Palythoa – robuste Krustenanemone mit wichtiger Palytoxin-Warnung

Palythoa gehört zu den Krustenanemonen und bildet Kolonien aus zahlreichen fleischigen Polypen. Je nach Art und Variante findest Du unterschiedliche Grün-, Braun-, Gelb- oder mehrfarbige Tiere. Viele Palythoa gelten als robust und anpassungsfähig und können sich unter passenden Bedingungen schnell über angrenzendes Riffgestein ausbreiten. Beim Umgang mit Palythoa ist jedoch besondere Vorsicht erforderlich: Krustenanemonen können das sehr starke Gift Palytoxin enthalten.

Steckbrief
Gattung: Palythoa
Deutscher Name: Krustenanemone
Englischer Name: Button Polyp / Palythoa
Korallen-Gruppe: Krustenanemone
Schwierigkeitsgrad: leicht bis mittel
Beleuchtung: gering bis mittel
Strömung: leicht bis mittel, breit und wechselnd
Platzierung: unterer bis mittlerer Riffbereich, möglichst kontrollierbare Fläche
Wachstum: mittel bis schnell, flächig koloniebildend
Fütterung: zusätzliche Fütterung möglich
Aggressivität: gering bis mittel, kann andere Korallen überwachsen
Besonderheit: robuste Krustenanemone mit möglicher Palytoxin-Gefahr

Haltung im Meerwasseraquarium
Palythoa lässt sich in einem stabil laufenden Meerwasseraquarium meist gut pflegen. Die Tiere bilden Kolonien und können sich über angrenzendes Riffgestein ausbreiten. Dadurch kann aus einer kleinen Kolonie mit der Zeit eine größere bewachsene Fläche entstehen. Eine separate Riffinsel oder ein anderer gut kontrollierbarer Bereich kann sinnvoll sein, damit sich die Kolonie nicht ungewollt zwischen anderen Korallen ausbreitet.

Weichkorallen – Haltung, Arten & Pflege
Palythoa gehört biologisch nicht zu den klassischen Weichkorallen, wird im aquaristischen Alltag aber häufig gemeinsam mit Weichkorallen und anderen Krustenanemonen betrachtet. Unser Ratgeber erklärt Dir die wichtigsten Grundlagen zu Beleuchtung, Strömung, Wasserwerten, Wachstum und Pflege.

Beleuchtung und Standort
Palythoa kommt je nach Art und bisheriger Haltung mit geringer bis mittlerer Beleuchtung gut zurecht. Als grobe Orientierung können etwa 50–150 PAR ein sinnvoller Ausgangspunkt sein. Dieser Bereich ist keine feste Vorgabe, denn die tatsächlich geeignete Lichtintensität hängt unter anderem von Art, bisheriger Gewöhnung, Spektrum und Beleuchtungsdauer ab. Mehr dazu erfährst Du unter PAR-Werte einfach erklärt. Eine neue Kolonie solltest Du langsam an deutlich höhere Lichtintensitäten gewöhnen. Besonders sinnvoll kann ein separater Stein oder eine kontrollierbare Riffzone sein. Weitere Hinweise findest Du unter Korallen richtig platzieren.

Die richtige Strömung
Eine leichte bis mittlere, breite und wechselnde Strömung ist für Palythoa gut geeignet. Die Polypen sollten ausreichend umströmt werden, ohne dauerhaft von einem harten Pumpenstrahl getroffen zu werden. Eine gute Wasserbewegung hilft dabei, Ablagerungen zwischen den Polypen zu reduzieren. Wie Du eine breite und abwechslungsreiche Wasserbewegung erzeugst, erklären wir unter Strömungs-Pumpen richtig platzieren.

Wasserwerte
Temperatur: etwa 24–26 °C
Salinität: etwa 35 PSU
KH: etwa 7–9 dKH
Calcium: etwa 400–450 mg/l
Magnesium: etwa 1.250–1.350 mg/l
Nitrat: messbar und möglichst stabil
Phosphat: messbar und möglichst stabil
Diese Bereiche dienen als Orientierung. Palythoa gilt als vergleichsweise tolerant, profitiert aber ebenfalls von möglichst stabilen Bedingungen. Nitrat und Phosphat sollten nicht grundsätzlich möglichst weit abgesenkt werden, sondern zur Nährstoffversorgung des gesamten Aquariums passen.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Unsere Wasserwerte-Pillar-Seite erklärt Dir die wichtigsten Werte und ihre Zusammenhänge. Langfristig stabile Bedingungen sind meist wichtiger als das permanente Nachregeln auf vermeintlich perfekte Einzelwerte.

Fütterung
Viele im Aquarium gepflegte Palythoa leben mit Zooxanthellen im Gewebe und erhalten dadurch einen erheblichen Teil ihrer Energie über die Photosynthese. Zusätzlich können die Polypen Nahrungspartikel aufnehmen. Je nach Größe der Polypen können beispielsweise feines Plankton oder geeignetes Korallenfutter angeboten werden. Eine zusätzliche Fütterung sollte immer zur Nährstoffsituation des gesamten Aquariums passen. Mehr dazu erfährst Du unter Korallen richtig füttern.

Abstand zu anderen Korallen
Palythoa kann sich unter guten Bedingungen über angrenzende Flächen ausbreiten und dadurch zu einem starken Raumkonkurrenten werden. Andere Korallen können überwachsen oder zunehmend bedrängt werden. Plane deshalb ausreichend Abstand ein und kontrolliere die Ausbreitung regelmäßig. Eine vom Hauptriff getrennte Riffinsel kann die Wachstumskontrolle deutlich erleichtern.

Woran erkennst Du einen guten Standort?
Die Polypen öffnen sich regelmäßig.
Das Gewebe wirkt gesund und vollständig.
Die Färbung bleibt über längere Zeit stabil.
Neue Polypen entstehen am Rand der Kolonie.
Die Polypen werden ausreichend umströmt.
Zwischen den Polypen sammeln sich keine größeren Ablagerungen.
Die Kolonie wird nicht dauerhaft von einem harten Pumpenstrahl getroffen.
Die Ausbreitung lässt sich am gewählten Standort kontrollieren.
Benachbarte Korallen werden nicht überwachsen.
Bleiben größere Bereiche der Kolonie über längere Zeit geschlossen oder löst sich Gewebe sichtbar auf, solltest Du Wasserwerte, Beleuchtung, Strömung und mögliche unerwünschte Begleiter kontrollieren.

Wie wächst Palythoa?
Palythoa bildet Kolonien aus zahlreichen Polypen, die durch gemeinsames Gewebe miteinander verbunden sind. Unter passenden Bedingungen entstehen neue Polypen und die Kolonie breitet sich über den Untergrund aus. Je nach Art und Aquarienbedingungen kann das Wachstum deutlich ausfallen. Plane deshalb bereits beim Einsetzen ausreichend Platz ein.

Warum bleiben Palythoa manchmal geschlossen?
Geschlossene Polypen bedeuten nicht automatisch, dass die Kolonie krank ist. Transport, Berührung, Umsetzen sowie Veränderungen von Beleuchtung und Strömung können dazu führen, dass sich die Tiere vorübergehend schließen. Bleiben größere Bereiche dagegen über längere Zeit geschlossen, solltest Du genauer kontrollieren, ob sich Ablagerungen, unerwünschte Begleiter oder Veränderungen der Haltungsbedingungen feststellen lassen.

ACHTUNG – mögliche Palytoxin-Gefahr
Palythoa und verwandte Krustenanemonen können Palytoxin enthalten. Die tatsächliche Giftmenge kann sich zwischen Arten und Kolonien unterscheiden und ist anhand des Aussehens nicht zuverlässig einzuschätzen. Behandle Palythoa deshalb grundsätzlich so, als könnte Palytoxin vorhanden sein.
Vermeide unnötiges Quetschen, Schneiden oder Verletzen der Polypen.
Trage beim Fragmentieren oder Entfernen geeignete Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille.
Vermeide Spritzer und Kontakt mit Augen, Mund, Schleimhäuten und verletzter Haut.
Wasche nach Arbeiten an der Kolonie Hände und verwendete Werkzeuge gründlich.
Halte Kinder und Haustiere beim Bearbeiten der Tiere vom Arbeitsbereich fern.
Palythoa-bewachsene Steine niemals kochen, mit heißem Wasser übergießen, abbrennen oder anderweitig stark erhitzen.
Beim Erhitzen kann eine gefährliche Exposition über Dämpfe beziehungsweise Aerosole entstehen.
Bei Beschwerden nach Kontakt oder Bearbeitung solltest Du unverzüglich medizinischen Rat einholen beziehungsweise bei schweren Beschwerden medizinische Hilfe rufen. Weise dabei ausdrücklich auf einen möglichen Kontakt mit Palytoxin aus Krustenanemonen hin.

Warum darfst Du Palythoa-bewachsene Steine niemals auskochen?
Das Auskochen oder starke Erhitzen eines mit Palythoa bewachsenen Steins ist keine geeignete Methode zur Entfernung der Tiere. Bei einer Palytoxin-haltigen Kolonie kann dadurch eine besonders gefährliche Situation entstehen, weil Gift beziehungsweise belastete Aerosole über die Atemwege aufgenommen werden können. Dadurch können nicht nur die unmittelbar arbeitende Person, sondern auch andere Personen oder Tiere in der Umgebung gefährdet werden. Verwende deshalb niemals Hitze, um Palythoa von Riffgestein zu entfernen.

Was solltest Du beim Fragmentieren beachten?
Das Fragmentieren von Palythoa erfordert besondere Vorsicht. Beim Schneiden oder Verletzen der Polypen können Flüssigkeit und Gewebematerial freigesetzt werden. Trage deshalb geeignete Handschuhe und eine Schutzbrille und arbeite so, dass keine Flüssigkeit in Richtung Gesicht spritzen kann. Vermeide unnötigen direkten Hautkontakt und reinige Werkzeuge und Arbeitsfläche anschließend gründlich.

Ist Palythoa für Anfänger geeignet?
Von den reinen Haltungsansprüchen her können viele Palythoa auch für Einsteiger geeignet sein. Sie benötigen meist keine extreme Beleuchtung oder besonders starke Strömung und können unter stabilen Bedingungen zuverlässig wachsen. Die mögliche Palytoxin-Gefahr darf dabei jedoch nicht unterschätzt werden. Wer Palythoa pflegt, sollte die Sicherheitsmaßnahmen kennen und insbesondere beim Fragmentieren, Entfernen oder Bearbeiten der Tiere konsequent beachten.

Palythoa kaufen
Beim Kauf solltest Du auf eine insgesamt gesund wirkende Kolonie achten. Nicht jeder Polyp muss in jedem Moment vollständig geöffnet sein. Größere dauerhaft geschlossene Bereiche, sich auflösendes Gewebe oder auffällige Beläge solltest Du dagegen genauer betrachten. Kontrolliere außerdem den Stein und die Bereiche zwischen den Polypen auf unerwünschte Begleiter. Weitere Hinweise findest Du unter Gesunde Korallen erkennen.

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Unser Tipp
Setze Palythoa möglichst auf einen separaten Stein oder in einen gut kontrollierbaren Riffbereich. Dadurch lässt sich ihre Ausbreitung leichter begrenzen. Noch wichtiger ist der sichere Umgang mit der Kolonie: Behandle Palythoa grundsätzlich vorsichtig, trage bei Arbeiten mit Verletzungs- oder Spritzgefahr geeigneten Schutz und erhitze bewachsene Steine niemals. So gehört die mögliche Palytoxin-Gefahr von Anfang an zur verantwortungsvollen Haltung und nicht erst dann, wenn die Kolonie später entfernt oder geteilt werden soll.

Kurz zusammengefasst
Palythoa ist eine robuste und häufig schnell wachsende Krustenanemone, die sich bei geeigneten Bedingungen gut im Meerwasseraquarium pflegen lässt. Geringe bis mittlere Beleuchtung, eine leichte bis mittlere wechselnde Strömung und stabile Wasserwerte bieten gute Voraussetzungen. Die mögliche Ausbreitung sollte bereits bei der Platzierung berücksichtigt werden. Besonders wichtig ist der sichere Umgang: Palythoa kann Palytoxin enthalten. Beim Bearbeiten sind entsprechende Schutzmaßnahmen erforderlich und bewachsene Steine dürfen niemals gekocht oder stark erhitzt werden.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen. Die Hinweise zu Palytoxin dienen der allgemeinen Sicherheit und ersetzen keine medizinische Beratung.

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Gerd Raabe
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