Warum ziehen Korallen ihre Polypen ein? Ursachen und Lösungen einfach erklärt
Jeder Meerwasseraquarianer kennt diesen Moment: Eine Koralle, die gestern noch wunderschön geöffnet war, zeigt plötzlich kaum noch Polypen oder bleibt vollständig geschlossen. Sofort stellt sich die Frage: Ist die Koralle krank oder ist dieses Verhalten normal?
Die gute Nachricht: Nicht jede eingezogene Koralle ist ein Grund zur Sorge. Viele Arten ziehen ihre Polypen zeitweise ganz natürlich ein. Gleichzeitig kann dieses Verhalten aber auch ein Hinweis auf ungünstige Haltungsbedingungen sein.
In diesem Ratgeber erfährst Du, warum Korallen ihre Polypen einziehen, welche Ursachen dahinterstecken können und wann Du handeln solltest.
Warum öffnen Korallen überhaupt ihre Polypen?
Die Polypen erfüllen mehrere wichtige Aufgaben.
Sie dienen unter anderem:
- der Nahrungsaufnahme
- dem Gasaustausch
- der Photosynthese ihrer Zooxanthellen
- der Abgabe von Stoffwechselprodukten
- dem Wachstum
Je nach Korallenart sind die Polypen tagsüber oder überwiegend nachts geöffnet.
Nach dem Versand
Eine der häufigsten Ursachen sind Transport und Eingewöhnung.
Während des Versands erleben Korallen:
- Temperaturschwankungen
- Dunkelheit
- Erschütterungen
- veränderte Wasserwerte
Viele Korallen benötigen anschließend einige Stunden oder sogar mehrere Tage, bis sie ihre Polypen wieder vollständig öffnen.
Neue Umgebung
Auch ein Standortwechsel bedeutet Stress.
Korallen müssen sich zunächst anpassen an:
- neue Beleuchtung
- andere Strömung
- veränderte Wasserchemie
- andere Nährstoffverhältnisse
Geduld ist hier oft die beste Lösung.
Zu starke Beleuchtung
Zu viel Licht kann dazu führen, dass Korallen ihre Polypen einziehen.
Weitere Anzeichen sind:
- verblassende Farben
- weiße Stellen
- langsameres Wachstum
Neue Korallen sollten deshalb immer langsam an eine starke Beleuchtung gewöhnt werden.
Zu wenig oder zu starke Strömung
Auch die Strömung beeinflusst die Polypenöffnung.
Zu wenig Strömung führt häufig zu:
- Schmutzablagerungen
- schlechter Sauerstoffversorgung
Zu starke Strömung kann dagegen:
- das Gewebe reizen
- Polypen dauerhaft geschlossen halten
Ideal ist eine wechselnde, indirekte Strömung.
Schwankende Wasserwerte
Korallen reagieren sehr empfindlich auf instabile Wasserwerte.
Besonders wichtig sind:
Schon kleinere Schwankungen können dazu führen, dass Korallen ihre Polypen zeitweise einziehen.
Nährstoffmangel oder Ungleichgewicht
Auch dauerhaft sehr niedrige Nährstoffwerte können Auswirkungen haben.
Besonders kritisch sind:
- Nitrat nicht nachweisbar
- Phosphat dauerhaft bei null
Korallen zeigen dann häufig:
- geringere Polypenexpansion
- blasse Farben
- langsameres Wachstum
Kampftentakel benachbarter Korallen
Nicht immer liegt das Problem bei der betroffenen Koralle selbst.
Aggressive Nachbarn können:
- Kampftentakel bilden
- Gewebe vernesseln
- chemische Stoffe abgeben
Dadurch bleiben die Polypen häufig dauerhaft geschlossen.
Schädlinge
Auch Parasiten oder unerwünschte Begleiter können verantwortlich sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- Strudelwürmer
- bestimmte Schnecken
- parasitische Kleinkrebse
Ein genauer Blick oder ein Korallenbad können helfen, die Ursache zu erkennen.
Fische und Wirbellose
Manche Aquarienbewohner stören Korallen regelmäßig.
Beispiele:
- Falterfische
- einige Kaiserfische
- manche Lippfische
- größere Garnelen
- Seeigel beim Überklettern
Werden Korallen ständig berührt oder angeknabbert, ziehen sie ihre Polypen häufig ein.
Wann ist das völlig normal?
Viele Korallen schließen ihre Polypen:
- nachts
- während der Fütterung
- beim Ausscheiden von Schleim
- vor oder nach dem Häuten (bei Weichkorallen)
- kurz nach dem Umsetzen
Solange das Gewebe gesund aussieht, besteht meist kein Grund zur Sorge.
Wann solltest Du handeln?
Kontrolliere Deine Korallen genauer, wenn zusätzlich auftreten:
- Gewebeverlust
- weiße Stellen
- brauner Schleim
- unangenehmer Geruch
- dauerhaft geschlossene Polypen über mehrere Tage
- schnelle Farbveränderungen
Dann sollten Wasserwerte, Beleuchtung und Strömung überprüft werden.
Typische Fehler
Diese Fehler kommen besonders häufig vor:
- vorschnelles Umsetzen der Koralle
- mehrere Veränderungen gleichzeitig
- zu starke Beleuchtung nach dem Einsetzen
- Wasserwerte nicht kontrollieren
- übertriebene Dosierungen verschiedener Zusätze
Oft verschlimmern hektische Maßnahmen das Problem zusätzlich.
Unser Tipp
Beobachte Deine Korallen immer als Gesamtheit. Eine einzelne geschlossene Koralle muss nicht sofort Anlass zur Sorge geben. Achte auf Gewebe, Farben, Polypenexpansion und die Wasserwerte. Häufig reicht etwas Geduld aus, damit sich die Koralle wieder vollständig öffnet. Erst wenn mehrere Korallen betroffen sind oder zusätzliche Schäden auftreten, solltest Du gezielt nach der Ursache suchen.
Bei Korallenland unterstützen wir Dich gerne bei der Ursachenanalyse. Gemeinsam finden wir heraus, warum Deine Korallen ihre Polypen eingezogen haben und wie Du optimale Bedingungen für gesundes Wachstum und eine schöne Polypenexpansion schaffst.
