Wirbellose im Meerwasseraquarium – Haltung & Arten

Wirbellose gehören zu den faszinierendsten Bewohnern eines Meerwasseraquariums. Schnecken ziehen über Riffgestein und Scheiben, Einsiedlerkrebse suchen nach verwertbarer Nahrung, Garnelen zeigen interessantes Verhalten, Seeigel weiden Algenaufwuchs ab und Seesterne nutzen je nach Art ganz unterschiedliche Bereiche des Aquariums.
Viele Wirbellose übernehmen dabei nützliche Aufgaben. Trotzdem solltest Du sie nicht ausschließlich als „Putztruppe“ betrachten. Jedes Tier besitzt eigene Ansprüche, benötigt dauerhaft Nahrung und muss langfristig zu Aquariengröße, Bodengrund, Fischbesatz und den übrigen Bewohnern passen.
Eine gute Cleaning-Crew besteht deshalb nicht aus möglichst vielen Tieren, sondern aus sinnvoll ausgewählten Arten, die unterschiedliche Bereiche des Aquariums nutzen.

Was sind Wirbellose?
Wirbellose sind Tiere ohne Wirbelsäule. Der Begriff umfasst sehr unterschiedliche Tiergruppen, deren Ansprüche teilweise kaum miteinander vergleichbar sind.
Im Meerwasseraquarium gehören dazu unter anderem:
Schnecken
Einsiedlerkrebse
Garnelen
Krabben
Seeigel
Seesterne
Schlangensterne
Röhrenwürmer
Muscheln
Copepoden
Amphipoden
Eine algenfressende Schnecke lässt sich nicht nach denselben Regeln halten wie ein grabender Seestern oder eine Tridacna-Muschel. Deshalb solltest Du vor dem Kauf immer die konkrete Art und ihre Bedürfnisse betrachten.

Wirbellose sind mehr als eine Cleaning-Crew
Viele Tiere werden mit einer bestimmten Aufgabe gekauft. Eine Schnecke soll Algen fressen, ein Einsiedler Futterreste beseitigen, ein Seeigel das Riff abweiden und ein Seestern den Bodengrund bewegen.
Das kann durchaus ihrer natürlichen Lebensweise entsprechen. Problematisch wird es, wenn das Tier ausschließlich als Werkzeug betrachtet wird.
Ein Algenfresser muss auch dann ausreichend Nahrung finden, wenn die Algen verschwunden sind. Ein grabender Seestern benötigt dauerhaft Nahrung im Sand. Einsiedler brauchen passende Ersatzhäuser und Seeigel ausreichend Aufwuchs.
Die richtige Cleaning-Crew wählen
Hier erfährst Du, wie Du unterschiedliche Wirbellose sinnvoll nach ihren tatsächlichen Aufgaben und Bedürfnissen kombinierst.

Schnecken – wichtige Helfer im Riff
Schnecken gehören für viele Meerwasseraquarien zu den sinnvollsten Wirbellosen. Je nach Art können sie Algenaufwuchs und Biofilme abweiden, Futterreste verwerten oder den Bodengrund bewegen.
Wichtig ist, nicht einfach möglichst viele „Schnecken gegen Algen“ einzusetzen. Unterschiedliche Arten nutzen verschiedene Nahrungsquellen und Bereiche des Aquariums.
Für Algenaufwuchs auf Riffgestein und anderen festen Oberflächen sind beispielsweise Turbo Schnecke – Turbo bruneus und Mexikanische Turboschnecke – Turbo fluctuosus interessant.
Auch Tectus fenestratus, Nerita Algenschnecke und Sternschnecke – Astralium calcar können eine abwechslungsreiche Cleaning-Crew ergänzen.
Eine Mischung verschiedener geeigneter Arten ist häufig sinnvoller als eine große Anzahl identischer Schnecken.

Welche Schnecken gegen Algen?
Nicht jede Schnecke frisst dieselben Beläge und nicht alles, was wie eine Alge aussieht, wird von Schnecken aufgenommen.
Turbo-Schnecken sind kräftige Weidegänger für feste Oberflächen. Tectus kann unterschiedliche Algenbeläge auf Steinen und Scheiben bearbeiten. Nerita ist ebenfalls häufig auf festen Oberflächen unterwegs.
Welche Schnecken gegen Algen?
Hier erfährst Du, welche Schnecken für unterschiedliche Algenbeläge und Bereiche des Aquariums interessant sind.

Cerithium als vielseitige Ergänzung
Die Cyanofressende Nadelschnecke – Cerithium caeruleum kann unterschiedliche Oberflächen und bodennahe Bereiche nutzen.
Die Bezeichnung „cyanofressend“ sollte allerdings nicht zu falschen Erwartungen führen. Typische Cleaning-Crew-Tiere beseitigen einen Cyanobakterien-Befall im Normalfall nicht zuverlässig. Sie können Beläge mechanisch stören oder andere verwertbare Stoffe aufnehmen, ersetzen aber keine Ursachenforschung.

Nassarius – Resteverwerter im Bodengrund
Die Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec. übernimmt eine völlig andere Aufgabe als eine klassische Turbo-Schnecke.
Nassarius hält sich häufig im Bodengrund auf und sucht dort nach Futterresten und anderem verwertbaren organischen Material. Sie ist deshalb kein klassischer Algenfresser.
Gerade diese unterschiedlichen Ernährungsweisen machen eine gemischte Cleaning-Crew sinnvoll.

Weitere interessante Schnecken für den Bodengrund
Auch andere Arten können Sandflächen nutzen und dabei unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec.
Olivenschnecke – Oliva spec.
Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus
Diese Tiere erfüllen nicht dieselbe Aufgabe. Conomurex bewegt sich beispielsweise aktiv auf Sandflächen, während Nassarius vor allem als Resteverwerter interessant ist.

Hummelschnecken richtig einordnen
Die Hummelschnecke – Engina mendicaria wird ebenfalls im Meerwasseraquarium gepflegt, sollte aber nicht einfach mit klassischen Algenschnecken gleichgesetzt werden.
Wenn Dein Hauptziel die Kontrolle von Algenaufwuchs ist, solltest Du zunächst geeignete Weidegänger auswählen und andere Schnecken entsprechend ihrer tatsächlichen Ernährungsweise ergänzen.

Einsiedlerkrebse – ständig unterwegs
Einsiedlerkrebse gehören zu den aktivsten Wirbellosen im Riffaquarium. Sie durchsuchen Riffgestein und Bodengrund nach Algen, Futterresten und anderem verwertbaren Material.
Ein interessanter kleiner Vertreter ist der Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor.
Auch bei Einsiedlern gilt: Mehr Tiere bedeuten nicht automatisch eine bessere Reinigung. Die Anzahl sollte sich am vorhandenen Nahrungsangebot orientieren.

Ersatzhäuser für Einsiedlerkrebse
Einsiedler wachsen und benötigen mit der Zeit größere Schneckenhäuser. Stelle deshalb unterschiedliche leere Gehäuse in passenden Größen bereit.
Fehlen geeignete Alternativen, kann sich ein Einsiedler für das Haus einer lebenden Schnecke interessieren. Ersatzhäuser können dieses Risiko reduzieren, aber nicht vollständig ausschließen.
Welche Einsiedlerkrebse passen zusammen?
Hier erfährst Du mehr über Auswahl, Vergesellschaftung und die richtige Haltung verschiedener Einsiedlerkrebse.

Garnelen – weit mehr als schöne Farbtupfer
Garnelen gehören zu den auffälligsten Wirbellosen im Meerwasseraquarium. Bekannte Vertreter sind verschiedene Lysmata-Arten sowie kleinere Partner- und Anemonengarnelen.
Die Unterschiede zwischen den Arten können erheblich sein. Einige Garnelen leben relativ offen, andere verstecken sich stärker. Manche Arten werden als Putzergarnelen gepflegt, andere werden im Zusammenhang mit Glasrosen eingesetzt.
Eine Garnele solltest Du trotzdem niemals ausschließlich aufgrund einer gewünschten Funktion auswählen.

Garnelen gegen Glasrosen
Bestimmte Garnelen können Glasrosen fressen. Das Verhalten ist allerdings nicht bei jedem einzelnen Tier garantiert.
Deshalb sollte eine Garnele nicht ausschließlich für eine kurzfristige Aufgabe gekauft werden. Sind die Glasrosen verschwunden, bleibt sie ein dauerhafter Bewohner und benötigt weiterhin passende Bedingungen und Nahrung.

Nahrungsspezialisten besonders sorgfältig auswählen
Ein gutes Beispiel sind Harlekingarnelen der Gattung Hymenocera. Sie sind Nahrungsspezialisten und ernähren sich von Seesternen.
Das kann bei unerwünschten kleinen Seesternen zunächst interessant erscheinen, bedeutet aber gleichzeitig, dass die Ernährung auch langfristig gewährleistet werden muss.
Kein Tier sollte nur als kurzfristiger Problemlöser angeschafft werden.

Krabben genau bestimmen
Bei Krabben ist die genaue Art besonders wichtig. Einige können interessante Riffbewohner sein, andere leben opportunistischer und nehmen bei Gelegenheit möglicherweise auch Tiere oder andere Nahrung auf.
Eine unbekannte Krabbe, die beispielsweise mit Lebendgestein ins Aquarium gelangt, solltest Du deshalb nicht automatisch als gut oder schlecht einstufen. Eine möglichst sichere Bestimmung ist die bessere Grundlage.

Seeigel – starke natürliche Weidegänger
Seeigel gehören zu den effektivsten natürlichen Algenfressern eines Meerwasseraquariums.
Ein besonders interessanter Vertreter ist der Kugel-Seeigel – Mespilia globulus.
Mespilia kann Riffgestein intensiv nach Algenaufwuchs absuchen und eignet sich dadurch als Ergänzung einer Cleaning-Crew, wenn Aquariengröße und Nahrungsangebot passen.

Seeigel brauchen langfristig Nahrung
Ein Seeigel wird häufig gekauft, wenn viele Algen vorhanden sind. Nach einiger Zeit kann genau diese Nahrungsgrundlage deutlich zurückgehen.
Beobachte deshalb auch nach erfolgreicher Algenkontrolle, ob das Tier weiterhin ausreichend Nahrung findet.
Ein Tier einzusetzen und gleichzeitig darauf zu hoffen, dass seine natürliche Nahrungsgrundlage vollständig verschwindet, ist keine langfristige Planung.

Seeigel können Korallen umwerfen
Auch kleinere Seeigel können erstaunlich kräftig sein. Lose Ablegersteine und kleinere Dekorationen können verschoben werden.
Korallen sollten deshalb zuverlässig befestigt sein.
Welcher Seeigel ist der richtige?
Hier erfährst Du, welcher Seeigel zu Aquariengröße, Riffaufbau und Nahrungsangebot passen kann.

Seesterne – faszinierend, aber nicht automatisch einfach
Seesterne gehören zu den auffälligsten Wirbellosen, können je nach Art aber sehr spezielle Ansprüche stellen.
Der Grabende Seestern – Archaster angulatus lebt überwiegend im Sand und durchwühlt größere Bereiche des Bodengrunds.
Genau deshalb benötigt er eine ausreichend große und biologisch entwickelte Sandfläche mit genügend natürlicher Nahrung.
Ein kleines oder frisch gestartetes Aquarium kann langfristig zu wenig Nahrung für einen grabenden Seestern bieten. Archaster sollte deshalb nicht einfach nur gekauft werden, damit der Sand optisch sauber bleibt.
Welche Tiere halten den Bodengrund sauber?
Hier erfährst Du, welche Wirbellosen für Sandflächen infrage kommen und warum die biologische Entwicklung des Aquariums berücksichtigt werden muss.

Nicht alle Seesterne haben dieselben Ansprüche
Farbige Seesterne wie Fromia oder Linckia unterscheiden sich in ihrer Lebensweise deutlich von einem grabenden Archaster.
Viele Arten sind auf natürliche Nahrungsquellen und ein biologisch gut entwickeltes Aquarium angewiesen.
Die Bezeichnung „Seestern“ reicht deshalb nicht aus, um die Haltung eines Tieres zu beurteilen.

Röhrenwürmer – Filtrierer statt Cleaning-Crew
Auch Röhrenwürmer gehören zu den interessanten Wirbellosen. Ihre auffällige Tentakelkrone dient vor allem dazu, feine Nahrungspartikel aus dem Wasser aufzunehmen.
Ein Röhrenwurm benötigt deshalb vollkommen andere Bedingungen als eine Turbo-Schnecke oder ein Seeigel.
Gerade in sehr nährstoffarmen Aquarien solltest Du berücksichtigen, ob dauerhaft ausreichend geeignete Nahrung vorhanden ist.

Copepoden und Amphipoden – klein, aber wichtig
Nicht alle wichtigen Wirbellosen sind groß und auffällig. Copepoden und Amphipoden gehören zur natürlichen Mikrofauna eines Riffaquariums.
Sie besiedeln Riffgestein, Algenbereiche und andere geschützte Stellen. Gleichzeitig können sie verschiedenen Aquarienbewohnern als natürliche Nahrung dienen.
Ein biologisch vielfältiges Aquarium besteht deshalb nicht nur aus den Tieren, die Du sofort siehst.

Muscheln gehören ebenfalls zu den Wirbellosen
Auch Riesenmuscheln der Gattung Tridacna gehören zu den Wirbellosen. Ihre Haltung unterscheidet sich allerdings erheblich von typischen Cleaning-Crew-Tieren.
Tridacna leben in Symbiose mit Zooxanthellen und benötigen insbesondere eine geeignete Beleuchtung sowie stabile Wasserwerte. Auch Endgröße und Standort unterscheiden sich je nach Art.
Eine Tridacna sollte deshalb nicht einfach nur als dekorative Muschel betrachtet werden.

Welche Tiere gehören in eine Cleaning-Crew?
Für viele Aquarien bilden verschiedene Schnecken und kleinere Einsiedlerkrebse eine sinnvolle Grundlage. Je nach Größe und Entwicklung des Aquariums können später Seeigel und weitere Wirbellose hinzukommen.
Eine abwechslungsreiche Gruppe kann unterschiedliche Bereiche abdecken:
Algenaufwuchs auf Riffgestein und Scheiben
Biofilme
Futterreste
Bodengrund
Stärkeren Algenaufwuchs
Die genaue Zusammensetzung sollte sich nach dem tatsächlichen Bedarf richten.
Die erste Cleaning-Crew zusammenstellen
Hier erfährst Du, welche Tiere für ein junges Aquarium infrage kommen und warum Du lieber mit einer kleineren Gruppe beginnen solltest.

Wann kann die erste Cleaning-Crew einziehen?
Nicht der Kalender entscheidet, sondern die Entwicklung des Aquariums.
Eine Turbo-Schnecke benötigt bereits ausreichend Algenaufwuchs. Nassarius benötigt verwertbare organische Nahrung. Ein grabender Seestern braucht einen biologisch entwickelten Bodengrund und ein Seeigel langfristig genügend Aufwuchs.
Deshalb halte ich pauschale Regeln wie „nach zwei Wochen kommt die Cleaning-Crew“ für wenig sinnvoll.
Setze Tiere erst ein, wenn Dein Aquarium ihre Bedürfnisse tatsächlich erfüllen kann.
Meerwasseraquarium für Anfänger – Schritt für Schritt zum eigenen Riff
Unser großer Anfänger-Ratgeber begleitet Dich von Planung und Technik über Wasserwerte und Einfahrphase bis zum ersten Besatz.

Wie viele Wirbellose brauchst Du?
Starre Formeln wie „eine Schnecke pro zehn Liter“ sind wenig sinnvoll.
Zwei Aquarien mit identischem Volumen können ein vollkommen unterschiedliches Nahrungsangebot besitzen. Ein kleineres Aquarium mit viel natürlichem Aufwuchs kann mehr Nahrung bieten als ein großes, sehr sauberes Riff.
Beginne deshalb lieber mit wenigen passenden Tieren und erweitere die Cleaning-Crew nur dann, wenn weiterhin ausreichend Nahrung und tatsächlicher Bedarf vorhanden sind.

Wasserwerte für Wirbellose
Die verschiedenen Wirbellosen-Gruppen besitzen unterschiedliche Ansprüche. Trotzdem profitieren die typischen Riffbewohner von stabilen Bedingungen.
Besonders wichtig sind eine stabile Salinität, eine möglichst konstante Temperatur, ein geeigneter pH-Wert und eine insgesamt gute Wasserqualität.
Bei kalkbildenden Organismen wie Tridacna-Muscheln spielen zusätzlich Calcium und Karbonathärte eine wichtige Rolle.
Wasserwerte im Meerwasseraquarium
Hier erfährst Du mehr über Salinität, KH, Calcium, Magnesium, Nitrat, Phosphat und pH-Wert.

Wirbellose vorsichtig eingewöhnen
Viele Wirbellose reagieren empfindlich auf schnelle Veränderungen, insbesondere bei Temperatur und Salinität.
Die geeignete Eingewöhnung hängt von Tierart, Transportdauer und Ausgangswasser ab. Eine einzige pauschale Methode für jede Schnecke, Garnele, Muschel und jeden Seestern gibt es deshalb nicht.

Häutung bei Garnelen und Einsiedlern
Garnelen, Einsiedler und andere Krebstiere besitzen einen festen Außenpanzer. Damit sie wachsen können, müssen sie sich regelmäßig häuten.
Direkt nach der Häutung ist der neue Panzer zunächst weich. Viele Tiere verstecken sich während dieser Phase.
Eine leere Garnelenhülle wird außerdem häufig mit einem toten Tier verwechselt. Wenn eine Garnele plötzlich verschwunden ist, lohnt sich deshalb zunächst ein genauer Blick.

Jod nicht auf Verdacht dosieren
Jod wird häufig mit der Häutung von Krebstieren in Verbindung gebracht. Daraus solltest Du nicht ableiten, dass Garnelen oder Einsiedler automatisch zusätzliches Jod benötigen.
Spurenelemente werden nur in geringen Mengen benötigt. Eine stabile Gesamtversorgung ist sinnvoller als die unkontrollierte Dosierung einzelner Elemente.

Wirbellose gegen Fadenalgen
Bei Fadenalgen können geeignete Wirbellose tatsächlich unterstützen. Besonders junge und kurze Fadenalgen können von verschiedenen Schnecken, Einsiedlern und Seeigeln bearbeitet werden.
Interessant sind beispielsweise:
Turbo Schnecke – Turbo bruneus
Mexikanische Turboschnecke – Turbo fluctuosus
Tectus fenestratus
Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor
Kugel-Seeigel – Mespilia globulus
Bei langen und dichten Fadenalgen solltest Du nicht erwarten, dass einige Tiere ein stark überwachsenes Aquarium vollständig freifressen. Eine mechanische Reduzierung kann zunächst sinnvoll sein.
Welche Tiere helfen gegen Fadenalgen?
Hier erfährst Du, welche Tiere unterstützen können und warum die Ursache des Algenwachstums trotzdem berücksichtigt werden muss.

Wirbellose gegen Cyanobakterien
Bei Cyanobakterien sieht die Situation anders aus. Die üblichen Schnecken, Einsiedler und Seeigel fressen Cyanobakterien im Normalfall nicht zuverlässig oder gezielt.
Einige Tiere können Beläge mechanisch stören oder andere organische Stoffe aufnehmen. Das ist aber keine sichere Bekämpfung eines Cyanobakterien-Problems.
Welche Tiere helfen gegen Cyanobakterien?
Hier erklären wir Dir ausführlich, warum es keinen zuverlässigen klassischen „Cyanofresser“ gibt.

Wirbellose und Korallen
Viele Wirbellose lassen sich hervorragend mit Korallen pflegen. Trotzdem solltest Du die konkrete Art betrachten.
Seeigel können lose Korallen-Ableger verschieben, größere Einsiedler entwickeln erstaunlich viel Kraft und einige Krabben leben opportunistisch.
Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Tiere Korallen fressen. Mechanische Schäden durch Umwerfen oder Verschieben sind trotzdem möglich.
Korallen sollten deshalb sicher befestigt sein.

Wirbellose und Fische
Auch Dein Fischbesatz entscheidet darüber, welche Wirbellosen Du halten kannst.
Viele friedliche Riff-Fische lassen Schnecken, Garnelen und Einsiedler weitgehend unbehelligt. Andere Fischarten können Krebstiere, Schnecken oder andere Wirbellose als Nahrung betrachten.
Prüfe deshalb vor dem Kauf nicht nur die Verträglichkeit mit anderen Wirbellosen, sondern auch mit Deinen Fischen.

Wirbellose richtig füttern
Die Aussage „Eine Cleaning-Crew muss nicht gefüttert werden“ ist zu pauschal.
Solange genügend natürliche Nahrung vorhanden ist, können einige Arten einen erheblichen Teil ihres Bedarfs selbst decken. Wird das Aquarium sehr sauber, kann zusätzliche Fütterung notwendig werden.
Einsiedler und Garnelen nehmen häufig geeignetes Aquarienfutter an. Seeigel können bei geringem Algenangebot je nach Art zusätzlich geeignete Algen erhalten. Nahrungsspezialisten benötigen entsprechend ihre spezielle Nahrung.
Kein Tier sollte verhungern, nur weil es ursprünglich als „Algenfresser“ gekauft wurde.

Welche Tiere halten den Bodengrund sauber?
Der Begriff „Sandreiniger“ ist etwas irreführend. Tiere reinigen den Bodengrund nicht für uns, sondern suchen dort nach Nahrung.
Interessante Bodenbewohner sind beispielsweise:
Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec.
Olivenschnecke – Oliva spec.
Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus
Grabender Seestern – Archaster angulatus
Je erfolgreicher diese Tiere den Bodengrund nach verwertbarer Nahrung durchsuchen, desto wichtiger wird die Frage, ob langfristig noch genügend Nahrung vorhanden ist.
Welche Tiere halten den Bodengrund sauber?
Hier erfährst Du ausführlich, welcher Bodenbewohner für welches Aquarium infrage kommt.

Wie erkennst Du gesunde Wirbellose?
Das hängt stark von der Tiergruppe ab.
Bei Schnecken solltest Du beispielsweise auf normale Haftung und Bewegung achten. Bei Seeigeln sind intakte und fest sitzende Stacheln sowie normale Aktivität gute Zeichen. Garnelen sollten normal reagieren und Seesterne keine auffällig zerfallenden Körperbereiche zeigen.
Ein Tier, das gerade still sitzt, muss aber nicht automatisch krank sein. Viele Wirbellose sind nachtaktiv, verstecken sich oder ziehen sich nach Transport und Häutung zurück.

Nicht jedes Tier muss ständig sichtbar sein
Eine Schnecke kann hinter dem Riff verschwinden, eine Garnele kann sich während der Häutung verstecken und ein Einsiedler mehrere Stunden zwischen Steinen sitzen.
Baue deshalb nicht sofort das gesamte Riff auseinander, nur weil Du einen Wirbellosen eine Zeit lang nicht siehst.

Neue Wirbellose kontrollieren
Auch auf Schneckenhäusern und anderen harten Oberflächen können unerwünschte Begleiter sitzen.
Kontrolliere neue Tiere deshalb vor dem Einsetzen möglichst genau. Nicht jeder Aufwuchs ist problematisch, aber ein kurzer Blick auf Schneckenhaus, Gehäuse oder andere harte Strukturen kann spätere Überraschungen vermeiden.

Eine sinnvolle Cleaning-Crew zusammenstellen
Für Algenaufwuchs auf festen Oberflächen:
Turbo Schnecke – Turbo bruneus
Mexikanische Turboschnecke – Turbo fluctuosus
Tectus fenestratus
Nerita Algenschnecke
Sternschnecke – Astralium calcar
Für Bodengrund und Futterreste:
Pazifische Reusenschnecke – Nassarius spec.
Olivenschnecke – Oliva spec.
Kegelfechterschnecke – Conomurex luhuanus
Als kleiner Einsiedler:
Blaubein Einsiedlerkrebs – Clibanarius tricolor
Für stärkeren Algenaufwuchs bei passendem Aquarium:
Kugel-Seeigel – Mespilia globulus
Für ausreichend große und biologisch entwickelte Sandflächen:
Grabender Seestern – Archaster angulatus
Die genaue Anzahl lässt sich nicht sinnvoll nur anhand der Literzahl festlegen. Entscheidend ist, wie viel natürliche Nahrung tatsächlich vorhanden ist.

Typische Fehler bei Wirbellosen
Tiere ausschließlich als Putztruppe betrachten
Zu viele Tiere auf einmal einsetzen
Eine Schneckenart für jede Algenart verwenden
Algenfresser einsetzen, obwohl kaum natürliche Nahrung vorhanden ist
Nassarius als klassische Algenschnecke kaufen
Seeigel nur für ein vorübergehendes Algenproblem einsetzen
Archaster in ein zu kleines oder zu junges Aquarium setzen
Einsiedler ohne Ersatzhäuser halten
Nahrungsspezialisten ohne langfristige Futterplanung kaufen
Den vorhandenen Fischbesatz nicht berücksichtigen
Bei Cyanobakterien auf einen angeblichen Fressfeind vertrauen
Starke Schwankungen der Salinität unterschätzen

Unser Tipp
Stelle Deine Wirbellosen nicht nach einer pauschalen Stückzahl zusammen. Überlege zuerst, welche Aufgaben in Deinem Aquarium tatsächlich vorhanden sind.
Für Algenaufwuchs können Turbo bruneus, Turbo fluctuosus, Tectus fenestratus, Nerita oder Astralium calcar interessant sein.
Für Bodengrund und Futterreste kommen beispielsweise Nassarius, Oliva und Conomurex luhuanus infrage.
Einige Clibanarius tricolor können die Gruppe ergänzen. Bei ausreichend großem Aquarium und vorhandenem Aufwuchs kann ein Mespilia globulus interessant werden.
Ein Archaster angulatus sollte dagegen erst dann einziehen, wenn ausreichend biologisch entwickelte Sandfläche und eine langfristige Nahrungsgrundlage vorhanden sind.
So entsteht keine möglichst große Cleaning-Crew, sondern eine sinnvoll zusammengesetzte Gemeinschaft, deren Tiere unterschiedliche Bereiche nutzen und langfristig zu Deinem Meerwasseraquarium passen.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
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