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Welche Korallenarten gibt es?

Wer zum ersten Mal ein Meerwasseraquarium sieht, ist meist von der unglaublichen Vielfalt der Korallen begeistert. Leuchtende Farben, unterschiedlichste Wuchsformen und faszinierende Bewegungen machen Korallen zu den eigentlichen Stars eines Riffaquariums.

Doch spätestens bei der Auswahl tauchen viele Fragen auf. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Weichkorallen, LPS Korallen und SPS Korallen? Welche Arten eignen sich für Anfänger? Welche benötigen besonders viel Licht und welche wachsen eher langsam?

Tatsächlich unterscheiden sich die verschiedenen Korallengruppen deutlich in ihren Ansprüchen und ihrem Wachstum. Wer diese Unterschiede kennt, kann sein Aquarium gezielt planen und viele spätere Probleme vermeiden.

In diesem Artikel erhältst du einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Korallenarten im Meerwasseraquarium.

Was sind Korallen überhaupt?

Korallen sind keine Pflanzen und auch keine Steine.

Es handelt sich um Tiere, genauer gesagt um Nesseltiere.

Eine Korallenkolonie besteht aus vielen einzelnen Polypen, die gemeinsam ein Skelett oder eine gemeinsame Gewebestruktur bilden.

Die meisten Korallen leben in enger Symbiose mit Zooxanthellen.

Diese mikroskopisch kleinen Algen versorgen die Korallen durch Photosynthese mit einem großen Teil ihrer Energie.

Deshalb benötigen die meisten Korallen ausreichend Licht.

Warum gibt es so viele unterschiedliche Korallen?

Korallen haben sich über Millionen Jahre an verschiedenste Lebensräume angepasst.

Während einige Arten in flachen, lichtdurchfluteten Bereichen wachsen, leben andere in tieferen oder strömungsärmeren Zonen.

Daraus entstanden sehr unterschiedliche Wuchsformen und Ansprüche.

Im Meerwasseraquarium werden die meisten Korallen in drei große Gruppen eingeteilt:

  • Weichkorallen
  • LPS Korallen
  • SPS Korallen

Daneben gibt es einige Sonderformen, die sich nicht immer eindeutig zuordnen lassen.

Weichkorallen

Weichkorallen besitzen kein massives Kalkskelett.

Ihr Gewebe bleibt weich und beweglich.

Viele Arten bewegen sich sichtbar in der Strömung und verleihen dem Aquarium ein besonders lebendiges Erscheinungsbild.

Sie gehören zu den beliebtesten Korallen für Einsteiger.

Typische Eigenschaften:

  • vergleichsweise pflegeleicht
  • oft tolerant gegenüber kleinen Schwankungen
  • mittlerer Lichtbedarf
  • mittlere Strömung
  • häufig schnelleres Wachstum

Bekannte Weichkorallen sind beispielsweise:

Viele Weichkorallen eignen sich hervorragend für junge Aquarien.

Vorteile von Weichkorallen

Weichkorallen bieten viele Vorteile.

Sie:

  • wachsen häufig schnell
  • zeigen deutliche Polypenbewegungen
  • verzeihen kleinere Pflegefehler
  • eignen sich gut für Anfänger
  • bringen früh Farbe ins Aquarium

Gerade für den Einstieg sind sie oft eine sehr gute Wahl.

Nachteile von Weichkorallen

Einige Arten wachsen sehr schnell.

Dadurch können sie andere Korallen überwuchern.

Außerdem geben manche Weichkorallen Stoffe ins Wasser ab, die das Wachstum anderer Korallen beeinflussen können.

Regelmäßige Wasserwechsel und der Einsatz von Aktivkohle helfen häufig dabei, diese Stoffe zu reduzieren.

LPS Korallen

LPS steht für Large Polyp Stony.

Diese Korallen besitzen ein Kalkskelett und große, fleischige Polypen.

Viele LPS Korallen gehören zu den farbenprächtigsten Bewohnern eines Meerwasseraquariums.

Sie bewegen ihre Tentakel oft eindrucksvoll in der Strömung.

Typische Eigenschaften:

  • großes Gewebe
  • mittlerer Lichtbedarf
  • sanfte bis mittlere Strömung
  • langsameres Wachstum
  • häufig sehr kräftige Farben

Bekannte LPS Korallen sind unter anderem:

  • Euphyllia
  • Acanthastrea
  • Lobophyllia
  • Scolymia
  • Cynarina
  • Trachyphyllia
  • Favia
  • Favites
  • Duncanopsammia
  • Blastomussa
  • Caulastrea
  • Goniopora
  • Alveopora
  • Catalaphyllia

Vorteile von LPS Korallen

Viele LPS Korallen überzeugen durch:

  • intensive Farben
  • große Polypen
  • faszinierende Bewegungen
  • interessante Wuchsformen

Sie wirken häufig besonders eindrucksvoll und bilden attraktive Blickfänge.

Kampftentakel

Ein wichtiger Punkt bei vielen LPS Korallen sind die sogenannten Kampftentakel.

Einige Arten bilden nachts lange Fangarme aus.

Mit diesen verteidigen sie ihren Platz gegenüber benachbarten Korallen.

Deshalb sollte immer ausreichend Abstand eingehalten werden.

SPS Korallen

SPS bedeutet Small Polyp Stony.

Diese Korallen besitzen kleine Polypen und ein festes Kalkskelett.

Viele SPS Arten bilden verzweigte oder tellerförmige Kolonien.

Sie gelten als besonders anspruchsvoll.

Typische Eigenschaften:

  • kleiner Polyp
  • hoher Lichtbedarf
  • kräftige wechselnde Strömung
  • stabile Wasserwerte
  • schnelles Kalkwachstum

Zu den bekanntesten SPS Korallen gehören:

  • Acropora
  • Montipora
  • Seriatopora
  • Stylophora
  • Pocillopora
  • Hydnophora
  • Pavona

Vorteile von SPS Korallen

Gesunde SPS Korallen entwickeln:

  • außergewöhnliche Farben
  • komplexe Wuchsformen
  • beeindruckende Kolonien
  • sehr natürlich wirkende Riffe

Viele erfahrene Aquarianer schätzen sie besonders wegen ihrer Vielfalt.

Herausforderungen bei SPS

SPS reagieren deutlich empfindlicher auf:

  • starke Schwankungen
  • instabile Karbonathärte
  • falsche Strömung
  • ungeeignete Beleuchtung
  • extreme Nährstoffwerte

Deshalb eignen sie sich meist eher für gut eingefahrene Aquarien.

Zoanthus

Zoanthus werden häufig ebenfalls zu den beliebtesten Korallen gezählt.

Streng genommen gehören sie jedoch zu den Krustenanemonen.

Sie bilden dichte Kolonien aus zahlreichen kleinen Polypen.

Durch ihre enorme Farbvielfalt gehören sie zu den beliebtesten Bewohnern vieler Riffaquarien.

Beim Umgang mit Zoanthus und besonders mit einigen Palythoa Arten ist Vorsicht geboten.

Einige Arten können das hochgiftige Palytoxin enthalten.

Beim Schneiden oder Bearbeiten sollten deshalb immer geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden.

Gorgonien

Auch Gorgonien werden häufig gepflegt.

Es gibt photosynthetische und nicht photosynthetische Arten.

Photosynthetische Gorgonien lassen sich in vielen Riffaquarien gut halten.

Nicht photosynthetische Arten benötigen dagegen regelmäßige gezielte Fütterung und gelten als deutlich anspruchsvoller.

Pilzkorallen

Pilzkorallen wie Fungia oder Heliofungia besitzen meist einen einzelnen großen Polypen.

Sie liegen häufig direkt auf dem Bodengrund und beeindrucken durch ihre kräftigen Farben und ihre Größe.

Einige Arten können sich sogar langsam fortbewegen.

Welche Korallen eignen sich für Anfänger?

Für den Einstieg eignen sich besonders robuste Arten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Sarcophyton
  • Sinularia
  • Briareum
  • Caulastrea
  • Duncanopsammia
  • Blastomussa
  • verschiedene Zoanthus
  • Ricordea

Diese Korallen verzeihen kleinere Fehler häufig besser als empfindliche SPS Arten.

Welche Korallen benötigen viel Licht?

Vor allem viele SPS Korallen benötigen:

  • hohe PAR Werte
  • intensive Beleuchtung
  • stabile Wasserwerte

Auch einige LPS Korallen bevorzugen hellere Bereiche.

Andere Arten fühlen sich dagegen im mittleren oder unteren Riffaufbau wohler.

Welche Korallen wachsen schnell?

Zu den besonders schnell wachsenden Arten gehören häufig:

  • Xenia
  • Briareum
  • Clavularia
  • manche Montipora
  • einige Acropora unter optimalen Bedingungen

Plane deshalb ausreichend Platz für die zukünftige Entwicklung ein.

Welche Korallen wachsen langsam?

Langsamer wachsen häufig:

  • Scolymia
  • Cynarina
  • Trachyphyllia
  • Acanthophyllia

Gerade diese Arten entwickeln sich oft über viele Jahre zu beeindruckenden Einzeltieren.

Korallen richtig kombinieren

Nicht jede Koralle passt zu jeder anderen.

Achte auf:

  • ausreichend Abstand
  • ähnliche Lichtansprüche
  • passende Strömung
  • spätere Endgröße
  • Kampftentakel
  • Wachstumsgeschwindigkeit

Ein gut geplanter Besatz erspart später viele Probleme.

Korallen nicht nur nach Farbe auswählen

Natürlich spielen Farben eine große Rolle.

Trotzdem solltest du immer auch auf die Ansprüche der Tiere achten.

Eine perfekt passende Koralle bereitet langfristig deutlich mehr Freude als eine besonders auffällige Art, die dauerhaft unter ungeeigneten Bedingungen lebt.

Beobachte deine Korallen

Gesunde Korallen zeigen meist:

  • geöffnete Polypen
  • kräftige Farben
  • gutes Wachstum
  • gesundes Gewebe

Veränderungen treten oft schleichend auf.

Regelmäßige Beobachtung hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen.

Typische Fehler

Immer wieder treten ähnliche Fehler auf.

Dazu gehören:

  • zu schneller Besatz
  • zu wenig Abstand
  • ausschließlich nach Farben kaufen
  • ungeeignete Kombinationen
  • falsche Beleuchtung
  • unpassende Strömung

Mit einer guten Planung lassen sich diese Fehler leicht vermeiden.

Unsere Erfahrungen bei Korallenland

Viele Einsteiger möchten möglichst viele unterschiedliche Korallenarten gleichzeitig einsetzen. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass ein langsam wachsendes Riff langfristig deutlich erfolgreicher ist.

Wir empfehlen, zunächst robuste Arten auszuwählen und das Aquarium in Ruhe reifen zu lassen. Mit zunehmender Erfahrung und stabilen Wasserwerten können später auch anspruchsvollere LPS oder SPS Korallen ergänzt werden.

Ebenso wichtig ist die Auswahl der richtigen Korallen für die vorhandene Beleuchtung und Strömung. Nicht jede Koralle fühlt sich an jeder Stelle im Aquarium wohl. Eine individuelle Beratung hilft dabei, den passenden Besatz für das jeweilige Riff zu finden.

Fazit

Die Vielfalt der Korallen macht die Meerwasseraquaristik zu einem außergewöhnlichen Hobby.

Ob Weichkorallen, LPS Korallen oder SPS Korallen – jede Gruppe besitzt ihre eigenen Besonderheiten, Ansprüche und faszinierenden Wuchsformen.

Wer die Unterschiede kennt und Korallen passend zu Beleuchtung, Strömung und Wasserwerten auswählt, schafft die Grundlage für ein gesundes und farbenprächtiges Riffaquarium.

Mit Geduld, einer guten Planung und einer sorgfältigen Auswahl der Arten entwickelt sich aus kleinen Ablegern im Laufe der Jahre ein beeindruckendes lebendes Korallenriff.

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Gerd Raabe
Raabe Aquaristik
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