Welche Tiere halten den Bodengrund sauber?
Ein heller, gepflegter Bodengrund gehört für viele zu einem schönen Meerwasseraquarium. Mit der Zeit sammeln sich im Sand aber Futterreste, Detritus und andere organische Ablagerungen. Gleichzeitig können Kieselalgen, Cyanobakterien oder andere Beläge die Oberfläche verfärben.
Zum Glück gibt es verschiedene Tiere, die den Bodengrund durchsuchen, umgraben oder nach verwertbarer Nahrung absuchen. Besonders interessant sind Schnecken wie Nassarius, Oliva und Conomurex sowie der grabende Seestern Archaster angulatus.
Dabei solltest Du eines nicht vergessen: Diese Tiere reinigen den Sand nicht für uns. Sie suchen darin nach Nahrung und müssen deshalb auch langfristig geeignete Lebensbedingungen vorfinden.
Warum wird der Bodengrund überhaupt schmutzig?
Ein Meerwasseraquarium ist ein lebendes System. Dass sich auf und im Bodengrund Material sammelt, ist zunächst vollkommen normal.
Dazu gehören:
Futterreste
Ausscheidungen
Abgestorbenes organisches Material
Mulm
Feine Schwebstoffe
Kieselalgen
Cyanobakterien
Andere Algen- und Bakterienbeläge
Bevor Du zusätzliche Tiere einsetzt, solltest Du deshalb zunächst herausfinden, wodurch Dein Bodengrund tatsächlich verschmutzt oder verfärbt wird.
Kein Tier kann dauerhaft eine zu starke Fütterung, ungeeignete Strömung oder andere grundlegende Probleme ausgleichen.
Welcher Bodengrund ist der richtige?
Nicht jeder Bodengrund eignet sich gleichermaßen für grabende Tiere. Körnung, Höhe der Sandschicht und verfügbare Sandfläche spielen eine wichtige Rolle.
Welcher Bodengrund ist der richtige?
Hier erfährst Du, welche Körnung zu Deinem Aquarium passt und warum Du geplante Bodenbewohner bereits bei der Einrichtung berücksichtigen solltest.
Nassarius – einer meiner Favoriten für den Bodengrund
Die Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec. gehört für mich zu den interessantesten Tieren für einen Sandboden.
Nassarius hält sich häufig eingegraben im Bodengrund auf. Sobald Futter ins Aquarium gelangt, kommen die Tiere teilweise erstaunlich schnell aus dem Sand.
Durch das regelmäßige Ein- und Ausgraben wird die obere Sandschicht immer wieder bewegt.
Ein wichtiges Missverständnis solltest Du allerdings vermeiden: Nassarius ist kein klassischer Algenfresser.
Die Schnecke sucht vor allem nach verwertbaren Futterresten und anderem organischen Material. Wenn Dein Sand durch einen starken grünen Algenbelag verfärbt ist, ist Nassarius deshalb nicht automatisch die Lösung.
Olivenschnecke – Spezialist für den Sand
Die Olivenschnecke – Oliva spec. ist ein weiterer interessanter Spezialist für Aquarien mit Sandboden.
Olivenschnecken verbringen einen erheblichen Teil ihrer Zeit im Bodengrund und bewegen sich durch den Sand. Dabei suchen sie nach verwertbarer Nahrung und sorgen gleichzeitig dafür, dass Bereiche der Sandschicht immer wieder bewegt werden.
Gerade dieses Verhalten macht Oliva für die natürliche Bodenpflege interessant.
Sie ist dabei aber ebenfalls kein technisches Reinigungsgerät. Wenn der Bodengrund irgendwann kaum noch ausreichend Nahrung bietet, muss das bei der langfristigen Haltung berücksichtigt werden.
Nassarius oder Oliva?
Beide Schnecken sind interessante Bodenbewohner, haben aber nicht vollkommen identisches Verhalten.
Die Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec. ist besonders interessant als Resteverwerter und hält sich häufig eingegraben im Sand auf.
Die Olivenschnecke – Oliva spec. bewegt sich ebenfalls aktiv durch den Bodengrund und ist deshalb besonders interessant, wenn Du die Sandschicht biologisch in Bewegung halten möchtest.
Für ein ausreichend großes Aquarium kann deshalb auch eine Kombination unterschiedlicher Bodenbewohner sinnvoller sein als eine sehr große Anzahl nur einer Art.
Kegelfechterschnecke – auffälliger Bewohner der Sandfläche
Auch die Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus ist ein interessanter Bewohner für Aquarien mit ausreichend großer Sandfläche.
Sie ist häufig sichtbar auf dem Bodengrund unterwegs und sucht dort nach verwertbarer Nahrung.
Durch ihre Aktivität wird die Sandoberfläche regelmäßig bewegt.
Conomurex ist außerdem optisch ein ausgesprochen interessantes Tier. Genau so sollte eine Cleaning-Crew meiner Meinung nach betrachtet werden: nicht ausschließlich als Putzkolonne, sondern als Gruppe interessanter Aquarienbewohner mit eigenen Bedürfnissen.
Grabender Seestern – Archaster angulatus
Der Grabende Seestern – Archaster angulatus gehört zu den bekanntesten Bodenbewohnern für Meerwasseraquarien.
Archaster verbringt einen erheblichen Teil seiner Zeit im Bodengrund und bewegt sich durch den Sand auf der Suche nach verwertbarer Nahrung.
Dadurch werden größere Bereiche des Bodengrunds regelmäßig durchgearbeitet.
Genau diese Eigenschaft macht ihn zu einem sehr effektiven Bodenbewohner – gleichzeitig ist sie der Grund, warum Du vor dem Kauf genauer überlegen solltest.
Für welches Aquarium eignet sich Archaster?
Ein Grabender Seestern – Archaster angulatus benötigt nicht einfach nur ein Aquarium mit Sand.
Wichtig sind insbesondere:
Ausreichend große Sandfläche
Geeignete Sandschicht
Biologisch entwickelter Bodengrund
Ausreichendes natürliches Nahrungsangebot
Stabiles Aquarium
Je größer die zur Verfügung stehende Sandfläche ist, desto besser kann das Tier nach natürlicher Nahrung suchen.
Deshalb würde ich Archaster nicht automatisch in ein sehr kleines oder gerade erst eingerichtetes Aquarium setzen.
Warum Archaster im Nano-Aquarium problematisch werden kann
Ein grabender Seestern kann einen kleinen Bodengrund sehr intensiv durchsuchen.
Das sieht zunächst hervorragend aus: Der Sand wird bewegt und bleibt optisch gepflegt.
Das Problem kann später entstehen.
Ist die verfügbare Sandfläche klein und das natürliche Nahrungsangebot erschöpft, findet der Seestern möglicherweise nicht mehr ausreichend Nahrung.
Deshalb sollte ein Tier niemals ausschließlich danach ausgewählt werden, wie effektiv es den Sand sauber hält.
Die langfristige Ernährung ist wichtiger.
Welche Schnecke für ein kleineres Aquarium?
Wenn Du ein kleineres Meerwasseraquarium besitzt, würde ich eher mit geeigneten Schnecken beginnen als sofort einen grabenden Seestern einzusetzen.
Interessant sind:
Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec.
Olivenschnecke – Oliva spec.
Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus
Wie viele Tiere sinnvoll sind, hängt von Sandfläche, Aquariengröße, Fütterung und dem vorhandenen natürlichen Nahrungsangebot ab.
Grundeln als Sandarbeiter
Auch verschiedene Grundeln durchsieben den Bodengrund ständig.
Dabei nehmen sie Sand ins Maul, suchen ihn nach verwertbarer Nahrung ab und geben ihn anschließend wieder ab.
Das kann Sandflächen optisch sehr sauber halten.
Allerdings gibt es einen bekannten Nebeneffekt: Der Sand landet nicht immer dort, wo Du ihn gerne hättest.
Grundeln können Sand auf bodennah stehende Korallen werfen. Besonders empfindliches und fleischiges Korallengewebe kann durch permanente Sandablagerungen gestört werden.
Deshalb solltest Du beim geplanten Grundelbesatz berücksichtigen, welche Korallen auf oder nahe dem Bodengrund stehen.
Einsiedlerkrebse als Ergänzung
Auch kleinere Einsiedlerkrebse durchsuchen den Bodengrund nach Futterresten, Aufwuchs und verwertbarem organischem Material.
Der Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung einer abwechslungsreichen Cleaning-Crew sein.
Einsiedler graben den Sand allerdings nicht annähernd so intensiv um wie Archaster, Oliva oder Nassarius.
Ich würde sie deshalb als zusätzliche Resteverwerter und nicht als spezialisierte Bodengrundreiniger betrachten.
Die richtige Cleaning-Crew zusammenstellen
Eine gute Cleaning-Crew besteht nicht aus möglichst vielen Tieren derselben Art.
Viel sinnvoller ist es, unterschiedliche Tiere mit unterschiedlichen Aufgaben miteinander zu kombinieren.
Die richtige Cleaning-Crew wählen
Hier erfährst Du, wie Du Schnecken, Einsiedler, Seeigel und andere Wirbellose sinnvoll miteinander kombinierst.
Welche Kombination für den Bodengrund?
Für viele Meerwasseraquarien würde ich nicht nur eine einzige Art einsetzen.
Eine interessante Kombination kann beispielsweise so aussehen:
Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec.
Olivenschnecke – Oliva spec.
Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus
Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor
In einem ausreichend großen und biologisch entwickelten Aquarium kann zusätzlich ein Grabender Seestern – Archaster angulatus interessant sein.
Dadurch kombinierst Du unterschiedliche Verhaltensweisen, statt die gesamte Bodenpflege von einer einzigen Tierart abhängig zu machen.
Mehr Tiere bedeuten nicht automatisch saubereren Sand
Das ist einer der wichtigsten Punkte.
Wenn Du sehr viele Bodenbewohner einsetzt, können diese den vorhandenen Bodengrund innerhalb kurzer Zeit intensiv nach Nahrung durchsuchen.
Danach müssen dieselben Tiere aber weiterhin ernährt werden.
Ist das natürliche Nahrungsangebot anschließend zu gering, wird aus der vermeintlich perfekten Cleaning-Crew ein Haltungsproblem.
Beginne deshalb lieber mit wenigen geeigneten Tieren und beobachte die Entwicklung.
Strömung spielt bei sauberem Bodengrund eine große Rolle
Wenn sich Mulm und organische Ablagerungen immer an denselben Stellen sammeln, solltest Du nicht automatisch zusätzliche Tiere kaufen.
Oft lohnt sich zuerst ein Blick auf die Strömung.
Eine gute Wasserbewegung kann verhindern, dass sich größere Mengen organischen Materials dauerhaft in strömungsarmen Bereichen sammeln.
Strömungs-Pumpen richtig platzieren
Hier erfährst Du, wie Du Ablagerungszonen reduzieren kannst, ohne den Bodengrund permanent durch das Aquarium zu blasen.
Was tun bei Mulm auf dem Bodengrund?
Auch mit Bodenbewohnern kann es sinnvoll sein, größere Ablagerungen beim Wasserwechsel gezielt abzusaugen.
Eine Cleaning-Crew macht Dein Aquarium nicht wartungsfrei.
Wenn sich ungewöhnlich viel Mulm ansammelt, solltest Du zusätzlich prüfen:
Fütterungsmenge
Strömung
Fischbesatz
Filterung
Bodengrundtiefe
Nährstoffsituation
Tiere können Dich bei der Pflege unterstützen. Sie sollten aber nicht dazu dienen, ein grundlegendes Problem dauerhaft zu kaschieren.
Braune Beläge auf dem Sand
Ein brauner Bodengrund bedeutet nicht automatisch, dass der Sand voller Schmutz ist.
Besonders in jungen Meerwasseraquarien können Kieselalgen auftreten.
Bevor Du neue Tiere einsetzt, solltest Du deshalb möglichst herausfinden, um welchen Belag es sich tatsächlich handelt.
Ein Tier sollte langfristig zu Deinem Aquarium passen und nicht ausschließlich ein vorübergehendes optisches Problem lösen.
Cyanobakterien auf dem Bodengrund
Rote, violette oder bräunlich-rötliche Beläge auf dem Sand können Cyanobakterien sein.
Hier solltest Du nicht einfach zusätzliche Bodenbewohner einsetzen und erwarten, dass sie die Cyanobakterien auffressen.
Die üblichen Cleaning-Crew-Tiere fressen Cyanobakterien im Normalfall nicht zuverlässig.
Ein Grabender Seestern – Archaster angulatus oder eine Olivenschnecke – Oliva spec. kann den Bodengrund zwar bewegen und dadurch Beläge mechanisch stören. Die Ursache eines Cyanobakterien-Problems wird dadurch aber nicht automatisch beseitigt.
Welche Tiere helfen gegen Cyanobakterien?
Hier erklären wir Dir, warum es normalerweise keinen verlässlichen „Cyanofresser“ gibt und welche Tiere trotzdem indirekt unterstützen können.
Bodengrund nicht unnötig tief aufwühlen
Bei der manuellen Pflege solltest Du nicht automatisch den gesamten Bodengrund regelmäßig komplett durchwühlen.
Wie Du mit dem Sand umgehst, hängt unter anderem von Körnung, Schichthöhe, Alter des Aquariums und den vorhandenen Bodenbewohnern ab.
Oft reicht es, oberflächliche Ablagerungen gezielt abzusaugen und den Rest der Arbeit geeigneten Bodenbewohnern zu überlassen.
Welches Tier übernimmt welche Aufgabe?
Wenn Du gezielt auswählen möchtest, würde ich die Tiere ungefähr so einordnen:
Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec.
Interessant für Futterreste und organisches Material, hält sich häufig eingegraben im Sand auf.
Olivenschnecke – Oliva spec.
Aktiver Bewohner des Bodengrunds, der sich durch den Sand bewegt und dort nach Nahrung sucht.
Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus
Gut sichtbarer Sandbewohner, der die Bodenfläche aktiv nach Nahrung absucht.
Grabender Seestern – Archaster angulatus
Sehr aktiver Sandbewohner für ausreichend große und biologisch entwickelte Aquarien.
Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor
Interessanter zusätzlicher Resteverwerter, aber kein spezialisierter Sandgräber.
Welche Tiere würde ich zuerst einsetzen?
Für ein normales Riffaquarium mit Sandboden würde ich zunächst mit geeigneten Schnecken beginnen.
Besonders interessant finde ich die Kombination aus Pazifischer Reusenschnecke – Nassarius spec., Olivenschnecke – Oliva spec. und Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus.
Damit hast Du unterschiedliche Tiere, die den Bodengrund auf verschiedene Weise nutzen.
Wenn das Aquarium größer, ausreichend eingefahren und genügend Sandfläche vorhanden ist, kann zusätzlich der Grabende Seestern – Archaster angulatus interessant werden.
Typische Fehler bei Bodenbewohnern
Zu viele Tiere gleichzeitig einsetzen
Archaster in ein zu kleines oder zu junges Aquarium setzen
Bodenbewohner ausschließlich als Putztiere betrachten
Nassarius als klassischen Algenfresser kaufen
Das langfristige Nahrungsangebot nicht berücksichtigen
Den Bodengrund nicht auf die geplanten Tiere abstimmen
Strömungsprobleme mit zusätzlichen Tieren kaschieren
Cyanobakterien mit Sandbewohnern beseitigen wollen
Grundeln einsetzen und bodennahe Korallen nicht berücksichtigen
Die normale Pflege des Bodengrunds vollständig einstellen
Unser Tipp
Wenn Du Deinen Bodengrund natürlich in Bewegung halten möchtest, würde ich unterschiedliche Bodenbewohner miteinander kombinieren.
Die Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec. ist besonders interessant für Futterreste und organisches Material im Sand. Die Olivenschnecke – Oliva spec. bewegt sich aktiv durch den Bodengrund und die Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus ergänzt die Cleaning-Crew auf der Sandfläche.
In einem größeren und biologisch gut entwickelten Aquarium kann zusätzlich der Grabende Seestern – Archaster angulatus eine sehr interessante Ergänzung sein.
Setze aber nicht möglichst viele Tiere ein, nur damit der Sand weiß bleibt. Entscheidend ist immer, dass alle Bodenbewohner auch langfristig ausreichend Nahrung und geeignete Lebensbedingungen finden.
So bekommst Du nicht einfach einen „gereinigten“ Bodengrund, sondern eine abwechslungsreiche und funktionierende Gemeinschaft von Tieren, die unterschiedliche Aufgaben im Aquarium übernehmen.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.
