Wasserwechsel im Meerwasseraquarium – wie oft und wie viel?
Der Wasserwechsel gehört zu den klassischen Pflegemaßnahmen im Meerwasseraquarium. Dabei wird ein Teil des Aquarienwassers entnommen und durch frisch angesetztes Meerwasser ersetzt. Das kann helfen, bestimmte Stoffe zu verdünnen, Mineralien und Spurenelemente zu ergänzen und gleichzeitig Mulm oder Ablagerungen aus dem Aquarium zu entfernen.
Eine feste Regel wie „jede Woche 10 %“ passt jedoch nicht zu jedem Riffaquarium. Wie oft und wie viel Wasser Du wechseln solltest, hängt unter anderem von Deinem Besatz, dem Korallenwachstum, der Fütterung, den Wasserwerten und Deinem Versorgungssystem ab.
Was bewirkt ein Wasserwechsel?
Mit einem Wasserwechsel entfernst Du einen Teil des vorhandenen Aquarienwassers und ersetzt ihn durch frisch angesetztes Meerwasser.
Dadurch können gelöste Stoffe teilweise verdünnt werden. Gleichzeitig gelangen über das verwendete Meersalz wieder Haupt- und Spurenelemente ins Aquarium.
Ein Wasserwechsel bietet außerdem eine gute Gelegenheit, Mulm und organische Ablagerungen an schlecht erreichbaren Stellen vorsichtig abzusaugen.
Wichtig ist: Ein Wasserwechsel setzt Dein Aquarium nicht einfach auf „null“. Wechselst Du beispielsweise 10 % des Wassers, bleiben rund 90 % des vorhandenen Wassers im System.
Wie oft solltest Du im Meerwasseraquarium Wasser wechseln?
Dafür gibt es keinen festen Rhythmus, der für jedes Aquarium richtig ist.
In vielen Meerwasseraquarien haben sich regelmäßige kleinere Wasserwechsel bewährt. Ob Du wöchentlich, alle zwei Wochen oder in einem anderen Rhythmus wechselst, sollte sich nach der Entwicklung Deines Aquariums richten.
Entscheidend sind unter anderem:
Korallenbesatz und Korallenwachstum
Fütterung und Nährstoffeintrag
Entwicklung der Wasserwerte
Versorgungssystem
Filterung und Abschäumung
Verwendetes Meersalz
Wasserwechselmenge
Ein junges Aquarium mit wenigen Korallen kann deshalb einen völlig anderen Bedarf haben als ein dicht besetztes Riffaquarium mit stark wachsenden LPS- und SPS-Korallen.
Wie viel Wasser solltest Du wechseln?
Auch die optimale Menge lässt sich nicht pauschal festlegen.
Als praktische Orientierung werden häufig kleinere regelmäßige Wasserwechsel von etwa 5 bis 10 % durchgeführt. Das ist jedoch keine feste Vorgabe.
Je größer der Wasserwechsel ausfällt, desto stärker können sich Unterschiede zwischen dem Aquarienwasser und dem frisch angesetzten Meerwasser auswirken.
Besonders wichtig sind dabei:
Temperatur
Salinität
KH
Calcium
Magnesium
Zusammensetzung des verwendeten Meersalzes
Ein großer Wasserwechsel ist deshalb nicht automatisch besser als mehrere kleinere Wasserwechsel.
Warum sind kleinere Wasserwechsel häufig sinnvoll?
Korallen und andere Riffbewohner profitieren von möglichst stabilen Bedingungen.
Unterscheiden sich beispielsweise Temperatur, Salinität oder KH des Wechselwassers deutlich vom Aquarienwasser, fällt die Veränderung bei einem großen Wasserwechsel entsprechend stärker aus.
Gerade bei einem stabil laufenden Riffaquarium solltest Du deshalb nicht möglichst viel Wasser wechseln, nur weil ein großer Wasserwechsel vermeintlich gründlicher erscheint.
Stabilität ist auch beim Wasserwechsel wichtiger als Aktionismus.
Wasserwerte im Meerwasseraquarium – die wichtigsten Werte im Überblick
Hier erklären wir Dir die wichtigsten Wasserwerte und ihre Zusammenhänge.
Welches Wasser solltest Du für den Wasserwechsel verwenden?
Für das Ansetzen von Meerwasser wird üblicherweise aufbereitetes Wasser verwendet. Eine Osmoseanlage entfernt einen großen Teil der im Leitungswasser enthaltenen Stoffe. Je nach Ausgangswasser kann zusätzlich ein nachgeschalteter Reinstwasserfilter sinnvoll sein.
Das aufbereitete Wasser wird anschließend mit einem geeigneten Meersalz entsprechend den Herstellerangaben angesetzt.
Wie funktioniert eine Osmoseanlage?
Hier erklären wir Dir die Grundlagen der Wasseraufbereitung für Dein Meerwasseraquarium.
Welches Meersalz ist das richtige?
Meersalze können sich in ihrer Zusammensetzung und den Konzentrationen verschiedener Haupt- und Spurenelemente unterscheiden.
Das verwendete Salz sollte deshalb zu Deinem Aquarium und Deinem Versorgungskonzept passen.
Wechselst Du die Salzsorte, solltest Du berücksichtigen, dass sich das frisch angesetzte Meerwasser vom bisherigen Aquarienwasser unterscheiden kann. Das spielt besonders bei größeren Wasserwechseln eine Rolle.
Wie solltest Du das frische Meerwasser vorbereiten?
Bereite das Meerwasser entsprechend den Herstellerangaben des verwendeten Salzes vor und achte darauf, dass es vollständig gelöst ist.
Vor dem Wasserwechsel solltest Du besonders die Salinität kontrollieren.
Bei größeren Wasserwechseln sollte außerdem die Temperatur des frischen Meerwassers möglichst nah an der Temperatur Deines Aquariums liegen.
Je größer die ausgetauschte Wassermenge ist, desto wichtiger wird eine gute Übereinstimmung.
Salinität richtig messen – Spindel oder Refraktometer?
Hier erfährst Du, wie Du den Salzgehalt zuverlässig kontrollierst und typische Messfehler vermeidest.
Warum ist die Salinität beim Wasserwechsel so wichtig?
Beim normalen Wasserwechsel sollte das frisch angesetzte Meerwasser möglichst dieselbe Salinität wie Dein Aquarium besitzen.
Für viele tropische Riffaquarien ist eine Salinität um etwa 35 PSU eine sinnvolle Orientierung.
Liegt die Salinität des Wechselwassers deutlich darüber oder darunter, verändert sich mit dem Wasserwechsel auch die Salinität im Aquarium. Je größer der Wasserwechsel, desto stärker fällt diese Veränderung aus.
Dabei solltest Du beachten, dass Salinität und Dichte nicht dasselbe sind.
Dichte oder Salzgehalt – was ist der Unterschied?
Hier erklären wir Dir den Unterschied zwischen Dichte und Salinität und warum die Temperatur bei der Dichtemessung wichtig ist.
Wasserwechsel und KH, Calcium und Magnesium
Frisch angesetztes Meerwasser bringt abhängig vom verwendeten Salz unter anderem Calcium, Magnesium und Bestandteile des Carbonatsystems mit.
Das bedeutet aber nicht, dass regelmäßige Wasserwechsel in jedem Aquarium dauerhaft ausreichen, um den Verbrauch wachsender Korallen auszugleichen.
Mit zunehmendem Wachstum kalkbildender Korallen steigt insbesondere der Verbrauch von KH und Calcium. Sobald Du einen regelmäßigen Verbrauch messen kannst, kann eine gezielte Versorgung notwendig werden.
Miss deshalb regelmäßig und orientiere die Versorgung am tatsächlichen Verbrauch Deines Aquariums.
Kann der Wasserwechsel die komplette Versorgung übernehmen?
In einem jungen oder nur schwach besetzten Aquarium können regelmäßige Wasserwechsel einen erheblichen Teil der Versorgung abdecken.
Je stärker Dein Korallenbestand wächst, desto größer kann jedoch der Verbrauch verschiedener Elemente werden.
Spätestens wenn Du zwischen den Wasserwechseln einen regelmäßigen Verbrauch von KH oder Calcium feststellst, solltest Du Dich nicht darauf verlassen, dass der nächste Wasserwechsel diesen automatisch ausgleicht.
Der Wasserwechsel kann dann weiterhin ein Bestandteil Deines Versorgungskonzeptes sein – aber nicht zwingend das gesamte Versorgungssystem.
Kann ein Wasserwechsel Spurenelemente ergänzen?
Ja. Über das verwendete Meersalz gelangen auch zahlreiche Spurenelemente ins Aquarium.
Ob regelmäßige Wasserwechsel ausreichen, um den tatsächlichen Verbrauch vollständig auszugleichen, hängt unter anderem vom Korallenbestand, Wachstum, verwendeten Salz, Wasserwechselrhythmus und weiteren Dosierungen ab.
Spurenelemente solltest Du deshalb nicht zusätzlich auf Verdacht dosieren.
Spurenelemente einfach erklärt
Hier erfährst Du, warum Spurenelemente gezielt und nicht einfach nach Gefühl dosiert werden sollten.
Kann ein Wasserwechsel Nitrat und Phosphat senken?
Durch einen Wasserwechsel wird ein entsprechender Anteil der im Wasser gelösten Stoffe entfernt.
Ein Wasserwechsel kann deshalb auch Nitrat und Phosphat verdünnen. Die Wirkung wird allerdings häufig überschätzt.
Wechselst Du beispielsweise 10 % des Wassers und enthält das neue Wasser kein Nitrat, reduziert dieser einzelne Wasserwechsel den vorhandenen Nitratwert rechnerisch zunächst ebenfalls nur um ungefähr 10 %, wenn andere Prozesse unberücksichtigt bleiben.
Steigen Nitrat oder Phosphat dauerhaft an, solltest Du deshalb nicht ausschließlich immer größere Wasserwechsel durchführen.
Prüfe zusätzlich:
Fütterung
Besatz
Mulm und organische Ablagerungen
Abschäumung
Filterung
Nährstoffexport
Entwicklung von Nitrat und Phosphat
Wasserwechsel können unterstützen, ersetzen aber nicht die Suche nach der Ursache einer dauerhaften Nährstoffentwicklung.
Solltest Du beim Wasserwechsel Mulm absaugen?
Ein Wasserwechsel bietet eine gute Gelegenheit, sichtbare Ablagerungen und Mulm vorsichtig abzusaugen.
Besonders in strömungsarmen Bereichen, zwischen Riffgestein oder an anderen schlecht erreichbaren Stellen können sich organische Reste sammeln.
Du musst dabei jedoch nicht jedes Mal den gesamten Bodengrund intensiv reinigen. Auch dort leben zahlreiche Mikroorganismen und kleine Wirbellose.
Entferne sichtbare Ablagerungen gezielt und vermeide unnötig große Eingriffe in ein stabil laufendes System.
Was ist bei großen Wasserwechseln zu beachten?
Größere Wasserwechsel können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, beispielsweise wenn unerwünschte Stoffe deutlich reduziert werden sollen.
Je größer die gewechselte Wassermenge ist, desto sorgfältiger solltest Du das neue Meerwasser vorbereiten.
Kontrolliere insbesondere:
Salinität
Temperatur
KH bei empfindlichen oder stark besetzten Riffaquarien
Vollständige Auflösung des Meersalzes
Qualität des verwendeten Ausgangswassers
Ein großer Wasserwechsel mit deutlich abweichenden Wasserwerten kann Deine Tiere unnötig belasten.
Wann kann eine ICP-Analyse sinnvoll sein?
Wenn sich trotz plausibler Standard-Wasserwerte langfristig Probleme entwickeln oder Du die Versorgung Deines Aquariums genauer beurteilen möchtest, kann eine ICP-Analyse zusätzliche Informationen liefern.
Sie kann zahlreiche Haupt-, Neben- und Spurenelemente erfassen und Hinweise auf ungewöhnliche Konzentrationen oder unerwünschte Stoffe liefern.
Eine ICP ersetzt jedoch nicht die regelmäßigen Messungen wichtiger Werte wie KH, Nitrat, Phosphat und Salinität.
ICP einfach erklärt – Wasseranalyse im Meerwasseraquarium
Hier erfährst Du, was eine ICP-Analyse leisten kann und wie Du die Ergebnisse sinnvoll einordnest.
Ist ein Meerwasseraquarium ohne Wasserwechsel möglich?
Es gibt Versorgungskonzepte und Aquariensysteme, bei denen Wasserwechsel deutlich reduziert oder über längere Zeiträume nicht routinemäßig durchgeführt werden.
Das bedeutet aber nicht, dass „kein Wasserwechsel“ grundsätzlich besser oder moderner ist.
Ein solches System setzt voraus, dass Verbrauch, Nährstoffentwicklung und mögliche Anreicherungen auf andere Weise kontrolliert werden.
Für Einsteiger ist ein bewusst reduzierter Wasserwechsel deshalb nicht automatisch einfacher als ein klassisches System mit regelmäßigen kleineren Wasserwechseln.
Entscheidend ist immer das gesamte Versorgungskonzept.
Verdunstetes Wasser ist kein Wasserwechsel
Ein besonders wichtiger Unterschied: Verdunstetes Wasser wird ausschließlich durch geeignetes Süßwasser beziehungsweise Osmosewasser ersetzt.
Beim Verdunsten verlässt Wasser das Aquarium. Die darin gelösten Salze bleiben zurück.
Würdest Du verdunstetes Wasser regelmäßig durch Salzwasser ersetzen, würde die Salinität immer weiter steigen.
Das Nachfüllen von Verdunstungswasser und ein Wasserwechsel sind deshalb zwei vollkommen unterschiedliche Vorgänge.
Typische Fehler beim Wasserwechsel
Zu große Wassermengen ohne konkreten Grund wechseln
Salinität des frischen Meerwassers nicht kontrollieren
Starke Temperaturunterschiede ignorieren
Meersalz nicht entsprechend den Herstellerangaben vorbereiten
Verdunstungswasser mit Salzwasser ersetzen
Ungeeignetes Ausgangswasser verwenden
Nach jedem ungewöhnlichen Messwert sofort einen großen Wasserwechsel durchführen
Mehrere Veränderungen gleichzeitig vornehmen
Wasserwechsel als Ersatz für eine notwendige Versorgung betrachten
Nitrat und Phosphat möglichst auf null drücken
Wasserwechsel durchführen, ohne die langfristige Entwicklung der Wasserwerte zu beobachten
Wie findest Du den richtigen Wasserwechselrhythmus?
Starte nicht mit der Frage, welcher Rhythmus allgemein als richtig gilt, sondern beobachte Dein eigenes Aquarium.
Wie entwickeln sich Nitrat und Phosphat?
Bleiben KH, Calcium und Magnesium stabil?
Wie stark wachsen Deine Korallen?
Wie hoch ist der messbare Verbrauch?
Welche Versorgung verwendest Du?
Wie entwickelt sich das Aquarium zwischen zwei Wasserwechseln?
Gibt es regelmäßig größere Mengen Mulm oder Ablagerungen?
Wie reagieren Deine Korallen nach einem Wasserwechsel?
Dokumentierst Du diese Punkte über mehrere Wochen, kannst Du Deinen Wasserwechsel wesentlich sinnvoller an Dein Aquarium anpassen als mit einer starren allgemeinen Vorgabe.
Fazit
Regelmäßige Wasserwechsel können im Meerwasseraquarium eine sinnvolle Pflegemaßnahme und ein wichtiger Bestandteil der Versorgung sein. Eine feste Regel, wie oft und wie viel Wasser jedes Riffaquarium benötigt, gibt es jedoch nicht.
Kleinere regelmäßige Wasserwechsel von beispielsweise etwa 5 bis 10 % können für viele Aquarien eine praktische Orientierung sein. Entscheidend sind aber immer Dein Besatz, das Korallenwachstum, die Wasserwerte und Dein gesamtes Versorgungssystem.
Achte besonders darauf, dass Salinität und Temperatur des frisch angesetzten Meerwassers möglichst zum Aquarium passen. Je größer der Wasserwechsel, desto wichtiger wird diese Übereinstimmung.
Und vor allem: Ändere Deinen Wasserwechselrhythmus nicht ständig aufgrund einzelner Messwerte. Beobachte die Entwicklung Deines Aquariums und passe die Pflege an den tatsächlichen Bedarf an.
Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Jedes Meerwasseraquarium entwickelt sich individuell. Wasserwechselmenge und Wasserwechselrhythmus müssen deshalb an Besatz, Versorgungssystem, Wasserwerte und die jeweilige Situation angepasst werden. Bei auffälligen Wasserwerten sollten Veränderungen kontrolliert und möglichst schrittweise erfolgen.
