Korallen leben nicht nur vom Licht – was Deine Korallen wirklich brauchen


Eine leistungsstarke LED, passende PAR-Werte und schon sind Korallen optimal versorgt? Ganz so einfach ist es nicht. Licht ist für viele Korallen enorm wichtig, aber nur ein Teil ihrer Versorgung.
Viele Korallen leben in einer engen Gemeinschaft mit Zooxanthellen. Diese einzelligen Algen befinden sich im Gewebe der Koralle und betreiben Photosynthese. Dabei entstehen energiereiche Stoffe, die der Koralle zur Verfügung stehen.
Das erklärt, warum die richtige Beleuchtung im Meerwasseraquarium so wichtig ist. Es erklärt aber nicht die komplette Ernährung einer Koralle.

Korallen sind Tiere
Dieser einfache Satz wird bei der Korallenhaltung manchmal vergessen. Viele Korallen können zusätzlich zur Versorgung über ihre Zooxanthellen Nahrung aus dem Wasser aufnehmen. Dazu können je nach Art Zooplankton, kleine Krebstiere, feine organische Partikel und andere geeignete Nahrungsquellen gehören.
Wie wichtig diese zusätzliche Ernährung ist, unterscheidet sich allerdings erheblich zwischen verschiedenen Korallenarten. Deshalb wäre auch die Aussage „jede Koralle muss regelmäßig gefüttert werden“ falsch.
Entscheidend ist zu verstehen, wie die jeweilige Koralle lebt.

Licht bleibt eine entscheidende Grundlage
Bei photosynthetischen Korallen spielt die Beleuchtung weiterhin eine zentrale Rolle. Dabei zählt nicht allein, wie viel Watt eine Lampe besitzt oder wie hell das Aquarium für uns aussieht.
Entscheidend ist, wie viel verwertbares Licht tatsächlich am Standort der Koralle ankommt. Genau hier helfen PAR-Werte bei einer realistischeren Beurteilung.
Zu wenig Licht kann problematisch sein. Zu viel Licht allerdings ebenfalls. Eine Koralle wird nicht automatisch gesünder, nur weil sie möglichst intensiv beleuchtet wird.

Nährstoffe gehören ebenfalls zur Versorgung
Auch Nitrat und Phosphat sollten nicht ausschließlich als unerwünschte Belastung betrachtet werden.
Korallen und ihre Zooxanthellen benötigen Nährstoffe für wichtige biologische Prozesse. Das bedeutet nicht, dass hohe Nitrat- oder Phosphatwerte angestrebt werden sollten. Ebenso wenig ist ein Aquarium automatisch optimal versorgt, wenn beide Werte dauerhaft kaum oder gar nicht nachweisbar sind.
Es geht um ein passendes und möglichst stabiles Gleichgewicht.

Und dann kommt die eigentliche Fütterung
Besonders bei vielen LPS-Korallen lässt sich sehr schön beobachten, dass Korallen tatsächlich Nahrung aufnehmen.
Acanthophyllia
Trachyphyllia
Scolymia
Lobophyllia
Duncanopsammia
Bei solchen großpolypigen Korallen kannst Du teilweise direkt beobachten, wie Nahrung festgehalten und zur Mundöffnung transportiert wird.
Bei SPS-Korallen funktioniert die Nahrungsaufnahme anders. Arten wie Acropora oder Montipora besitzen wesentlich kleinere Polypen und können entsprechend feinere Nahrungspartikel aufnehmen.
Deshalb kann es nicht die eine Fütterungsmethode für alle Korallen geben.

LPS, SPS und Weichkorallen unterscheiden sich
Die grobe Einteilung hilft bereits dabei, die unterschiedlichen Anforderungen besser zu verstehen.
LPS-Korallen besitzen häufig größere Polypen und können bei vielen Arten gezielt gefüttert werden.
SPS-Korallen haben wesentlich kleinere Polypen und benötigen entsprechend kleine Nahrungspartikel.
Auch bei Weichkorallen unterscheiden sich die Ernährungsweisen. Viele photosynthetische Arten beziehen einen großen Teil ihrer Energie über ihre Zooxanthellen und können zusätzlich Stoffe aus dem Wasser aufnehmen.
Noch deutlicher wird der Unterschied bei Korallen ohne Zooxanthellen. Solche nicht photosynthetischen Korallen sind wesentlich stärker auf eine regelmäßige Nahrungsaufnahme angewiesen.

Mehr Futter macht nicht automatisch bessere Korallen
Hier liegt einer der wichtigsten Punkte.
Wenn zusätzliche Ernährung grundsätzlich positiv sein kann, klingt die Schlussfolgerung zunächst logisch: mehr Futter = mehr Wachstum.
So funktioniert ein Meerwasseraquarium aber nicht.
Futter, das von den Korallen nicht aufgenommen wird, bleibt im System. Es wird von anderen Organismen verwertet oder mikrobiell abgebaut und kann dadurch unter anderem die Entwicklung von Nitrat und Phosphat beeinflussen.
Eine übertriebene Korallenfütterung kann deshalb genau das Gegenteil dessen bewirken, was eigentlich erreicht werden sollte.
Die richtige Frage lautet nicht: „Wie viel kann ich füttern?“
Sondern: „Was können meine Korallen tatsächlich aufnehmen?“

Strömung entscheidet mit
Auch die richtige Strömung spielt bei der Versorgung eine wichtige Rolle. Sie transportiert Sauerstoff, Nährstoffe und feine Nahrungspartikel zu den Korallen und Stoffwechselprodukte wieder ab.
Bei einer gezielten Fütterung großer LPS-Korallen kann eine sehr starke Strömung kurzzeitig reduziert werden, damit das Futter nicht sofort weggeblasen wird.
Feines Futter für kleinere Polypen soll dagegen gerade über die Wasserbewegung verteilt werden.
Auch hier zeigt sich wieder: Es gibt keine Einstellung, die für jede Koralle optimal ist.

Stabilität wird häufig unterschätzt
Licht, Nährstoffe und Fütterung bringen wenig, wenn sich die Bedingungen im Aquarium ständig verändern.
Schwankende Salinität, KH, Temperatur oder Nährstoffwerte bedeuten für Korallen Stress. Deshalb gehört die Stabilität des Systems zu den wichtigsten Grundlagen erfolgreicher Korallenhaltung.
Unsere Übersicht Wasserwerte im Meerwasseraquarium erklärt die wichtigsten Parameter und ihre Zusammenhänge.
Noch wichtiger als die Jagd nach einem vermeintlich perfekten Einzelwert ist häufig die langfristige Konstanz. Warum das so ist, erklären wir im Ratgeber Warum stabile Wasserwerte entscheidend sind.

Das Gesamtbild entscheidet
Erfolgreiche Korallenhaltung lässt sich deshalb nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren.
Nicht nur Licht.
Nicht nur Futter.
Nicht nur Nitrat und Phosphat.
Und auch nicht irgendein Mittel aus einer Flasche.
Entscheidend ist das Zusammenspiel:
Licht
verfügbare Nährstoffe
artspezifische Ernährung
Strömung
stabile Wasserwerte
Wenn diese Faktoren zusammenpassen, entstehen gute Voraussetzungen dafür, dass Korallen langfristig wachsen und ihre natürliche Färbung und Polypen-Expansion zeigen können.

Musst Du Deine Korallen jetzt zusätzlich füttern?
Nicht zwangsläufig.
Wenn Dein Aquarium einen guten Fischbesatz besitzt und regelmäßig gefüttert wird, gelangen bereits zahlreiche organische und partikuläre Stoffe in den Wasserkreislauf. Manche Korallen können davon profitieren.
Andere Arten lassen sich dagegen sinnvoll gezielt zusätzlich versorgen.
Bevor Du einfach mehr Futter ins Aquarium gibst, solltest Du deshalb klären:
Welche Korallen pflegst Du?
Wie ernähren sich diese Arten?
Wie hoch sind Nitrat und Phosphat?
Wie intensiv wird bereits gefüttert?
Welche Nahrung können Deine Korallen überhaupt aufnehmen?
Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, ob eine zusätzliche Korallenfütterung notwendig oder hilfreich ist.

Korallen richtig füttern – unser ausführlicher Ratgeber
Wenn Du wissen möchtest, welche Korallen von einer zusätzlichen Fütterung profitieren, wie sich LPS- und SPS-Fütterung unterscheiden, welche Futtergröße sinnvoll ist und wie Du eine Überfütterung vermeidest, findest Du alle Informationen in unserem ausführlichen Ratgeber:

Korallen richtig füttern – Ernährung, Futter und praktische Tipps
Dort erklären wir Schritt für Schritt, wie Du die Fütterung an Deine Korallen und die Nährstoffsituation Deines Aquariums anpasst.

Unser Fazit
Die Vorstellung, Korallen würden ausschließlich von Licht leben, greift zu kurz. Genauso falsch wäre es allerdings, daraus eine allgemeine Pflicht zur intensiven Korallenfütterung abzuleiten.
Viele Korallen erhalten einen erheblichen Teil ihrer Energie über ihre Zooxanthellen und können gleichzeitig zusätzliche Nahrung aus dem Wasser aufnehmen. Wie wichtig die einzelnen Versorgungswege sind, hängt von der jeweiligen Koralle und den Bedingungen im Aquarium ab.
Deshalb betrachten wir bei Korallenland die Versorgung als Ganzes:
Licht + verfügbare Nährstoffe + artspezifische Ernährung + Strömung + stabile Wasserwerte.
Nicht möglichst viel von einem einzelnen Faktor sorgt für gute Bedingungen – sondern ein stabiles Zusammenspiel.

Haftungsausschluss
Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung. Individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
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