Strömung im Meerwasseraquarium
Die Strömung gehört zu den wichtigsten Faktoren in einem Meerwasseraquarium. Trotzdem wird sie gerade von Einsteigern häufig unterschätzt. Viele konzentrieren sich zunächst auf Beleuchtung, Wasserwerte oder den Abschäumer. Dabei entscheidet eine gut geplante Strömung maßgeblich darüber, ob Korallen gesund wachsen und sich das Aquarium langfristig stabil entwickelt.
Strömung transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zu den Korallen, entfernt Stoffwechselprodukte, hält Schmutz in Bewegung und verhindert, dass sich organische Ablagerungen an ungünstigen Stellen sammeln.
Doch mehr Strömung bedeutet nicht automatisch bessere Strömung. Entscheidend ist eine natürliche, abwechslungsreiche Wasserbewegung, die zu deinem Aquarium und zu den gepflegten Tieren passt.
In diesem Artikel erfährst du, warum Strömung so wichtig ist, wie du Strömungspumpen richtig platzierst und welche Fehler du vermeiden solltest.
Warum ist Strömung so wichtig?
Im natürlichen Korallenriff bewegt sich das Wasser ständig.
Wellen, Gezeiten und Meeresströmungen sorgen dafür, dass Korallen permanent mit frischem Wasser umspült werden.
Dadurch erhalten sie:
- Sauerstoff
- Nährstoffe
- Spurenelemente
- Plankton
- gelöste Mineralstoffe
Gleichzeitig werden Stoffwechselprodukte, Schleim und feine Schmutzpartikel abtransportiert.
Im Aquarium muss diese Aufgabe vollständig von den Strömungspumpen übernommen werden.
Strömung versorgt die Korallen
Korallen nehmen viele Stoffe direkt aus dem Wasser auf.
Je besser das Wasser ständig ausgetauscht wird, desto besser funktioniert diese Versorgung.
Bleibt das Wasser um eine Koralle stehen, entsteht eine sogenannte Grenzschicht.
Diese wirkt wie eine Barriere zwischen Koralle und Wasser.
Eine gute Strömung hält diese Schicht möglichst dünn und verbessert dadurch die Versorgung erheblich.
Sauerstoff im gesamten Aquarium
Nicht nur Korallen profitieren von einer guten Wasserbewegung.
Auch Fische, Garnelen, Schnecken und alle anderen Lebewesen benötigen ausreichend Sauerstoff.
Eine bewegte Wasseroberfläche verbessert zusätzlich den Gasaustausch.
Dadurch gelangt Sauerstoff ins Wasser und Kohlendioxid wird abgegeben.
Gerade nachts spielt dieser Effekt eine wichtige Rolle.
Schmutz bleibt in Bewegung
Futterreste, Mulm und abgestorbene Partikel setzen sich bevorzugt in Bereichen mit wenig Strömung ab.
Dort beginnen sie sich langsam zu zersetzen.
Die Folge können steigende Nitrat und Phosphatwerte sein.
Eine gut geplante Strömung hält diese Partikel möglichst lange in Bewegung.
Sie gelangen dadurch leichter zum Abschäumer oder können beim Wasserwechsel entfernt werden.
Es gibt keine perfekte Strömung
Jedes Aquarium ist anders.
Die ideale Strömung hängt unter anderem ab von:
- Beckengröße
- Riffaufbau
- Korallenbesatz
- Pumpenleistung
- Position der Pumpen
Deshalb gibt es keine allgemeingültige Einstellung.
Viel wichtiger ist es, das Verhalten deiner Korallen und die Wasserbewegung im Aquarium genau zu beobachten.
Unterschiedliche Korallen haben unterschiedliche Ansprüche
Nicht jede Koralle mag die gleiche Strömung.
SPS Korallen bevorzugen meist eine kräftige und wechselnde Wasserbewegung.
LPS Korallen mögen häufig eine mittlere, indirekte Strömung.
Weichkorallen bewegen sich gerne sanft im Wasser, sollten aber ebenfalls nicht dauerhaft in einer stehenden Zone sitzen.
Entscheidend ist immer die jeweilige Art.
Strömung für SPS Korallen
Viele SPS Korallen stammen aus flachen Riffbereichen.
Dort herrscht oft eine starke Wasserbewegung.
Im Aquarium profitieren sie von:
- kräftiger Strömung
- wechselnder Richtung
- breiter Wasserbewegung
- guter Umspülung aller Äste
Direkte harte Wasserstrahlen sollten trotzdem vermieden werden.
Auch SPS mögen keine punktuelle Dauerbestrahlung durch eine einzelne Pumpe.
Strömung für LPS Korallen
LPS Korallen besitzen häufig großes, weiches Gewebe.
Zu starke Strömung kann dieses Gewebe dauerhaft gegen das Kalkskelett drücken.
Dadurch entstehen Verletzungen.
Eine sanfte bis mittlere, wechselnde Strömung ist meist ideal.
Die Polypen sollten sich sichtbar bewegen, aber nicht dauerhaft zusammengedrückt werden.
Strömung für Weichkorallen
Viele Weichkorallen lieben Bewegung.
Besonders Lederkorallen profitieren von einer guten Wasserbewegung.
Sie können dadurch Schleim und abgestoßene Haut leichter entfernen.
Scheibenanemonen bevorzugen dagegen häufig ruhigere Bereiche.
Auch hier entscheidet die jeweilige Art.
Tote Bereiche vermeiden
Jeder Riffaufbau erzeugt Bereiche mit weniger Strömung.
Bleiben dort dauerhaft Schmutz und Mulm liegen, entstehen mit der Zeit Probleme.
Kontrolliere deshalb regelmäßig:
- hinter dem Riff
- zwischen größeren Steinen
- unter Überhängen
- im Bodengrund
Liegt dort ständig Schmutz, solltest du die Pumpenposition anpassen.
Wie viele Strömungspumpen sind sinnvoll?
Eine einzelne starke Pumpe reicht in vielen Aquarien nicht aus.
Mehrere kleinere Pumpen erzeugen häufig eine deutlich natürlichere Wasserbewegung.
Außerdem lassen sich unterschiedliche Bereiche gezielt anströmen.
Das reduziert tote Zonen und verbessert die Verteilung der Strömung.
Wo sollten die Pumpen sitzen?
Die genaue Position hängt vom Aquarium ab.
Einige Grundregeln helfen jedoch.
Strömungspumpen sollten:
- nicht direkt auf einzelne Korallen zeigen
- möglichst große Bereiche erfassen
- unterschiedliche Strömungsrichtungen erzeugen
- keine dauerhaften Sackgassen entstehen lassen
Oft bewährt sich eine diagonale Anordnung gegenüberliegender Pumpen.
Wechselnde Strömung ist natürlicher
Im Meer kommt die Strömung niemals dauerhaft aus derselben Richtung.
Viele moderne Pumpen besitzen deshalb verschiedene Programme.
Dazu gehören beispielsweise:
- Wellenmodus
- Pulsbetrieb
- Zufallsmodus
- wechselnde Leistung
Diese Programme erzeugen deutlich natürlichere Bedingungen.
Korallen profitieren häufig von der abwechslungsreichen Wasserbewegung.
Wie stark sollte die Strömung sein?
Eine feste Literregel hilft nur begrenzt weiter.
Entscheidend ist die tatsächliche Wasserbewegung.
Beobachte deine Korallen.
Sind die Polypen dauerhaft eingeklappt oder wird Gewebe stark zusammengedrückt, ist die Strömung häufig zu kräftig.
Bleibt dagegen überall Schmutz liegen oder bewegen sich die Polypen kaum, fehlt oft ausreichend Wasserbewegung.
Der Bodengrund
Auch der Sand zeigt viel über die Strömung.
Bilden sich ständig große Sandhaufen oder kahle Glasflächen, arbeitet eine Pumpe möglicherweise zu punktuell.
Eine leichte Bewegung feiner Partikel ist normal.
Dauerhafte Sandstürme dagegen sollten vermieden werden.
Strömung und Abschäumer
Eine gute Strömung unterstützt auch den Abschäumer.
Schmutzpartikel gelangen schneller zum Ablauf und schließlich ins Technikbecken.
Dort können sie abgeschäumt werden.
Bleiben Partikel dagegen dauerhaft zwischen den Steinen liegen, sinkt die Reinigungswirkung deutlich.
Korallen richtig beobachten
Korallen zeigen oft sehr gut, ob die Strömung passt.
Achte auf:
- Polypenbild
- Gewebe
- Schleimbildung
- Wachstum
- Schmutzablagerungen
- Ausdehnung der Koralle
Diese Beobachtungen sind häufig aussagekräftiger als jede theoretische Berechnung.
Warum sich Strömung verändert
Mit der Zeit wachsen Korallen.
Dadurch verändert sich die Wasserbewegung automatisch.
Große SPS Kolonien können ganze Bereiche abschatten und gleichzeitig die Strömung umlenken.
Deshalb solltest du die Pumpen gelegentlich neu ausrichten.
Ein Aquarium entwickelt sich ständig weiter.
Verschmutzte Pumpen verlieren Leistung
Mit der Zeit setzen sich Kalkrotalgen, Kalk und Schmutz auf den Pumpen ab.
Dadurch sinkt die Förderleistung teilweise deutlich.
Reinige deine Strömungspumpen deshalb regelmäßig.
Eine saubere Pumpe arbeitet leiser und deutlich effizienter.
Strömung in der Nacht
Viele moderne Pumpen besitzen einen Nachtmodus.
Dabei wird die Leistung etwas reduziert.
Eine vollständige Abschaltung ist jedoch meist keine gute Idee.
Auch nachts benötigen Korallen und Fische ausreichend Sauerstoff.
Eine gewisse Wasserbewegung sollte deshalb immer erhalten bleiben.
Typische Fehler
Viele Probleme entstehen durch immer wiederkehrende Fehler.
Dazu gehören:
- nur eine einzelne Pumpe
- dauerhafte Punktstrahlen
- tote Bereiche hinter dem Riff
- verschmutzte Pumpen
- zu starke Strömung für LPS
- zu schwache Strömung für SPS
- ausschließlich nach Herstellerangaben einstellen
Die Tiere zeigen meist deutlich besser als jede Tabelle, ob die Strömung passt.
Strömung und Fütterung
Auch beim Füttern spielt die Strömung eine Rolle.
Viele Aquarianer reduzieren die Pumpenleistung kurzzeitig, damit Korallen gezielt Futter aufnehmen können.
Nach der Fütterung sollte die normale Strömung jedoch wieder eingeschaltet werden.
So werden überschüssige Futterreste schnell verteilt und können leichter abgeschäumt werden.
Plane die Strömung bereits beim Riffaufbau
Ein häufiger Fehler beginnt schon beim Einrichten.
Ein sehr dichter Riffaufbau erschwert die Wasserbewegung erheblich.
Offene Strukturen mit ausreichend Abstand zwischen den Steinen ermöglichen eine deutlich bessere Umspülung.
Plane deshalb nicht nur nach der Optik, sondern auch nach der späteren Strömung.
Unsere Erfahrungen bei Korallenland
In der Beratung erleben wir häufig, dass Aquarianer ihre Pumpen ausschließlich nach der Literleistung auswählen. Dabei sagt diese Zahl allein wenig über die tatsächliche Wasserbewegung aus.
Viel wichtiger ist eine durchdachte Platzierung und eine möglichst abwechslungsreiche Strömung. Zwei sinnvoll positionierte Pumpen liefern häufig bessere Ergebnisse als eine einzelne besonders starke Pumpe.
Ebenso wichtig ist die regelmäßige Kontrolle. Mit dem Wachstum der Korallen verändert sich auch die Strömung im Aquarium. Deshalb lohnt es sich, die Pumpen immer wieder neu auszurichten und das Verhalten der Korallen aufmerksam zu beobachten.
Fazit
Eine gut geplante Strömung gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein gesundes Meerwasseraquarium.
Sie versorgt Korallen mit Sauerstoff und Nährstoffen, transportiert Schmutzpartikel ab und unterstützt den biologischen Kreislauf.
Entscheidend ist dabei nicht möglichst viel Strömung, sondern eine natürliche, abwechslungsreiche Wasserbewegung ohne dauerhaft ruhige Bereiche oder harte Punktstrahlen.
Beobachte deine Korallen regelmäßig, reinige deine Pumpen und passe die Strömung an das Wachstum deines Riffes an. So schaffst du langfristig beste Bedingungen für gesunde Korallen, aktive Fische und ein stabiles Meerwasseraquarium.
