Warum wachsen meine Korallen nicht?

Du hast eine Koralle seit Wochen oder sogar Monaten im Aquarium. Sie sieht eigentlich gesund aus, öffnet ihre Polypen und zeigt vielleicht sogar schöne Farben. Nur eines passiert nicht: Sie wächst nicht.

Oder noch frustrierender: Eine Koralle, die anfangs sichtbar gewachsen ist, scheint plötzlich komplett stehenzubleiben.
Die erste Reaktion ist häufig, nach einem fehlenden Spurenelement oder einem zusätzlichen Korallenfutter zu suchen. Vielleicht fehlt Jod? Vielleicht braucht die Koralle Aminosäuren? Vielleicht muss die Beleuchtung stärker eingestellt werden?

Genau hier würde ich zunächst vorsichtig sein.
Korallenwachstum hängt nicht von einem einzelnen Wert oder Produkt ab. Licht, Strömung, Nährstoffe, KH, Calcium, Magnesium, Temperatur, Salinität und die biologische Stabilität des gesamten Aquariums greifen ineinander.
Wenn Korallen nicht wachsen, lohnt es sich deshalb, systematisch vorzugehen.

In diesem Artikel schauen wir uns die häufigsten Ursachen genauer an und vor allem die Frage, wie Du herausfinden kannst, was Deinen Korallen tatsächlich fehlt.

Zunächst einmal: Wie schnell wachsen Korallen überhaupt?

Nicht jede Koralle wächst gleich schnell.
Das klingt selbstverständlich, ist aber wichtig.

Eine schnell wachsende Montipora lässt sich nicht mit einer Acanthophyllia vergleichen. Auch innerhalb derselben Korallenart können Wachstumsgeschwindigkeit und Wuchsform erheblich variieren.
Einige Weichkorallen können sich unter guten Bedingungen innerhalb weniger Monate deutlich ausbreiten.
Viele SPS-Korallen können bei optimalen Bedingungen ebenfalls erstaunlich schnell wachsen.

Großpolypige LPS-Korallen entwickeln sich dagegen teilweise wesentlich langsamer.
Deshalb bedeutet fehlendes sichtbares Wachstum nicht automatisch, dass etwas nicht stimmt.
Manchmal braucht eine Koralle einfach Zeit.

Neue Korallen wachsen häufig zunächst kaum sichtbar

Eine frisch eingesetzte Koralle muss sich erst an ihre neue Umgebung anpassen.
Transport, andere Wasserwerte, eine neue Beleuchtung und eine andere Strömung bedeuten Stress.
Selbst wenn die Koralle wenige Tage später wieder vollständig geöffnet ist, bedeutet das nicht, dass sie sofort Energie in sichtbares Wachstum investiert.

Bei einem SPS-Ableger kann beispielsweise zunächst die Basis wachsen.
Statt neue Äste zu bilden, beginnt die Koralle, den Ablegerstein zu überwachsen.
Das ist Wachstum, auch wenn es auf den ersten Blick wenig spektakulär aussieht.

Bei LPS kann neues Skelett unterhalb des Gewebes entstehen, ohne dass Du sofort einen deutlichen Größenunterschied erkennst.
Beurteile Wachstum deshalb nicht nach einigen Tagen.

Dokumentiere das Wachstum mit Fotos

Eine der einfachsten Möglichkeiten wird erstaunlich selten genutzt.
Fotografiere Deine Korallen.
Mache beispielsweise einmal im Monat ein Foto aus möglichst derselben Position.
Nach sechs Monaten vergleichst Du die Bilder.
Du wirst häufig überrascht sein.
Was täglich nahezu unverändert aussieht, kann sich über mehrere Monate erheblich entwickelt haben.
Gerade bei langsam wachsenden LPS ist diese Methode sehr hilfreich.

Stabilität ist wichtiger als der perfekte Messwert

Dieser Punkt gehört für mich zu den wichtigsten Grundregeln der Meerwasseraquaristik.
Korallen mögen stabile Bedingungen.

Ein Aquarium mit einer KH von beispielsweise 7,5, die über Wochen nahezu konstant bleibt, kann besser funktionieren als ein Aquarium, dessen KH ständig zwischen 7 und 9 schwankt.

Dasselbe gilt für:

  • Salinität
  • Temperatur
  • Calcium
  • Magnesium
  • Nitrat
  • Phosphat

Versuche deshalb nicht ständig, jedem theoretischen Idealwert hinterherzulaufen.

Ein stabiler, sinnvoller Bereich ist häufig wichtiger als die perfekte Zahl hinter dem Komma.

Die Karbonathärte

Besonders bei Steinkorallen spielt die KH eine zentrale Rolle.
SPS- und LPS-Korallen bauen ein Kalkskelett auf. Dafür benötigen sie unter anderem Carbonat und Calcium.
Sinkt die KH stark oder schwankt sie ständig, kann das Wachstum beeinträchtigt werden.

Besonders SPS reagieren teilweise empfindlich auf schnelle Veränderungen.

Deshalb solltest Du die KH regelmäßig messen.

Bei starkem Korallenwachstum kann sich der Verbrauch innerhalb relativ kurzer Zeit verändern.

Der Verbrauch verrät Dir viel über Dein Aquarium

Eine interessante Möglichkeit, Korallenwachstum zu beurteilen, ist der Verbrauch von KH und Calcium.

Wenn Deine Steinkorallen wachsen, verbrauchen sie diese Stoffe.

Steigt der Verbrauch im Laufe der Zeit, kann das ein Hinweis auf zunehmendes Kalkskelettwachstum sein.

Umgekehrt kann ein plötzlich deutlich sinkender KH-Verbrauch ein Warnsignal sein.

Das bedeutet nicht automatisch, dass alle Korallen aufgehört haben zu wachsen. Aber es lohnt sich, genauer hinzusehen.

Calcium

Auch Calcium ist für das Wachstum von Steinkorallen notwendig.

Liegt der Calcium-Wert dauerhaft deutlich außerhalb eines sinnvollen Bereiches, kann das Probleme verursachen.

Ein extrem hoher Calcium-Wert bringt jedoch keinen Wachstumsturbo.

Mehr Calcium bedeutet nicht automatisch mehr Korallenwachstum.

Es geht wieder um ein ausgewogenes Verhältnis.

Magnesium

Magnesium wird häufig etwas weniger beachtet.

Dabei spielt es eine wichtige Rolle für die chemische Stabilität des Meerwassers und beeinflusst unter anderem das Zusammenspiel von Calcium und Carbonat.

Auch hier gilt:

Du musst Magnesium nicht möglichst hoch einstellen.

Es sollte in einem für Meerwasser sinnvollen und stabilen Bereich liegen.

Salinität kontrollieren

Ein falscher Salzgehalt wird erstaunlich häufig übersehen.

Besonders wenn die Salinität nur selten überprüft wird, kann sich langsam eine Abweichung entwickeln.

Verdunstet Wasser, bleibt das Salz im Aquarium zurück.

Deshalb wird verdunstetes Wasser ausschließlich mit reinem Osmosewasser ersetzt.

Eine funktionierende Nachfüllautomatik hilft dabei, die Salinität stabil zu halten.

Kontrolliere trotzdem regelmäßig mit einem zuverlässigen Messgerät.

Temperatur

Auch die Temperatur sollte möglichst stabil sein.

Kurze kleine Veränderungen sind in einem natürlichen System normal.

Problematisch werden größere oder dauerhafte Schwankungen.

Besonders im Sommer kann die Wassertemperatur unbemerkt deutlich steigen.

Das kann Korallen belasten und ihr Wachstum reduzieren.

Licht: Eine der häufigsten Ursachen

Ohne ausreichend Licht können viele Korallen nicht optimal wachsen.

Die meisten Korallen, die wir im klassischen Riffaquarium pflegen, leben in Symbiose mit Zooxanthellen.

Diese betreiben Photosynthese und stellen der Koralle einen erheblichen Teil der benötigten Energie zur Verfügung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Ist meine Lampe stark genug?

Sondern:

Wie viel nutzbares Licht erreicht die Koralle tatsächlich?

Der PAR-Wert hilft weiter

Das menschliche Auge ist kein gutes Messgerät für Korallenbeleuchtung.

Ein Aquarium kann für uns extrem hell aussehen und an einer bestimmten Stelle trotzdem relativ wenig PAR besitzen.

Umgekehrt kann eine blau eingestellte Beleuchtung subjektiv dunkler wirken und trotzdem eine hohe Intensität liefern.

Eine PAR-Messung schafft hier Klarheit.

Damit kannst Du feststellen, wie viel photosynthetisch aktive Strahlung tatsächlich an der jeweiligen Position ankommt.

Zu wenig Licht

Erhält eine Koralle dauerhaft zu wenig Licht, kann das Wachstum stagnieren.

Je nach Art können zusätzlich Veränderungen auftreten.

Beispielsweise:

  • dunklere oder bräunlichere Färbung
  • veränderte Wuchsform
  • geringe Wachstumsgeschwindigkeit
  • stärkere Streckung in Richtung Licht

Allerdings solltest Du eine vermutete Unterversorgung nicht mit einer plötzlichen drastischen Erhöhung der Beleuchtung beantworten.

Korallen benötigen Zeit zur Anpassung.

Zu viel Licht kann genauso problematisch sein

Mehr Licht bedeutet nicht automatisch mehr Wachstum.

Eine Koralle, die dauerhaft einer deutlich zu hohen Lichtintensität ausgesetzt ist, kann unter Lichtstress geraten.

Mögliche Anzeichen sind:

  • sehr helle Färbung
  • zurückgezogene Polypen
  • Gewebestress
  • im Extremfall Ausbleichen

Gerade neue Korallen sollten deshalb langsam an eine stärkere Beleuchtung gewöhnt werden.

Die richtige Beleuchtungsdauer

Auch die Beleuchtungsdauer spielt eine Rolle.

Eine sehr lange Beleuchtungsphase ersetzt keine passende Intensität.

Umgekehrt muss ein Aquarium nicht 14 Stunden auf voller Leistung laufen, damit Korallen wachsen.

Entscheidend ist die gesamte Lichtversorgung über den Tag und eine möglichst gleichmäßige Routine.

Ständiges Verändern des Beleuchtungsprogramms hilft den Korallen meistens nicht.

Strömung ist mindestens genauso wichtig

Die Bedeutung der Strömung wird häufig unterschätzt.

Korallen können nicht einfach aufstehen und sich einen besseren Platz suchen.

Die Wasserbewegung bringt ihnen:

  • Sauerstoff
  • Nährstoffe
  • Nahrungspartikel

und transportiert gleichzeitig Stoffwechselprodukte ab.

Eine ungeeignete Strömung kann deshalb das Wachstum deutlich beeinflussen.

Zu wenig Strömung

Bei zu geringer Wasserbewegung können sich Ablagerungen auf oder zwischen Korallen sammeln.

Gerade bei verzweigten SPS kann das problematisch werden.

Auch der Stoffaustausch an der Korallenoberfläche wird schlechter.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Du einfach eine stärkere Pumpe kaufen solltest.

Entscheidend ist die Verteilung der Strömung.

Zu starke Strömung

Besonders großpolypige LPS können unter einer zu harten direkten Strömung leiden.

Wenn das fleischige Gewebe einer Euphyllia ständig gegen das eigene Skelett gedrückt wird, ist die Strömung nicht optimal.

Auch andere LPS können ihr Gewebe dann nicht richtig expandieren.

Das Ziel ist deshalb nicht maximale Strömung.

Das Ziel ist eine zur Koralle passende Strömung.

Unterschiedliche Korallen brauchen unterschiedliche Bedingungen

Eine Acropora möchte normalerweise kräftiger beströmt werden als eine Acanthophyllia.

Eine Euphyllia bevorzugt eine andere Wasserbewegung als eine Montipora.

Genau deshalb ist die Platzierung so wichtig.

Nicht jede Stelle im Aquarium eignet sich für jede Koralle.

Nitrat und Phosphat bei null sind nicht automatisch gut

Lange Zeit galt in der Meerwasseraquaristik teilweise das Ziel, Nitrat und Phosphat möglichst vollständig aus dem Aquarium zu entfernen.

Heute wissen wir, dass Korallen und ihre Symbiosepartner Nährstoffe benötigen.

Dauerhaft nicht nachweisbare Werte können problematisch sein.

Das Aquarium wird dadurch nicht automatisch besonders sauber oder gesund.

Im Gegenteil.

Ein starkes Nährstofflimit kann Wachstum und Färbung beeinträchtigen und gleichzeitig das biologische Gleichgewicht verändern.

Aber hohe Nährstoffe sind ebenfalls keine Lösung

Die Konsequenz daraus lautet natürlich nicht, Nitrat und Phosphat möglichst stark anzuheben.

Sehr hohe Werte können ebenfalls problematisch sein.

Es geht um ein ausgewogenes Nährstoffangebot.

Besonders wichtig finde ich dabei wieder die Stabilität.

Ein Aquarium, dessen Phosphat ständig zwischen kaum nachweisbar und deutlich erhöht schwankt, ist für Korallen schwieriger als ein System mit einem konstanten moderaten Wert.

Fütterst Du Deine Korallen ausreichend?

Viele Korallen leben nicht ausschließlich von Licht.

Sie können Nahrungspartikel, Plankton und andere Stoffe aufnehmen.

Besonders viele LPS reagieren positiv auf eine gelegentliche gezielte Fütterung.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Acanthophyllia
  • Trachyphyllia
  • Scolymia
  • Lobophyllia
  • Micromussa
  • Duncanopsammia

Eine maßvolle Fütterung kann das Wachstum unterstützen.

Mehr Futter ist nicht automatisch besser

Wenn eine Koralle nicht wächst, solltest Du nicht einfach täglich große Mengen Staubfutter ins Aquarium geben.

Was nicht aufgenommen wird, landet im System und kann Nitrat sowie Phosphat erhöhen.

Fütterung ist nur ein Baustein.

Eine Koralle mit falscher Beleuchtung oder ungeeigneter Strömung wird nicht plötzlich gesund wachsen, nur weil Du mehr Futter verwendest.

Spurenelemente: Häufig überschätzt

Wenn Korallen nicht wachsen, werden schnell Spurenelemente verdächtigt.

Jod, Eisen, Mangan, Strontium und zahlreiche weitere Elemente spielen im Meerwasseraquarium durchaus eine Rolle.

Das Problem ist:

Ohne Messung weißt Du häufig überhaupt nicht, ob tatsächlich etwas fehlt.

Einfach verschiedene Spurenelemente auf Verdacht zu dosieren, halte ich deshalb für keine gute Strategie.

Denn auch eine Überdosierung kann Probleme verursachen.

ICP-Analyse kann Klarheit schaffen

Wenn die grundlegenden Werte stimmen und die Korallen trotzdem über längere Zeit auffällig schlecht wachsen, kann eine ICP-Analyse sinnvoll sein.

Sie ermöglicht einen deutlich umfangreicheren Blick auf die Wasserzusammensetzung.

Dadurch können beispielsweise bestimmte Mangelzustände oder unerwünschte Elemente sichtbar werden.

Wichtig ist jedoch:

Eine ICP-Analyse ersetzt nicht die tägliche Beobachtung des Aquariums.

Schadstoffe und Schwermetalle

Manchmal liegt die Ursache dort, wo niemand zuerst sucht.

Korrodierende Pumpenteile, Magnete oder ungeeignete Metallgegenstände können unerwünschte Stoffe ins Wasser abgeben.

Auch belastetes Ausgangswasser kann eine Rolle spielen.

Wenn mehrere unterschiedliche Korallen gleichzeitig schlecht wachsen und die üblichen Wasserwerte unauffällig erscheinen, lohnt sich deshalb auch ein Blick auf mögliche Schadstoffquellen.

Osmosewasser nicht vergessen

Gutes Meerwasser beginnt beim Ausgangswasser.

Eine Osmoseanlage sollte deshalb regelmäßig kontrolliert und gewartet werden.

Besonders das nachgeschaltete Mischbettharz kann irgendwann erschöpft sein.

Wer ausschließlich das Aquarium misst, aber niemals sein Ausgangswasser kontrolliert, übersieht möglicherweise einen entscheidenden Faktor.

Der pH-Wert

Auch der pH-Wert kann das Wachstum von Steinkorallen beeinflussen.

Besonders in sehr dicht geschlossenen Wohnräumen kann sich viel CO₂ in der Raumluft sammeln.

Dadurch kann auch der pH-Wert des Aquariums niedriger ausfallen.

Eine gute Oberflächenbewegung und ein funktionierender Abschäumer unterstützen den Gasaustausch.

Bevor Du jedoch irgendwelche Mittel zur Erhöhung des pH-Wertes verwendest, solltest Du zunächst verstehen, warum der Wert niedrig ist.

Ist Dein Aquarium überhaupt biologisch stabil?

Dieser Punkt lässt sich schwerer messen als KH oder Calcium.

Ein Aquarium kann auf dem Papier perfekte Wasserwerte besitzen und trotzdem biologisch noch sehr jung oder instabil sein.

Besonders neue Aquarien verändern sich ständig.

Bakterienpopulationen entwickeln sich, Oberflächen werden besiedelt und Nährstoffkreisläufe stabilisieren sich erst nach und nach.

Deshalb wachsen manche Korallen in einem jungen Aquarium zunächst deutlich schlechter als später im selben System.

Geduld ist ein echter Wachstumsfaktor

Man kann Geduld nicht mit einem Wassertest messen.

Trotzdem gehört sie zu erfolgreicher Korallenhaltung.

Wer jede Woche etwas verändert, gibt seinem Aquarium kaum die Möglichkeit, sich zu stabilisieren.

Montag wird die Beleuchtung verändert.

Mittwoch wird Phosphat erhöht.

Freitag kommt ein neues Spurenelement.

Sonntag wird die Strömung umgebaut.

Eine Woche später weiß niemand mehr, welche Veränderung welche Wirkung hatte.

Wenn Du etwas änderst, gib dem Aquarium anschließend Zeit.

Ständiges Umsetzen kann Wachstum verhindern

Eine Koralle öffnet sich an ihrem Platz nicht perfekt.

Also wird sie umgesetzt.

Zwei Tage später gefällt Dir die Farbe nicht.

Sie wandert wieder.

Dann erscheint die Strömung zu schwach.

Also noch einmal umsetzen.

Jeder Standortwechsel bedeutet neue Bedingungen.

Licht, Strömung und teilweise auch die Nähe zu anderen Korallen verändern sich.

Manchmal ist es deshalb besser, einer Koralle etwas Zeit zur Anpassung zu geben.

Konkurrenz zwischen Korallen

Korallen kämpfen um Lebensraum.

Das geschieht nicht immer offensichtlich.

Einige LPS bilden lange Kampftentakel aus und können benachbarte Korallen vernesseln.

Andere Korallen wachsen direkt über ihre Nachbarn.

Weichkorallen können wiederum verschiedene Stoffe an das Wasser abgeben und damit andere Korallen beeinflussen.

Wenn eine einzelne Koralle nicht wächst, während alle anderen hervorragend stehen, solltest Du deshalb auch ihre unmittelbare Umgebung betrachten.

Genügend Abstand einplanen

Ein kleiner Ableger wirkt zunächst harmlos.

Später kann daraus eine große Kolonie werden.

Plane deshalb von Anfang an ausreichend Platz ein.

Besonders Euphyllia, Galaxea und andere Korallen mit teilweise weitreichenden Kampftentakeln benötigen Abstand zu ihren Nachbarn.

Nächtliche Beobachtung kann hier sehr aufschlussreich sein.

Schädlinge können Wachstum bremsen

Wenn nur eine bestimmte Korallenart betroffen ist, solltest Du auch an spezialisierte Schädlinge denken.

Je nach Koralle können beispielsweise Nacktschnecken, Strudelwürmer oder andere unerwünschte Organismen eine Rolle spielen.

Nicht jeder Schädling ist sofort sichtbar.

Manche verstecken sich tagsüber hervorragend.

Eine genaue Kontrolle, eventuell auch nach Ausschalten der Beleuchtung, kann deshalb sinnvoll sein.

Fische können ebenfalls die Ursache sein

Nicht jeder als riffgeeignet angebotene Fisch ignoriert jede Koralle.

Einzelne Tiere können plötzlich beginnen, an Polypen zu zupfen.

Das muss nicht immer zu sichtbaren Verletzungen führen.

Wenn eine Koralle aber den ganzen Tag gestört wird und ihre Polypen kaum noch öffnet, kann das ihr Wachstum beeinträchtigen.

Beobachte Dein Aquarium deshalb auch einmal aus etwas Entfernung.

Manche Fische benehmen sich nämlich erstaunlich vorbildlich, solange Du direkt vor der Scheibe stehst.

Wachstum kostet Energie

Eine Koralle investiert Energie nicht ausschließlich in Wachstum.

Sie benötigt Energie auch für:

  • Stoffwechsel
  • Regeneration
  • Schleimproduktion
  • Abwehr
  • Anpassung an Licht
  • Reparatur kleiner Verletzungen

Steht eine Koralle dauerhaft unter Stress, bleibt entsprechend weniger Energie für Wachstum übrig.

Deshalb ist fehlendes Wachstum häufig kein isoliertes Problem, sondern ein Hinweis darauf, dass die Bedingungen noch nicht optimal zusammenspielen.

Nicht jeder Stillstand ist ein Problem

Korallen wachsen nicht zwangsläufig das ganze Jahr über mit exakt derselben Geschwindigkeit.

Es kann Phasen stärkeren und schwächeren Wachstums geben.

Auch nach dem Fragmentieren, Umsetzen oder Transport kann eine Wachstumspause auftreten.

Solange das Gewebe gesund aussieht, die Koralle normal expandiert und keine weiteren Auffälligkeiten zeigt, besteht nicht sofort Handlungsbedarf.

Wenn plötzlich alle Korallen langsamer wachsen

Dann würde ich systematisch prüfen.

Gab es eine Veränderung?

Zum Beispiel:

  • neues Salz
  • neue Beleuchtung
  • geänderte Lampeneinstellung
  • neue Dosierung
  • Wechsel des Versorgungssystems
  • neue Filtermedien
  • größere Reinigung
  • Veränderung der Strömung
  • neuer Fischbesatz
  • Temperaturanstieg
  • veränderte Nährstoffwerte

Manchmal liegt die Ursache zeitlich ziemlich genau dort, wo das Problem begonnen hat.

Wenn nur eine Koralle nicht wächst

Dann ist ein grundsätzliches Wasserproblem weniger wahrscheinlich.

Prüfe zuerst:

  • Standort
  • Licht
  • Strömung
  • Abstand zu Nachbarkorallen
  • mögliche Schädlinge
  • mögliche Fischattacken
  • artspezifische Wachstumsgeschwindigkeit

Nicht jedes Problem verlangt nach einer Veränderung der gesamten Wasserchemie.

Die Reihenfolge bei der Fehlersuche

Wenn Deine Korallen nicht wachsen, würde ich nicht wahllos alles gleichzeitig verändern.

Gehe lieber Schritt für Schritt vor.

1. Koralle beobachten

Sieht das Gewebe gesund aus? Öffnen sich die Polypen? Gibt es Verletzungen oder Verfärbungen?

2. Wachstum dokumentieren

Vergleiche ältere Fotos. Vielleicht wächst die Koralle stärker, als Du denkst.

3. Grundlegende Wasserwerte kontrollieren

Salinität, Temperatur, KH, Calcium, Magnesium, Nitrat und Phosphat.

4. Schwankungen überprüfen

Nicht nur den heutigen Wert betrachten. Wie haben sich die Werte in den letzten Wochen entwickelt?

5. Beleuchtung prüfen

Passt die Lichtintensität zur Korallenart? Im Zweifel PAR messen.

6. Strömung beobachten

Wird die Koralle sinnvoll umströmt oder direkt angeblasen?

7. Standort kontrollieren

Kann eine Nachbarkoralle sie vernesseln oder beschatten?

8. Fütterung betrachten

Bekommt die Koralle ausreichend Nahrung und Nährstoffe?

9. Schädlinge ausschließen

Besonders wenn nur einzelne Arten betroffen sind.

10. Bei weiterhin ungeklärten Problemen genauer analysieren

Dann kann beispielsweise eine ICP-Analyse sinnvoll werden.

Diese Reihenfolge verhindert, dass Du aufgrund eines einzigen schlecht wachsenden Ablegers das komplette Aquarium auf den Kopf stellst.

Was Du besser nicht tun solltest

Wenn eine Koralle nicht wächst, würde ich nicht sofort:

  • die Beleuchtung drastisch erhöhen
  • täglich Spurenelemente dosieren
  • große Mengen Korallenfutter verwenden
  • Nitrat oder Phosphat stark verändern
  • die Koralle alle paar Tage umsetzen
  • mehrere Parameter gleichzeitig korrigieren

Je mehr Dinge Du gleichzeitig veränderst, desto schwieriger wird die Ursachenfindung.

Unsere Erfahrungen bei Korallenland

Die Frage „Warum wächst meine Koralle nicht?“ lässt sich selten mit einem einzigen Wasserwert beantworten.

In der Praxis sehen wir häufig, dass die gemessenen Werte auf den ersten Blick vollkommen in Ordnung sind.

Erst beim genaueren Hinsehen zeigt sich dann beispielsweise eine ungeeignete Strömung, zu wenig Licht an der tatsächlichen Position oder eine KH, die zwar bei jeder einzelnen Messung akzeptabel aussieht, über die Woche aber deutlich schwankt.

Auch zu niedrige Nährstoffe werden aus unserer Sicht immer noch unterschätzt.

Ein möglichst nährstoffarmes Aquarium ist nicht automatisch ein besonders gutes Riffaquarium.

Gleichzeitig würden wir nicht bei jeder langsam wachsenden Koralle sofort zusätzliche Mittel dosieren.

Unsere bevorzugte Reihenfolge lautet:

Erst beobachten, dann messen, anschließend verstehen und erst danach verändern.

Das spart häufig nicht nur Geld, sondern erspart dem Aquarium auch unnötigen Stress.

Das beste Zeichen ist kontinuierlicher Verbrauch

Wenn Steinkorallen wachsen, verbraucht das Aquarium zunehmend KH und Calcium.

Dieser Verbrauch entwickelt sich häufig langsam.

Genau deshalb lohnt es sich, Messwerte zu dokumentieren.

Wenn Du nach einigen Monaten feststellst, dass Dein Aquarium inzwischen deutlich mehr KH verbraucht als früher, ist das meistens ein ziemlich schönes Problem.

Denn irgendwo wird dieses Material verbaut.

Idealerweise in immer größeren Korallenkolonien.

Ein Riff braucht Zeit

Wir sehen häufig spektakuläre Riffaquarien mit riesigen Acropora-Kolonien und vergessen dabei schnell, wie diese Aquarien am Anfang aussahen.

Auch das schönste Riff hat einmal mit kleinen Korallen begonnen.

Korallenwachstum findet über Monate und Jahre statt.

Ein stabiles Aquarium mit kontinuierlichem moderatem Wachstum ist deshalb langfristig wesentlich wertvoller als ein System, das mit ständig wechselnden Maßnahmen möglichst schnell zu Wachstum gezwungen werden soll.

Fazit

Wenn Deine Korallen nicht wachsen, fehlt nicht automatisch ein bestimmtes Produkt oder Spurenelement.

Korallenwachstum entsteht durch das Zusammenspiel vieler Faktoren.

Besonders wichtig sind stabile Wasserwerte, eine passende Beleuchtung, geeignete Strömung, ausreichende Nährstoffe und eine insgesamt stabile Biologie.

Hinzu kommen die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Korallenart.

Eine Acropora kannst Du nicht nach denselben Maßstäben beurteilen wie eine Acanthophyllia.

Bevor Du etwas veränderst, solltest Du deshalb zunächst genau beobachten und messen.

Und vor allem:

Gib Deinen Korallen Zeit.

Manchmal ist die beste Maßnahme tatsächlich, nicht noch eine Flasche in den Unterschrank zu stellen, sondern das Aquarium einige Wochen stabil laufen zu lassen.

Wenn Licht, Strömung, Wasserchemie und Nährstoffversorgung zusammenpassen, kommt das Wachstum häufig ganz von allein.

Und aus dem kleinen Ableger, bei dem Du Dich heute noch fragst, warum er eigentlich nicht wächst, kann einige Jahre später genau die Kolonie werden, die Du zurückschneiden musst.

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Gerd Raabe
Korallenland by Raabe Aquaristik
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Tel.: +49 (0)8546 973568 • E-Mail: info@korallenland.de

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