Neue Koralle eingesetzt – warum sieht sie plötzlich ganz anders aus?

Im Händlerbecken war die Koralle weit geöffnet, hatte kräftige Farben und sah perfekt aus. Zuhause angekommen setzt Du sie in Dein Meerwasseraquarium – und plötzlich zieht sie ihre Polypen ein, wirkt kleiner oder sieht einfach völlig anders aus. Das sorgt verständlicherweise schnell für Unsicherheit. Doch gerade bei einer neu eingesetzten Koralle bedeutet ein verändertes Aussehen nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt. Transport und der Wechsel in ein anderes Aquarium verändern innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Bedingungen.

Eine Koralle wechselt nicht nur das Aquarium
Für uns dauert das Umsetzen vielleicht wenige Minuten. Für die Koralle verändert sich dabei möglicherweise fast ihre komplette Umgebung:
Temperatur
Salinität
Wasserchemie
Lichtintensität
Lichtspektrum
Strömung
Nährstoffversorgung
Standort
Selbst wenn sowohl beim Händler als auch bei Dir gute Bedingungen herrschen, müssen diese Bedingungen nicht identisch sein. Eine Koralle kann deshalb zunächst reagieren, obwohl in Deinem Aquarium grundsätzlich alles passt.

Warum bleibt eine neue Koralle geschlossen?
Das Einziehen der Polypen gehört zunächst zu den normalen Reaktionsmöglichkeiten einer Koralle. Transport, Berührung und das Einsetzen können bereits ausreichen. Manche Korallen öffnen sich nach kurzer Zeit wieder, andere brauchen deutlich länger. Entscheidend ist deshalb weniger, ob die Koralle unmittelbar nach dem Einsetzen perfekt geöffnet ist, sondern wie sie sich entwickelt:
Öffnet sie sich zunehmend?
Bleibt das Gewebe intakt?
Verändert sich die Farbe stark?
Entstehen sichtbare Schäden?
Werden andere Korallen ebenfalls auffällig?
Eine ausführliche Ursachenübersicht findest Du in unserem Ratgeber Warum ziehen Korallen ihre Polypen ein?.

Das Licht ist plötzlich ein anderes
Eine häufig unterschätzte Veränderung ist die Beleuchtung. Selbst zwei moderne Meerwasser-LEDs können sich bei Spektrum, Intensität, Ausleuchtung und Abstrahlwinkel erheblich unterscheiden. Eine Koralle, die zuvor in einem moderat beleuchteten Bereich stand, kann bei Dir plötzlich deutlich mehr Licht bekommen – oder umgekehrt wesentlich weniger. Das menschliche Auge kann diese Unterschiede nur schlecht einschätzen. Gerade bei stark blau eingestellten LEDs sagt unser Helligkeitsempfinden wenig darüber aus, wie viel nutzbares Licht tatsächlich an der Koralle ankommt. Wenn Du es genau wissen möchtest, hilft eine PAR-Messung.

PAR-Werte einfach erklärt

Auch die Strömung verändert sich
Besonders bei LPS-Korallen siehst Du häufig schnell, ob die Strömung grundsätzlich zum Standort passt. Eine Euphyllia beispielsweise sollte sich in der Strömung bewegen können, ohne permanent von einem harten Pumpenstrahl getroffen zu werden. Zu starke direkte Strömung kann fleischiges Gewebe belasten, zu wenig Wasserbewegung ist allerdings ebenfalls nicht automatisch besser. Beobachte deshalb die Koralle und nicht nur die Einstellung Deiner Strömungspumpe.

Strömungs-Pumpen richtig platzieren

Nicht sofort wieder umsetzen
Hier passiert aus unserer Sicht einer der häufigsten Fehler: Die neue Koralle öffnet sich nicht sofort, also wird sie umgesetzt. Am nächsten Tag sieht sie immer noch nicht perfekt aus und bekommt den nächsten Standort. Dann wird die Strömung verändert und anschließend noch die Beleuchtung angepasst. Damit beginnt die Eingewöhnung jedes Mal ein Stück weit von vorne. Wenn der gewählte Standort grundsätzlich zur Koralle passt und keine akute Schädigung erkennbar ist, solltest Du ihr deshalb auch Zeit zur Anpassung geben.

Korallen richtig platzieren – Licht, Strömung & Abstand

Sind Deine Wasserwerte wirklich das Problem?
Natürlich solltest Du die grundlegenden Wasserwerte kennen. Temperatur, Salinität, KH, Calcium, Magnesium, Nitrat, Phosphat und pH-Wert gehören zu den wichtigen Parametern eines Meerwasseraquariums. Eine einzelne neue Koralle, die sich nach dem Einsetzen zunächst zurückzieht, ist allerdings noch kein Grund, die komplette Wasserchemie zu verändern. Wenn alle anderen Korallen gut stehen, solltest Du zunächst auch die lokalen Bedingungen der neuen Koralle betrachten. Werden dagegen mehrere Korallen gleichzeitig auffällig, lohnt sich eine Kontrolle der allgemeinen Bedingungen umso mehr.

Wasserwerte im Meerwasseraquarium

Was Du jetzt besser nicht machst
Eine neue Koralle sieht anders aus als erwartet und schnell beginnt die Fehlersuche:
Zusätzlich Jod dosieren
Mehr Spurenelemente dosieren
Licht hochdrehen
Strömung verändern
Koralle umsetzen
Großen Wasserwechsel durchführen
Weitere Mittel ins Aquarium geben
Genau diese Kombination kann die Situation unnötig kompliziert machen. Wenn Du mehrere Bedingungen gleichzeitig veränderst, weißt Du anschließend nicht mehr, worauf die Koralle eigentlich reagiert.

Wann solltest Du genauer hinschauen?
Ein vorübergehend verändertes Polypenbild nach Transport und Einsetzen ist etwas anderes als ein zunehmend schlechter werdender Zustand. Genauer hinschauen solltest Du beispielsweise bei sichtbarem Gewebeverlust, freiliegendem Skelett, ungewöhnlichen Belägen, deutlichem Farbverlust, Verletzungen oder wenn sich der Zustand kontinuierlich verschlechtert. Dann geht es nicht mehr nur darum, der Koralle etwas Zeit zu geben, sondern die Ursache systematisch einzugrenzen.

Korallenstress erkennen

Bei sichtbaren Gewebeveränderungen findest Du zusätzlich Hinweise unter Korallenkrankheiten.

Unsere Erfahrung bei Korallenland
Wir sehen Korallen jeden Tag und trotzdem sieht dieselbe Koralle nicht zu jeder Stunde gleich aus. Besonders nach Transport und Umsetzen kann sich das Erscheinungsbild deutlich verändern. Deshalb würden wir eine frisch eingesetzte Koralle nicht danach beurteilen, ob sie nach einer Stunde genauso aussieht wie vorher. Wir schauen lieber auf die Entwicklung: Ist der Standort plausibel? Bleibt das Gewebe gesund? Beginnt die Koralle sich einzuleben? Verbessert sich das Polypenbild? Das sagt wesentlich mehr aus als eine Momentaufnahme direkt nach dem Einsetzen.

Nicht jede Reaktion verlangt nach einer Reaktion
Dieser Satz beschreibt einen wichtigen Punkt der Meerwasseraquaristik ziemlich gut. Korallen sind Tiere und reagieren auf Veränderungen. Wenn wir auf jede dieser Reaktionen sofort mit einer Veränderung am Aquarium antworten, kann daraus schnell ein Kreislauf entstehen: Die Koralle reagiert, wir verändern etwas, die Koralle muss sich erneut anpassen und wir verändern wieder etwas. Gerade ein grundsätzlich stabiles Aquarium profitiert häufig davon, nicht ständig korrigiert zu werden.

Fazit
Eine neue Koralle muss nach dem Einsetzen nicht sofort genauso aussehen wie beim Händler. Transport, neue Wasserbedingungen, anderes Licht, eine veränderte Strömung und ein neuer Standort bedeuten eine erhebliche Umstellung. Beobachte deshalb zunächst die Entwicklung und nicht nur den ersten Eindruck. Passt der Standort grundsätzlich, sind die Wasserwerte stabil und zeigt die Koralle keine fortschreitenden Schäden, kann etwas Zeit genau das Richtige sein. Werden dagegen Gewebeverlust, starke Farbveränderungen oder andere deutliche Auffälligkeiten sichtbar, solltest Du gezielt nach der Ursache suchen. Und vor allem: Verändere nicht fünf Dinge gleichzeitig. Beobachten, prüfen, verstehen – und erst dann handeln.

Die Inhalte wurden sorgfältig und nach bestem Wissen erstellt und dienen als Orientierung; individuelle Aquarienbedingungen und Reaktionen der Tiere können abweichen.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
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Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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