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PAR Wert einfach erklärt

Wer sich intensiver mit der Beleuchtung eines Meerwasseraquariums beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff PAR Wert. Spätestens wenn es um moderne LED Beleuchtungen oder die optimale Platzierung von Korallen geht, wird dieser Wert immer wieder erwähnt.

Viele Aquarianer fragen sich dann, ob sie den PAR Wert überhaupt benötigen und was genau sich dahinter verbirgt. Tatsächlich ist der PAR Wert einer der wichtigsten Anhaltspunkte, wenn es darum geht, Korallen optimal zu beleuchten. Gleichzeitig wird er häufig missverstanden oder mit der Helligkeit einer Lampe verwechselt.

In diesem Artikel erfährst du, was der PAR Wert bedeutet, warum er so wichtig ist und wie du ihn sinnvoll für dein Meerwasseraquarium nutzen kannst.

Was bedeutet PAR?

PAR ist die Abkürzung für Photosynthetically Active Radiation, auf Deutsch photosynthetisch aktive Strahlung.

Damit ist der Lichtbereich gemeint, den Pflanzen, Makroalgen und die Zooxanthellen in den Korallen tatsächlich für die Photosynthese nutzen können.

Vereinfacht gesagt beschreibt der PAR Wert also, wie viel für die Korallen nutzbares Licht an einer bestimmten Stelle im Aquarium ankommt.

Genau deshalb ist dieser Wert deutlich aussagekräftiger als Angaben wie Watt oder Lumen.

Warum brauchen Korallen überhaupt Licht?

Korallen sind Tiere, doch in ihrem Gewebe leben winzige Algen, die sogenannten Zooxanthellen.

Diese bilden mit der Koralle eine enge Lebensgemeinschaft.

Mithilfe des Lichts betreiben die Zooxanthellen Photosynthese und produzieren dabei energiereiche Stoffe. Einen großen Teil dieser Energie geben sie an die Koralle weiter.

Die Koralle versorgt die Zooxanthellen im Gegenzug mit Kohlendioxid, Nährstoffen und einem geschützten Lebensraum.

Ohne ausreichend Licht funktioniert diese Partnerschaft nur eingeschränkt. Die Folge können langsames Wachstum, blasse Farben oder im schlimmsten Fall das sogenannte Bleaching sein.

Warum sind Watt keine geeignete Angabe?

Früher wurde die Leistung einer Beleuchtung häufig anhand der Wattzahl beurteilt.

Das funktioniert heute kaum noch.

Watt geben lediglich an, wie viel Strom eine Lampe verbraucht.

Sie sagen jedoch nichts darüber aus,

  • wie viel Licht erzeugt wird,
  • welches Spektrum vorhanden ist,
  • wie effizient die Lampe arbeitet oder
  • wie viel nutzbares Licht tatsächlich bei den Korallen ankommt.

Eine moderne LED Lampe kann mit deutlich weniger Stromverbrauch wesentlich mehr nutzbares Licht erzeugen als ältere Beleuchtungssysteme.

Und was ist mit Lumen?

Auch Lumen werden häufig genannt.

Lumen beschreiben, wie hell eine Lampe für das menschliche Auge erscheint.

Das Problem dabei ist, dass unser Auge besonders empfindlich auf grüne und gelbe Lichtanteile reagiert.

Korallen benötigen jedoch überwiegend blaues und violettes Licht.

Eine Lampe mit vielen Lumen muss deshalb nicht automatisch besser für Korallen geeignet sein.

Der PAR Wert liefert deutlich bessere Informationen über die tatsächlich nutzbare Lichtmenge.

Wie wird der PAR Wert gemessen?

Der PAR Wert wird mit speziellen Messgeräten, sogenannten PAR Messgeräten, ermittelt.

Diese Sensoren messen die Anzahl der Lichtteilchen, die auf eine bestimmte Fläche treffen.

Die Einheit lautet:

µmol pro Quadratmeter pro Sekunde

Für den Alltag musst du dir diese Einheit allerdings nicht merken.

Wichtiger ist zu wissen, dass höhere Werte mehr nutzbares Licht bedeuten.

Der PAR Wert ist im Aquarium nicht überall gleich

Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass eine Lampe überall im Aquarium die gleiche Lichtmenge liefert.

Tatsächlich unterscheiden sich die Werte erheblich.

Sie hängen unter anderem ab von:

  • der Höhe der Lampe
  • der Wassertiefe
  • dem Riffaufbau
  • Schatten durch Korallen
  • der Wasserklarheit
  • der Bauform der Leuchte
  • den verwendeten Linsen

Direkt unter der Lampe können deutlich höhere PAR Werte auftreten als in den Randbereichen oder zwischen größeren Korallenkolonien.

Deshalb lohnt es sich, den gesamten Riffaufbau bei der Platzierung der Korallen zu berücksichtigen.

Welche PAR Werte benötigen Korallen?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Je nach Herkunft und Art unterscheiden sich die Ansprüche erheblich.

Weichkorallen

Viele Weichkorallen wachsen in Bereichen mit moderater Beleuchtung.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Sarcophyton
  • Sinularia
  • Capnella
  • Xenia

Sie kommen häufig bereits mit niedrigeren PAR Werten sehr gut zurecht.

LPS Korallen

Auch viele LPS Korallen bevorzugen mittlere Lichtintensitäten.

Typische Vertreter sind:

  • Euphyllia
  • Acanthastrea
  • Lobophyllia
  • Trachyphyllia
  • Cynarina
  • Goniopora

Zu viel Licht kann bei diesen Arten ebenso problematisch sein wie zu wenig.

SPS Korallen

SPS Korallen wie:

  • Acropora
  • Montipora
  • Stylophora
  • Seriatopora

stammen häufig aus flacheren Riffbereichen und benötigen in der Regel deutlich höhere PAR Werte.

Dabei gilt jedoch auch hier: Nicht jede SPS Koralle hat identische Ansprüche.

Mehr PAR bedeutet nicht automatisch besser

Ein weit verbreiteter Irrtum lautet:

Je höher der PAR Wert, desto besser wachsen die Korallen.

Ganz so einfach ist es nicht.

Zu viel Licht kann genauso schädlich sein wie zu wenig.

Erhält eine Koralle dauerhaft mehr Licht, als ihre Zooxanthellen verarbeiten können, entsteht Stress.

Typische Folgen können sein:

  • Bleaching
  • Geweberückgang
  • dauerhaft eingezogene Polypen
  • Farbverlust
  • verlangsamtes Wachstum

Deshalb sollte die Beleuchtung immer an die gepflegten Korallen angepasst werden.

Neue Korallen langsam an das Licht gewöhnen

Eine frisch eingesetzte Koralle kennt die Lichtverhältnisse deines Aquariums nicht.

Vielleicht wurde sie zuvor unter einer deutlich schwächeren oder stärkeren Beleuchtung gepflegt.

Wird sie sofort einer hohen Lichtintensität ausgesetzt, kann das zu erheblichen Schäden führen.

Deshalb empfiehlt es sich,

  • neue Korallen zunächst etwas tiefer zu platzieren,
  • die Lichtleistung vorübergehend zu reduzieren oder
  • das Akklimatisierungsprogramm moderner LED Lampen zu nutzen.

So kann sich die Koralle langsam an die neuen Bedingungen anpassen.

Der PAR Wert ist nur ein Teil des Ganzen

Auch wenn der PAR Wert ein wichtiger Anhaltspunkt ist, entscheidet er nicht allein über den Erfolg eines Meerwasseraquariums.

Ebenso wichtig sind:

  • das richtige Lichtspektrum
  • eine gleichmäßige Ausleuchtung
  • die Strömung
  • stabile Wasserwerte
  • passende Nährstoffwerte
  • ausreichend Spurenelemente
  • die richtige Platzierung der Korallen

Erst das Zusammenspiel aller Faktoren sorgt für gesundes Wachstum.

Wann lohnt sich ein PAR Messgerät?

Nicht jeder Aquarianer benötigt ein eigenes PAR Messgerät.

Für kleinere Aquarien reicht häufig die Orientierung an den Herstellerangaben und den Erfahrungen anderer Aquarianer.

Wer jedoch:

  • viele anspruchsvolle SPS Korallen pflegt,
  • seine Beleuchtung exakt einstellen möchte,
  • verschiedene Lampen vergleichen will oder
  • größere Veränderungen plant,

kann von einer PAR Messung erheblich profitieren.

Viele Fachgeschäfte oder Aquarianer verleihen entsprechende Messgeräte.

Unsere Erfahrungen bei Korallenland

In unserer täglichen Beratung erleben wir häufig, dass die Beleuchtung entweder zu stark oder zu schwach eingestellt ist. Nicht selten wird versucht, Probleme mit einer immer höheren Lichtleistung zu lösen. In vielen Fällen liegt die Ursache jedoch ganz woanders.

Ein sinnvoll eingestellter PAR Wert hilft dabei, Korallen entsprechend ihrer natürlichen Ansprüche zu platzieren. Gleichzeitig empfehlen wir, nicht ständig an der Beleuchtung zu verändern. Korallen reagieren deutlich besser auf konstante Bedingungen als auf häufig wechselnde Einstellungen.

Falls du dir unsicher bist, ob deine Beleuchtung optimal eingestellt ist, unterstützen wir dich gerne mit unserer Erfahrung und beraten dich bei der Auswahl der passenden Lichtintensität für dein Aquarium.

Fazit

Der PAR Wert beschreibt die Lichtmenge, die Korallen und ihre Zooxanthellen tatsächlich für die Photosynthese nutzen können. Damit ist er einer der wichtigsten Werte bei der Planung und Einstellung einer Meerwasserbeleuchtung.

Im Gegensatz zu Watt oder Lumen liefert der PAR Wert eine realistische Aussage darüber, wie viel nutzbares Licht an einer bestimmten Stelle im Aquarium ankommt.

Trotzdem solltest du den PAR Wert niemals isoliert betrachten. Erst zusammen mit einem passenden Lichtspektrum, stabilen Wasserwerten, einer guten Strömung und einer durchdachten Platzierung der Korallen entstehen optimale Bedingungen für ein gesundes und farbenprächtiges Riffaquarium.

Wenn du deine Korallen beobachtest, ihre Bedürfnisse verstehst und ihnen konstante Bedingungen bietest, wird dich dein Aquarium mit kräftigen Farben, gesundem Wachstum und einer beeindruckenden Unterwasserwelt belohnen.

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Gerd Raabe
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