Einsiedlerkrebse richtig halten
Einsiedlerkrebse gehören zu den beliebtesten Wirbellosen im Meerwasseraquarium. Sie sind ständig unterwegs, klettern geschickt über das Riffgestein und übernehmen gleichzeitig eine wichtige Aufgabe bei der Reinigung des Aquariums. Als Teil einer gut zusammengestellten Cleaning Crew helfen sie dabei, Futterreste, Algenbeläge und organisches Material zu beseitigen.
Doch obwohl Einsiedlerkrebse oft als unkomplizierte Pfleglinge gelten, gibt es einige Punkte zu beachten. Nicht jede Art eignet sich für jedes Aquarium und auch bei der Auswahl der Tiere sowie der passenden Schneckenhäuser solltest du sorgfältig vorgehen.
In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige über die Haltung von Einsiedlerkrebsen im Meerwasseraquarium.
Was sind Einsiedlerkrebse?
Einsiedlerkrebse gehören zu den Zehnfußkrebsen und unterscheiden sich deutlich von echten Krabben.
Ihr Hinterleib ist weich und besitzt keinen festen Panzer. Deshalb suchen sie sich zum Schutz leere Schneckenhäuser, in die sie ihren Hinterkörper zurückziehen.
Mit zunehmendem Wachstum benötigen sie regelmäßig größere Häuser und wechseln diese im Laufe ihres Lebens immer wieder.
Genau dieses Verhalten macht Einsiedlerkrebse besonders interessant zu beobachten.
Warum sind Einsiedlerkrebse so beliebt?
Neben ihrem spannenden Verhalten übernehmen Einsiedler wichtige Aufgaben im Aquarium.
Sie sind ständig auf Nahrungssuche und durchstreifen nahezu das gesamte Riff.
Dabei fressen sie unter anderem:
- Futterreste
- abgestorbenes organisches Material
- feine Algenbeläge
- Aufwuchs
- Detritus
Dadurch unterstützen sie das biologische Gleichgewicht und ergänzen die übrige Cleaning Crew.
Einsiedler sind keine Wundermittel
Immer wieder wird erwartet, dass einige Einsiedler sämtliche Algenprobleme lösen.
Das können sie natürlich nicht.
Sie helfen dabei, kleinere Algenbeläge und organische Reste zu beseitigen.
Die eigentliche Ursache von Algenproblemen liegt jedoch fast immer in Wasserwerten, Nährstoffen oder Pflege.
Einsiedler sind wertvolle Helfer, ersetzen aber keine regelmäßige Aquarienpflege.
Welche Arten eignen sich?
Im Meerwasseraquarium haben sich einige Arten besonders bewährt.
Dazu gehören beispielsweise:
Diese unterscheiden sich unter anderem in Größe, Färbung und Verhalten.
Vor dem Kauf solltest du dich immer über die jeweilige Endgröße informieren.
Clibanarius tricolor
Der Blaubein Einsiedlerkrebs gehört zu den beliebtesten Arten.
Er bleibt vergleichsweise klein und eignet sich daher auch für kleinere Aquarien.
Er frisst feine Algenbeläge und ist ständig unterwegs.
Durch seine blau gefärbten Beine ist er außerdem ein echter Blickfang.
Calcinus laevimanus
Diese Art wird etwas größer und besitzt kräftige Scheren.
Auch sie hilft beim Abweiden von Aufwuchs und Algen.
Mit zunehmender Größe kann sie jedoch kleinere Schneckenhäuser für sich beanspruchen.
Ausreichend Ersatzhäuser sind deshalb besonders wichtig.
Trizopagurus strigatus
Der Halloween Einsiedler zählt zu den schönsten Arten.
Mit seinen orange roten Streifen fällt er sofort ins Auge.
Er wird allerdings deutlich größer als viele andere Einsiedler und benötigt entsprechend mehr Platz.
Für Nano Aquarien eignet er sich daher meist nicht.
Leere Schneckenhäuser sind unverzichtbar
Einer der wichtigsten Punkte bei der Haltung wird häufig vergessen.
Einsiedler benötigen regelmäßig größere Schneckenhäuser.
Fehlen passende Häuser, versuchen manche Tiere, bewohnte Schneckenhäuser zu übernehmen.
Dabei können Schnecken verletzt oder sogar getötet werden.
Lege deshalb immer mehrere unterschiedlich große leere Schneckenhäuser ins Aquarium.
So können die Einsiedler jederzeit umziehen.
Warum wechseln Einsiedler ihr Haus?
Mit zunehmendem Wachstum wird das bisherige Haus zu klein.
Dann beginnt die Suche nach einem größeren Schneckenhaus.
Dieser Umzug ist faszinierend zu beobachten.
Der Einsiedler prüft mehrere Häuser sorgfältig und entscheidet sich schließlich innerhalb weniger Sekunden für sein neues Zuhause.
Greifen Einsiedler Schnecken an?
Diese Frage wird häufig gestellt.
Grundsätzlich sind Einsiedler keine aktiven Schneckenjäger.
Kommt es dennoch zu Angriffen, fehlt häufig ein passendes leeres Schneckenhaus.
Gut versorgte Einsiedler mit ausreichend Auswahl zeigen dieses Verhalten deutlich seltener.
Dennoch gibt es zwischen einzelnen Arten und sogar einzelnen Tieren Unterschiede.
Was fressen Einsiedler?
Einsiedler sind Allesfresser.
Sie nehmen unter anderem:
- Futterreste
- Algen
- Detritus
- abgestorbene Pflanzenteile
- Frostfutterreste
- spezielles Wirbellosenfutter
In gut eingefahrenen Aquarien finden sie meist ausreichend Nahrung.
Bei sehr sauberen Aquarien kann gelegentlich eine Zufütterung sinnvoll sein.
Einsiedler und Korallen
Die meisten Einsiedler sind gegenüber Korallen friedlich.
Beim Klettern können sie jedoch lose Korallen oder frisch eingesetzte Ableger verschieben.
Deshalb sollten Korallen immer sicher befestigt werden.
Vor allem größere Arten entwickeln erstaunliche Kräfte.
Wie viele Einsiedler sind sinnvoll?
Hier gilt oft weniger ist mehr.
Zu viele Einsiedler finden langfristig nicht genügend Nahrung.
Die passende Anzahl hängt unter anderem ab von:
- Beckengröße
- Algenaufkommen
- übriger Cleaning Crew
- Fischbesatz
Eine kleine, gut abgestimmte Gruppe arbeitet meist effektiver als eine große Überbesetzung.
Einsiedler und Schnecken kombinieren
Einsiedler und Schnecken ergänzen sich hervorragend.
Während Schnecken vor allem Oberflächen abweiden, übernehmen Einsiedler zusätzlich Futterreste und organisches Material.
Gemeinsam bilden sie eine starke Grundlage für eine funktionierende Cleaning Crew.
Wasserwerte
Wie alle Wirbellosen reagieren auch Einsiedler empfindlich auf schlechte Wasserqualität.
Wichtig sind:
- stabile Salinität
- konstante Temperatur
- ausreichendes Calcium
- stabile Karbonathärte
- genügend Magnesium
Besonders plötzliche Veränderungen sollten vermieden werden.
Vorsicht bei Kupfer
Kupferhaltige Medikamente dürfen niemals in einem Aquarium mit Einsiedlerkrebsen eingesetzt werden.
Bereits geringe Mengen können Wirbellose schwer schädigen.
Auch ungeeignete Metallteile oder belastetes Leitungswasser können problematisch sein.
Langsame Eingewöhnung
Einsiedler reagieren empfindlich auf schnelle Veränderungen des Salzgehalts.
Eine sorgfältige Eingewöhnung per Tropfmethode erhöht die Erfolgschancen deutlich.
Nimm dir dafür ausreichend Zeit.
Häutung
Wie alle Krebstiere häuten sich auch Einsiedler regelmäßig.
Vor der Häutung wirken sie häufig etwas ruhiger.
Nach der Häutung bleibt die alte Hülle oft im Aquarium liegen.
Viele Aquarianer halten diese zunächst für ein verstorbenes Tier.
Tatsächlich versteckt sich der Einsiedler meist bereits im Schneckenhaus und härtet seinen neuen Panzer aus.
Die leere Hülle kann im Aquarium verbleiben und wird häufig von anderen Bewohnern gefressen.
Einsiedler sind ständig beschäftigt
Kaum ein anderes Tier ist so aktiv.
Sie durchsuchen den Bodengrund, klettern über Korallen, untersuchen Schneckenhäuser und erkunden jede Ecke des Aquariums.
Gerade dieses Verhalten macht sie für viele Aquarianer besonders interessant.
Typische Fehler
Immer wieder treten ähnliche Probleme auf.
Dazu gehören:
- keine Ersatzhäuser
- zu viele Einsiedler
- falsche Art für die Beckengröße
- lose Korallen
- zu wenig Nahrung
- schlechte Wasserqualität
Mit einer guten Planung lassen sich diese Fehler leicht vermeiden.
Welche Arten empfehlen wir?
Für viele Aquarien eignen sich besonders:
- Clibanarius tricolor
- Calcinus laevimanus
- Trizopagurus strigatus bei größeren Aquarien
Welche Art am besten passt, hängt jedoch immer von der Beckengröße und dem übrigen Besatz ab.
Unsere Erfahrungen bei Korallenland
Einsiedlerkrebse gehören für uns zu den wichtigsten Tieren einer gut zusammengestellten Cleaning Crew. Sie sind ständig aktiv und übernehmen viele kleine Aufgaben, die im Alltag eines Meerwasseraquariums oft unterschätzt werden.
Besonders wichtig ist aus unserer Erfahrung die Bereitstellung ausreichend großer leerer Schneckenhäuser. Viele vermeintlich aggressive Einsiedler verhalten sich deutlich friedlicher, wenn jederzeit passende Häuser zur Verfügung stehen.
Außerdem empfehlen wir, nicht möglichst viele Einsiedler einzusetzen. Eine ausgewogene Kombination aus Schnecken, Einsiedlern, Garnelen und gegebenenfalls Seeigeln arbeitet meist deutlich effektiver und sorgt langfristig für ein stabiles biologisches Gleichgewicht.
Fazit
Einsiedlerkrebse sind spannende, nützliche und pflegeleichte Bewohner eines Meerwasseraquariums.
Sie helfen beim Verwerten von Futterresten, fressen Algenbeläge und ergänzen jede Cleaning Crew sinnvoll. Gleichzeitig begeistern sie mit ihrem interessanten Verhalten und den regelmäßigen Hauswechseln.
Mit passenden Schneckenhäusern, stabilen Wasserwerten und einer sorgfältigen Auswahl der richtigen Art lassen sich Einsiedler viele Jahre erfolgreich pflegen.
Wer sie als hilfreiche Ergänzung und nicht als alleinige Lösung gegen Algen betrachtet, wird lange Freude an diesen außergewöhnlichen Krebsen haben.
