Korallen richtig füttern: Was brauchen Korallen wirklich?
Brauchen Korallen eigentlich Futter oder reicht eine gute Beleuchtung aus? Diese Frage taucht in der Meerwasseraquaristik immer wieder auf. Die Antwort lautet: Es kommt auf die Koralle an.
Viele Korallen beziehen einen großen Teil ihrer Energie über die Photosynthese ihrer Zooxanthellen. Trotzdem bedeutet das nicht, dass sie ausschließlich von Licht leben. Korallen sind Tiere und viele Arten können zusätzlich Plankton, kleine Krebstiere, organische Partikel und andere Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen.
Bei manchen Korallen ist eine zusätzliche Fütterung nicht unbedingt notwendig, kann aber Wachstum und Vitalität unterstützen. Andere Arten sind dagegen zwingend auf regelmäßige Nahrung angewiesen.
Genauso wichtig ist allerdings die andere Seite: Zu viel Korallenfutter kann dein Aquarium erheblich belasten. Was nicht gefressen wird, landet irgendwann als zusätzliche Nährstoffbelastung im System.
Die Kunst besteht deshalb nicht darin, möglichst viel zu füttern, sondern die richtigen Korallen mit dem passenden Futter in einer sinnvollen Menge zu versorgen.
Korallen sind Tiere
Das klingt selbstverständlich, wird aber manchmal vergessen.
Korallen sehen mit ihren unterschiedlichen Wuchsformen auf den ersten Blick eher wie Pflanzen oder bizarre Steine aus. Tatsächlich gehören sie zu den Nesseltieren.
Ihre Polypen besitzen eine Mundöffnung und können Nahrung aufnehmen.
Je nach Korallenart unterscheiden sich Größe und Aufbau dieser Polypen erheblich. Eine Acropora besitzt beispielsweise winzige Polypen, während eine Acanthophyllia einen riesigen fleischigen Polypen ausbilden kann.
Entsprechend unterschiedlich fällt auch die mögliche Nahrung aus.
Wie ernähren sich Korallen?
Korallen nutzen verschiedene Nahrungsquellen.
Bei vielen Arten spielt die Symbiose mit sogenannten Zooxanthellen eine besonders wichtige Rolle.
Diese mikroskopisch kleinen Organismen leben im Gewebe der Koralle und betreiben Photosynthese. Ein Teil der dabei erzeugten Energie steht anschließend der Koralle zur Verfügung.
Deshalb ist eine geeignete Beleuchtung für viele Korallen lebenswichtig.
Licht allein beschreibt die Ernährung einer Koralle allerdings nur unvollständig.
Korallen können je nach Art zusätzlich unterschiedliche Nahrung aufnehmen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Zooplankton
- kleine Krebstiere
- Bakterien
- organische Partikel
- gelöste organische Verbindungen
Welche Nahrungsquelle besonders wichtig ist, hängt stark von der jeweiligen Koralle ab.
Müssen Korallen überhaupt gefüttert werden?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.
Viele photosynthetische Korallen lassen sich in einem gut funktionierenden und ausreichend mit Nährstoffen versorgten Riffaquarium ohne regelmäßige Direktfütterung erfolgreich halten.
Das Aquarium selbst stellt bereits verschiedene Nahrungsquellen bereit.
Bei jeder Fischfütterung gelangen beispielsweise kleine Futterpartikel und gelöste Nährstoffe ins Wasser. Zusätzlich leben in einem gut eingefahrenen Aquarium unzählige Kleinstlebewesen.
Andere Korallen profitieren dagegen deutlich von einer gezielten Fütterung.
Und nicht photosynthetische Korallen sind sogar auf eine regelmäßige Futterversorgung angewiesen.
LPS Korallen richtig füttern
Gerade bei vielen LPS Korallen lässt sich die Nahrungsaufnahme hervorragend beobachten.
Ihre großen fleischigen Polypen können teilweise erstaunlich große Beutetiere bewältigen.
Zu den LPS Korallen, die häufig gut auf eine gezielte Fütterung reagieren, gehören unter anderem:
- Acanthophyllia
- Lobophyllia
- Trachyphyllia
- Cynarina
- Scolymia
- Micromussa
- Blastomussa
- Duncanopsammia
- Caulastrea
Bei diesen Korallen kann eine gelegentliche gezielte Fütterung durchaus sinnvoll sein.
Acanthophyllia
Eine gesunde Acanthophyllia kann eine beeindruckende Futterreaktion zeigen.
Geeignet sind beispielsweise kleinere Portionen Mysis, Artemia, Krill oder anderes hochwertiges fleischliches Futter.
Dabei solltest du es mit der Größe nicht übertreiben.
Nur weil die Koralle ein großes Stück Futter aufnehmen kann, bedeutet das nicht automatisch, dass es sinnvoll ist.
Mehrere kleine Portionen sind häufig besser als ein riesiger Brocken.
Trachyphyllia und Scolymia
Auch diese Korallen lassen sich gut gezielt füttern.
Besonders am Abend zeigen sie häufig deutlich ihre Fangtentakel.
Das ist ein guter Zeitpunkt für eine kleine Portion Frostfutter oder geeignetes LPS Futter.
Mit einer Futterpipette kannst du die Nahrung vorsichtig in die Nähe der Mundöffnung geben.
Wichtig ist, das empfindliche Gewebe nicht mit einem harten Wasserstrahl aus der Pipette zu belasten.
Micromussa und Acanthastrea
Diese Korallen besitzen zahlreiche einzelne Polypen.
Bei einer gezielten Fütterung kannst du beobachten, wie die einzelnen Polypen kleine Futterpartikel aufnehmen.
Sehr große Stücke sind dafür ungeeignet.
Kleine Mysis, feines Frostfutter oder entsprechendes Korallenfutter funktionieren meist deutlich besser.
Euphyllia
Euphyllia Arten wie Hammerkorallen und Fackelkorallen müssen normalerweise nicht intensiv direkt gefüttert werden.
Sie können jedoch kleinere Nahrungspartikel aufnehmen und von einer zusätzlichen Versorgung profitieren.
Ich würde hier eher zurückhaltend füttern.
Eine gesunde Euphyllia benötigt nicht ständig große Futterstücke zwischen ihren Tentakeln.
Goniopora und Alveopora
Goniopora und Alveopora besitzen zahlreiche kleinere Polypen und profitieren eher von entsprechend feinem Futter.
Sehr kleine planktonische Futtermittel können über die Wassersäule angeboten werden.
Hier ist die passende Partikelgröße besonders wichtig.
Große Mysis bringen einer Goniopora wenig, wenn ihre Polypen sie überhaupt nicht aufnehmen können.
SPS Korallen füttern
Auch SPS Korallen sind in der Lage, Nahrung aufzunehmen.
Acropora, Montipora, Stylophora, Pocillopora oder Seriatopora besitzen allerdings sehr kleine Polypen.
Entsprechend fein muss das Futter sein.
Geeignet können beispielsweise sehr kleine Zooplanktonpartikel oder spezielle feine Korallenfuttermittel sein.
In einem biologisch gut entwickelten Riffaquarium stehen SPS zusätzlich zahlreiche natürliche Nahrungsquellen zur Verfügung.
Eine massive zusätzliche Fütterung ist deshalb nicht automatisch sinnvoll.
Gerade bei SPS Aquarien solltest du die Entwicklung von Nitrat und Phosphat genau beobachten.
Weichkorallen
Viele klassische Weichkorallen benötigen keine gezielte Fütterung.
Sarcophyton, Sinularia oder Lobophytum beziehen einen großen Teil ihrer Energie über ihre Zooxanthellen und können zusätzlich gelöste Stoffe aus dem Wasser nutzen.
In einem normal besetzten Riffaquarium reicht das häufig vollkommen aus.
Das bedeutet nicht, dass Weichkorallen keinerlei Nahrung aufnehmen. Eine gezielte Fütterung ist bei vielen Arten schlicht nicht notwendig.
Zoanthus
Auch viele Zoanthus können kleine Nahrungspartikel aufnehmen.
Eine regelmäßige Fütterung ist bei gesunden photosynthetischen Tieren jedoch normalerweise nicht zwingend erforderlich.
Manche Polypen zeigen eine deutliche Futterreaktion, andere kaum.
Hier lohnt es sich, die Tiere zu beobachten.
Beim Umgang mit Zoanthus und insbesondere Palythoa solltest du außerdem immer berücksichtigen, dass manche Arten das hochgiftige Palytoxin enthalten können.
Nicht photosynthetische Korallen
Eine völlig andere Situation besteht bei nicht photosynthetischen Korallen.
Sie können ihren Energiebedarf nicht über eine ausreichende Photosyntheseversorgung decken und sind deshalb auf Nahrung angewiesen.
Dazu gehören beispielsweise verschiedene nicht photosynthetische Gorgonien und andere spezialisierte Korallen.
Diese Tiere stellen häufig hohe Anforderungen an die Haltung.
Je nach Art kann mehrmals täglich eine Fütterung notwendig sein.
Und genau hier entsteht ein Problem.
Je mehr Futter ins Aquarium gelangt, desto stärker wird das gesamte System mit organischen Stoffen belastet.
Die Herausforderung besteht deshalb darin, die Korallen ausreichend zu ernähren und gleichzeitig eine sehr gute Wasserqualität zu erhalten.
Solche Korallen würde ich Einsteigern deshalb nur sehr eingeschränkt empfehlen.
Die richtige Partikelgröße entscheidet
Einer der wichtigsten Punkte bei der Korallenfütterung ist die Größe des Futters.
Eine Acanthophyllia kann relativ große Nahrung aufnehmen.
Eine Acropora dagegen nicht.
Du solltest das Futter deshalb immer an die Größe der Polypen anpassen.
Als einfache Orientierung gilt:
Große Polypen können größere Nahrung aufnehmen.
Kleine Polypen benötigen entsprechend kleine Partikel.
Das klingt banal, wird aber in der Praxis erstaunlich häufig ignoriert.
Welches Korallenfutter ist geeignet?
Mittlerweile gibt es eine riesige Auswahl unterschiedlicher Futtermittel.
Dazu gehören:
- Frostfutter
- Staubfutter
- Zooplankton
- Phytoplankton
- Granulate
- flüssiges Korallenfutter
Nicht jedes Produkt ist für jede Koralle geeignet.
Du benötigst auch nicht fünf verschiedene Futtermittel gleichzeitig.
Viel wichtiger ist, dass das verwendete Futter zu deinen Korallen passt.
Frostfutter
Frostfutter eignet sich hervorragend für viele großpolypige LPS Korallen.
Geeignet sind je nach Korallengröße beispielsweise:
- Mysis
- Artemia
- feiner Krill
- kleine Stücke von Muschel oder anderem marinen Futter
Ich würde Frostfutter vor der Verwendung auftauen und gezielt in kleinen Mengen verfüttern.
Staubfutter
Staubfutter besitzt sehr kleine Partikel und eignet sich dadurch unter anderem für kleinpolypige Korallen.
Hier lauert allerdings eine typische Falle.
Eine kleine Menge Staubfutter sieht nach fast nichts aus. Verteilt im gesamten Aquarium kann sie trotzdem eine erhebliche Menge organischer Substanz darstellen.
Deshalb solltest du dich langsam an die benötigte Menge herantasten.
Zooplankton
Viele Korallen ernähren sich in der Natur zumindest teilweise von Zooplankton.
Entsprechende Futtermittel können deshalb eine interessante Ergänzung darstellen.
Auch hier muss die Größe der Organismen beziehungsweise Partikel zur jeweiligen Koralle passen.
Phytoplankton
Phytoplankton besteht aus mikroskopisch kleinen Algen.
Nicht jede Koralle ernährt sich direkt davon.
Phytoplankton kann allerdings Filtrierer und andere Organismen im Aquarium versorgen und damit das gesamte Nahrungsnetz unterstützen.
Deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, ohne dass jede einzelne Koralle das Phytoplankton unmittelbar frisst.
Direktfütterung oder Futter über die Wassersäule?
Beide Methoden haben ihre Berechtigung.
Bei großen LPS Korallen bevorzuge ich die gezielte Fütterung.
Du kannst dabei genau beobachten, welche Koralle das Futter tatsächlich bekommt.
Außerdem benötigst du wesentlich weniger Futter.
Bei SPS, Goniopora und anderen kleinpolypigen Korallen ist eine Fütterung über die Wassersäule dagegen häufig sinnvoller.
Das feine Futter verteilt sich im Aquarium und kann von zahlreichen Polypen aufgenommen werden.
Der Nachteil besteht darin, dass zwangsläufig ein Teil des Futters nicht gefressen wird.
Wie funktioniert eine gezielte Fütterung?
Eine lange Futterpipette ist dafür ideal.
Reduziere zunächst die Strömung.
Nimm eine kleine Menge Futter auf und gib sie vorsichtig über die Koralle.
Nicht mit Druck auf das Gewebe spritzen.
Warte anschließend einige Minuten, bis die Koralle das Futter aufgenommen hat.
Danach wird die normale Strömung wieder eingeschaltet.
Viele moderne Strömungspumpen besitzen dafür einen Fütterungsmodus.
Wann ist der beste Zeitpunkt?
Viele Korallen zeigen besonders am Abend oder nachts ihre Fangtentakel.
Das entspricht ihrem natürlichen Verhalten, denn im Riff steigt nachts bei vielen Arten das Angebot an Zooplankton.
Deshalb ist der Abend häufig ein guter Zeitpunkt.
Du musst dich allerdings nicht streng nach einer bestimmten Uhrzeit richten.
Beobachte deine Korallen.
Zeigt eine LPS deutlich ihre Fangtentakel, signalisiert sie damit eine hohe Bereitschaft zur Nahrungsaufnahme.
Wie häufig sollte man Korallen füttern?
Hier kommt es wieder auf die Art an.
Eine gesunde photosynthetische Acanthophyllia oder Trachyphyllia muss nicht täglich mit Frostfutter versorgt werden.
Eine gelegentliche Fütterung ein oder zweimal pro Woche kann vollkommen ausreichend sein.
Bei einem gut versorgten Aquarium kann sogar weniger genügen.
Nicht photosynthetische Arten benötigen dagegen je nach Art wesentlich häufigere Futtergaben.
Eine pauschale Regel für alle Korallen funktioniert deshalb nicht.
Fische füttern bedeutet gleichzeitig Korallen füttern
Dieser Zusammenhang wird häufig unterschätzt.
Wenn du deine Fische fütterst, landet nicht jedes Futterteil direkt im Fisch.
Kleine Partikel verteilen sich im Aquarium.
Zusätzlich gelangen gelöste Nährstoffe in das Wasser.
Davon profitieren Bakterien, Kleinstlebewesen und teilweise auch die Korallen.
Ein gut besetztes Riffaquarium erhält deshalb bereits über die normale Fischfütterung eine kontinuierliche Nährstoffversorgung.
Bevor du zusätzlich große Mengen Korallenfutter dosierst, solltest du diesen Eintrag berücksichtigen.
Ein reifes Aquarium produziert selbst Nahrung
Ein gesundes Riffaquarium ist ein kleines Ökosystem.
Zwischen den Steinen leben unzählige Organismen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Copepoden
- Amphipoden
- Würmer
- Bakterien
- Mikroalgen
- andere Kleinstlebewesen
Viele dieser Organismen oder deren Nachwuchs werden wiederum zur Nahrung anderer Tiere.
Je biologisch vielfältiger ein Aquarium ist, desto umfangreicher wird dieses natürliche Nahrungsnetz.
Das ist einer der Gründe, warum ein gut eingefahrenes Riff häufig deutlich stabiler funktioniert als ein sehr junges System.
Mehr Futter bedeutet nicht automatisch mehr Wachstum
Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Punkte dieses Artikels.
Wer doppelt so viel Korallenfutter ins Aquarium gibt, bekommt nicht automatisch doppelt so viel Korallenwachstum.
Wachstum hängt von vielen Faktoren ab.
Dazu gehören:
- Licht
- Strömung
- KH
- Calcium
- Magnesium
- Nitrat
- Phosphat
- Temperatur
- Salinität
- Nahrungsangebot
Fehlt einer dieser Faktoren oder befindet sich das Aquarium aus dem Gleichgewicht, lässt sich das Problem nicht einfach mit mehr Futter lösen.
Überfütterung vermeiden
Was passiert mit Futter, das keine Koralle aufnimmt?
Es verschwindet nicht.
Es wird von anderen Tieren gefressen, von Bakterien verarbeitet oder sammelt sich als organische Belastung im Aquarium.
Dadurch können Nitrat und Phosphat steigen.
Bei dauerhafter Überfütterung können außerdem Algen und unerwünschte Beläge profitieren.
Deshalb gilt für mich:
Lieber gezielt und etwas weniger füttern als jeden Tag große Mengen ins Aquarium geben.
Nitrat und Phosphat beobachten
Wenn du deine Korallenfütterung deutlich erhöhst, solltest du Nitrat und Phosphat kontrollieren.
Steigen beide Werte langsam an, kann das ein Hinweis darauf sein, dass mehr Futter ins Aquarium gelangt als verwertet beziehungsweise exportiert wird.
Das bedeutet nicht, dass Nitrat und Phosphat bei null liegen müssen.
Ganz im Gegenteil.
Korallen benötigen Nährstoffe.
Entscheidend sind ausgewogene und möglichst stabile Verhältnisse.
Strömung während der Fütterung
Bei einer gezielten LPS Fütterung kann es sinnvoll sein, die Strömung kurzzeitig zu reduzieren.
Dadurch wird das Futter nicht sofort weggeblasen.
Komplett ausgeschaltet bleiben sollten die Pumpen jedoch nicht unnötig lange.
Nach der Fütterung sorgt die Strömung wieder dafür, dass überschüssige Partikel verteilt und Richtung Filterung transportiert werden.
Muss der Abschäumer ausgeschaltet werden?
Bei einer normalen gezielten Fütterung ist das meistens nicht notwendig.
Einige flüssige oder besonders feine Futtermittel können jedoch vom Abschäumer relativ schnell entfernt werden.
Hier kannst du dich an den Empfehlungen des jeweiligen Herstellers orientieren.
Wenn du den Abschäumer ausschaltest, solltest du daran denken, ihn anschließend wieder einzuschalten.
Achtung vor Garnelen und anderen Futterdieben
Du fütterst liebevoll deine Acanthophyllia mit einer Mysis und fünf Sekunden später marschiert eine Garnele darüber und zieht ihr das Futter wieder aus dem Mund.
Das kennen wahrscheinlich viele Meerwasseraquarianer.
Garnelen, Einsiedler und Fische lernen sehr schnell, dass bei der Korallenfütterung etwas zu holen ist.
Eine einfache Möglichkeit besteht darin, diese Tiere zunächst separat zu füttern.
Während sie beschäftigt sind, bekommen die Korallen ihre Portion.
Eine Koralle nimmt kein Futter an
Das muss zunächst nichts Schlimmes bedeuten.
Nicht jede Koralle zeigt eine deutlich sichtbare Futterreaktion.
Wenn eine Koralle jedoch plötzlich überhaupt nicht mehr expandiert und gleichzeitig weitere Auffälligkeiten zeigt, solltest du nicht einfach mehr Futter anbieten.
Kontrolliere zuerst die grundlegenden Haltungsbedingungen.
Dazu gehören insbesondere Wasserwerte, Licht und Strömung.
Eine Koralle mit einem Haltungsproblem lässt sich nicht gesund füttern.
Neue Korallen nicht sofort vollstopfen
Nach Transport und Einsetzen befindet sich eine Koralle zunächst in einer neuen Umgebung.
Andere Wasserwerte, anderes Licht und eine neue Strömung bedeuten Stress.
Lass ihr deshalb zunächst etwas Zeit.
Sobald sie sich normal öffnet und eingewöhnt hat, kannst du ausprobieren, wie sie auf eine kleine Futtergabe reagiert.
Woran erkennst du eine gut versorgte Koralle?
Gesunde Korallen zeigen je nach Art unterschiedliche Merkmale.
Typische positive Anzeichen sind:
- gute Gewebeausdehnung
- regelmäßige Polypenöffnung
- gesundes Gewebe
- stabile Färbung
- Wachstum
- Bildung neuer Polypen
- Wachstumsspitzen bei SPS
Dabei solltest du immer die Entwicklung über einen längeren Zeitraum betrachten.
Ein einzelner Tag sagt wenig aus.
Typische Fehler bei der Korallenfütterung
Viele Fehler lassen sich relativ einfach vermeiden.
Besonders häufig sehe ich:
- viel zu große Futtermengen
- tägliche Fütterung ohne tatsächlichen Bedarf
- falsche Partikelgröße
- große Futterbrocken für LPS
- fehlende Kontrolle von Nitrat und Phosphat
- zu viel Staubfutter
- Futter mit Druck auf das Korallengewebe spritzen
- Pumpen nach der Fütterung vergessen
- jede Koralle gleich behandeln
Die beste Fütterung orientiert sich immer an den vorhandenen Korallen und nicht an einer pauschalen Dosieranleitung.
Muss ich überhaupt spezielles Korallenfutter kaufen?
Nicht unbedingt.
Das hängt vollständig von deinem Besatz ab.
Eine LPS Koralle kann beispielsweise hervorragend geeignetes Frostfutter aufnehmen.
Andere Korallen profitieren von feinen speziellen Futtermitteln.
Wieder andere benötigen überhaupt keine zusätzliche gezielte Fütterung.
Du musst deshalb nicht automatisch ein ganzes Regal voller Korallenfutter besitzen.
Wenige passende Produkte sind häufig vollkommen ausreichend.
Beobachten ist wichtiger als Dosieren
Meerwasseraquaristik funktioniert nicht nach dem Prinzip:
Produkt hinein und Problem gelöst.
Gerade bei der Fütterung solltest du deine Tiere beobachten.
Wie reagieren sie?
Wird das Futter aufgenommen?
Bleiben Reste liegen?
Verändern sich Nitrat und Phosphat?
Wachsen die Korallen?
Diese Beobachtungen helfen dir wesentlich mehr als irgendeine pauschale Fütterungsregel.
Unsere Erfahrungen bei Korallenland
Bei Korallenland werden wir häufig gefragt, welches Korallenfutter das beste ist.
Eigentlich müsste die erste Gegenfrage lauten:
Für welche Koralle?
Eine Acanthophyllia benötigt eine völlig andere Futtergröße als eine Acropora. Und eine gut stehende Weichkoralle muss möglicherweise überhaupt nicht zusätzlich gefüttert werden.
Deshalb empfehlen wir lieber eine gezielte Fütterung statt möglichst vieler unterschiedlicher Produkte.
Gerade bei großpolypigen LPS Korallen macht es Spaß, die Futteraufnahme zu beobachten. Kleine Portionen ein oder zweimal pro Woche können hier eine sinnvolle Ergänzung sein.
Gleichzeitig sollte die Fütterung immer zum gesamten Aquarium passen.
Wenn Nitrat und Phosphat bereits deutlich erhöht sind, wäre es wenig sinnvoll, einfach noch mehr Staubfutter ins Wasser zu geben.
Korallenfütterung ist deshalb kein isoliertes Thema. Sie gehört immer zum gesamten Versorgungskonzept des Aquariums.
Unser Grundsatz: Füttere die Koralle und nicht das Aquarium
Dieser Satz fasst unsere Einstellung eigentlich ziemlich gut zusammen.
Wenn eine Koralle gezielt Nahrung aufnehmen kann, solltest du diese Möglichkeit nutzen.
Dadurch benötigst du weniger Futter und reduzierst gleichzeitig die Belastung des Wassers.
Natürlich funktioniert das nicht bei jeder Koralle.
Bei kleinpolypigen Arten muss Futter über die Wassersäule verteilt werden.
Aber auch dann gilt:
So viel wie nötig und nicht so viel wie möglich.
Fazit
Korallen richtig zu füttern bedeutet vor allem, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse zu verstehen.
Viele photosynthetische Korallen erhalten einen großen Teil ihrer Energie über ihre Zooxanthellen und benötigen keine intensive zusätzliche Fütterung.
Großpolypige LPS Korallen wie Acanthophyllia, Trachyphyllia, Scolymia oder Micromussa können dagegen sehr gut gezielt gefüttert werden.
SPS Korallen benötigen entsprechend feine Nahrungspartikel, während viele klassische Weichkorallen normalerweise ohne direkte Fütterung auskommen.
Eine besondere Herausforderung stellen nicht photosynthetische Korallen dar. Sie sind auf regelmäßige Nahrung angewiesen und benötigen deshalb ein entsprechend angepasstes Haltungskonzept.
Ganz egal welche Korallen du pflegst, eines solltest du immer im Hinterkopf behalten:
Mehr Futter ist nicht automatisch besser.
Beobachte deine Tiere, wähle die richtige Partikelgröße, füttere gezielt und kontrolliere gleichzeitig die Entwicklung deiner Wasserwerte.
Dann wird die Korallenfütterung nicht zur zusätzlichen Belastung des Aquariums, sondern zu einem sinnvollen Bestandteil einer erfolgreichen Korallenhaltung.
