Welche Beleuchtung passt zu Deinem Aquarium?

Die Beleuchtung gehört zu den wichtigsten technischen Entscheidungen im Meerwasseraquarium. Dabei geht es nicht darum, einfach die stärkste LED über das Becken zu hängen. Entscheidend ist, dass Lichtintensität, Ausleuchtung und Spektrum zu Deinem Aquarium und vor allem zu den Korallen passen, die Du halten möchtest.

Eine gute Beleuchtung sollte deshalb nicht nur heute funktionieren. Wenn Du später von Weichkorallen und LPS-Korallen auf lichthungrigere SPS-Korallen erweitern möchtest, ist etwas Leistungsreserve sinnvoll.

Passende Technik und Zubehör für Dein Meerwasseraquarium findest Du direkt unter Technik – Zubehör – Futter.

Warum ist die richtige Beleuchtung so wichtig?
Viele Korallen leben in enger Gemeinschaft mit sogenannten Zooxanthellen. Diese mikroskopisch kleinen Organismen betreiben Photosynthese und liefern der Koralle einen wichtigen Teil ihrer Energie.

Zu wenig Licht kann deshalb genauso problematisch sein wie dauerhaft zu viel Licht. Entscheidend ist nicht maximale Leistung, sondern die für die jeweilige Koralle passende Lichtmenge.

Eine gute Riffbeleuchtung sollte außerdem möglichst gleichmäßig arbeiten. Eine starke LED hilft wenig, wenn direkt darunter sehr viel Licht ankommt, während große Teile des Riffs im Schatten liegen.

Welche Beleuchtung für Weichkorallen?
Viele Weichkorallen benötigen keine extrem hohe Lichtintensität. Sarcophyton, Sinularia, Zoanthus, Discosoma, Rhodactis und Xenia kommen je nach Art und bisheriger Gewöhnung häufig mit moderater Beleuchtung gut zurecht.

Das bedeutet aber nicht, dass bei einem Weichkorallen-Aquarium irgendeine schwache Lampe genügt. Auch hier sind eine gleichmäßige Ausleuchtung, ein geeignetes Spektrum und ausreichend Reserven sinnvoll.

Wenn Du gezielt Korallen für weniger stark beleuchtete Bereiche suchst, hilft Dir unsere Kaufberatung Welche Korallen eignen sich für wenig Licht?.

Welche Beleuchtung für LPS-Korallen?
Viele LPS-Korallen bevorzugen eine mittlere Lichtintensität. Dazu gehören beispielsweise Euphyllia, Caulastrea, Lobophyllia, Trachyphyllia und viele weitere Arten.

Bei einem LPS-Aquarium würde ich deshalb nicht nur auf maximale Leistung achten. Eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung ist häufig wichtiger.

Gerade großpolypige Korallen werden außerdem nicht automatisch schöner, wenn Du die Beleuchtung immer weiter hochregelst. Zu viel Licht kann genauso Stress verursachen wie zu wenig.

Aktuell verfügbare LPS-Korallen findest Du direkt bei uns im Shop.

Welche Beleuchtung für SPS-Korallen?
Bei einem SPS-dominierten Aquarium steigen die Anforderungen deutlich. Acropora, Montipora, Stylophora, Seriatopora und Pocillopora werden häufig bei höheren Lichtintensitäten gepflegt.

Neben ausreichender Leistung ist hier vor allem eine gute flächige Ausleuchtung wichtig. Stark verzweigte SPS-Korallen können sich mit zunehmendem Wachstum selbst abschatten. Eine einzelne punktförmige Lichtquelle kann deshalb irgendwann Bereiche erzeugen, die deutlich weniger Licht bekommen.

Wenn Du ein SPS-Riff planst, solltest Du die Beleuchtung deshalb von Anfang an mit ausreichender Leistungs- und Ausleuchtungsreserve auswählen.

Aktuell verfügbare SPS-Korallen findest Du direkt bei Korallenland.

Welche Arten besonders gut mit intensiver Beleuchtung zurechtkommen, erfährst Du zusätzlich unter Welche Korallen für viel Licht?.

Welche Beleuchtung für ein Mischriff?
Ein Mischriff ist bei der Beleuchtung besonders interessant, weil Korallen mit unterschiedlichen Lichtansprüchen gemeinsam gepflegt werden.

Hier ist eine dimmbare LED mit guter Flächenausleuchtung besonders sinnvoll. Dadurch kannst Du unterschiedliche Lichtzonen schaffen.

Lichthungrige SPS-Korallen können beispielsweise weiter oben beziehungsweise in stärker beleuchteten Bereichen stehen. Viele LPS-Korallen finden ihren Platz in mittleren oder unteren Bereichen, während weniger lichthungrige Korallen gezielt in schwächer beleuchteten Zonen gepflegt werden können.

Die Beleuchtung allein entscheidet dabei aber nicht über den Standort. Auch Strömung, Abstand zu anderen Korallen und zukünftiges Wachstum müssen berücksichtigt werden. Mehr dazu findest Du unter Korallen richtig platzieren.

Wie viel Watt sollte Deine LED haben?
Die Wattzahl allein ist kein zuverlässiges Maß für die Qualität oder tatsächliche Lichtleistung einer modernen Meerwasser-LED.

Zwei Lampen mit derselben elektrischen Leistungsaufnahme können völlig unterschiedlich viel nutzbares Licht ins Aquarium bringen. LED-Chips, Optiken, Abstrahlwinkel, Bauweise und Spektrum beeinflussen das Ergebnis erheblich.

Deshalb würde ich eine Lampe niemals ausschließlich nach einer einfachen Formel wie „x Watt pro Liter“ auswählen.

Ausführlich erklären wir Dir das unter Wie viel Leistung sollte eine LED haben?.

PAR ist aussagekräftiger als Watt
Für Deine Korallen ist entscheidend, wie viel photosynthetisch nutzbares Licht tatsächlich an ihrem Standort ankommt.

Genau dabei hilft der PAR-Wert.

Ein Aquarium kann für unser Auge sehr hell aussehen und an bestimmten Stellen trotzdem überraschend niedrige PAR-Werte besitzen. Umgekehrt kann eine moderne blau betonte LED sehr hohe Werte erzeugen, obwohl das Licht für uns subjektiv gar nicht extrem hell wirkt.

Deshalb ist Messen wesentlich zuverlässiger als Schätzen.

Wie PAR funktioniert, welche Werte sinnvoll sein können und warum Du Dich trotzdem nicht an einer einzelnen Zahl festhalten solltest, erklären wir ausführlich unter PAR-Werte einfach erklärt.

Welche PAR-Werte brauchen Korallen?
Eine einzige perfekte Zahl gibt es nicht. Der tatsächliche Lichtbedarf unterscheidet sich zwischen verschiedenen Arten erheblich und hängt zusätzlich von der bisherigen Gewöhnung ab.

Als grobe Orientierung kann man Bereiche von niedriger, mittlerer und hoher Lichtintensität unterscheiden. Diese Werte sind aber keine festen Grenzen.

Eine Koralle kann sich außerhalb eines typischen Bereichs hervorragend entwickeln. Gleichzeitig kann eine eigentlich lichthungrige Koralle gestresst reagieren, wenn sie plötzlich von einem schwach beleuchteten Aquarium direkt unter eine sehr leistungsstarke LED gesetzt wird.

Deshalb ist die Entwicklung Deiner Korallen mindestens genauso wichtig wie die gemessene Zahl.

Die Beckentiefe spielt eine große Rolle
Bei der Auswahl Deiner Beleuchtung solltest Du nicht nur auf Länge und Breite des Aquariums schauen.

Auch die Höhe beziehungsweise Wassertiefe ist wichtig.

Eine Lampe über einem flachen 30-Zentimeter-Aquarium muss andere Bedingungen erfüllen als über einem 70 Zentimeter tiefen Riffbecken.

Je tiefer das Aquarium ist, desto wichtiger werden ausreichende Lichtleistung und eine passende Optik. Gleichzeitig solltest Du darauf achten, dass nicht nur der obere Riffbereich stark beleuchtet wird.

Die Fläche ist genauso wichtig wie die Leistung
Eine häufig unterschätzte Frage lautet: Wie groß ist die tatsächlich ausgeleuchtete Fläche?

Eine sehr leistungsstarke kompakte LED kann direkt darunter enorme Lichtwerte erzeugen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein breites Aquarium gleichmäßig beleuchtet wird.

Bei größeren Aquarien können deshalb mehrere Leuchten oder zusätzliche LED-Balken sinnvoller sein als eine einzelne extrem leistungsstarke Lichtquelle.

Achte beim Kauf deshalb auf die empfohlene Ausleuchtungsfläche und nicht nur auf Watt oder maximale PAR-Werte direkt unter der Lampe.

Punktuelle oder flächige Beleuchtung?
Beide Konzepte können funktionieren.

Kompakte LED-Leuchten erzeugen häufig einen ausgeprägten Licht- und Schatteneffekt und können ein sehr lebendiges Erscheinungsbild erzeugen.

Flächigere Systeme verteilen das Licht dagegen gleichmäßiger und können Abschattungen reduzieren.

Besonders bei stark wachsenden SPS-Korallen wird eine gute Flächenausleuchtung zunehmend wichtig. Eine kleine Acropora kann unter einer punktuellen Beleuchtung hervorragend wachsen. Wird daraus später eine große Kolonie, können die unteren Äste deutlich stärker abgeschattet werden.

Plane Deine Beleuchtung deshalb nicht nur für das heutige Aquarium, sondern auch für das zukünftige Wachstum.

Welches Lichtspektrum brauchen Korallen?
Meerwasser-LEDs arbeiten normalerweise mit verschiedenen Farbkanälen. Besonders Blau- und Violettbereiche spielen bei der Riffbeleuchtung eine wichtige Rolle.

Das bedeutet aber nicht, dass Du jeden einzelnen Kanal möglichst hoch einstellen solltest.

Ein ausgewogenes Spektrum einer guten Meerwasserleuchte ist sinnvoller als extreme Einstellungen nach optischem Geschmack.

Gerade bei neuen Lampen würde ich zunächst mit einem bewährten Herstellerprofil beginnen und anschließend nur vorsichtig Veränderungen vornehmen.

Wie lange sollte die Beleuchtung laufen?
Mehr Beleuchtungsdauer bedeutet nicht automatisch mehr Korallenwachstum.

Ein natürlicher Tagesablauf mit einer begrenzten Hauptbeleuchtungsphase und gegebenenfalls sanften Übergängen am Morgen und Abend ist sinnvoller als eine extrem lange Beleuchtungszeit.

Entscheidend ist außerdem die Kombination aus Intensität und Dauer. Eine sehr starke Beleuchtung über viele Stunden kann eine völlig andere Belastung darstellen als moderate Lichtintensität über denselben Zeitraum.

Verändere deshalb möglichst nicht gleichzeitig Intensität, Spektrum und Beleuchtungsdauer. Sonst wird es schwierig einzuschätzen, worauf Deine Korallen reagieren.

Warum sollte die LED dimmbar sein?
Eine dimmbare Beleuchtung bietet Dir wesentlich mehr Möglichkeiten.

Du kannst die Leistung an unterschiedliche Korallen anpassen, neue Tiere langsam eingewöhnen und bei einem späteren Wechsel von LPS- zu SPS-Korallen Leistungsreserven nutzen.

Eine Lampe dauerhaft bei 100 Prozent betreiben zu müssen, weil sie eigentlich zu schwach gewählt wurde, bietet Dir kaum Spielraum.

Etwas Reserve ist deshalb sinnvoll – vorausgesetzt, die Lampe lässt sich vernünftig einstellen.

Neue Korallen langsam an Licht gewöhnen
Eine Koralle kann grundsätzlich hohe Lichtintensitäten vertragen und trotzdem Schaden nehmen, wenn sie plötzlich wesentlich stärker beleuchtet wird als zuvor.

Deshalb solltest Du neue Korallen nicht automatisch direkt an den vermeintlich perfekten Endplatz mit maximaler Beleuchtung setzen.

Eine langsame Anpassung kann über eine niedrigere Position im Riff oder eine vorübergehend reduzierte Lichtleistung erfolgen.

Wie Du neue Tiere grundsätzlich schonend an Dein Aquarium gewöhnst, erfährst Du unter Korallen richtig eingewöhnen.

Mehr Licht ist nicht automatisch besser
Das ist einer der wichtigsten Punkte bei der Auswahl und Einstellung einer Riffbeleuchtung.

Wenn eine Koralle ausreichend Licht erhält, führt eine weitere Erhöhung nicht automatisch zu mehr Wachstum oder kräftigeren Farben.

Zu hohe Lichtintensität kann Stress verursachen. Korallen können heller werden, ihre Polypen weniger zeigen oder andere Stressreaktionen entwickeln.

Deshalb sollte das Ziel nicht lauten: möglichst viel PAR.

Das Ziel lautet: die passende Lichtintensität für die jeweilige Koralle.

Typische Fehler bei der Beleuchtung
Ein häufiger Fehler ist der Kauf einer zu kleinen Lampe, die zwar direkt unter der Leuchte ausreichend Licht liefert, aber die Randbereiche schlecht ausleuchtet.

Ebenso problematisch ist es, nur nach Watt zu kaufen.

Weitere typische Fehler sind eine zu schnelle Erhöhung der Lichtleistung, extreme Änderungen des Spektrums, eine zu lange Beleuchtungsdauer oder die falsche Platzierung von Korallen.

Besonders kritisch ist es, mehrere Dinge gleichzeitig zu verändern. Wenn eine Koralle anschließend schlechter steht, weißt Du kaum noch, welche Veränderung die Ursache war.

Welche Beleuchtung solltest Du kaufen?
Beginne nicht bei der Lampe, sondern bei Deinem geplanten Besatz.

Möchtest Du hauptsächlich Weichkorallen und weniger lichthungrige LPS-Korallen pflegen, benötigst Du normalerweise keine Beleuchtung, die ausschließlich für ein anspruchsvolles SPS-Riff ausgelegt ist.

Planst Du dagegen Acropora und andere lichthungrige SPS-Korallen, solltest Du von Anfang an auf ausreichend Leistung, gute Flächenausleuchtung und Reserven achten.

Bei einem Mischriff ist Flexibilität besonders wichtig. Eine dimmbare LED mit guter Ausleuchtung ermöglicht Dir unterschiedliche Lichtzonen und lässt Dir später mehr Möglichkeiten bei der Korallen-Auswahl.

Passende Meerwasser-Technik und Zubehör findest Du unter Technik – Zubehör – Futter.

Wenn Du unsicher bist, welche Leistung Du tatsächlich benötigst, hilft Dir zusätzlich unsere Kaufberatung Wie viel Leistung sollte eine LED haben?.

Beleuchtung und Korallen gemeinsam planen
Wenn Deine Beleuchtung bereits vorhanden ist, kannst Du auch andersherum vorgehen und Korallen gezielt passend zu den vorhandenen Lichtzonen auswählen.

Für schwächer beleuchtete Bereiche findest Du geeignete Arten unter Welche Korallen eignen sich für wenig Licht?.

Für sehr helle Bereiche hilft Dir Welche Korallen für viel Licht?.

Aktuell verfügbare LPS-Korallen, SPS-Korallen und Weichkorallen findest Du direkt bei Korallenland.

Korallen im Meerwasseraquarium – Haltung & Arten
In unserem großen Korallen-Ratgeber erfährst Du mehr darüber, wie Beleuchtung, Strömung, Wasserwerte, Standort und die individuellen Ansprüche verschiedener Korallen zusammenspielen.

Fazit
Die beste Beleuchtung ist nicht automatisch die stärkste oder teuerste Lampe. Sie muss zu Deinem Aquarium, seiner Größe und Tiefe sowie vor allem zu Deinem geplanten Korallenbesatz passen.

Für ein Weichkorallen- oder moderates LPS-Aquarium kann eine gleichmäßig ausleuchtende LED mit mittlerer Leistung vollkommen ausreichend sein. Für ein SPS-Riff werden Leistungsreserve und eine sehr gute Flächenausleuchtung deutlich wichtiger. Bei einem Mischriff ist eine flexible, dimmbare Beleuchtung besonders sinnvoll.

Achte beim Kauf deshalb nicht nur auf Watt. PAR-Werte, Ausleuchtungsfläche, Spektrum, Beckentiefe und die Möglichkeit zur Leistungsanpassung sagen wesentlich mehr darüber aus, ob eine Beleuchtung langfristig zu Deinem Riff passt.

Plane lieber etwas Reserve ein und dimme eine gute Lampe herunter, als später festzustellen, dass Deine Beleuchtung für den gewünschten Besatz nicht ausreicht.

Haftungsausschluss
Die Inhalte dieser Kaufberatung wurden sorgfältig erstellt und dienen als Orientierung. Der tatsächliche Lichtbedarf kann je nach Korallenart, bisheriger Gewöhnung, Aquarienaufbau, Wassertiefe und verwendeter Beleuchtung abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
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