Welche Tiere helfen gegen Cyanobakterien?

Rote, dunkelrote, violette oder grünliche schmierige Beläge im Meerwasseraquarium werden häufig als Cyanobakterien erkannt. Sobald sie sich ausbreiten, beginnt die Suche nach einem natürlichen Fressfeind: Welche Schnecke frisst Cyanos? Hilft ein Seeigel? Gibt es Einsiedlerkrebse, die den Belag beseitigen?

Die wichtigste Antwort gleich vorweg: Im Normalfall fressen die üblichen Tiere einer Cleaning-Crew Cyanobakterien nicht gezielt oder zuverlässig.

Es gibt keinen Schnecken-, Einsiedler- oder Seeigel-Besatz, mit dem sich ein Cyanobakterien-Problem einfach „wegfressen“ lässt. Einzelne Tiere können gelegentlich über die Beläge gehen oder Teile davon aufnehmen. Darauf solltest Du Dich bei der Bekämpfung aber nicht verlassen.

Tiere können trotzdem sinnvoll unterstützen – nur auf eine andere Art.

Warum werden Cyanobakterien von vielen Tieren nicht gefressen?
Cyanobakterien sind keine gewöhnlichen Algen. Auch wenn die Beläge optisch häufig wie rote oder grüne Algen aussehen, handelt es sich um Bakterien.

Viele typische Algenfresser interessieren sich deshalb kaum für die Beläge. Hinzu kommt, dass Cyanobakterien je nach Art verschiedene Stoffwechsel- und Abwehrstoffe bilden können.

Das bedeutet in der Praxis: Eine Schnecke kann über einen Cyanobakterien-Belag kriechen und anschließend sieht die Stelle vielleicht etwas sauberer aus. Daraus solltest Du aber nicht schließen, dass diese Schneckenart Cyanobakterien gezielt frisst.

Genau hier entstehen viele Missverständnisse.

Gibt es überhaupt Tiere, die Cyanobakterien fressen?
Es kann vorkommen, dass einzelne Aquarienbewohner Cyanobakterien oder damit vermischte Beläge aufnehmen. Das Verhalten kann sich sogar zwischen einzelnen Tieren derselben Art unterscheiden.

Für die Praxis ist aber entscheidend:

Es gibt keinen zuverlässigen Cyanobakterien-Fresser, den Du einsetzen kannst und der anschließend Dein Problem beseitigt.

Deshalb würde ich kein Tier ausschließlich mit dem Ziel kaufen: „Dieses Tier soll meine Cyanos fressen.“

Wenn ein Händler oder eine Produktbezeichnung eine Schnecke als „Cyanofresser“ bezeichnet, solltest Du das nicht als Garantie verstehen, dass das Tier einen bestehenden Cyanobakterien-Befall beseitigt.

Warum können Tiere trotzdem helfen?
Eine Cleaning-Crew kann die Bedingungen im Aquarium beeinflussen, unter denen sich Beläge entwickeln.

Einige Tiere verwerten Futterreste.
Andere bearbeiten Biofilme und Aufwuchs.
Einige bewegen den Bodengrund.
Andere reduzieren konkurrierende Algenbeläge.

Dadurch können sie indirekt zur Pflege und biologischen Stabilität des Aquariums beitragen.

Das ist aber etwas völlig anderes als das direkte Fressen und Beseitigen von Cyanobakterien.

Die richtige Cleaning-Crew wählen
Hier erfährst Du, wie Du Schnecken, Einsiedler, Seeigel und andere Wirbellose nach ihren tatsächlichen Aufgaben auswählst.

Cerithium gegen Cyanobakterien?
Cerithium-Schnecken werden besonders häufig im Zusammenhang mit Cyanobakterien genannt.

Bei Korallenland findest Du beispielsweise die Cyanofressende Nadelschnecke – Cerithium caeruleum.

Trotz der gebräuchlichen Bezeichnung solltest Du auch bei diesem Tier keine Wunder erwarten. Cerithium kann Bodengrund und andere Oberflächen bearbeiten und unterschiedliche Beläge aufnehmen. Ein vorhandener Cyanobakterien-Befall wird dadurch aber normalerweise nicht einfach verschwinden.

Ich würde Cerithium deshalb als sinnvolle Ergänzung einer abwechslungsreichen Cleaning-Crew betrachten – nicht als Behandlung gegen Cyanobakterien.

Nassarius frisst keine Cyanobakterien
Auch Nassarius wird gelegentlich als Helfer bei Problemen auf dem Bodengrund empfohlen.

Die Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec. kann für den Bodengrund sehr interessant sein, ist aber kein Cyanobakterien-Fresser.

Nassarius hält sich häufig im Sand auf und sucht dort nach verwertbaren Futterresten und organischem Material.

Der mögliche Nutzen bei einem Cyanobakterien-Problem ist deshalb indirekt: Der Bodengrund wird bewegt und organisches Material verwertet.

Die Cyanobakterien selbst werden dadurch nicht gezielt beseitigt.

Kegelfechterschnecken bewegen den Bodengrund
Auch die Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus kann für größere Sandflächen interessant sein.

Sie bewegt sich über den Bodengrund und sorgt dadurch für Aktivität in einem Bereich, auf dem Cyanobakterien häufig besonders gut sichtbar werden.

Auch hier gilt aber:

Bodengrund bewegen ≠ Cyanobakterien fressen.

Wenn die eigentliche Ursache bestehen bleibt, können sich die Beläge erneut bilden.

Turbo-Schnecken sind Algenfresser – keine Cyanobakterien-Spezialisten
Die Turbo Schnecke – Turbo bruneus und die Mexikanische Turboschnecke – Turbo fluctuosus sind interessante Aufwuchsfresser.

Bei normalen Algenbelägen können solche Schnecken sehr nützlich sein. Gegen Cyanobakterien würde ich sie aber nicht gezielt kaufen.

Wenn eine Turbo-Schnecke über einen mit Cyanobakterien bewachsenen Stein läuft, kann der Belag dabei teilweise verändert oder mechanisch gestört werden. Das macht die Schnecke aber noch nicht zu einem zuverlässigen Cyanobakterien-Fresser.

Welche Schnecken gegen Algen?
Hier zeigen wir Dir, welche Schnecken tatsächlich für unterschiedliche Algen- und Aufwuchsbeläge interessant sind.

Nerita und Sternschnecken
Auch Nerita Algenschnecken und die Sternschnecke – Astralium calcar sind interessante Mitglieder einer Cleaning-Crew.

Sie können verschiedene Aufwuchsbeläge von festen Oberflächen abweiden.

Auch diese Tiere würde ich jedoch nicht mit dem Versprechen einsetzen, dass sie Cyanobakterien beseitigen.

Sie helfen bei der allgemeinen Pflege des Riffs und können dadurch indirekt nützlich sein.

Einsiedlerkrebse gegen Cyanobakterien?
Auch Einsiedlerkrebse werden immer wieder als mögliche Cyanobakterien-Fresser genannt.

Der Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor durchsucht beispielsweise Riffgestein und andere Oberflächen nach verwertbarer Nahrung.

Dabei können Einsiedler auch durch vorhandene Beläge laufen und diese mechanisch stören.

Eine zuverlässige Bekämpfung von Cyanobakterien solltest Du davon aber nicht erwarten.

Hilft ein Seeigel gegen Cyanobakterien?
Seeigel gehören zu den effektivsten Weidegängern gegen verschiedene Algenbeläge. Das macht sie aber nicht automatisch zu Cyanobakterien-Fressern.

Der Kugel-Seeigel – Mespilia globulus kann beispielsweise eine sehr interessante Ergänzung für ein Aquarium mit ausreichend natürlichem Algenaufwuchs sein.

Einen Seeigel würde ich jedoch nicht kaufen, nur weil Cyanobakterien vorhanden sind.

Auch hier sollte die Frage zuerst lauten: Passt das Tier langfristig in mein Aquarium und findet es ausreichend geeignete Nahrung?

Welcher Seeigel ist der richtige?
Hier erfährst Du, welcher Seeigel zu Aquariengröße, Riffaufbau und vorhandenem Nahrungsangebot passt.

Was ist mit grabenden Seesternen?
Ein grabender Seestern kann den Bodengrund bewegen. Dadurch werden Sandflächen regelmäßig umgelagert und Beläge teilweise mechanisch gestört.

Das bedeutet aber ebenfalls nicht, dass der Seestern Cyanobakterien frisst.

Hinzu kommt ein wichtiger Punkt: Ein grabender Seestern benötigt dauerhaft ausreichend Nahrung im Bodengrund. Besonders in jungen, kleinen oder biologisch noch wenig entwickelten Aquarien kann das problematisch werden.

Deshalb würde ich niemals einen grabenden Seestern ausschließlich zur Bekämpfung eines vorübergehenden Cyanobakterien-Problems einsetzen.

Welche Tiere helfen also wirklich?
Wenn wir unter „helfen“ verstehen, dass Tiere Cyanobakterien zuverlässig auffressen, lautet die Antwort:

Eigentlich keines.

Wenn wir dagegen unter „helfen“ verstehen, dass Tiere das Aquarium bei der allgemeinen Pflege unterstützen, sieht es anders aus.

Interessant können beispielsweise sein:
Cyanofressende Nadelschnecke – Cerithium caeruleum
Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec.
Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus
Turbo Schnecke – Turbo bruneus
Mexikanische Turboschnecke – Turbo fluctuosus
Nerita Algenschnecke
Sternschnecke – Astralium calcar
Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor

Diese Tiere erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Sie sollten deshalb passend zum Aquarium und nicht als Medikament gegen Cyanobakterien ausgewählt werden.

Warum entstehen Cyanobakterien?
Cyanobakterien können durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren begünstigt werden. Eine einzige Ursache gibt es häufig nicht.

Mögliche Einflussfaktoren sind:
Ungünstige Nährstoffverhältnisse
Sehr niedrige oder nicht nachweisbare Nährstoffwerte
Organische Ablagerungen
Schwach durchströmte Bereiche
Instabile biologische Verhältnisse
Veränderungen im Aquarium
Belasteter Bodengrund
Veränderte Konkurrenz zwischen Mikroorganismen

Deshalb halte ich Aussagen wie „Cyanos kommen immer von zu viel Phosphat“ oder „Du brauchst nur mehr Strömung“ für zu einfach.

Das gesamte Aquarium muss betrachtet werden.

Nitrat und Phosphat kontrollieren
Bei Cyanobakterien solltest Du insbesondere Nitrat und Phosphat messen. Dabei geht es nicht darum, beide Werte möglichst weit abzusenken.

Auch extrem niedrige beziehungsweise nicht nachweisbare Nährstoffwerte können problematisch sein.

Nitrat im Meerwasseraquarium
Hier erfährst Du, warum Nitrat nicht einfach nur ein unerwünschter Schadstoff ist.

Phosphat im Meerwasseraquarium
Unser Phosphat-Ratgeber erklärt Dir, warum auch Phosphat für Korallen und andere Organismen benötigt wird und weshalb stabile Verhältnisse wichtiger sind als möglichst niedrige Messwerte.

Strömung überprüfen
Cyanobakterien treten häufig besonders auffällig in Bereichen auf, in denen sich Ablagerungen sammeln oder die Wasserbewegung ungünstig ist.

Überprüfe deshalb, ob bestimmte Stellen im Aquarium nur schwach durchströmt werden.

Das bedeutet aber nicht, einfach eine Strömungs-Pumpe auf maximale Leistung zu stellen. Ziel ist eine möglichst sinnvolle Wasserbewegung ohne größere tote Bereiche.

Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Hier erfährst Du, wie Du Strömungs-Pumpen sinnvoll ausrichtest und Ablagerungszonen reduzieren kannst.

Cyanobakterien regelmäßig absaugen
Sichtbare Cyanobakterien kannst Du mechanisch entfernen beziehungsweise absaugen.

Damit beseitigst Du zwar ebenfalls nicht automatisch die Ursache, reduzierst aber zunächst die vorhandene Masse.

Wenn sich die Beläge innerhalb kurzer Zeit wieder bilden, ist das gleichzeitig ein deutlicher Hinweis darauf, dass die zugrunde liegenden Bedingungen weiterhin bestehen.

Deshalb sollten mechanische Entfernung und Ursachenforschung immer zusammengehören.

Nicht blind Wasserwerte verändern
Ein häufiger Fehler besteht darin, nach dem Auftreten von Cyanobakterien sofort mehrere Dinge gleichzeitig zu verändern.

Mehr Strömung.
Weniger Licht.
Mehr Nitrat.
Weniger Phosphat.
Neue Bakterien.
Großer Wasserwechsel.
Neue Filtermedien.

Wenn Du alles gleichzeitig veränderst, weißt Du anschließend kaum noch, welche Maßnahme sinnvoll war und welche möglicherweise sogar zusätzlichen Stress verursacht hat.

Miss zuerst die wichtigsten Wasserwerte und betrachte die Entwicklung Deines Aquariums.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Hier findest Du die wichtigsten Zusammenhänge zwischen KH, Calcium, Magnesium, Nitrat, Phosphat, pH-Wert und Salinität.

Keine Tiere ausschließlich gegen Cyanobakterien kaufen
Das ist für mich die wichtigste Kaufempfehlung dieser Seite.

Kaufe keine Schnecke, keinen Einsiedler, keinen Seeigel und keinen Seestern ausschließlich mit dem Ziel, dass dieses Tier Deine Cyanobakterien beseitigt.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass genau das nicht passiert.

Anschließend besitzt Du ein Tier, das weiterhin artgerecht gehalten und ernährt werden muss – während die Cyanobakterien immer noch vorhanden sind.

Wirbellose im Meerwasseraquarium – Haltung & Arten
Unser großer Wirbellosen-Ratgeber hilft Dir dabei, Schnecken, Einsiedler, Garnelen, Seeigel und andere Tiere nach ihren tatsächlichen Bedürfnissen auszuwählen.

Was würde ich bei Cyanobakterien zuerst machen?
Ich würde nicht als Erstes ein Tier kaufen.

Stattdessen würde ich:
Beläge möglichst eindeutig identifizieren
Cyanobakterien regelmäßig absaugen
Nitrat und Phosphat kontrollieren
Strömung und Ablagerungszonen überprüfen
Fütterung und organische Belastung betrachten
Veränderungen der letzten Wochen nachvollziehen
Biologische Entwicklung des Aquariums berücksichtigen

Erst danach würde ich entscheiden, welche gezielten Veränderungen tatsächlich sinnvoll sind.

Eine Cleaning-Crew kann parallel dazu sinnvoll sein, wenn die Tiere auch unabhängig von den Cyanobakterien eine Aufgabe und ausreichend Nahrung im Aquarium haben.

Unser Tipp
Wenn Du Cyanobakterien im Aquarium hast, suche nicht zuerst nach einem Tier, das sie auffrisst. Einen zuverlässigen Cyanobakterien-Fresser gibt es für das typische Riffaquarium praktisch nicht.

Auch Schnecken, die gelegentlich durch solche Beläge ziehen, Einsiedler oder Seeigel lösen das eigentliche Problem normalerweise nicht.

Nutze eine abwechslungsreiche Cleaning-Crew für das, was sie wirklich gut kann: Algenaufwuchs kontrollieren, Futterreste verwerten, Oberflächen abweiden und je nach Tier den Bodengrund bearbeiten.

Bei Cyanobakterien solltest Du dagegen zuerst herausfinden, warum sie sich gerade in Deinem Aquarium so gut entwickeln. Genau dort liegt langfristig der wesentlich bessere Ansatz.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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