Welche Korallen passen auf den Bodengrund?

Der Bodengrund ist im Meerwasseraquarium nicht nur eine freie Fläche unterhalb des Riffaufbaus. Für bestimmte Korallen kann er sogar der ideale Standort sein. Besonders einige großpolypige LPS-Korallen mit stark fleischigem Gewebe lassen sich sehr gut auf Sand platzieren. Entscheidend ist aber immer, dass Licht, Strömung und Standort zu den Bedürfnissen der jeweiligen Koralle passen.

Warum eignen sich manche Korallen für den Bodengrund?
Viele stark fleischige LPS-Korallen können ihr Gewebe auf einer freien Sandfläche ungehindert ausdehnen. Gleichzeitig wird das empfindliche Gewebe weniger leicht durch scharfkantiges Riffgestein verletzt. Der Bodengrund bietet außerdem häufig eine etwas indirektere Strömung und – abhängig von Aquarienhöhe und Beleuchtung – eine geringere Lichtintensität.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede LPS-Koralle automatisch auf den Boden gehört. Die einfache Regel „LPS unten, SPS oben“ ist zu ungenau. Entscheidend sind immer die tatsächlichen Bedingungen am Standort.

Welche Korallen eignen sich besonders für den Bodengrund?
Trachyphyllia
Trachyphyllia gehört zu den klassischen Korallen für eine Platzierung auf dem Bodengrund. Ihr großes, fleischiges Gewebe kann sich auf einer freien Sandfläche gut ausdehnen. Achte auf ausreichend Platz und eine moderate, möglichst indirekte Strömung.
Acanthophyllia
Acanthophyllia kann sich sehr stark aufpumpen und beeindruckende Größen erreichen. Eine freie Fläche auf dem Bodengrund ist deshalb häufig hervorragend geeignet. Plane bereits beim Einsetzen genügend Abstand zu anderen Korallen ein.
Scolymia
Scolymia eignet sich ebenfalls gut für den unteren Bereich beziehungsweise den Bodengrund. Ihr fleischiges Gewebe sollte möglichst nicht dauerhaft an scharfkantigem Riffgestein scheuern.
Fungia
Fungia beziehungsweise Pilzkorallen sind besonders typische Bodenkorallen. Sie liegen frei auf dem Untergrund und sollten nicht dauerhaft mit dem Riffaufbau verklebt werden. Gib ihnen ausreichend freie Fläche.
Cynarina
Cynarina entwickelt ebenfalls stark fleischiges Gewebe und kann sich erheblich ausdehnen. Ein geschützter Standort auf dem Bodengrund mit moderater, indirekter Strömung kann deshalb sehr gut geeignet sein.
Lobophyllia
Auch Lobophyllia kann je nach Wuchsform im unteren Bereich oder auf dem Bodengrund gepflegt werden. Achte besonders auf ausreichend Abstand zu benachbarten Korallen.

Der Bodengrund ist nicht automatisch ein Standort mit wenig Licht
Eine Koralle steht unten im Aquarium – also bekommt sie wenig Licht? So einfach ist es nicht. In einem flachen Aquarium mit leistungsstarker LED können selbst auf dem Bodengrund hohe Lichtwerte erreicht werden. In einem tiefen Aquarium kann die Lichtintensität dagegen deutlich niedriger sein.
Entscheidend ist deshalb nicht die Position „oben“ oder „unten“, sondern die tatsächlich ankommende Lichtmenge. Ein gemessener PAR-Wert hilft Dir dabei, die Lichtintensität wesentlich zuverlässiger zu beurteilen.

Welche Strömung brauchen Bodenkorallen?
Viele fleischige LPS-Korallen bevorzugen eine moderate, breite und indirekte Wasserbewegung. Das Gewebe sollte sich sanft bewegen, aber nicht permanent von einem harten Pumpenstrahl in eine Richtung gedrückt werden.
Zu wenig Strömung ist ebenfalls ungünstig. Dann können sich Mulm und andere Ablagerungen rund um die Koralle sammeln.

Aufgewirbelter Sand kann zum Problem werden
Eine Bodenkoralle sollte nicht dort stehen, wo permanent Sand auf ihr Gewebe geweht wird. Besonders Strömungs-Pumpen, grabende Fische oder andere Bodenbewohner können Bodengrund aufwirbeln.
Einzelne Sandkörner sind normalerweise kein Grund zur Sorge. Wird eine Koralle jedoch ständig mit Sand bedeckt, kann das ihr Gewebe unnötig belasten. Beobachte deshalb nach Veränderungen an der Strömung immer auch Deine Bodenkorallen.

Welcher Bodengrund eignet sich für Korallen?
Für viele fleischige Bodenkorallen ist ein feiner bis mittelfeiner, nicht scharfkantiger Bodengrund eine gute Wahl. Sehr grobes oder kantiges Material kann ungünstig sein, wenn expandiertes Korallengewebe daran scheuert.
Gleichzeitig sollte der Bodengrund zur Strömung Deines Aquariums passen. Sehr feiner Sand kann bei kräftiger Wasserbewegung ständig verweht werden.

Genügend Platz von Anfang an einplanen
Gerade bei Bodenkorallen kann die spätere Größe leicht unterschätzt werden. Eine Acanthophyllia oder Trachyphyllia kann im vollständig expandierten Zustand wesentlich größer sein, als sie beim Einsetzen zunächst wirkt.
Plane deshalb nicht nur nach der aktuellen Größe. Berücksichtige die spätere Ausdehnung des Gewebes und halte ausreichend Abstand zu anderen Korallen. Dadurch reduzierst Du außerdem das Risiko gegenseitiger Vernesselungen.

Müssen alle LPS-Korallen auf den Bodengrund?
Nein. LPS-Korallen unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Lichtbedarf, Strömung, Wuchsform und Standort.
Eine Euphyllia beispielsweise muss keineswegs auf dem Sand stehen. Je nach Aquarium kann ein etwas erhöhter Standort im Riff sogar besser geeignet sein, wenn dort eine breite, indirekte Strömung und die passende Lichtintensität vorhanden sind.
Die Korallenart und die tatsächlichen Bedingungen sind deshalb wichtiger als eine pauschale Einteilung in LPS oder SPS.

Praktische Standort-Checkliste
Bevor Du eine Koralle dauerhaft auf dem Bodengrund platzierst, kannst Du den vorgesehenen Standort mit dieser kurzen Checkliste überprüfen:
✓ Ist die Lichtintensität für die jeweilige Korallenart geeignet?
✓ Wird die Koralle von einer moderaten, möglichst indirekten Strömung erreicht?
✓ Wird an dieser Stelle kein Sand dauerhaft auf die Koralle geweht?
✓ Ist der Bodengrund fein genug und frei von scharfkantigem Material?
✓ Kann sich das Gewebe vollständig ausdehnen, ohne an Riffgestein zu scheuern?
✓ Ist genügend Abstand zu benachbarten Korallen vorhanden?
✓ Wurde dabei auch die spätere Größe der Koralle berücksichtigt?
✓ Können grabende Fische oder andere Tiere die Koralle an diesem Standort ständig mit Sand bedecken?
✓ Bleibt die Koralle sicher liegen und kann nicht gegen das Riffgestein gedrückt werden?
✓ Zeigt die Koralle nach der Eingewöhnung ein normales Polypen- beziehungsweise Gewebebild?
Wenn Du mehrere Punkte nicht sicher mit „Ja“ beantworten kannst, ist ein anderer Standort meist die bessere Wahl. Beobachte eine neu platzierte Koralle in den ersten Tagen besonders aufmerksam. Ihr Gewebe und ihre Expansion zeigen Dir häufig recht schnell, ob Licht, Strömung und Standort grundsätzlich passen.

Stabile Wasserwerte bleiben entscheidend
Auch der beste Standort auf dem Bodengrund kann dauerhaft schwankende Bedingungen nicht ausgleichen. Stabile Wasserwerte sind für eine langfristig erfolgreiche Korallenhaltung wichtiger als das ständige Nachregeln auf vermeintlich perfekte Einzelwerte.

Welche Korallen solltest Du nicht einfach auf den Sand setzen?
Nicht jede Koralle eignet sich für eine freie Platzierung auf dem Bodengrund. Viele Korallen wachsen natürlicherweise auf festem Substrat und sollten entsprechend stabil im Riffaufbau befestigt werden.
Auch eine Koralle, die grundsätzlich im unteren Bereich gehalten werden kann, muss deshalb nicht automatisch direkt auf dem Sand stehen. Entscheidend sind Wuchsform, Gewebe, Lichtbedarf, Strömung und die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Art.

LPS-Korallen für den Bodengrund entdecken
Wenn Du eine passende Koralle für eine freie Fläche im unteren Bereich Deines Aquariums suchst, findest Du in unserem LPS-Land unterschiedliche LPS-Korallen für Dein Meerwasseraquarium.
Achte bei der Auswahl nicht nur auf Farbe und Größe. Überlege bereits vor dem Kauf, wo die Koralle langfristig stehen soll und wie viel Platz sie dort später zur Verfügung hat.

Fazit
Der Bodengrund kann ein hervorragend nutzbarer Standort für bestimmte Korallen sein. Besonders stark fleischige LPS-Korallen wie Trachyphyllia, Acanthophyllia, Scolymia, Fungia, Cynarina und teilweise Lobophyllia können dort sehr gut zur Geltung kommen.
Eine Bodenplatzierung ist aber keine allgemeine Regel für LPS-Korallen. Entscheidend sind immer Lichtintensität, Strömung, Bodengrund, Abstand zu anderen Korallen und die individuellen Ansprüche der jeweiligen Art.
Plane deshalb nicht einfach nach „oben, Mitte oder unten“, sondern nach den tatsächlichen Bedingungen in Deinem Aquarium. So wird die freie Sandfläche zu einem sinnvoll genutzten Teil Deines Riffs.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Raabe Aquaristik
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