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Dinoflagellaten erkennen und bekämpfen

Dinoflagellaten gehören zu den gefürchtetsten Problemen in der Meerwasseraquaristik. Kaum tauchen braune schleimige Beläge mit Luftblasen auf, fällt schnell der Satz: "Das sind bestimmt Dinos."

Genau hier beginnt jedoch bereits der erste Fehler.

Nicht jeder braune Belag besteht aus Dinoflagellaten. Auch Kieselalgen, Cyanobakterien oder andere Mikroorganismen können sehr ähnlich aussehen. Eine sichere Bestimmung ist ausschließlich unter dem Mikroskop möglich.

Wer vorschnell gegen vermeintliche Dinoflagellaten behandelt, riskiert häufig, das eigentliche Problem sogar noch zu verschlimmern.

In diesem Artikel erfährst du, wie Dinoflagellaten entstehen, woran du sie möglicherweise erkennst, warum ein Mikroskop so wichtig ist und welche Maßnahmen sich in der Praxis bewährt haben.

Was sind Dinoflagellaten?

Dinoflagellaten sind einzellige Mikroorganismen.

Sie kommen in nahezu jedem Meer vor und gehören dort ganz selbstverständlich zum natürlichen Plankton.

Auch im Meerwasseraquarium sind sie meist in geringer Anzahl vorhanden.

Problematisch wird es erst dann, wenn sich einzelne Arten massenhaft vermehren und andere Mikroorganismen verdrängen.

Warum sind Dinoflagellaten so unbeliebt?

Ein starker Befall kann das gesamte Aquarium verändern.

Typische Folgen sind:

  • schleimige Beläge
  • braune Fäden
  • Luftblasen auf den Belägen
  • geschlossene Korallen
  • gereizte Gewebe
  • unansehnliche Oberflächen

Einige Dinoflagellaten produzieren zusätzlich Stoffe, die Korallen, Schnecken oder andere Wirbellose belasten können.

Die Auswirkungen unterscheiden sich jedoch je nach Art erheblich.

Das größte Problem ist die falsche Diagnose

Im Internet wird nahezu jeder braune Belag sofort als Dinoflagellaten bezeichnet.

Das ist jedoch falsch.

Folgende Probleme können sehr ähnlich aussehen:

  • Kieselalgen
  • Cyanobakterien
  • Goldalgen
  • Bakterienbeläge
  • Fadenalgen mit Bakterienschleim
  • Mischbeläge aus mehreren Organismen

Alle diese Beläge können braun wirken und teilweise sogar Luftblasen bilden.

Eine sichere Diagnose ist deshalb mit bloßem Auge nicht möglich.

Nur das Mikroskop liefert Sicherheit

Wer wirklich wissen möchte, ob Dinoflagellaten vorhanden sind, kommt an einem Mikroskop kaum vorbei.

Unter dem Mikroskop lassen sich die einzelnen Organismen deutlich erkennen.

Je nach Art besitzen Dinoflagellaten eine charakteristische Form und bewegen sich oft aktiv.

Erst dadurch wird eine zuverlässige Bestimmung möglich.

Fotos aus dem Internet oder Vermutungen anhand der Farbe reichen dafür nicht aus.

Warum die Art wichtig ist

Nicht alle Dinoflagellaten verhalten sich gleich.

Einige Arten leben überwiegend auf Oberflächen.

Andere befinden sich hauptsächlich im freien Wasser.

Manche bilden starke Schleimschichten.

Andere vermehren sich deutlich langsamer.

Auch die Wirksamkeit verschiedener Gegenmaßnahmen hängt teilweise von der jeweiligen Art ab.

Deshalb ist nicht nur die Diagnose wichtig, sondern möglichst auch die Bestimmung der vorhandenen Gattung.

Typische Anzeichen

Obwohl eine sichere Bestimmung nur unter dem Mikroskop möglich ist, gibt es einige Hinweise.

Häufig beobachtet werden:

  • braune bis goldene Beläge
  • schleimige Fäden
  • Luftblasen im Laufe des Tages
  • Rückgang während der Nacht
  • schnelle Neubildung nach dem Absaugen
  • gereizte Korallen

Diese Merkmale können auf Dinoflagellaten hindeuten.

Sie beweisen jedoch keinen Befall.

Warum entstehen Dinoflagellaten?

Eine einzelne Ursache gibt es nicht.

Meist kommen mehrere Faktoren zusammen.

Dazu gehören unter anderem:

  • extrem niedrige Nährstoffe
  • instabiles biologisches Gleichgewicht
  • geringe Artenvielfalt von Mikroorganismen
  • starke Veränderungen im Aquarium
  • übertriebene Sauberkeit
  • übermäßiger Einsatz von Adsorbern

Besonders häufig treten Dinoflagellaten in sehr nährstoffarmen Aquarien auf.

Zu niedrige Nährstoffe

Viele Aquarianer versuchen Nitrat und Phosphat möglichst auf null zu bringen.

Genau dadurch entsteht häufig ein Ungleichgewicht.

Korallen und viele nützliche Mikroorganismen benötigen ebenfalls Nährstoffe.

Fehlen diese dauerhaft, können sich Dinoflagellaten unter Umständen leichter durchsetzen.

Ein stabiles Gleichgewicht ist deshalb wichtiger als möglichst niedrige Messwerte.

Geduld statt Aktionismus

Bei einem vermuteten Dino Befall werden häufig viele Maßnahmen gleichzeitig durchgeführt.

Zum Beispiel:

  • Beleuchtung verändern
  • Wasserwechsel stoppen
  • Bakterien dosieren
  • UV Klärer installieren
  • Nährstoffe erhöhen
  • Adsorber entfernen

Dadurch lässt sich später kaum noch beurteilen, welche Maßnahme tatsächlich geholfen hat.

Gehe deshalb Schritt für Schritt vor.

UV Klärer

Ein UV Klärer kann bei bestimmten Dinoflagellaten hilfreich sein.

Allerdings nur dann, wenn sich diese regelmäßig im freien Wasser befinden.

Leben die Dinoflagellaten überwiegend auf Steinen oder Sand, fällt der Effekt deutlich geringer aus.

Auch deshalb ist die Artbestimmung wichtig.

Bakterien fördern

Ein stabiles Mikrobiom kann dabei helfen, Dinoflagellaten langfristig zu verdrängen.

Viele Aquarianer berichten von positiven Erfahrungen mit Bakterienpräparaten.

Dabei geht es weniger darum, Dinoflagellaten direkt abzutöten.

Vielmehr sollen nützliche Mikroorganismen gestärkt werden.

Nährstoffe kontrollieren

Liegen Nitrat und Phosphat dauerhaft bei null, kann eine vorsichtige Anhebung sinnvoll sein.

Das sollte jedoch langsam erfolgen.

Starke Schwankungen helfen weder den Korallen noch der biologischen Stabilität.

Kontrolliere die Wasserwerte regelmäßig und arbeite Schritt für Schritt.

Absaugen hilft

Das regelmäßige Absaugen der Beläge reduziert die vorhandene Menge.

Dadurch wird das Aquarium entlastet.

Allein reicht diese Maßnahme meist nicht aus.

In Kombination mit einer Ursachenbekämpfung kann sie jedoch sehr sinnvoll sein.

Beleuchtung nicht überstürzt verändern

Häufig wird empfohlen, das Licht mehrere Tage vollständig auszuschalten.

Kurzfristig kann das die Beläge zwar reduzieren.

Die eigentliche Ursache bleibt jedoch bestehen.

Korallen benötigen Licht.

Eine längere Dunkelphase belastet deshalb auch die gewünschten Bewohner des Aquariums.

Verändere die Beleuchtung nur mit Bedacht.

Wasserwechsel

Früher wurde häufig empfohlen, während eines Dino Befalls vollständig auf Wasserwechsel zu verzichten.

Heute wird diese Empfehlung deutlich kritischer gesehen.

Ein regelmäßiger Wasserwechsel gehört weiterhin zu einer guten Aquarienpflege.

Entscheidend ist nicht der Verzicht auf frisches Wasser, sondern die Suche nach der eigentlichen Ursache.

Das Mikrobiom stärken

Ein vielfältiges biologisches Gleichgewicht gehört zu den besten natürlichen Schutzmechanismen.

Dazu tragen unter anderem bei:

  • stabile Wasserwerte
  • ausreichende Nährstoffe
  • gesunde Bakterienpopulation
  • gute Strömung
  • regelmäßige Pflege
  • Geduld

Je stabiler das gesamte System wird, desto schwerer können sich Dinoflagellaten dauerhaft behaupten.

Keine Wunder(mittel) erwarten

Im Handel werden zahlreiche Produkte gegen Dinoflagellaten angeboten.

Einige können unterstützend wirken.

Eine Garantie gibt es jedoch nicht.

Solange die Ursache bestehen bleibt, treten Dinoflagellaten häufig erneut auf.

Deshalb sollte immer das gesamte Aquarium betrachtet werden.

Typische Fehler

Immer wieder führen dieselben Fehler zu Problemen.

Dazu gehören:

  • Diagnose ohne Mikroskop
  • mehrere Maßnahmen gleichzeitig
  • dauerhaft null Nitrat
  • dauerhaft null Phosphat
  • übermäßiger Einsatz von Adsorbern
  • hektische Veränderungen

Mit Geduld und einer systematischen Vorgehensweise lassen sich diese Fehler vermeiden.

Ein einfaches Mikroskop reicht oft aus

Viele Aquarianer glauben, dass für die Bestimmung ein teures Labormikroskop notwendig ist.

In der Praxis genügt häufig bereits ein einfaches Lichtmikroskop mit einer Vergrößerung von etwa 400 bis 600 fach, um viele Dinoflagellaten sicher von Cyanobakterien oder Kieselalgen unterscheiden zu können.

Eine kleine Probe der Beläge auf einem Objektträger liefert oft bereits wertvolle Hinweise.

Wer häufiger Probleme analysieren möchte, profitiert langfristig von einem eigenen Mikroskop.

Unsere Erfahrungen bei Korallenland

In unserer Beratung erleben wir immer wieder, dass Aquarianer von einem Dino Befall überzeugt sind, obwohl tatsächlich ein ganz anderes Problem vorliegt. Nicht selten handelt es sich am Ende um Kieselalgen, Cyanobakterien oder einen Mischbelag.

Deshalb empfehlen wir, vor jeder gezielten Behandlung zunächst eine möglichst sichere Diagnose zu stellen. Ein Mikroskop schafft hier Klarheit und verhindert, dass unnötige oder sogar schädliche Maßnahmen durchgeführt werden.

Sind Dinoflagellaten tatsächlich nachgewiesen, hat sich aus unserer Erfahrung ein ruhiges und systematisches Vorgehen bewährt. Stabile Wasserwerte, ein gesundes biologisches Gleichgewicht und Geduld führen langfristig meist zu besseren Ergebnissen als hektische Sofortmaßnahmen.

Fazit

Dinoflagellaten gehören zu den schwierigeren Problemen im Meerwasseraquarium. Gleichzeitig werden sie deutlich häufiger vermutet als tatsächlich nachgewiesen.

Braune Beläge, Schleim oder Luftblasen sind allein kein Beweis für einen Dino Befall. Eine sichere Bestimmung ist ausschließlich unter dem Mikroskop möglich. Erst danach lässt sich entscheiden, welche Maßnahmen überhaupt sinnvoll sind.

Mit einer stabilen Biologie, ausgewogenen Nährstoffen, regelmäßiger Pflege und einer systematischen Vorgehensweise lassen sich Dinoflagellaten in vielen Fällen erfolgreich zurückdrängen. Der wichtigste Schritt ist jedoch immer eine korrekte Diagnose, denn nur wer die Ursache kennt, kann sie gezielt bekämpfen.

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