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Kieselalgen verstehen

Fast jeder Meerwasseraquarianer erlebt sie früher oder später. Plötzlich überziehen braune Beläge den Bodengrund, das Riffgestein oder die Scheiben. Besonders in den ersten Wochen nach dem Einrichten eines Aquariums sorgt das oft für Unsicherheit. Viele befürchten einen schwerwiegenden Algenbefall oder machen sich Sorgen um ihre Wasserwerte.

Die gute Nachricht lautet: In den meisten Fällen sind Kieselalgen völlig normal und gehören zur natürlichen Entwicklung eines Meerwasseraquariums.

Trotzdem können sie auch in älteren Aquarien auftreten. Dann lohnt sich ein genauer Blick auf die möglichen Ursachen.

In diesem Artikel erfährst du, was Kieselalgen sind, warum sie entstehen, wie du sie erkennst und welche Maßnahmen wirklich helfen.

Was sind Kieselalgen?

Kieselalgen gehören nicht zu den klassischen Algen, sondern zu den Kieselalgen oder Diatomeen.

Es handelt sich um mikroskopisch kleine Einzeller, die eine harte Schale aus Silizium besitzen. Genau deshalb benötigen sie Silikat, um wachsen und sich vermehren zu können.

Kieselalgen kommen weltweit in nahezu allen Gewässern vor und sind ein natürlicher Bestandteil vieler Ökosysteme.

Auch im Meerwasseraquarium gehören sie besonders während der Einfahrphase zum normalen Entwicklungsprozess.

Warum entstehen Kieselalgen?

Damit sich Kieselalgen vermehren können, benötigen sie einige Voraussetzungen.

Dazu gehören unter anderem:

Gerade in neu eingerichteten Aquarien treffen diese Bedingungen häufig zusammen.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass etwas falsch läuft.

Kieselalgen in der Einfahrphase

Während der Einfahrphase entwickelt sich das biologische Gleichgewicht erst langsam.

Bakterien, Mikroorganismen und andere Lebewesen besiedeln nach und nach das Aquarium.

In dieser Zeit nutzen Kieselalgen häufig die noch freien Oberflächen.

Sie gehören deshalb für viele Aquarianer zu den ersten sichtbaren Bewohnern eines neuen Aquariums.

Nach einigen Wochen verschwinden sie meist von selbst wieder, sobald andere Mikroorganismen die Oberflächen besiedeln und das Aquarium biologisch stabiler wird.

Wie sehen Kieselalgen aus?

Typisch sind:

  • hellbraune bis dunkelbraune Beläge
  • feiner staubiger Überzug
  • leicht abwischbare Schicht
  • Beläge auf Sand, Steinen und Scheiben

Im Gegensatz zu Cyanobakterien bilden Kieselalgen normalerweise keine dicken schleimigen Matten.

Auch lange Fäden entstehen nur selten.

Kieselalgen oder Dinoflagellaten?

Diese Frage wird häufig gestellt.

Beide Beläge können braun erscheinen.

Trotzdem gibt es wichtige Unterschiede.

Kieselalgen wirken meist eher staubig und trocken.

Dinoflagellaten bilden dagegen häufig schleimige Beläge mit Luftblasen und langen Fäden.

Allerdings gibt es viele Überschneidungen.

Deshalb gilt auch hier:

Eine sichere Unterscheidung ist bei unklaren Fällen nur unter dem Mikroskop möglich.

Werden stärkere oder ungewöhnliche Beläge beobachtet, sollte nicht vorschnell eine Diagnose gestellt werden.

Woher kommt das Silikat?

Silikat gelangt auf unterschiedlichen Wegen ins Aquarium.

Häufige Quellen sind:

  • Leitungswasser
  • erschöpftes Mischbettharz
  • Osmoseanlage mit nachlassender Leistung
  • Meersalz
  • neues Riffgestein
  • Bodengrund

Nicht jede Silikatquelle führt automatisch zu Problemen.

Entscheidend sind Menge und Dauer des Eintrags.

Osmosewasser überprüfen

Eine der häufigsten Ursachen für dauerhaft auftretende Kieselalgen ist belastetes Osmosewasser.

Mit der Zeit erschöpfen sich Membran oder Mischbettharz.

Dadurch gelangt wieder Silikat ins Nachfüllwasser.

Wer regelmäßig sein Osmosewasser kontrolliert oder gelegentlich analysieren lässt, erkennt solche Probleme frühzeitig.

Warum verschwinden Kieselalgen oft von allein?

Mit zunehmender Reife entwickelt sich im Aquarium eine immer größere Artenvielfalt.

Bakterien, Mikroalgen und andere Organismen konkurrieren miteinander.

Dadurch verlieren Kieselalgen häufig ihren Wachstumsvorteil.

In vielen Aquarien verschwinden sie deshalb nach einigen Wochen nahezu vollständig.

Geduld ist in dieser Phase oft die beste Lösung.

Helfen Wasserwechsel?

Regelmäßige Wasserwechsel gehören grundsätzlich zu einer guten Pflege.

Bei Kieselalgen allein lösen sie das Problem jedoch nicht immer.

Gelangt das Silikat bereits über das Nachfüllwasser ins Aquarium, bleibt die Ursache bestehen.

Deshalb sollte immer geprüft werden, woher das Silikat stammt.

Silikatadsorber

Bei erhöhten Silikatwerten kann ein spezieller Silikatadsorber sinnvoll sein.

Er bindet gelöstes Silikat und entzieht den Kieselalgen damit ihre wichtigste Grundlage.

Ein Adsorber sollte jedoch gezielt eingesetzt werden und ersetzt keine funktionierende Osmoseanlage.

Die richtige Cleaning Crew

Mehrere Wirbellose fressen Kieselalgen oder weiden die feinen Beläge ab.

Dazu gehören beispielsweise:

Eine Cleaning Crew kann die Beläge deutlich reduzieren.

Sie beseitigt jedoch nicht die eigentliche Ursache.

Scheiben regelmäßig reinigen

Gerade in der Einfahrphase wachsen Kieselalgen oft zuerst auf den Aquarienscheiben.

Diese Beläge lassen sich meist sehr leicht entfernen.

Regelmäßiges Reinigen verbessert die Optik und verhindert eine stärkere Ausbreitung.

Sand vorsichtig absaugen

Liegen größere Beläge auf dem Bodengrund, können sie beim Wasserwechsel vorsichtig abgesaugt werden.

Dadurch wird das Aquarium entlastet.

Zu häufiges oder zu tiefes Umgraben des Bodens sollte jedoch vermieden werden.

Der Sand entwickelt ebenfalls wichtige Bakteriengemeinschaften.

Nährstoffe im Gleichgewicht halten

Kieselalgen entstehen nicht ausschließlich durch Silikat.

Auch das gesamte biologische Gleichgewicht spielt eine Rolle.

Ein stabiles Aquarium mit ausgewogenen Nitrat und Phosphatwerten entwickelt langfristig meist deutlich weniger Probleme.

Extrem niedrige Nährstoffe sind ebenso wenig sinnvoll wie dauerhaft hohe Werte.

Beleuchtung nicht überstürzt verändern

Viele Aquarianer reduzieren bei den ersten braunen Belägen sofort die Beleuchtungsdauer.

Das bringt meist nur wenig.

Korallen und andere nützliche Organismen benötigen ebenfalls ausreichend Licht.

Viel wichtiger ist die Suche nach der eigentlichen Ursache.

Kieselalgen sind oft ein gutes Zeichen

So überraschend es klingt.

In einem neu eingerichteten Aquarium zeigen Kieselalgen häufig, dass sich das biologische Leben entwickelt.

Sie gehören in vielen Fällen ganz selbstverständlich zur Einfahrphase.

Deshalb besteht zunächst kein Grund zur Panik.

Wann solltest du genauer hinsehen?

Bleiben Kieselalgen über viele Monate bestehen oder treten plötzlich in einem lange stabilen Aquarium auf, lohnt sich eine genauere Untersuchung.

Prüfe unter anderem:

  • Osmoseanlage
  • Mischbettharz
  • Silikatgehalt
  • Wasserwerte
  • Reinigung der Technik
  • Wasserbewegung

Oft lässt sich die Ursache dadurch schnell eingrenzen.

Typische Fehler

Immer wieder entstehen Probleme durch ähnliche Fehler.

Dazu gehören:

  • Panik in der Einfahrphase
  • vorschnelle Chemieeinsätze
  • ungeprüftes Osmosewasser
  • erschöpftes Mischbettharz
  • fehlende Geduld
  • Vernachlässigung der Cleaning Crew

Mit etwas Ruhe lassen sich diese Fehler leicht vermeiden.

Unsere Erfahrungen bei Korallenland

Viele Einsteiger erschrecken, wenn sich wenige Tage nach dem Einrichten plötzlich braune Beläge bilden. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ganz normale Kieselalgen während der Einfahrphase.

Wir empfehlen deshalb zunächst Ruhe zu bewahren und das Aquarium aufmerksam zu beobachten. Häufig verschwinden die Beläge von selbst, sobald sich das biologische Gleichgewicht entwickelt.

Treten Kieselalgen dagegen dauerhaft oder in einem lange laufenden Aquarium auf, sollte besonders das Osmosewasser überprüft werden. Eine erschöpfte Osmoseanlage oder verbrauchtes Mischbettharz gehören zu den häufigsten Ursachen für einen anhaltenden Silikateintrag.

Fazit

Kieselalgen gehören zu den häufigsten Erscheinungen im Meerwasseraquarium und sind besonders während der Einfahrphase meist völlig normal.

Sie entstehen vor allem durch verfügbares Silikat und verschwinden häufig von selbst, sobald sich das biologische Gleichgewicht stabilisiert.

Treten sie dauerhaft oder immer wieder auf, lohnt sich ein Blick auf die Osmoseanlage, das Mischbettharz und mögliche Silikatquellen.

Mit Geduld, einer funktionierenden Wasseraufbereitung, regelmäßiger Pflege und einer passenden Cleaning Crew lassen sich Kieselalgen in den meisten Aquarien dauerhaft gut kontrollieren.

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