Wie viele Korallen passen in mein Meerwasseraquarium?

10, 20 oder vielleicht 50 Korallen? Wer ein Meerwasseraquarium plant oder neue Korallen kaufen möchte, stellt sich schnell die Frage, wie viele Tiere eigentlich hineinpassen. Eine feste Zahl pro Liter gibt es allerdings nicht. Entscheidend sind die Größe und Struktur Deines Riffs, die ausgewählten Korallen, ihre spätere Größe, Wuchsform und der notwendige Abstand.

Gibt es eine Faustregel für Korallen pro Liter?
Nein. Eine Regel wie „eine Koralle pro 10 oder 20 Liter“ klingt praktisch, wäre aber wenig sinnvoll. Ein kleiner Ableger benötigt heute vielleicht nur wenige Zentimeter Platz, kann sich später jedoch zu einer großen Kolonie entwickeln. Außerdem wachsen Korallen völlig unterschiedlich: Eine Euphyllia benötigt anderen Raum als eine verzweigte Acropora oder eine plattenförmige Montipora. Die Literzahl Deines Aquariums ist deshalb höchstens eine grobe Orientierung. Viel wichtiger ist die tatsächlich verfügbare und geeignete Korallenfläche.

Plane nicht den Ableger – plane die spätere Koralle
Das ist eine der wichtigsten Regeln bei der Besatzplanung. Kleine Ableger lassen zunächst viel freien Platz im Riff. Unter guten Bedingungen können daraus jedoch große Kolonien entstehen. Besetzt Du jede freie Stelle sofort, wachsen Korallen später möglicherweise ineinander, beschatten oder vernesseln ihre Nachbarn und verändern die Strömung im Riff.

Unser Ratgeber Korallenabstand – Warum ausreichend Platz wichtig ist erklärt Dir, warum Du bereits beim Einsetzen die spätere Größe und das Verhalten einer Koralle berücksichtigen solltest.

Wie viele Korallen passen in ein Nano-Aquarium?
Gerade bei einem Nano ist die reine Stückzahl wenig aussagekräftig. Der verfügbare Raum ist begrenzt und wenige stark wachsende Korallen können bereits einen großen Teil des Riffs einnehmen. Kompaktere Arten ermöglichen eine völlig andere Besatzplanung als große LPS, ausladende SPS oder Korallen mit weitreichenden Kampftentakeln.

Unsere Kaufberatung Korallen für Nano-Aquarien hilft Dir dabei, Korallen passend zum begrenzten Platz auszuwählen.

Wie viele Korallen passen in ein großes Riffaquarium?
Mehr Wasservolumen und eine größere Riffstruktur bieten natürlich mehr mögliche Standorte. Trotzdem solltest Du auch ein großes Aquarium nicht einfach mit möglichst vielen kleinen Ablegern vollständig besetzen. Gerade SPS, LPS und verschiedene Weichkorallen können über die Jahre beeindruckende Kolonien entwickeln. Ein zunächst etwas luftiger aufgebautes Riff gibt ihnen den notwendigen Platz, ihre natürliche Wuchsform zu entwickeln.

Mehr dazu findest Du in unserer Kaufberatung Korallen für große Riffaquarien.

LPS, SPS oder Weichkorallen – der Platzbedarf ist unterschiedlich
LPS-Korallen können durch große Polypen und teilweise weitreichende Kampftentakel erheblichen Platz benötigen. Eine zunächst kleine Koralle kann später wesentlich größer wirken, als ihr Kalkskelett vermuten lässt.
SPS-Korallen sehen als kleine Ableger zunächst platzsparend aus. Aus Acropora, Montipora und anderen SPS können jedoch große verzweigte, buschige oder plattenförmige Kolonien entstehen.
Weichkorallen besitzen kein massives Kalkskelett, können aber ebenfalls große Flächen einnehmen oder sich stark ausbreiten.

Wenn Du noch überlegst, welche Steinkorallen besser zu Deinem Aquarium passen, hilft Dir unsere Kaufberatung LPS oder SPS – Welche Korallen passen zu Dir?.

Warum der Korallenabstand die Anzahl bestimmt
Freier Platz zwischen Korallen ist kein verschwendeter Platz – er ist zukünftiger Wachstumsraum. Wie viel Abstand notwendig ist, hängt unter anderem von Art, Wuchsform, Wachstumsgeschwindigkeit, Aggressivität, Tentakelreichweite und späterer Koloniegröße ab. Besonders LPS mit langen Kampftentakeln können Nachbarkorallen erreichen. Plattenförmige Korallen können darunterliegende Tiere beschatten und große verzweigte SPS ganze Bereiche des Riffaufbaus einnehmen. Deshalb gibt es auch beim Korallenabstand keine einzige Zentimeterangabe, die für alle Arten funktioniert.

Licht begrenzt die möglichen Korallenplätze
Nicht jede freie Stelle im Riff ist automatisch ein geeigneter Korallenstandort. Eine Fläche kann für eine bestimmte Art zu hell oder zu dunkel sein. Deshalb solltest Du nicht zuerst eine Koralle kaufen und anschließend nach irgendeiner freien Stelle suchen.

Standort prüfen
Lichtverhältnisse beurteilen
Strömung prüfen
Platz für das spätere Wachstum einplanen
Erst danach die passende Koralle auswählen

Wie Du dabei vorgehst, erklären wir ausführlich unter Korallen richtig platzieren.

Auch die Strömung braucht Platz
Je größer die Korallenkolonien werden, desto stärker beeinflussen sie die Wasserbewegung im Aquarium. Große und dicht stehende Kolonien können Strömung umlenken oder Bereiche abschirmen. Zwischen Korallen können dadurch Zonen entstehen, in denen sich Ablagerungen sammeln.

Freie Bereiche zwischen den Korallen sind deshalb nicht nur Wachstumsraum, sondern können auch wichtige Strömungswege sein. Unter Strömungs-Pumpen richtig platzieren erfährst Du, wie Riffaufbau, Korallen und Pumpenposition zusammenspielen.

Solltest Du Dein Aquarium sofort komplett mit Korallen besetzen?
Nein. Besonders bei einem neuen Aquarium ist es sinnvoll, den Besatz schrittweise aufzubauen. Dadurch kannst Du beobachten, wie sich die vorhandenen Korallen entwickeln und welche Standorte tatsächlich funktionieren. Gleichzeitig bleiben freie Plätze für spätere Wunschkorallen.

Ein junges Riff muss nicht nach wenigen Wochen wie ein ausgewachsenes Korallenriff aussehen. Kleine Ableger lassen anfangs viel freien Raum. Unter guten Bedingungen schließen wachsende Kolonien einen Teil dieser Flächen später von selbst.

Wie planst Du die richtige Anzahl?
Statt eine bestimmte Stückzahl festzulegen, solltest Du Dein Riff in geeignete Standorte einteilen. Prüfe vor jeder neuen Koralle:

Wie groß kann die Koralle später werden?
Wie schnell wächst sie?
Welche Wuchsform entwickelt sie?
Wie viel Abstand benötigt sie?
Kann sie Kampftentakel bilden?
Kann sie andere Korallen später beschatten?
Passt das Licht am vorgesehenen Standort?
Passt die Strömung?
Bleibt ausreichend Platz für die Wasserbewegung?
Kannst Du die Koralle später noch gut erreichen?
Möchtest Du an dieser Stelle vielleicht später eine besondere Koralle einsetzen?

So entsteht die sinnvolle Anzahl Deiner Korallen aus den tatsächlich vorhandenen Standorten – und nicht aus einer pauschalen Literformel.

Sind viele kleine Korallen besser als wenige große?
Nicht automatisch. Viele kleine Ableger sorgen schnell für große Arten- und Farbenvielfalt. Langfristig kann ein Riff mit weniger, dafür sinnvoll platzierten Korallen jedoch wesentlich natürlicher wirken, weil jede Kolonie ausreichend Raum für ihre Entwicklung bekommt.

Welche Strategie besser passt, hängt auch vom gewünschten Aquarium ab. Ein SPS-dominiertes Riff wird anders geplant als ein LPS-Becken oder Mischriff. Wenn Du verschiedene Korallengruppen miteinander kombinieren möchtest, hilft Dir unsere Kaufberatung Welche Korallen für ein Mischriff?.

Wie viele Korallen solltest Du am Anfang kaufen?
Auch dafür gibt es keine seriöse feste Zahl. Ein überschaubarer erster Besatz ist sinnvoller, als sofort jeden verfügbaren Standort zu füllen. So kannst Du beobachten, wie sich die Korallen unter Deiner Beleuchtung und Strömung entwickeln und ob die vorgesehenen Standorte tatsächlich passen.

Entscheidend ist nicht, möglichst schnell eine bestimmte Stückzahl zu erreichen, sondern das Riff langfristig sinnvoll aufzubauen.

Welche Korallen passen noch in Dein Aquarium?
Wenn Dein Aquarium bereits gut besetzt ist, solltest Du nicht fragen: „Wo ist noch eine Lücke?“

Die bessere Frage lautet: „Wo gibt es noch einen geeigneten Standort mit genügend Platz für eine ausgewachsene Koralle?“

Prüfe deshalb freie Bereiche hinsichtlich Licht, Strömung, vorhandener Nachbarkorallen und langfristigem Platzbedarf. Erst danach solltest Du eine passende Koralle auswählen.

Unsere Empfehlung
Versuche nicht, eine bestimmte Anzahl von Korallen zu erreichen. Ein Aquarium mit 30 sinnvoll ausgewählten und gut platzierten Korallen kann langfristig wesentlich harmonischer wachsen als dasselbe Aquarium mit 60 Tieren, die um Licht, Strömung und Platz konkurrieren.

Lass bewusst freie Bereiche entstehen. Sie sind kein Zeichen dafür, dass Deinem Aquarium Korallen fehlen. Sie sind der Platz, in den Dein Riff hineinwachsen darf.

Korallen passend zum verfügbaren Platz auswählen

LPS-Korallen im LPS-Land
Große Polypen, intensive Farben und sehr unterschiedliche Wuchsformen – berücksichtige beim Kauf besonders die spätere Größe und den notwendigen Abstand.

SPS-Korallen im SPS-Land
Von verzweigten bis zu plattenförmigen Wuchsformen können SPS mit der Zeit große Bereiche des Riffs einnehmen.

Weichkorallen im Weichkorallen-Land
Weichkorallen bieten unterschiedliche Wuchsformen und können je nach Art ebenfalls erhebliche Flächen besiedeln.

Entscheide deshalb nicht danach, wie viele Korallen noch hineinpassen, sondern welche Koralle zu einem tatsächlich geeigneten freien Standort passt.

Kurz zusammengefasst
Es gibt keine seriöse feste Anzahl von Korallen pro Liter.
Die spätere Größe ist wichtiger als die Größe beim Kauf.
Wuchsform, Wachstum und Aggressivität bestimmen den Platzbedarf.
Licht und Strömung entscheiden, welche freien Flächen tatsächlich geeignete Standorte sind.
Freie Bereiche sind wichtiger Wachstums- und Strömungsraum.
Ein neues Aquarium muss nicht sofort vollständig besetzt werden.
Plane Dein Riff für die nächsten Jahre – nicht nur für den Tag, an dem Du die Koralle kaufst.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Da jedes Meerwasseraquarium, jeder Riffaufbau und die gehaltenen Korallen individuell sind, lässt sich keine allgemein gültige Korallenanzahl für eine bestimmte Aquariengröße festlegen. Berücksichtige bei der Besatzplanung immer die individuellen Anforderungen, die spätere Größe und das Verhalten der jeweiligen Korallen sowie die Bedingungen in Deinem Aquarium.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
Ruffinstr. 6 • 94575 Windorf • Deutschland
Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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