ein Abschäumer nicht ersetzen?
Auch der beste Abschäumer löst nicht jedes Problem im Meerwasseraquarium.
Er ersetzt keine angemessene Fütterung, keinen passenden Fischbesatz, keine ausreichende Strömung, keine regelmäßige Wartung und keine Kontrolle der Wasserwerte.
Ebenso kann ein überdimensionierter Abschäumer einen dauerhaft zu hohen Nährstoffeintrag nicht einfach kompensieren.
Betrachte ihn deshalb immer als einen wichtigen Bestandteil des Gesamtsystems – nicht als alleinige Lösung.
Typische Fehler beim Abschäumer
Nur nach der maximalen Herstellerangabe auswählen
Den Abschäumer extrem überdimensionieren
Ständig an der Einstellung verändern
Einen neuen Abschäumer zu schnell beurteilen
Den empfohlenen Wasserstand ignorieren
Schaumrohr und Sammelbecher zu selten reinigen
Luftansaugung und Pumpe nicht warten
Ein plötzliches Überkochen sofort als Defekt interpretieren
Nitrat und Phosphat möglichst auf null drücken wollen
Vom Abschäumer die Lösung jedes Nährstoffproblems erwarten
Welcher Abschäumer passt zu Deinem Aquarium?
Abschäumer richtig auswählen
Die richtige Größe hängt nicht nur von der Literzahl Deines Aquariums ab. Fischbesatz, Fütterung, tatsächliches Wasservolumen, gewünschtes Nährstoffniveau und Platz im Technikbecken spielen ebenfalls eine Rolle. In unserer Kaufberatung erklären wir Dir, worauf Du bei der Auswahl achten solltest.
Fazit
Ein Abschäumer entfernt bestimmte organische Stoffe aus dem Meerwasser, bevor diese vollständig weiter abgebaut werden. Dadurch unterstützt er den Nährstoffexport, ohne bereits vorhandenes Nitrat oder Phosphat einfach direkt aus dem Wasser zu entfernen.
Mindestens genauso wichtig ist sein intensiver Gasaustausch. Er unterstützt die Sauerstoffversorgung und kann über den Austausch von Kohlendioxid auch Einfluss auf den pH-Wert nehmen.
Für viele Meerwasseraquarien ist ein gut dimensionierter Abschäumer deshalb eine sehr sinnvolle technische Grundlage. Entscheidend sind aber die passende Größe, eine vernünftige Einstellung und regelmäßige Reinigung.
Unser Tipp
Beurteile Deinen Abschäumer nicht danach, ob der Sammelbecher möglichst schnell voll wird. Entscheidend ist, dass das Gerät zuverlässig und stabil arbeitet und zu Deinem Aquarium passt.
Wenn die Leistung plötzlich nachlässt, kontrolliere zuerst Schaumrohr, Luftansaugung, Venturi-System, Pumpe und Wasserstand. Und wenn Du einen neuen Abschäumer kaufen möchtest, wähle ihn nicht nur nach der größten Literzahl auf der Verpackung aus – Fischbesatz, Fütterung und tatsächliches Wasservolumen sind mindestens genauso wichtig.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
